Aktuelle Mitteilungen

Foto Glaeske: ©Raphael Hünerfauth, photothek.netFoto Glaeske: ©Raphael Hünerfauth, photothek.net
Zahlen korrekt interpretieren | Spezifische Zielgruppen-orientierte Prävention | Moderne Risikokommunikation statt Lockdown-Drohung

Das Ergebnisprotokoll der Konferenz von Bundeskanzlerin, Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten vom 14.10.2020 veranlasst die Autorengruppe, mit einer dringlichen ad hoc Stellungnahme auf besorgniserregende Fehlentwicklungen hinzuweisen. Diese Fehlentwicklungen betreffen alle drei Sachgebiete, zu denen sich die Autorengruppen in ihren vier bisherigen Thesenpapieren bislang geäußert hat: Epidemiologie, Präventionskonzept und gesellschaftspolitische Implikationen.

Link zur ad hoc Stellungnahme


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Entwicklung und Erprobung eines einheitlichen Verfahrens erfolgreich abgeschlossen

Ausreichendes und qualifiziertes Personal ist in Pflegeeinrichtungen eines der wichtigsten Strukturmerkmale um gute Pflegequalität zu erzielen. Dennoch war bisher weder bekannt, welche Personalmengen bedarfsnotwendig sind, noch welcher Mix aus Pflegefach- und -assistenzkräften zur fachgerechten Versorgung erforderlich ist.
 
Ein Forscherteam der Universität Bremen unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Rothgang hat zur Klärung dieser Fragen im Jahre 2017 einen Entwicklungsauftrag der deutschen Pflegeselbstverwaltung erhalten. Das praktische Ziel war es, ein bundesweit einheitliches Verfahren zur Bemessung von Pflegepersonal wissenschaftlich fundiert zu entwickeln. 
 
Am 23.09.2020 ist die Abnahme und Veröffentlichung des Abschlussberichts erfolgt. Das Projekt ist damit abgeschlossen und das Personalbemessungsinstrument bereit für eine gestufte Einführung. Eine vollständige Umsetzung wird in stationären Einrichtungen der Langzeitpflege zu Mehrpersonal von zusätzlich gut einem Drittel der heutigen Belegschaft führen. Dabei werden hierzu weit überwiegend Pflegeassistenzkräfte mit einer Ausbildung im Umfang von 1 oder 2 Jahren nach Landesrecht einzusetzen sein.
 

Ein erster Einführungsschritt mit dem das Personalbemessungsverfahren in die Pflegeversicherung übernommen wird, ist bereits im Gesetzgebungsverfahren. So sollen mit dem Versorgungsverbesserungsgesetz zum 1.1.2021 bis zu 20.000 zusätzliche Pflegeassistenzkraftstellen besetzt werden können.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
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Tel.: +49 421 218-58557
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Der Innovationsreport 2020 bewertet Arzneimittel, die 2017 neu auf den deutschen Markt gekommen sind

Onkologika sind wie im letzten Jahr am häufigsten untersuchte Wirkstoffkategorie, sieben Arzneimittel zählen zu den immunsuppressiven Medikamenten und damit zu den zweithäufigsten Indikationen. Einem beschleunigten Verfahren zur Zulassung für den deutschen Markt unterlagen zwei Arzneimittel im Vergleich zu acht des Vorjahres: Spinraza® (Wirkstoff: Nusinersen), das in diesem Report eine besondere Rolle spielt, und Oxervate®, das bereits wieder außer Vertrieb ist.

Nusinersen ist als Arzneimittel zur Therapie der Spinalen Muskelatrophie (SMA) zugelassen. Der SMA, ihrer medikamentösen Behandlung und dem neuen Mittel Zolgensma® ist das diesjährige Sonderkapitel gewidmet. Außerdem wurde ein Kapitel den Besonderheiten in der Zulassung von Spinraza® und Zolgensma® in den Vereinigten Staaten und in der Europäischen Union gewidmet.

