News

Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Politische Ökonomie des Wohlfahrtsstaates".

News filtern
SuchErgebnis:
Verbesserung der Outcomes in Sicht | Stabile Kontrolle: Würde und Humanität wahren | Diskursverengung vermeiden: Corona nicht politisieren

Die wichtigsten Botschaften auf einen Blick

(1) Nach der herdförmigen Ausbreitung (Cluster) dominiert jetzt die sporadische Dynamik: Zunahme der täglich neu gemeldeten Infektionen mit SARS-CoV-2/Covid-19 von ca. 300 Fällen/Tag auf derzeit ca. 1350 Fällen/Tag (34. KW), Ausweitung des wöchentlichen Testumfangs von 400.000 auf 900.000, Abfall der Rate positiver Testergebnisse 9% auf ca. 1% - neben den „Herden“ hat sich jetzt die homogene (sporadische) Ausbreitung in den Vordergrund geschoben. Diese Dynamik ist allein durch Testung und Nachverfolgung nicht zu beherrschen, sondern bedarf einer stabilen Kontrolle durch klug geplante, Zielgruppen-orientierte Präventionsmaßnahmen.

(2) Parallel zur Zunahme der gemeldeten Infektionen kommt es zu einer Abschwächung der klinischen Folgen: Die Zunahme der täglich neu gemeldeten Infektionen in den letzten fünf bis sechs Wochen ist nicht von einer Zunahme der Erkrankungen und Komplikationen gefolgt, stattdessen ist die Hospitalisierungsrate von über 20% auf 9% abgefallen, die intensivmedizinisch betreuten Patienten sanken von 3000 auf 230 und die Mortalität der Infizierten von 7% auf 0,4% (die Angabe der letzten
Wochen liegen noch niedriger, sind aber noch nicht abschließend zu bewerten). Bestätigt wird diese Tendenz durch das Patientenkollektiv, das die infizierten Mitarbeiter im Gesundheitswesen darstellen (n = 14.977 am 26.8.2020), wo die Dunkelziffer keine Rolle spielen sollte: hier liegt die Mortalität bei zwischen 0,12 und 0,16%. Als ursächlich für diese günstige Entwicklung sind die zunehmende Testung nicht-erkrankter Personen, ein jüngeres Durchschnittsalter und die Verbesserung der organisatorischen Abläufe in den Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie der Pflegeeinrichtungen zu diskutieren. Es ist unklar, ob zusätzlich eine Veränderung des Virustyps vorliegt.


(3) Die sporadische Ausbreitung wird im begrenzten Umfang weiter zunehmen, kann aber aufgefangen werden: In einem groben Modell wird die weitere Ausbreitung durch vier Kompartimente determiniert: das „Grundrauschen“, die Reiserückkehrer, die Schul- bzw. Kindergartenöffnungen und die im Winter anstehende vermehrte Innenraumnutzung. Ein weiterer, auch deutlicher Anstieg der täglichen Neuinfektionen
kann daher nicht ausgeschlossen werden. Diese Situation ist zu bewältigen, wenn (1) spezifische Präventionsprogramme entwickelt werden, die die verletzlichen Gruppen schützen (unter aktiv umgesetzter Wahrung der individuellen Würde und Humanität), und
wenn (2) die Ressourcen des Gesundheitssystems (Organisation, Bettenkapazität) in der jetzigen Form aufrechterhalten werden. Therapie und Impfstoffentwicklung sind denkbare Lösungen, die Epidemie muss jedoch auch dann stabil kontrolliert werden, wenn sich hier Verzögerungen ergeben sollten.


(4) Bei massiver Ausdehnung des Testumfanges auf Niedrigprävalenz-Kollektive (Häufigkeit 1-3%) sind unkontrollierbare Probleme mit falsch-positiven Befunden zu erwarten, die von den Institutionen, die mit der Nachverfolgung beauftragt sind, nicht bewältigt werden können. Die Teststrategie muss daher auf die Strategie der Stabilen Kontrolle ausgerichtet sein, d.h. es müssen in erster Linie Kollektive mit höherer Prävalenz, Kollektive mit höherem oder unbekanntem Infektionsrisiko (z.B. Lehrer, Kindergartenmitarbeiter) und Kollektive mit hohem individuellem Risiko für Komplikationen (z.B. Bewohner von Pflegeheimen und deren Angehörige, ambulante Pflege) getestet werden.


