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Mitteilungen des SOCIUM seit 2015, aber auch ältere Mitteilungen aus dem ZeS und EMPAS aus den Jahren 2014 bis 2008.

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Festschrift zum 65. Geburtstag von Frank Nullmeier erschienen

Die Festschrift ehrt mit Frank Nullmeier ein langjähriges Mitglied des SOCIUM und einen der bedeutendsten deutschen Politikwissenschaftler der Gegenwart. Der Band erlaubt Einblicke in sein breites wissenschaftliches Werk, gibt aber auch einen guten Überblick über einige der wichtigsten Themen, die heute in der Politikwissenschaft diskutiert werden: von zentralen Debatten in der Politischen Theorie, etwa zur Legitimitäts- oder zur Demokratietheorie, über Schlüsselfragen moderner Sozialstaatlichkeit bis hin zur Erforschung einzelner Politikfelder und zur Verwaltungsforschung. Darüber hinaus zeichnen die Beiträge spannende Schnittstellen zu Nachbardisziplinen nach, etwa zu Philosophie oder Soziologie.

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Kontakt:
PD Dr. Tanja Pritzlaff-Scheele
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58579
E-Mail: tanja.pritzlaff@uni-bremen.de

13. Mai 1945 - 27. Mai 2022

Wir trauern um Prof. Dr. Gerd Glaeske, Gesundheitswissenschaftler und Pionier der Versorgungsforschung, der im Alter von 77 Jahren am 27. Mai nach langer Krankheit verstorben ist.

Gerd Glaeske verstand seine Arbeit konsequent im Dienst der Wissenschaft und im Auftrag der Patientinnen und Patienten. Vorrangig bedeutete das für ihn, die medizinische Versorgung mit Arzneimitteln unter dem Gesichtspunkt der Evidenz zu analysieren – sowie Nutzen und Risiken abzuschätzen und zu bewerten. Über seine gesamte berufliche Laufbahn folgte er dabei drei zentralen Fragestellungen: Wo und in welchen Krankheitsbereichen kommt es zur Über-, Unter- oder Fehlversorgung mit Arzneimitteln, welche Alternativen bieten Pharmaindustrie und Gesundheitswesen und wie können Politik und Gesetzgeber den Prozess der Arzneimittelversorgung im Interesse der Patientinnen und Patienten verbessern?

Gerd Glaeskes außerordentliche Expertise und sein Wunsch, mehr Licht in das Dunkel der deutschen Arzneimittelversorgung zu bringen, äußerten sich in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen. Allein in der internationalen Fachdatenbank für medizinische Literatur pubmed.gov finden sich mehr als 140 Veröffentlichungen mit seiner (Co-)Autorenschaft. Darüber hinaus hat er als (Mit-)Herausgeber des „Lehrbuchs für Versorgungsforschung“ maßgeblich daran mitgewirkt, das Fach Versorgungsforschung in Deutschland zu etablieren und die Studierenden an dieses Fach didaktisch fundiert heranzuführen.

Als Fachapotheker für Arzneimittelinformation im besten Sinne lag ihm der Transfer der wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse zur Arzneimitteltherapie in die breite Öffentlichkeit besonders am Herzen. Spektakulär arbeitete er bereits in jungen Jahren als fachlicher Berater für das erste große Medikamenten-Nachschlagewerk im deutschen Sprachraum, „Bittere Pillen“ (1983). Dieses Buch wurde über Jahrzehnte als „die“ Bibel zur Verhinderung von Arzneimittelmissbrauch bezeichnet. Es folgten eine Vielzahl von Publikationen für die Stiftung Warentest und Bücher, die sich direkt an die Patientinnen und Patienten richteten, begleitet von zahlreichen Interviews, Hörfunk- und Fernsehbeiträgen.

