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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Methodenforschung".

Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2020 im Auftrag der BARMER

Heute wurde im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz der diesjährige BARMER Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die Belastungssituationen und die Gesundheitszustände von Pflegekräften analysiert. Durch überdurchschnittliche Krankheitslast ging im Jahr 2017 die Arbeitszeit von 26.000 Pflegekräften verloren. Im Report wurde die aktuelle Pflegepolitik hinsichtlich der Problematik des Pflegenotstands diskutiert - insbesondere auch vor dem Hintergrund zusätzlicher Belastungen durch die Corona-Pandemie. Die Autoren Professor Dr. Heinz Rothgang, Dr. Rolf Müller und Benedikt Preuß liefern weiterhin vertiefende Untersuchungen zu Fallzahlen, Inzidenzen, Prävalenzen und Pflegeverläufen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik des Statistischen Bundesamts und die Routinedaten der BARMER.

Vielfach erhöhte Belastungen in der Pflege

Für Pflegekräfte wurden in vielen Bereichen erhöhte Belastungen festgestellt. Rund 92 Prozent der Altenpflegefachkräfte arbeiten häufig im Stehen (im Vergleich zu 47 Prozent in sonstigen Berufen) Häufiges Heben und Tragen von schweren Lasten wird von 76 Prozent der Altenpflegefachkräfte berichtet (gegenüber 15 Prozent in sonstigen Berufen). Deutlich häufiger ist zudem das Arbeiten in Zwangshaltungen (45 Prozent zu 11 Prozent). Von den Altenpflegefachkräften geben 52 Prozent an, häufig Vorschriften bezüglich der Mindestleistung oder der Zeit für bestimmte Arbeiten zu haben (im Vergleich zu 27 Prozent in den sonstigen Berufen). Häufig unter Termin- und Leistungsdruck stehen 63 Prozent (Vergleichsgruppe: 50 Prozent). Dass sie häufig sehr schnell arbeiten zu müssen, berichten 53 Prozent im Vergleich zu 39 Prozent der sonstigen Beschäftigten und 31 Prozent der Altenpflegefachkräfte geben an, häufig bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit zu gehen (16 Prozent bei den sonstigen Berufen). All dies wird von den Pflegekräften auch häufiger als belastend empfunden als von den Beschäftigten in sonstigen Berufen.

Schlechterer Gesundheitszustand bei Pflegekräften

Korrespondierend zur Arbeitsbelastung stellen die Autoren des Reports für Pflegekräfte einen insgesamt schlechteren Gesundheitszustand fest. Dieser Zusammenhang zeigt sich bei allen angewandten Messverfahren. Sowohl aus Befragungsergebnissen als auch bei den Analysen der ambulanten Diagnosen, der Fehlzeiten, der Arzneimittelverordnungen und der Krankenhausaufenthalte sind Pflegekräfte bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und bei den psychischen und Verhaltensstörungen in höherem Ausmaß betroffen. Obwohl die Belastungen von Altenpflegefachkräften und Altenpflegehilfskräften sich in vielen Bereichen sehr ähneln, ist der Gesundheitszustand der Hilfskräfte schlechter als der der Fachkräfte.

Sehr viel Pflegepersonal fällt krankheitsbedingt aus.