Insgesamt ergab die Bewertung aller untersuchten Wirkstoffe ein gemischtes Ergebnis: Im Gesamtscore, dem zusammengefassten Vergleich mit bereits existierenden Therapieoptionen, der Beurteilung nach patientenorientiertem (Zusatz)Nutzen und dem Kostenfaktor haben 16 Wirkstoffe eine rote, sieben eine gelbe und acht eine grüne Gesamt-Ampel. Dies ist im Vergleich zu früheren Reporten kein schlechtes Ergebnis, allerdings sind die Kosten pro Behandlung teils exorbitant angestiegen, am eindrücklichsten schlägt Nusinersen mit sechsstelligen Jahrestherapiekosten zu Buche.

Download Innovationsreport 2020:
Langfassung
Kurzfassung

Download:
Präsentation der Ergebnisse von Prof. Dr. Gerd Glaeske


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Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
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Heinz Rothgang als Sachverständiger bei Anhörung im Deutschen Bundestag

Am 9.9.20 wurden im Gesundheitsausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung zwei Anträge der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen diskutiert. Die Anträge fordern im Kontext der Coronavirus-Pandemie, Pflegekräfte im stationären und ambulanten Sektor wertzuschätzen und zu entlasten - und dies auch über die akute Pandemiesituation hinaus aufrecht zu erhalten.

Link zur Anhörung im Deutschen Bundestag
 
Professor Heinz Rothgang wurde als Sachverständiger zu diesen Anträgen gehört. Er betont in seiner Stellungnahme , dass aktuelle Arbeiten sowohl im stationären Sektor als auch bei den informellen Pflegepersonen in häuslichen Pflegesituationen  zeigen, dass die ohnehin hohen Belastungen der Pflegetätigkeit aktuell verstärkt wurden. Als geeignete dauerhafte Entlastungen ist die Stärkung der professionellen Pflegepersonen durch bessere Entlohnung und höhere Personalschlüssel anzustreben. Für informelle Pflegepersonen ist langfristig eine Entlastung durch eine ordnungsrechtliche Flexibilisierung erforderlich, durch die strukturelle Überforderungen in gemischten Pflegearrangements vermieden werden können.



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Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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Tel.: +49 421 218-58557
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Ergebnisse einer Online-Befragung von informellen Pflegepersonen im erwerbsfähigen Alter

Wie eine Befragung von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten gezeigt  hat, sind diese durch die Pandemie erheblichen zusätzlichen Belastungen unterworfen. Ein entsprechender Befund wurde nun von einem Forscherteam um Prof. Heinz Rothgang (SOCIUM) und Prof. Karin Wolf-Ostermann (IPP) nun auch für die häusliche Pflege durch pflegende Angehörige nachgewiesen. Befragt wurden hierfür mehr als 1.200 Personen, die als informelle Pflegepersonen registriert sind und die aufgrund ihres Alters von unter 67 Jahren potenziell einer Doppel- und Dreifachbelastung von Pflege, Beruf und eigener Familie ausgesetzt sind: Schnellbericht_Befragung_Häusliche Pflege.
 
Durchweg zeigt sich dabei, dass die wahrgenommene Lebensqualität und die Gesundheit der Pflegenden durch die veränderten Rahmenbedingungen der Coronavirus-Pandemie teils erheblich reduziert sind. Dies ist dabei nicht auf eine erfolgte Infektion mit dem Coronavirus zurückzuführen, sondern auf die Kombination aus zeitaufwändigerer Pflege, verminderten Unterstützungsmöglichkeiten, reduzierten Sozialkontakten und Homeoffice/Homeschooling. Die abgeleiteten politischen Empfehlungen konzentrieren sich daher darauf, weitere Unterstützungsangebote zu schaffen, mit denen die häuslichen Pflegekapazitäten langfristig stabilisiert und erhalten werden können.

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Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Aufgrund der aktuellen und andauernden Einschränkungen im Zusammenhang mit der Covid19/Coronavirus-Verbreitung wird das gesundheitspolitische Kolloquium auch im Wintersemester 2020/21 pausieren

/veranstaltungen/gesundheitspolitisches-kolloquium/

Auftaktveranstaltung des Bremer Teilinstituts am 10.09.2020

Was treibt Gesellschaften auseinander – und was hält sie zusammen? Diese Doppelfrage hat wieder große Aktualität bekommen. Globalisierung, wachsende Ungleichheiten, Digitalisierung und wirtschaftlicher Strukturwandel, rechtspopulistische Strömungen und nun auch noch die Corona-Pandemie verunsichern viele Gruppen in der Gesellschaft.