Gerd Glaeske studierte Pharmazie in Aachen und Hamburg, wo er in pharmazeutischer Chemie mit den weiteren Prüfungsfächern Wissenschaftstheorie und Pharmakologie promovierte. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann er 1981 als Mitarbeiter am Bremer Institut für Sozialmedizin und Präventionsforschung (BIPS) sowie als Abteilungsleiter der Arzneimittelepidemiologie unter der Institutsleitung von Prof. Dr. Eberhard Greiser.

Vor dem Hintergrund seines gesundheitspolitischen Engagements entschied sich Gerd Glaeske ab 1988 den engen wissenschaftlichen Kontakt mit den Gesetzlichen Krankenkassen zu suchen. Das führte ihn von 1988 bis 1992 zur AOK Mettmann. Als Leiter des Pharmakologischen Beratungsdienstes gewann er differenzierte Einblicke in die Daten der Krankenkasse und konnte mit der entsprechenden Analyse bisher unbekannte Versorgungsstrukturen, regionale und fachärztliche Unterschiede und Fehlentwicklungen erkennen. Es war unter anderem der Beginn der Versorgungsforschung, die heute in einem breiten Netzwerk universitär etabliert und anerkannt ist. Von Mettmann wechselte er nach Wuppertal zur Barmer Ersatzkasse und arbeitete weiter kontinuierlich an der Verbesserung der Versorgung bis 1999 bei verschiedenen Krankenkassen wie auch beim Verband der Ersatzkassen (vdek).

Im Jahr 1999 übernahm er an der Universität Bremen eine Stiftungsprofessur für Arzneimittelanwendungsforschung am Zentrum für Sozialpolitik (ZeS), um sich weiter der Wissenschaft zu widmen. Zudem leitete er die Forschungseinheit „Arzneimittelberatung und Arzneimittelinformation“.  Ab 2007 hatte er die Position des Co-Leiters der Abteilung Gesundheitsökonomie, Gesundheitspolitik und Versorgungsforschung am ZeS sowie später der Abteilung Gesundheit, Pflege und Alterssicherung des SOCIUM der Universität Bremen inne. Als Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung hat er zentral daran mitgewirkt, ein Fach an deutschen Universitäten zu etablieren, das es sich zur Aufgabe macht, die Gesundheitsversorgung kritisch zu analysieren und auf dieser Basis praktische, evidenzbasierte Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Kranken- und Gesundheitsversorgung zu erarbeiten.

Gerd Glaeske analysierte Arzneimittel vom Molekül bis zur Anwendung präzise. Kritische Entwicklungen sprach er offen an und wandte sich bewusst gegen geschönte Studiendaten der Industrie. Die daraus entstehenden juristischen Auseinandersetzungen nahm er in Kauf. Hierbei verstand er sich immer und vor allem als Anwalt der Patientinnen und Patienten und im Einsatz für ein sozial gerechteres Gesundheitswesen.

Seine Expertise war gefragt

Von 2003 bis 2009 war Gerd Glaeske Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, 2003 bis 2018 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundeszentrale für Wissenschaftliche Aufklärung (BZgA), von 2008 bis 2013 Mitglied in der Betäubungsmittelkommission des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), von 2007 bis 2009 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats zur Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs beim BVA. Ab 2006 Mitglied im Vorstand des Deutschen Netzwerkes Versorgungsforschung (DNVF), bis 2014 im geschäftsführenden Vorstand, 2015 zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit ernannt, ab 2008 Mitherausgeber der Zeitschrift Prävention und Gesundheitsforschung, ab 2010 stellvertretender Sprecher des Wissenschaftlichen Kuratoriums der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.


Kontakt:
Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
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Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Neues Forum für Austausch, Diskussion und Information

Angefangen bei Alterssicherung und Arbeitsmarkt über Einkommensverteilung, Frauen, Familie und Kindern, bis zu Gesundheit, Pflege und vielem mehr – Sozialpolitik umfasst eine Vielfalt von unterschiedlichen Themenbereichen. Genauso verschieden wie die Themen sind auch die im Sozialstaat tätigen Akteure aus Politik und Zivilgesellschaft sowie die Wissenschaftler, die zu den vielfältigen Aspekten dieses zentralen Politikfeldes forschen und lehren.