Für Altenpflegefachkräfte wurde ein Krankenstand von 7,2 Prozent ermittelt. Bei den entsprechenden Hilfskräften lag dieser sogar bei 8,7 Prozent. In den sonstigen Berufen wurde dagegen ein Krankenstand von 5,0 Prozent verzeichnet. Aus der Multiplikation der Differenz im Krankenstand mit der Zahl der beschäftigten Pflegekräfte resultiert die (Arbeitszeit, die überdurchschnittlich durch krankheitsbedingte Fehlzeiten am Arbeitsplatz verloren ging). Diese überdurchschnittlich verlorengegangene Arbeitszeit beläuft sich auf das Ausmaß der Arbeitszeit von gut 24.000 Pflegekräften im Jahr 2017.
Von 1.000 Altenpflegefachkräften gehen durchschnittlich 3,9 innerhalb eines Jahres in die Erwerbsminderungsrente, bei den Altenpflegehilfskräften sind es 6,0 von 1.000 und bei den sonstigen Berufen 3,0 von 1.000. Aus der überdurchschnittlichen Frühverrentung resultieren fast 2.000 verlorene Pflegekräfte im Jahr 2017. In der Summe von überdurchschnittlichen krankheitsbedingten Fehlzeiten und überdurchschnittlichen Eintritten in die Erwerbsminderungsrente ergibt sich das Ausmaß der Erwerbszeit von 26.000 Pflegekräften, die allein im Jahr 2017 verloren ging.

Kein Weg führt an mehr Personal vorbei.

Derzeit ist die eingesetzte Pflegepersonalmenge nicht ausreichend, um eine fachgerechte Pflege und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal zu gewährleisten. Die resultierende Arbeitsverdichtung führt zu einer überdurchschnittlichen Belastung und zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen. Die daraus entstehenden vermehrten Fehlzeiten und Berufsaustritte verstärken den Pflegenotstand. Dies führt für die verbleibenden Pflegekräfte wiederum zur Erhöhung der Arbeitsbelastung. „Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen“, fordern die Autoren der Studie, „wenn die Pflege dauerhaft qualitätsgesichert geleistet werden soll. Dafür braucht es mehr Personal.“

Download:
BARMER Pflegereport 2020
Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz
Folienvortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de

Benedikt Preuß
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 1
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58647
E-Mail: bpreuss@uni-bremen.de

Fridays for Future – Die Jugend gegen den Klimawandel. Konturen der weltweiten Protestbewegung

Fridays for Future ist gelungen, was Umwelt-NGOs und Klimaprotesten in den 20 Jahren davor nicht gelungen ist. Das Thema Klimawandel ist von einem relativ abstrakten Thema, das auf internationalen Konferenzen verhandelt wird, zu einem Thema geworden, das Menschen zu zehntausenden auf die Straße bringt und das im halben Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie in der Bevölkerung als das wichtigste Thema überhaupt galt. Mit Fridays for Future haben die Klimaproteste eine zuvor nie erreichte gesellschaftliche Breite und politische Aufmerksamkeit erlangt.
Doch wer beteiligt sich eigentlich an dieser sozialen Bewegung, was motiviert die Menschen zu protestieren und welche Einstellungen haben die Beteiligten? Dazu haben Sebastian Haunss (Leiter der AG Soziale Konflikte am SOCIUM) und Moritz Sommer (Institut für Protest- und Bewegungsforschung) die erste umfassende wissenschaftliche Studie veröffentlicht. Mehrere Umfragen unter Protestierenden aus dem Jahr 2019 bilden den Ausgangspunkt der Analyse des Buchs »Fridays for Future – Die Jugend gegen den Klimawandel. Konturen der weltweiten Protestbewegung«.
In zwölf Kapiteln geben die 28 Autor*innen des Buchs Einblicke in Entscheidungs- und Mobilisierungsstrukturen lokaler Fridays for Future-Gruppen, analysieren die Reaktionen auf die Proteste in Medien, Politik und Gesellschaft und untersuchen die Einstellungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu Themen des Klimawandels. Die einzelnen Kapitel sind so geschrieben, dass sie einem breiteren Publikum einen Zugang zu den ersten Forschungsergebnissen zu Fridays for Future bieten. Das Buch ist gedruckt im Buchhandel und online als Open Access-Version erhältlich (https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5347-2).