Als Verbund aus elf Hochschul- und Forschungsinstituten erforscht das vom BMBF geförderte Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) in den kommenden vier Jahren gegenwärtige Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts aus interdisziplinärer Perspektive. Es trägt diese Ergebnisse in die Öffentlichkeit und leitet Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Zusammenhalts für die gesellschaftliche und politische Praxis ab.

An der Universität Bremen wird ein interdisziplinäres Team Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts mit Blick auf soziale Ungleichheiten und politische Konflikte untersuchen und in Transferprojekten den Dialog mit der Bremer Stadtgesellschaft suchen. Der thematische Fokus des Bremer Teilinstituts sind Gefährdungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts, die aus ökonomischen Polarisierungsdynamiken und lebensweltlichen Segmentationsprozessen zwischen unterschiedlichen sozialen Milieus – insbesondere in den Mittelschichten – resultieren.

Anlässlich der Gründung des Bremer Teilinstituts gibt die Veranstaltung über Vorträge und Diskussionen einen Einblick in Fragestellungen, Forschungsansätze und Zielsetzungen, mit denen sich die Bremer Forscherinnen und Forscher beschäftigen werden. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Ort
Übersee-Museum
Bahnhofsplatz 13
28195 Bremen

Bei Teilnahme vor Ort schicken Sie bitte aufgrund der Corona-Regelungen bis zum 8.9.2020 eine E-Mail mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse an: fgz@uni-bremen.de

Die Veranstaltung wird via Livestream über folgenden Link übertragen: http://unihb.eu/fgzstart (Kenncode: 3NGzdX). Es besteht die Möglichkeit, über Chat an der Diskussion teilzunehmen und Fragen zu stellen.

Programm

17:00 – 17:15

Einlass und Begrüßung
Grußwort des Rektors der Universität Bremen, Bernd Scholz-Reiter

17:15 – 17:35

Eröffnungsvortrag: Herausforderungen gesellschaftlichen Zusammenhalts
Olaf Groh-Samberg, Universität Bremen, Sprecher des Bremer Teilinstituts des FGZ

17:35 – 18:45

Wissenschaftliche Perspektiven: Die Erforschung gesellschaftlichen Zusammenhalts
Prof. Dr. Stephan Lessenich, Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Eva Groß, Hochschule in der Akademie der Polizei Hamburg
Sebastian Haunss, Philip Manow, Patrick Sachweh, Projektleiter des Bremer Teilinstituts des FGZ

18:45 – 19:15 

Pause

19:15 – 20:30

Politische Diskussionsrunde: Die Gestaltung gesellschaftlichen Zusammenhalts
Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport
Bettina Wilhelm, Landesbeauftragte für Frauen
Dr. Benedikt Rogge, Pastor, St. Ansgarii-Gemeinde
Joerg Helge Wagner, Mitglied der Chefredaktion des Weserkurier
Jasmina Heritani, QBZ Morgenland, Gröpelingen

Moderation: Elke Heyduck, Arbeitnehmerkammer Bremen

   
Programmflyer  
   
   
   

Kontakt:
Martin Bacher
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58624
E-Mail: martin.bacher@uni-bremen.de

Verbesserung der Outcomes in Sicht | Stabile Kontrolle: Würde und Humanität wahren | Diskursverengung vermeiden: Corona nicht politisieren

Die wichtigsten Botschaften auf einen Blick

(1) Nach der herdförmigen Ausbreitung (Cluster) dominiert jetzt die sporadische Dynamik: Zunahme der täglich neu gemeldeten Infektionen mit SARS-CoV-2/Covid-19 von ca. 300 Fällen/Tag auf derzeit ca. 1350 Fällen/Tag (34. KW), Ausweitung des wöchentlichen Testumfangs von 400.000 auf 900.000, Abfall der Rate positiver Testergebnisse 9% auf ca. 1% - neben den „Herden“ hat sich jetzt die homogene (sporadische) Ausbreitung in den Vordergrund geschoben. Diese Dynamik ist allein durch Testung und Nachverfolgung nicht zu beherrschen, sondern bedarf einer stabilen Kontrolle durch klug geplante, Zielgruppen-orientierte Präventionsmaßnahmen.