Der sozialpolitikblog wird mit regelmäßigen Beiträgen, Gesprächen und Rezensionen auf aktuelle Fragestellungen rund um Sozialpolitik eingehen und die Expertisen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft einem interessierten Fachpublikum zugänglich machen. Dabei sollen Hintergründe erläutert, neue Entwicklungen aufgezeigt, Fragen aufgeworfen und Zusammenhänge hergestellt werden.

Mitglieder der Redaktion sind Prof. Dr. Frank Nullmeier und Dr. Pia Jaeger.

„Die beharrliche Mitte“ untersucht die Vorstellungen des guten Lebens und Formen der Statusarbeit in den deutschen Mittelschichten

Trotz der verbreiteten Sorge um eine „Krise der Mittelschichten“ wissen wir erstaunlich wenig darüber, was da eigentlich in die Krise geraten ist: Wie läuft es denn in der Mittelschicht, wenn es läuft? Nils Kumkar, Stefan Holubek-Schaum, Karin Gottschall, Betina Hollstein und Uwe Schimank haben sich dieser Frage gewidmet. In ganz Deutschland haben sie lebensgeschichtliche Gespräche mit Angehörigen der deutschen Mittelschichten, sowie im Vergleich auch mit Personen aus den oberen Mittelschichten und den Unterschichten geführt. In ihrer Studie konnten sie so herausarbeiten, dass sich die Lebensführung der Mittelschichten an drei unterschiedlichen, impliziten Vorstellungen des guten Lebens orientiert: an Gemeinschaft, an Berufsstolz oder an ökonomischer Statusverbesserung. Auch wenn alle Befragten über weite Strecken ihrer Biographie alltäglich an der Sicherung oder Mehrung ihres ökonomischen Status arbeiten (müssen), unterscheidet sich ihr Erleben von Herausforderungen und Chancen systematisch danach, „wofür es sich zu leben lohnt“ – eine Erkenntnis, die für das Verständnis davon, wie die Mittelschichten auf die verschiedenen Krisen der Gegenwart reagieren, zentral sein dürfte.

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Kontakt:
Dr. Nils C. Kumkar
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58620
E-Mail: kumkar@uni-bremen.de

Das Land Bremen fördert das Forschungscluster bis zum 31.12.2025

Es handelt sich dabei um ein Verbundprojekt des Wissenschaftsschwerpunkts Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen mit der Hochschule Bremen und der Apollon-Hochschule Bremen, in dessen Rahmen sechs Qualifizierungsstellen eingerichtet und gemeinsam von den Professor:innen der verschiedenen Bremer Hochschulen betreut werden. Das SOCIUM ist durch Prof. Dr. Heinz Rothgang vertreten.

Übergreifendes Ziel des Cluster ist es, lokal einen Beitrag Umsetzung der Ziele des Rahmenkonzept der „gesunden Stadt“ in Europa (WHO European Healthy Cities Network) zu ermöglichen. Mit diesem Rahmenkonzept liegt eine internationale Vision vor, die auf die Reduktion gesundheitlicher Ungleichheiten, guter Governance und die Berücksichtigung von Gesundheit bzw. Gesundheitsförderung in allen Sektoren abzielt. Zentral hierfür ist die Etablierung einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit für eine gesundheitsfördernde Stadtentwicklung. Ebenso zentral hierfür ist die Schaffung eines leistungsfähigen Versorgungssystems, in dem die verschiedenen Gesundheitsberufe integriert und auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Das Forschungcluster wird in seiner Laufzeit – unter Berücksichtigung der spezifischen Besonderheiten Bremens und seiner gesundheitswissenschaftlichen Stärken – die aktuellen Gegebenheiten untersuchen, partizipativ und kollaborativ Vorschläge erarbeiten und ein Konzept für die nachhaltige Förderung und Umsetzung von Strukturen der integrierten Gesundheitsversorgung in Bremen vorlegen. Die praktische Bearbeitung ist sechs Qualifizierungsprojekten organisiert, die bis zum 19.4.22 ausgeschrieben sind (Stellenausschreibungen Universität Bremen)