(5) Die Definition der „Zweiten Welle“ sollte nicht auf starren Grenzwerten beruhen, sondern sich auf das Kriterium der mangelnden Abgrenzbarkeit von Herden und sporadischer Ausbreitung beziehen (ergänzt um eine regionale Komponente – mehr als 5 Gebietskörperschaften in mindestens zwei Bundesländern – und einen offiziell festgestellten Kontrollverlust).


(6) Primäres Ziel ist die „Stabile Kontrolle“ der Epidemie, eine Eradikation scheidet ebenso aus wie die Strategie der Herdenimmunität. Essentiell sind Zielgruppen-orientierte
Präventionsmaßnahmen für die besonders verletzlichen Gruppen in der Bevölkerung. Diese Schutzkonzepte müssen die Ziele der Infektionskontrolle genauso berücksichtigen wie Humanität und Würde der einzelnen Person, hierzu sind innovative Konzept zu entwickeln und umzusetzen.


(7) Mitarbeiter und Patienten/Bewohner/Betreute in den Institutionen des Gesundheitswesens, der Pflege- und Gemeinschaftseinrichtungen trugen zu Beginn der Epidemie mit bis zu 1000 Neuinfektionen pro Tag und fast 50% der Todesfälle durch Covid-19 in Deutschland einen großen Teil der Krankheitslast, jeweils zur Hälfte verteilt auf Mitarbeiter und Patienten/Bewohner/Betreute. 300 bzw. 200 gemeldete Neuinfektionen entfielen auf die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in den Pflegeeinrichtungen. Die Bewohner von Pflegeeinrichtungen wiesen in der Spitze bis zu 400 täglich gemeldete Neuinfektionen auf; diese Zahl ist auf ca. 20 Infektionen täglich abgefallen. Im Gesundheitswesen traten bei Patienten bis zu 80 (nosokomial erworbene) Neuinfektionen pro Tag auf, die Zahl lag in den letzten drei Wochen zwischen 0 und 18.

(8) Aktuell ist ein leichter Anstieg bei den Mitarbeitern und Betreuten der Gemeinschaftseinrichtungen nach §33 IfSG1 zu beobachten, der intensiver Beobachtung bedarf.


(9) Die Empfehlungen zum Tragen von Masken sind an die Baseline-Risiken anzupassen. Die durch Studien belegte relative Risikoverminderung um 80% bedeutet in
einem Hochrisikobereich (z. B. Gesundheitswesen, angenommene Infektionswahrscheinlichkeit 10%) eine absolute Risikodifferenz von 8%, so dass 12,5 Personen eine Maske tragen müssen, um eine Infektion zu verhindern, während in einem Niedrigrisikobereich (1 Stunde Aufenthalt Supermarkt, Infektionsrisiko von 0,01%) 12.500 Personen eine Maske tragen müssen, um eine Infektion zu verhindern.


(10) Corona nicht politisieren: Die Interpretation der epidemiologischen Situation und die Auseinandersetzung über die beste Strategie der Pandemiebekämpfung sollte nicht von Kalkülen kurzfristiger politischer Positionsvorteile dominiert werden und ist auch nicht als Gegenstand des anstehenden Wahlkampfes geeignet.


(11) Rationale Entscheidungsfindung, rationaler Diskurs: Auch die Pandemie rechtfertigt es nicht, von der Grundnorm einer begründet abwägenden Entscheidungsfindung abzugehen und die Erfordernisse eines transparenten, fairen und faktenbegründeten Diskurses zwischen Politik, Wissenschaft und Medien zu relativieren. Gerade in dieser Situation müssen die jeweiligen Rollenzuweisungen klar zu erkennen sein, um daraus abgeleitet die Verantwortlichkeiten in einem demokratischen Rechtsstaat abzugrenzen. Nur unter diesen Voraussetzungen ist es möglich, das Vertrauen der Bürger in die rechtsstaatlich demokratische Kommunikation zu stärken.