(2) Parallel zur Zunahme der gemeldeten Infektionen kommt es zu einer Abschwächung der klinischen Folgen: Die Zunahme der täglich neu gemeldeten Infektionen in den letzten fünf bis sechs Wochen ist nicht von einer Zunahme der Erkrankungen und Komplikationen gefolgt, stattdessen ist die Hospitalisierungsrate von über 20% auf 9% abgefallen, die intensivmedizinisch betreuten Patienten sanken von 3000 auf 230 und die Mortalität der Infizierten von 7% auf 0,4% (die Angabe der letzten
Wochen liegen noch niedriger, sind aber noch nicht abschließend zu bewerten). Bestätigt wird diese Tendenz durch das Patientenkollektiv, das die infizierten Mitarbeiter im Gesundheitswesen darstellen (n = 14.977 am 26.8.2020), wo die Dunkelziffer keine Rolle spielen sollte: hier liegt die Mortalität bei zwischen 0,12 und 0,16%. Als ursächlich für diese günstige Entwicklung sind die zunehmende Testung nicht-erkrankter Personen, ein jüngeres Durchschnittsalter und die Verbesserung der organisatorischen Abläufe in den Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie der Pflegeeinrichtungen zu diskutieren. Es ist unklar, ob zusätzlich eine Veränderung des Virustyps vorliegt.


(3) Die sporadische Ausbreitung wird im begrenzten Umfang weiter zunehmen, kann aber aufgefangen werden: In einem groben Modell wird die weitere Ausbreitung durch vier Kompartimente determiniert: das „Grundrauschen“, die Reiserückkehrer, die Schul- bzw. Kindergartenöffnungen und die im Winter anstehende vermehrte Innenraumnutzung. Ein weiterer, auch deutlicher Anstieg der täglichen Neuinfektionen
kann daher nicht ausgeschlossen werden. Diese Situation ist zu bewältigen, wenn (1) spezifische Präventionsprogramme entwickelt werden, die die verletzlichen Gruppen schützen (unter aktiv umgesetzter Wahrung der individuellen Würde und Humanität), und
wenn (2) die Ressourcen des Gesundheitssystems (Organisation, Bettenkapazität) in der jetzigen Form aufrechterhalten werden. Therapie und Impfstoffentwicklung sind denkbare Lösungen, die Epidemie muss jedoch auch dann stabil kontrolliert werden, wenn sich hier Verzögerungen ergeben sollten.


(4) Bei massiver Ausdehnung des Testumfanges auf Niedrigprävalenz-Kollektive (Häufigkeit 1-3%) sind unkontrollierbare Probleme mit falsch-positiven Befunden zu erwarten, die von den Institutionen, die mit der Nachverfolgung beauftragt sind, nicht bewältigt werden können. Die Teststrategie muss daher auf die Strategie der Stabilen Kontrolle ausgerichtet sein, d.h. es müssen in erster Linie Kollektive mit höherer Prävalenz, Kollektive mit höherem oder unbekanntem Infektionsrisiko (z.B. Lehrer, Kindergartenmitarbeiter) und Kollektive mit hohem individuellem Risiko für Komplikationen (z.B. Bewohner von Pflegeheimen und deren Angehörige, ambulante Pflege) getestet werden.


(5) Die Definition der „Zweiten Welle“ sollte nicht auf starren Grenzwerten beruhen, sondern sich auf das Kriterium der mangelnden Abgrenzbarkeit von Herden und sporadischer Ausbreitung beziehen (ergänzt um eine regionale Komponente – mehr als 5 Gebietskörperschaften in mindestens zwei Bundesländern – und einen offiziell festgestellten Kontrollverlust).


(6) Primäres Ziel ist die „Stabile Kontrolle“ der Epidemie, eine Eradikation scheidet ebenso aus wie die Strategie der Herdenimmunität. Essentiell sind Zielgruppen-orientierte
Präventionsmaßnahmen für die besonders verletzlichen Gruppen in der Bevölkerung. Diese Schutzkonzepte müssen die Ziele der Infektionskontrolle genauso berücksichtigen wie Humanität und Würde der einzelnen Person, hierzu sind innovative Konzept zu entwickeln und umzusetzen.