In einem Post-Doktorand:in-Projektist die koordinierende Funktion für das Forschungscluster und die Ergebnisintegration aus allen Projekten verbunden. Es wird ein Konzept für ein integriertes kleinräumiges Monitoring mit Verbindung der Bereiche Gesundheit, Soziales und Umwelt entwickelt und mit Bremischen Daten zur Entscheidungsunterstützung in der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit für eine nachhaltige, klimagerechte und gesundheitsfördernde Stadtentwicklung erprobt.

Fünf Promotionsprojekte bearbeiten die nachfolgenden spezifischen Einzelaspekte:

  • Untersuchung der förderlichen Bedingungen des Einsatzes digitaler Technologien zur Verbesserung sozialer Interaktion und Teilhabe von Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf vor dem Hintergrund gewachsener lokaler Strukturen
    Kontakt: Prof. Dr. Heinz Rothgang (rothgang@uni-bremen.de)
  • Erhebung von Differenzen und Übereinstimmungen in der Wahrnehmung gesundheitlicher Risiken bei Jugendlichen einerseits und lokalen Präventionsfachkräften andererseits sowie partizipative Entwicklung passgenauer, im lokalen Quartier verankerter, präventiver Maßnahmen
  • Erhebung der Bedingungen für eine integrierte und interprofessionelle Gesundheitsversorgung in quartiersbezogenen Gesundheitszentren in Bremen im Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett aus Sicht von Nutzer:innen und Mitarbeitenden
  • Realistische Evaluation der Wirkweise präventiver Hausbesuche bei älteren Menschen und Analyse fördernder und hemmender Faktoren für deren Umsetzung
  • Analyse zu Klimafreundlichkeit und Resilienz der Versorgung, Entwicklung eines standardisierbaren Indikators zur Klimafreundlichkeit unter Verwendung von Lebenszyklus­analysen, Anwendung des Indikators auf Leistungserbringer, Ableitung von Optimierungsimpulsen

Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Portrait Gerd GlaeskePortrait Gerd Glaeske
Abschließende Bewertung innovativer Arzneimittel der Jahre 2013 bis 2020 in der Versorgungsrealität

Neue Arzneimittel: nicht innovativ, trotzdem verordnet

Der Innovationsreport 2021 macht aus Sicht von Professor Dr. Gerd Glaeske die Schwachstellen in der Arzneimittelforschung deutlich. „Es kommen zu wenig Arzneimittel auf den Markt, von denen Patient*innen wirklich profitieren. Dennoch werden die von uns als nicht innovativ bewerteten Medikamente verordnet. Das Missverständnis, dass „neu“ automatisch auch „innovativ“ im Sinne eines verbesserten Patient*innennutzens bedeutet, muss endlich ausgeräumt werden. Wir sehen: Der Nutzen von Medikamenten bleibt oft unbestimmt oder marginal, die Preise steigen dagegen exorbitant.“ Eine Auswertung von TK-Daten zu in den vergangenen Jahren neu auf den Markt gekommenen Medikamenten zeigt: 62 % der verordneten Tagesdosen sind anhand der Bewertung nicht innovativ, nur neun Prozent der verordneten Tagesdosen entfallen auf echte therapeutische Fortschritte.