Kontakt:
Prof. Dr. Sebastian Haunss
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58572
E-Mail: sebastian.haunss@uni-bremen.de

Olaf Groh-Samberg für Soziologie und Frank Nullmeier für Politikwissenschaft erfolgreich

Alle hauptberuflich forschend tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland sind alle vier Jahre aufgefordert, die Fachkollegien der DFG neu zu wählen. Bei der diesjährigen Wahl waren nach den vorläufigen Ergebnissen zwei Mitglieder des SOCIUM erfolgreich: Für die empirische Sozialforschung wurde Olaf Groh-Samberg erstmals in das Fachkollegium gewählt. Für Frank Nullmeier ist es bereits das zweite Mal, dass er für die Politikwissenschaft zum Mitglied im Fachkollegium Sozialwissenschaften bestimmt wurde.

Die Fachkollegien der DFG sind die zentralen Gremien bei der Begutachtung der eingereichten Forschungsanträge und damit bei der Verteilung der Fördermittel. Vorschlagsberechtigt für die Wahl sind neben den Universitäten und Forschungsgemeinschaften (Max-Planck, Leibniz, Frauenhofer etc.) vor allem die jeweiligen Fachverbände. So ist Olaf Groh-Samberg nicht nur von einem Dutzend Universitäten, sondern auch von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vorgeschlagen worden. Frank Nullmeier erhielt die Unterstützung beider politikwissenschaftlicher Fachverbände, der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft und der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft. Die neugewählten Fachkollegien nehmen ihre Arbeit im März 2020 auf.

weitere Informationen:
https://www.dfg.de/dfg_profil/gremien/fachkollegien/fk_wahl2019/index.jsp


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-66440
E-Mail: olaf.grohsamberg@uni-bremen.de

Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2019 im Auftrag der BARMER

Heute wurde im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz der diesjährige BARMER Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die neuen Wohn- und Pflegeformen analysiert. Zudem wurde ein Rückblick auf 25 Jahre Pflegeversicherung vorgenommen. Die Autoren Professor Dr. Heinz Rothgang und Dr. Rolf Müller liefern weiterhin vertiefende Untersuchungen zu Fallzahlen, Inzidenzen, Prävalenzen und Pflegeverläufen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik 2017 und die Routinedaten der BARMER.

Finanzielle Anreizstruktur für die Schaffung neuer Wohn- und Pflegeformen
Die maximalen Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung für Langzeitpflege liegen bei ambulanter Versorgung rund doppelt so hoch wie bei stationärer Versorgung. Dies ist darin begründet, dass - anders als in der stationären Versorgung - in der ambulanten Versorgung zusätzlich zu den Pflegesachleistungen und Betreuungsleistungen noch Tages- und Nachtpflege, Leistungen zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen, Wohngruppenzuschläge, Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege mit der Pflegekasse abgerechnet werden können. Hinzu kommt noch die Erstattung der häuslichen Krankenpflege durch die Krankenkasse, die in der vollstationären Versorgung prinzipiell schon im Pflegesatz enthalten ist, aber in der ambulanten Versorgung separat abgerechnet wird. Hieraus resultieren Anreize für Leistungsanbieter, Pflege ambulant statt stationär anzubieten.

Organisatorische Anreizstrukturen für die Schaffung neuer Wohn- und Pflegeformen
Zudem ist die Versorgung in Pflege-Wohngemeinschaften in deutlich geringerem Maße als die Versorgung im Pflegeheim durch das Heimgesetz oder entsprechendes Landesrecht reguliert. Kontrollen, Meldepflichten, Personalvorgaben, Qualitätssicherung oder räumliche Anforderungen sind weitaus weniger verlangt. Versorgung in betreutem Wohnen ist fast gar nicht reguliert.

Beträchtliches Ausmaß an neuen Wohn- und Pflegeformen
Beide Anreize haben Wirkung gezeigt: Derzeit ist auf Grundlage verschiedener Studien bei steigender Tendenz von bis zu 8.000 betreuten Wohnanlagen mit etwa 150.000 Pflegebedürftigen und rund 4.000 Pflege-Wohngemeinschaften mit etwa 31.000 Pflegebedürftigen auszugehen, von denen nach Hochrechnungen der BARMER-Daten 20.400 auch den Wohngruppenzuschlag der Pflegeversicherung nutzen.