(7) Mitarbeiter und Patienten/Bewohner/Betreute in den Institutionen des Gesundheitswesens, der Pflege- und Gemeinschaftseinrichtungen trugen zu Beginn der Epidemie mit bis zu 1000 Neuinfektionen pro Tag und fast 50% der Todesfälle durch Covid-19 in Deutschland einen großen Teil der Krankheitslast, jeweils zur Hälfte verteilt auf Mitarbeiter und Patienten/Bewohner/Betreute. 300 bzw. 200 gemeldete Neuinfektionen entfielen auf die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in den Pflegeeinrichtungen. Die Bewohner von Pflegeeinrichtungen wiesen in der Spitze bis zu 400 täglich gemeldete Neuinfektionen auf; diese Zahl ist auf ca. 20 Infektionen täglich abgefallen. Im Gesundheitswesen traten bei Patienten bis zu 80 (nosokomial erworbene) Neuinfektionen pro Tag auf, die Zahl lag in den letzten drei Wochen zwischen 0 und 18.

(8) Aktuell ist ein leichter Anstieg bei den Mitarbeitern und Betreuten der Gemeinschaftseinrichtungen nach §33 IfSG1 zu beobachten, der intensiver Beobachtung bedarf.


(9) Die Empfehlungen zum Tragen von Masken sind an die Baseline-Risiken anzupassen. Die durch Studien belegte relative Risikoverminderung um 80% bedeutet in
einem Hochrisikobereich (z. B. Gesundheitswesen, angenommene Infektionswahrscheinlichkeit 10%) eine absolute Risikodifferenz von 8%, so dass 12,5 Personen eine Maske tragen müssen, um eine Infektion zu verhindern, während in einem Niedrigrisikobereich (1 Stunde Aufenthalt Supermarkt, Infektionsrisiko von 0,01%) 12.500 Personen eine Maske tragen müssen, um eine Infektion zu verhindern.


(10) Corona nicht politisieren: Die Interpretation der epidemiologischen Situation und die Auseinandersetzung über die beste Strategie der Pandemiebekämpfung sollte nicht von Kalkülen kurzfristiger politischer Positionsvorteile dominiert werden und ist auch nicht als Gegenstand des anstehenden Wahlkampfes geeignet.


(11) Rationale Entscheidungsfindung, rationaler Diskurs: Auch die Pandemie rechtfertigt es nicht, von der Grundnorm einer begründet abwägenden Entscheidungsfindung abzugehen und die Erfordernisse eines transparenten, fairen und faktenbegründeten Diskurses zwischen Politik, Wissenschaft und Medien zu relativieren. Gerade in dieser Situation müssen die jeweiligen Rollenzuweisungen klar zu erkennen sein, um daraus abgeleitet die Verantwortlichkeiten in einem demokratischen Rechtsstaat abzugrenzen. Nur unter diesen Voraussetzungen ist es möglich, das Vertrauen der Bürger in die rechtsstaatlich demokratische Kommunikation zu stärken.

Link zum Thesenpapier 4.0


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Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Prof. Dr. Philip Manow
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10 Bremer Wissenschaftlerinnen aus drei Fachbereichen (6, 8, 12) und drei Instituten (bigas, artec, SOCIUM) gründen interdisziplinäres Lab

Worum geht es?

Forschungsinnovationen brauchen Kooperationen. Das im Rahmen der Worlds of Contradiction (WoC) neu gegründete interdisziplinäre Lab wird sich der Thematik „Violence, Age and Gender“ aus rechts- und sozialwissenschaftlicher Perspektive nähern und Kompetenzen bündeln. Ziel des Labs ist es, nationales und internationales Wissen über Vorkommen und Ursachen geschlechtsspezifischer Gewalt und Belästigung im öffentlichen, institutionellen sowie auch privaten Raum interdisziplinär zusammenzuführen, um daraus weitere Forschungsfragen abzuleiten sowie Strategien zur Gewaltprävention zu entwickeln. Ausgangspunkt dafür ist das aktuelle Übereinkommen 190 über die Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt der internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Gewalt strukturell und individuell zu erleben heißt, in und mit Widersprüchen zu leben. Formen der Gewalt werden zu verschiedenen Zeiten des Lebens und in unterschiedlichen Konstellationen erfahren; gesellschaftliche sowie individuelle Entwicklungschancen werden dadurch beeinträchtigt.