Preisanstieg von über 1.000 Prozent

Eine weitere Zahl aus acht Jahren Innovationsreport bewertet, wie die neuen Arzneimittel der Jahre 2010 bis 2017 sich im Markt bewährten: Der durchschnittliche Packungspreis dieser Medikamente ist um fast 1.200 % gestiegen. „Patentgeschützte Arzneimittel sind hierzulande im internationalen Vergleich zu teuer“, so Glaeske. Das im Jahr 2011 in Kraft getretene Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) zeige zwar Wirkung, habe aber weiterhin Schwächen, die die Politik dringend angehen müsse. „Es ist ein Fehler im System, dass die Unternehmen die Kosten bei Markteintritt frei und völlig intransparent festlegen können. Ist ein extrem hoher Preis auf diesem Weg erst einmal etabliert, setzt dieser die Marke für die nachfolgenden Medikamente, da die Kosten anhand der Vergleichstherapie bestimmt werden – ein Teufelskreis“, sagt Glaeske. Sogenannte Orphan Drugs zur Behandlung von seltenen Erkrankungen sollten bei der Zulassung nicht länger den Vorzug haben, dass ihr Zusatznutzen im Vergleich zu anderen Therapien von vornherein als belegt gilt.

Der Innovationsreport zeigt weitere Maßnahmen und ihre Einsparpotenziale für die GKV auf. „Die Ausgaben im Arzneimittelbereich steigen kontinuierlich – es ist klar, dass etwas passieren muss, kurz- wie langfristig. Wir brauchen faire Preise für neue Arzneimittel, die sich an ihrem tatsächlichen Nutzen und den tatsächlichen Forschungskosten orientieren“, sagt auch Dr. Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der TK.

Download Innovationsreport 2021


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Schwerpunkte bleiben der Ausbau der Forschungsdatenarchivierung und –bereitstellung sowie Informationsangebote und die Fortführung von Diskussionen zum Forschungsdatenmanagement

Das Forschungsdatenzentrum Qualiservice am SOCIUM-Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erhält eine weitere Förderung der DFG. Schwerpunkte bleiben der Ausbau der Forschungsdatenarchivierung und –bereitstellung sowie Informationsangebote und die Fortführung von Diskussionen zum Forschungsdatenmanagement. Forschende in den ethnologischen Fächern werden in der kommenden Förderphase vermehrt auch bei der Archivierung anspruchsvoller Datenformate wie z.B. Social Media- und audiovisuellen Daten unterstützt.

Die DFG hat jüngst eine weitere Förderperiode für den Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA) für die Jahre 2022 bis 2024 bewilligt. Damit wird die intensive Zusammenarbeit des überregionalen Forschungsdatenzentrums (FDZ) Qualiservice mit der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin bei der Entwicklung eines umfangreichen Serviceangebots für die ethnologischen Fächer gewürdigt und kann weiter ausgebaut werden. Das FDZ Qualiservice beteiligte sich erneut am Fortsetzungsantrag des Fachinformationsdienstes, der jetzt von der DFG bewilligt wurde. Ziel bleibt der Ausbau von Qualiservice als Fachrepositorium für qualitative ethnologische Forschungsdaten, um deutschlandweit eine adäquate Lösung für die komplexe Archivierungssituation der zum Teil hochsensiblen Forschungsdaten anbieten zu können. In Zukunft sollen auch weitere Datenformate, insbesondere mehrsprachige Forschungsdaten, Social Media- und audiovisuelle Daten in einer sicheren Umgebung archiviert und für die geschützte Weiternutzung in der Forschung und ausgewählte Materialien auch für die Lehre zugänglich gemacht werden. Aufgrund der hohen rechtlichen, ethischen und methodologischen Anforderungen an die Archivierung solcher Forschungsdaten wird es anfangs vor allem um die explorative Sondierung von Archivierungsmöglichkeiten gehen. Begleitet werden diese rechtlich-technischen Prüfungen durch Informationsangebote an die ethnologischen Fächer und die Fortführung von Diskussionen zum fachlichen Umgang mit diesen Entwicklungen. Im Bereich der Kooperation mit der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) ist der FID SKA über Qualiservice in das KonsortSWD eingebunden und koppelt wichtige Diskussionen zurück an die ethnologischen Fächer.