Finanzielle Konsequenzen aus den neuen Wohn- und Pflegeformen
Obwohl in den neuen Wohn- und Pflegeformen die maximalen Leistungssummen nicht gänzlich genutzt werden, liegen die tatsächlich in Anspruch genommenen Leistungssummen in der Regel oberhalb der Leistungssummen, die in der stationären Versorgung genutzt werden. In der Summe resultieren daraus im Jahr 2018 in betreutem Wohnen Mehrausgaben von 215 Millionen Euro gegenüber der vollstationären Versorgung. Für die geschätzten 20.400 Bewohner von Pflege-Wohngemeinschaften, die den Wohngruppenzuschlag der Pflegeversicherung nutzen, ergeben sich im Vergleich zur Versorgung im Pflegeheim Mehrausgaben von 184 Millionen Euro im Jahr 2018.

Keine bessere Pflegequalität in den neuen Wohn- und Pflegeformen
Hinsichtlich der pflegerelevanten Outcomes in betreutem Wohnen und in den Pflege-Wohngemeinschaften wurden in bisherigen Studien kaum signifikante Effekte gefunden. In der Summe zeigen sich positive Effekte auf Bewohnerebene eher in umfassenden Konstrukten wie Lebensqualität.
Mit den BARMER-Daten sind die Pflegebedürftigen in betreutem Wohnen und in Pflege-Wohngemeinschaften mit den Pflegebedürftigen im Pflegeheim anhand von fünf Qualitätsindikatoren verglichen worden. Bei den Bewohnern in betreutem Wohnen und in den Pflege-Wohngemeinschaften sind Arztkontakte seltener und auch die Verordnungen von Antipsychotika. In betreutem Wohnen werden aber mehr Neudiagnosen von Dekubitus und mehr ambulant-sensitive Krankenhausfälle (Krankenhausfälle mit Entlassungsdiagnosen, bei denen unterstellt wird, dass sie oftmals vermieden werden könnten, wenn eine angemessene ambulante Versorgung stattgefunden hätte) festgestellt.
Eine höhere Leistungssumme ist somit nicht mit einer besseren Pflegequalität verbunden. Entsprechende Versorgungsangebote sind daher kritisch zu sehen.

Download:
BARMER Pflegereport 2019
Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz
Folienvortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de

Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) akkreditiert das Forschungsdatenzentrum Qualiservice am SOCIUM-Forschungszentrum der Universität Bremen.

Der RatSWD ist unabhängiger Beirat der Bundesregierung und engagiert sich für eine Optimierung der Infrastrukturen für Forschungsdaten. Qualiservice eröffnet sich mit der Akkreditierung die Möglichkeit, die Interessen der qualitativen Forschung auf wissenschaftspolitischer Ebene zu stärken.

Die Akkreditierung durch den RatSWD im Juni dieses Jahres anerkennt die kompetente Aufbauarbeit des Teams rund um das Forschungsdatenzentrum (FDZ) Qualiservice. Für die Akkreditierung müssen FDZen die Kriterien des RatSWD hinsichtlich Datensicherheit und –qualität als auch der Einbindung in die Scientific Community entsprechen. Als akkreditiertes FDZ arbeitet Qualiservice zukünftig im Ständigen Ausschuss Forschungsdateninfrastruktur des RatSWD mit. Ca. 30, zumeist mit quantitativen Daten arbeitenden FDZen für Sozial- und Wirtschaftsdaten, entwickeln in spezifischen Arbeitsgruppen die bestehende Forschungsdateninfrastruktur weiter. Die Akkreditierung durch den RatSWD eröffnet Qualiservice nun die Perspektive, sich in diesem Gremium für die Belange der qualitativen Forschung zu engagieren und somit die besonderen Anforderungen, die der Zugang für die Sekundärnutzung zu sensiblen Forschungsdaten mit sich bringt, in diesem Rahmen zu etablieren.