Zehn Bremer Wissenschaftlerinnen aus drei Fachbereichen (6, 8, 12) und drei Instituten (bigas, artec und SOCIUM) nutzen für die Untersuchung von gewaltinduzierten Widersprüchen im Lebens(ver)lauf Gender als gemeinsames zentrales Analysekriterium, unter Einbezug einer intersektionalen Perspektive. Aus den jeweils miteinander verschränkten Ungleichheitsdimensionen Geschlecht, Alter, Klasse bzw. Schicht und Ethnizität ergeben sich Überlagerungen mit Gewalt, Migrationsprozessen und Rassismus.

Der zugrunde gelegte interdisziplinäre und interdependente Gewaltbegriff erlaubt die Untersuchung staatlicher, institutioneller, organisationaler oder interpersoneller Gewalt gegenüber Menschen aller Geschlechter und verschiedener Altersgruppen sowie von Machtbeziehungen, wie beispielsweise in Arbeitsverhältnissen oder bezüglich Mehrfachdiskriminierungen. Als Grundlage dienen Quellen zu internationalen und regionalen völkerrechtlichen Übereinkommen einschließlich deren Überwachung sowie Forschungsergebnisse aus den Rechts-und Sozialwissenschaften.

Das Lab knüpft somit an die an der Universität Bremen seit den 1980er Jahren etablierte Genderforschung an und verfolgt mit der interdisziplinären Sichtweise auf das Thema Gewalt einen Theorie-Praxis-Transfer, der dazu beiträgt, Lebensverhältnisse konkret zu verbessern. Die Forschungsergebnisse werden als Transferangebot für Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zur Verfügung gestellt.

Wer arbeitet hier?

Prof. Dr. Konstanze Plett, LL.M. (Gründungsmitglied)
Prof. Dr. Ursula Rust (Gründungsmitglied)
Prof. Dr. Simone Scherger (Gründungsmitglied)
Prof. Dr. Ines Weller (Gründungsmitglied)
Prof. Dr. Betül Yarar (Gründungsmitglied)
Ass. Prof. Dr. Fatma Karakaş-Doğan (Gründungsmitglied)
Dr. Ruth Abramowski (Gründungsmitglied)
Dr. Anna Hokema (Gründungsmitglied)
Dr. Sylke Meyerhuber (Gründungsmitglied)
Dr. Sabine Ritter (Gründungsmitglied)
Wiebke Blanquett, M.A. (Gründungsmitglied)
Privatdozent Dr. Thorsten Fehr (seit 13.07.2020)

Neben den beteiligten aktiven Wissenschaftler_innen steht das Lab in einem Austausch mit den in der Bremer Tradition universitärer Genderforschung stehenden Kolleginnen Prof. Dr. Karin Gottschall (FB 8, Vorstand SOCIUM, Leiterin der Abteilung „Ungleichheitsdynamiken in Wohlfahrtsgesellschaften“) und Prof. Dr. Gabriele Bolte (FB 11, Geschäftsführende Direktorin des IPP).

Was findet statt?

Für 2021 sind verschiedenen Vorträge bzw. Workshops mit anerkannten europäisch und international aktiven Jurist_innen und zu Gewalt forschenden Soziolog_innen geplant. Eine größere Konferenz (mit ca. 100 Teilnehmenden) für Anfang Dezember 2021 in der Evangelischen Akademie Loccum mit der anschließenden Veröffentlichung eines Sammelbandes ist bereits in Planung.

Kontakt:
Prof. Dr. Ursula Rust
Fachbereich Rechtswissenschaft
Universitätsallee, GW1
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-66080
E-Mail: urust@uni-bremen.de


Dr. Ruth Abramowski
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58550
E-Mail: ruth.abramowski@uni-bremen.de