Das FDZ Qualiservice freut sich, seine Arbeit und Services weitere drei Jahre vertiefen und ausbauen zu können und den ethnologischen Fächern als Partner für Infrastrukturfragen zur Verfügung zu stehen.

Weitere Informationen

https://www.qualiservice.org/

http://www.socium.uni-bremen.de/

https://www.ub.hu-berlin.de/de/literatur-suchen/fachinformationsdienste/ssg-volks-und-voelkerkunde/ssg-volks-und-voelkerkunde.html

www.uni-bremen.de

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Betina Hollstein
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Universität Bremen
Tel.: +49 421 218-58512
E-Mail: betina.hollstein@uni-bremen.de

Foto Glaeske: ©Raphael Hünerfauth, photothek.netFoto Glaeske: ©Raphael Hünerfauth, photothek.net
Sofortprogramm: der erste Tag des neuen Bundesgesundheitsministers

Die Autorengruppe nutzt das Momentum des derzeitigen politischen Wandlungsprozesses für eine kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Pandemiebekämpfung und formuliert konkrete Vorschläge für eine zielgerichtete Pandemiebekämpfung unter der zukünftigen Bundesregierung. Als grundsätzliches Konzept wird vorgeschlagen, dass die Pandemie als komplexes System gesehen werden soll. Ein erfolgsorientiertes Umgehen mit einer Pandemie erfordere die Kenntnis ihrer wesensmäßigen Eigenschaften, die Erweiterung der Kenntnisse durch iterative Interventionen und als Grundlage aller Anstrengungen gesellschaftliches Selbstbewusstsein und Offenheit gegenüber unterschiedlichen Lösungsansätzen.

Konkret identifizieren die Autoren in ihrer aktuellen Stellungnahme zwölf zentrale Handlungsfelder, ihre Problemlagen und die zukünftigen Vorgehensweisen für eine erfolgreiche Pandemiebekämpfung. Zentral sei es dabei bspw. für die Autorengruppe, dass die Kommunikation in Risikosituationen zwischen politischer Führung und der Bevölkerung maßgeblich verbessert wird, indem von einer Top-Down initiierten Kommunikation abgesehen wird und stattdessen ein bidirektionaler Austausch stattfindet. In diese neue Kommunikationsstrategie einfließen sollte demnach auch ein Neuanfang im Bereich der Impfkampagne. Dem zum Teil herrschenden Misstrauen bezüglich der Impfung sollte mit einer offeneren Strategie im Bereich der Dokumentation von Nebenwirkungen entgegnet werden.

Auf der Ebene der medizinischen Versorgung gilt es in Zukunft ein aussagekräftiges Score-System zu erarbeiten, dass die Vielschichtigkeit einer Pandemiesituation berücksichtigt. Gleichzeitig hat die Pandemie den Handlungsdruck in der stationären Pflege offengelegt. Hier ist eine Zusammenarbeit der politischen und gesellschaftlichen Akteure gefragt, um langfristig ein für Entlastung sorgendes Maßnahmenpaket zu erarbeiten. In diesem Zusammenhang sollte auch die Organisation der prästationären Versorgung verbessert werden, sodass eine stationäre Aufnahme effizienter und effektiver erfolgen kann.

Insgesamt hat die Corona-Pandemie eine Schwäche in der Kooperation zwischen Wissenschaft und Politik offengelegt, die es zu reflektieren und zu verbessern gilt. Gemeinsam müssen funktionale Plattformen entwickelten werden, die unter den Stichworten Antizipation, Prävention und Resilienz eine bestmögliche Pandemiebekämpfung ermöglichen.