Die DFG fördert seit einem Jahr die Vorbereitungen, Qualiservice als FDZ, das sensible Forschungsdaten aus der qualitativen Sozialforschung archiviert, zu verstetigen. Als „living archive“ übernimmt Qualiservice aber nicht passiv Forschungsdaten, sondern unterstützt Forscherinnen und Forscher in ihren Forschungsprojekten dabei ihre Forschung zu dokumentieren. Ziel ist, die Forschungsmaterialien, die in den Projekten entstehen, für andere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für sekundäre Forschung bereitzustellen. Besonders interessant ist, dass es damit zukünftig möglich wird, über lange Zeitspannen hinweg - unabhängig von der Primärstudie - Themenstellungen aus der Sozialforschung zu untersuchen und zu vergleichen.

Qualitative Forschungsmaterialien, die Qualiservice bereitstellt, dokumentieren zum Beispiel Interviews oder Beobachtungen. Sie können in Schriftform als Protokoll oder Transkript vorliegen, aber auch als Audio-, Bild- oder Videodatei. Diese Dokumentationen enthalten in der Regel personenbezogene Daten, da die Interviewten oder Beobachtungspersonen die Forscherinnen und Forscher an ihrer Lebenswelt teilhaben lassen.

Um die persönlichen Daten der Forschungsbeteiligten zu schützen, hat Qualiservice sichere Arbeitsabläufe und einen Safe Center eingerichtet. Im Safe Center führt Qualiservice Maßnahmen zum Schutz der Daten durch und schließt die Vorbereitungen für die Sekundärnutzung ab. Ein Arbeitsplatz für Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ermöglicht die Forschung direkt vor Ort. Stärker anonymisierte Datensätze dürfen die Sekundärnutzerinnen und -nutzer auch extern beforschen. Der Zugang zu den Daten wird prinzipiell vertraglich geregelt und kann nur für wissenschaftliche Zwecke erlangt werden. Die Organisation eines qualitätsorientierten FDZ setzt die nationale und internationale Vernetzung voraus. Resultat der intensiven Kooperationen war zuletzt die Einrichtung eines eigenen DFG-geförderten Bereichs für die ethnologischen Fächer und die Beteiligung an einem BMBF-geförderten Projektverbund zur Qualitätssicherung und Referenzierbarkeit bereitgestellter Forschungsmaterialien am Beispiel von Bildungsdaten.

Qualiservice ist am SOCIUM - Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen angesiedelt und wird von Prof. Dr. Betina Hollstein geleitet. Die Archivierung und Bereitstellung der Forschungsmaterialien wird gemeinsam mit dem zertifizierten Weltdatenzentrum PANGAEA und der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen (SuUB) organisiert. Für Mixed-Methods-Studien wird mit der GESIS - Leibniz Institut für Sozialwissenschaften ein gemeinsamer Arbeitsprozess eingerichtet. Seit 2019 arbeitet Qualiservice als Teil des Fachinformationsdienstes Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA) außerdem eng mit der Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu Berlin zusammen.


Kontakt:
Prof. Dr. Betina Hollstein
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58512
E-Mail: betina.hollstein@uni-bremen.de

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Entwicklung flexibler und abgestimmter Tools für das Management von Forschungsdaten.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Entwicklung flexibler und abgestimmter Tools für das Management von Forschungsdaten.

Zusammen mit zehn Partnern beteiligte sich QUALISERVICE am Antrag für ein großes Verbundprojekt, welches jetzt vom BMBF bewilligt wurde. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird vom GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften koordiniert und verbindet Akteure aus dem Feld der empirischen Bildungsforschung.

Projektziel ist die Entwicklung und Implementierung von Domain Data Protokollen (DDPs). DDPs sind öffentliche und referenzierbare Protokolle, die für verschiedene Datentypen (Interviews, standardisierte Befragungen etc.) relevante Aspekte des Forschungsdatenmanagements beschreiben. Dazu gehören zum Beispiel Fragen der Datenqualität, -aufbereitung, -dokumentation und Arbeitsorganisation oder hinsichtlich rechtlicher und forschungsethischer Aspekte. Forschende können solche Protokolle als Handreichung bei der Planung und Beantragung von Forschungsprojekten nutzen. Forschungsförderer unterstützen sie bei deren Begutachtung. Qualiservice bringt seine Expertise bezogen auf qualitative Daten in den Projektverbund ein. Forscherinnen und Forscher ebenso wie Forschungsförderer werden ebenfalls in die Entwicklung der DDPs einbezogen.
 
QUALISERVICE ist am SOCIUM - Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen angesiedelt und wird von Prof. Dr. Betina Hollstein geleitet. Die Archivierung wird zusammen mit dem zertifizierten Weltdatenzentrum PANGAEA und der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen (SuUB) organisiert. Für Mixed-Methods-Studien wird zusammen mit der GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften eine koordinierte Archivierung und ein wechselseitiges Verweissystem aufgebaut. Seit 2019 arbeitet Qualiservice als Teil des Fachinformationsdienstes Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA) außerdem eng mit der Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu Berlin zusammen.


Kontakt:
Prof. Dr. Betina Hollstein
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58512
E-Mail: betina.hollstein@uni-bremen.de

DFG fördert den Aufbau eines Bereichs für ethnographische Forschungsdaten.

QUALISERVICE erhält weitere Förderung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um nun auch ethnographische Forschungsdaten wie Bild- und Tonmaterial, Feldnotizen und Beobachtungsprotokolle zu kuratieren. Dafür beteiligte sich QUALISERVICE am Folgeantrag des Fachinformationsdienstes Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA) an der Humboldt-Universität Berlin, der jetzt von der DFG bewilligt wurde. QUALISERVICE wird als Fachrepositorium für qualitative ethnologische Forschungsdaten etabliert, um deutschlandweit eine adäquate Lösung für die komplexe Archivierungssituation der zum Teil hochsensiblen Forschungsdaten anbieten zu können. Dazu wird bei QUALISERVICE ein Bereich für ethnographische Forschungsdaten aufgebaut und ein Informations- und Beratungsangebot eingerichtet. Sozialforscherinnen und Sozialforscher sowie Ethnologinnen und Ethnologen erhalten damit eine verlässliche Anlaufstelle, in der sie ihre qualitativen Forschungsdaten archivieren und für die geschützte Weiternutzung in Forschung und ausgewählte Materialien auch für die Lehre anfordern können. Die Humboldt-Universität wird die Diskussion mit den ethnologischen Fächern auf wissenschaftspolitischer Ebene und hinsichtlich methodischer Implikationen weiterführen.

Seit letztem Jahr fördert die DFG das Infrastrukturprojekt QUALISERVICE zur Implementation eines Datenservicezentrums (DSZ) für qualitative sozialwissenschaftliche Forschungsdaten. Ziel ist die Verstetigung als nationales Regelarchiv. Bislang lag der Arbeitsschwerpunkt von QUALISERVICE auf qualitativen Interviewstudien. Mit der Beteiligung am Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA) werden die Dienstleistungen von QUALISERVICE auf qualitative Forschungsdaten in ihrer ganzen Breite ausgeweitet.

QUALISERVICE ist am SOCIUM angesiedelt und wird von Prof. Dr. Betina Hollstein geleitet. Der vom MARUM und dem Alfred-Wegener-Institut gemeinschaftlich betriebene PANGAEA - Data Publisher for Earth & Environmental Science liefert die informationstechnische Unterstützung. Weitere Projektpartner sind die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen (SuUB) und das GESIS Leibniz Institut für Sozialwissenschaften, Köln (für Mixed-Methods-Daten).