Stellungnahme


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Frau Prof. Dr. Hongsoo Kim wieder zu Gast im SOCIUM

Kim Hongsoo, Professor of Health Policy and Aging der Graduate School of Public Health an der Seoul National University in Südkorea, ist seit dem 1.12.2021 für drei Monate im SOCIUM zu Gast. Dies ist der zweite von drei Aufenthalten der Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin in der Abteilung Gesundheit, Pflege und Alterssicherung. Kim Hongsoo war bereits von Dezember 2019 bis Ende Februar 2020 in Bremen. Der zweite Besuch musste aufgrund der Pandemie um ein Jahr verschoben werden. Ihr dritter Besuch ist für Dezember 2022 geplant.

Kim Hongsoo forscht zum Themenbereich Langzeitpflegesysteme in Südkorea, Japan und Deutschland aus vergleichender Perspektive. Sie hat bereits zusammen mit der Projektgruppe A04, „Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege als neues soziales Risiko“ des Sonderforschungsbereichs 1342 „Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik“ zwei Artikel veröffentlicht (s.u.). Weitere Publikationen sind geplant.

Kim Hongsoo bleibt bis Ende März 2022 in Bremen.

Publikationen:
Hongsoo, Kim; Jeon, Boyoung; Frisina Doetter, Lorraine; Tamiya, Nonako; Hashimoto, Hideki, 2021: Same same but different? Comparing institutional performance in the long-term care systems of Japan and South Korea, in: Social Policy & Administration, Online first, doi:10.1111/spol.12761, 19.08.2021.

Fischer, Johanna; Hongsoo, Kim; Frisina Doetter, Lorraine; Rothgang, Heinz, 2021: Social long-term care insurance: An idea traveling between countries?, in: Nullmeier, Frank; González de Reufels, Delia; Obinger, Herbert (Hg.), International Impacts on Social Policy. Short Histories in a Global Perspective, Global Dynamics of Social Policy, Cham: Palgrave Macmillan, (im Erscheinen)

Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2021 im Auftrag der BARMER

Heute wurde in Berlin der diesjährige BARMER Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die Wirkungen der letzten Pflegereformen aufgezeigt und daraus Schlüsse für die zukünftige Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen gezogen. Aus der Anzahl und Zusammensetzung der Pflegebedürftigen wird sich entsprechend ein Personal- und Finanzierungsbedarf entwickeln. Im Jahr 2025 und in den Folgejahren wird die Anzahl der Pflegebedürftigen um 1.000.000 höher liegen als mit konventionellen Methoden vorausgesagt. Im Report wurde die aktuelle Pflegepolitik hinsichtlich der Problematik des Personalbedarfs diskutiert - insbesondere auch vor dem Hintergrund der wissenschaftlich erfassten Bedarfszahlen in der vollstationären Versorgung. Die Autoren Professor Dr. Heinz Rothgang und Dr. Rolf Müller liefern weiterhin vertiefende Untersuchungen zu Fallzahlen, Inzidenzen, Prävalenzen und Pflegeverläufen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik des Statistischen Bundesamts und die Routinedaten der BARMER.