Weitere Informationen:
Website QUALISERVICE

Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie - Projekt im Rahmen des Förderformats "Fachinformationsdienste für die Wissenschaft" der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Fachinformation und Service für die ethnologischen Fächer, Pressemitteilung der HU Berlin vom 22.01.2019


Kontakt:
Prof. Dr. Betina Hollstein
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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DFG fördert Infrastrukturprojekt mit 1 Million Euro.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt die Implementation von QUALISERVICE als Datenservicezentrum (DSZ) für qualitative sozialwissenschaftliche Forschungsdaten. Damit ist der Weg geebnet, dass Sozialforscherinnen und Sozialforscher in Deutschland erstmals eine verlässliche Anlaufstelle erhalten, um Interviewdaten archivieren und für die Sekundärnutzung in Forschung und Lehre anfordern zu können.

QUALISERVICE ist am SOCIUM angesiedelt und wird von Prof. Dr. Betina Hollstein geleitet. Als informationstechnischer Projektpartner konnte der vom MARUM und dem Alfred-Wegener-Institut gemeinschaftlich betriebene PANGAEA - Data Publisher for Earth & Environmental Science gewonnen werden. Weitere Projektpartner sind die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen (SuUB) und das GESIS Leibniz Institut für Sozialwissenschaften, Köln für die wechselseitige Darstellung von Mixed-Methods-Daten.

Die Wurzeln des Projekts reichen bis zum ersten sozialwissenschaftlichen Bremer Sonderforschungsbereich 186 "Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf" (1989-2001). Die im Rahmen des SFB durchgeführten, mehreren hundert Interviews wurden zunächst im "Archiv für Lebenslaufforschung" archiviert, um sie für zukünftige Nutzungen zu sichern. 2011 wurde das "Archiv für Lebenslaufforschung" zu QUALISERVICE, das zwischen 2011 und 2014 in einer ersten Projektphase von der DFG gefördert wurde. Ziel des nun bewilligten, auf drei Jahre angelegten, interdisziplinären Verbundprojekts ist die Verstetigung als nationale Regeleinrichtung.

Die Maßnahmen im Rahmen des Infrastrukturprojekts umfassen neben der Einrichtung eines Safe Centers zur vertraulichen Datenaufbereitung und der Implementation der Langzeitarchivierung die Weiterentwicklung des Anonymisierungstools, die Einrichtung des Servicezentrums mit Suchportal, Datenabgabedienst und Helpdesk, den Aufbau der Geschäftsstelle sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung und den Austausch mit der Scientific Community.

Weitere Informationen über QUALISERVICE


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Prof. Dr. Betina Hollstein
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Susanne Kretzer
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58616
E-Mail: skretzer@uni-bremen.de

MARDY: Modeling ARgumentation DYnamics in Political Discourse.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Sebastian Haunss im Rahmen des Schwerpunktprogramm "Robust Argumentation Machines (RATIO)" (SPP 1999) ein Forschungsprojekt bewilligt. Unter dem Titel »Modeling ARgumentation DYnamics in Political Discourse« (MARDY) geht es darum Methoden und Tools zur Analyse und datengetriebenen Modellierung von Diskursdynamiken zu entwickeln.

In dem für einen Zeitraum von drei Jahren bewilligten Projekt kooperiert Sebastian Haunss mit den beiden Informatikern und Computer-Linguisten Jonas Kuhn und Sebastian Padó vom Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung der Universität Stuttgart.

Weitere Informationen zum Projekt:
Modeling ARgumentation DYnamics in Political Discourse (MARDY)


Kontakt:
Prof. Dr. Sebastian Haunss
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58572
E-Mail: sebastian.haunss@uni-bremen.de