Stark steigende Anzahl an Pflegebedürftigen

Mit der schrittweisen Berücksichtigung der kognitiven Einschränkungen für den Leistungsanspruch gegenüber der Pflegeversicherung wurde der Kreis der Leistungsberechtigten seit den 2010er Jahren zunehmend ausgeweitet. Zwischen 2017 und 2019 ist nach den Daten der Pflegestatistik die Anzahl der Pflegebedürftigen um 713.000 gestiegen. Der Anstieg beruhte mit 145.000 Fällen auf demografischen Entwicklungen und mit 568.000 Fällen auf anderen Effekten, wie sie durch die Einführung der Pflegegrade entstanden sind. Vorausberechnungen zur künftigen Anzahl der Pflegebedürftigen beruhten meistens auf der Fortschreibung aktueller Prävalenzen. Projektionen dieser Art haben durchweg die zukünftige Anzahl an Pflegebedürftigen unterschätzt. Aktuelle Berechnungen, die auf den Pflegeprävalenzen von 2019 beruhen, unterschätzen schon die Anzahl der Pflegebedürftigen des Jahres 2020 um über 6 Prozent. Die Autoren des Pflegereports gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren keine weitere Ausweitung des leistungsberechtigten Personenkreises durch weitere gesetzgeberische Maßnahmen geben wird, aber dass der Einführungseffekt der letzten Reformen nur langsam bis zum Jahr 2025 abklingt. In der Summe ergeben sich dann ab 2025 rund 1.000.000 mehr Pflegebedürftige als mit der konventionellen Schätzung. Die neueren Schätzungen weisen vor allem mehr Pflegebedürftige mit den Pflegegraden 1 bis 3 und mit Bezug von Pflegegeld aus.

Bedarf an Pflegekräften um 3 Prozent höher als konventionell geschätzt

Trotz der Vielzahl an Pflegebedürftigen mit geringen Pflegegraden wird es auch im stationären Sektor eine höhere Inanspruchnahme geben als mit konventionellen Methoden vorausberechnet. Es werden im Vergleich 3 Prozent mehr Pflegekräfte benötigt als mit konventionellen Methoden berechnet. Insgesamt wird für das Jahr 2030 ein Personalbedarf von 510.000 Pflegefachkräften, 196.000 Pflegehilfskräften mit 1- bis 2-jähriger Ausbildung und 386.000 Pflegehilfskräften ohne Ausbildung vorhergesagt. Das sind 81.000 Pflegefachkräfte, 87.000 Pflegehilfskräfte mit Ausbildung und 14.000 Pflegekräfte ohne Ausbildung mehr als durch die Pflegestatistik für das Jahr 2019 ausgewiesen. Daraus ergibt sich für 2030 im Vergleich zu 2019 ein Mehrbedarf von 182.000 Pflegekräften. Dabei ist noch anzumerken, dass die gesetzlich festgeschriebenen Zahlen zur vollstationären Personalbemessung und die vorzufindenden Verhältniszahlen im ambulanten und teilstationären Versorgung vielfach aktuell schon nicht ausreichend sind.

Leistungsausgaben der Pflegeversicherung im Jahr 2030 bei 59 Millionen Euro in heutigen Preisen

Unter der Annahme konstanter Prävalenzen steigen die Leistungsausgaben in heutigen Preisen in der Modellrechnung bis zum Jahr 2030 auf 53,0 Milliarden Euro und bis zum Jahr 2050 auf 70,6 Milliarden Euro an. Da die Annahme einer konstanten Prävalenz auf dem Niveau von 2019 aber empirisch schon für 2020 widerlegt ist, muss von einem Auslaufen der Einführungseffekte ausgegangen werden. Unter diesen Bedingungen wachsen die Leistungsausgaben in heutigen Preisen für die Pflegeversicherung bis zum Jahr 2030 auf 59,0 Milliarden Euro und bis zum Jahr 2050 auf 77,4 Milliarden Euro an. Die neuen Berechnungen decken somit schon für das Jahr 2030 eine Finanzierungslücke von weiteren 6 Milliarden Euro auf.

Benötigt wird eine Ausbildungsoffensive

Das Hauptproblem bleibt die Rekrutierung des Pflegepersonals. Den Mehrbedarf zu befriedigen, ist die zentrale Herausforderung der Pflegepolitik. Dazu muss das Ausbildungsangebot erhöht werden. Zudem muss der Beruf durch bessere Arbeitsbedingungen und höhere Entlohnung attraktiver gemacht werden. Dadurch kann es gelingen, Pflegekräfte zu einem längeren Verbleib im Beruf zu bewegen und potenzielle Auszubildende für den Beruf zu gewinnen.

Download:
BARMER Pflegereport 2021
Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz
Folienvortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz


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Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de