Link zum Thesenpapier 4.0


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Mit mehr als einer halben Million Euro fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die von Nikolas Dörr geleitete Nachwuchsgruppe im Rahmen des Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS).

Die interdisziplinär zusammengesetzte Forscher*innengruppe wird in den kommenden drei Jahren zusammen mit nationalen und internationalen Kooperationspartner*innen die Entstehung und Entwicklung der „aktivierenden Sozialpolitik“ in Deutschland untersuchen.

Der „aktivierende Sozialstaat“ ist seit den 1990er-Jahren zum neuen Leitbild der Sozialpolitik in Deutschland und weiten Teilen Europas avanciert. Im Fokus der öffentlichen Debatte in Deutschland stehen dabei besonders die Reformen der Agenda 2010 und vor allem „Hartz IV“. Während die sozioökonomischen Ursachen dieses sozialpolitischen Wandels (insb. Ölkrisen, Massenarbeitslosigkeit, demografische Entwicklung, Staatsverschuldung) bereits gut erforscht sind, wurden gesellschaftliche und internationale Faktoren bislang weitgehend ausgeblendet. Die alleinige Fokussierung auf die sozioökonomische Situation greift jedoch zu kurz, um diese sozialstaatliche Transformation umfassend erklären zu können.

Die Nachwuchsgruppe untersucht den „aktivierenden Sozialstaat“ dementsprechend nicht als eine Summe von Gesetzen, sondern weitergehender als sozialpolitische Reaktion auf einen grundlegenden, langfristigen gesellschaftlichen Wandel und die Veränderung internationaler sozialpolitischer Leitbilder seit Ende der 1970er-Jahre. Ersteres schließt u. a. Prozesse der Individualisierung, Pluralisierung (v. a. durch Migration) und die Popularisierung des Prinzips „Fördern und Fordern“ mit ein. Letzteres bezieht sich auf die transnationale Rezeption neuer sozialpolitischer Ansätze (u. a. Thatcherismus, Workfare, „New Labour“, Flexicurity).

Die Nachwuchsgruppe besteht aus den Doktorand*innen Wanda Schwarze-Wippern und Christof Wittmaack sowie dem Nachwuchsgruppenleiter Dr. Nikolas Dörr, die sich in drei Teilprojekten dem Einfluss a) internationaler sozialpolitischer Ideen- und Politiktransfers seit 1979, b) von Einstellungsveränderungen gegenüber staatlicher Sozialpolitik (u. a. bedingt durch die Asyldebatten seit den 1980er-Jahren und unterschiedliche sozialstaatliche Prägungen in West- und Ostdeutschland) und c) der Veränderung des öffentlichen und medialen Diskurses über Sozialpolitik und deren Rückwirkung auf den sozialpolitischen Entscheidungsprozess widmen.

Weitere Informationen:
Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung


Kontakt:
Dr. Nikolas Dörr
SOCIUM - Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58645
E-Mail: doerr@uni-bremen.de

Herbert Obinger Mitherausgeber des neuen Standardwerkes

Wer sich umfassend über Geschichte, Theorien und Methodik, konkrete Politikinhalte und ihre Wirkungen im Bereich der (international vergleichenden) Sozialpolitikforschung informieren will, der kann seit neuestem zum gut 900 Seiten starken „Handbuch Sozialpolitik“ greifen, das Herbert Obinger zusammen mit dem Heidelberger Emeritus Manfred G. Schmidt herausgegeben hat. Auf dem deutschen Buchmarkt gibt es nichts Vergleichbares. Bisherige Überblicke in Buchform hatten sich auf Teilaspekte des Themas wie etwa das Sozialrecht beschränkt.

Das neue Handbuch gliedert sich in sieben Teile mit insgesamt 41 Kapiteln, die von den führenden Expertinnen und Experten (aus unterschiedlichen Forschungsdisziplinen) geschrieben wurden. Zehn Beiträge stammen von Mitgliedern des SOCIUM. Teil I widmet sich der Geschichte der Sozialpolitik, Teil II den Theorien zu ihrer Erklärung. Teil III greift die unterschiedlichen nationalen wohlfahrtsstaatlichen Systeme und die dazugehörigen Typologien auf, während Teil IV einen Überblick über die Methoden der Sozialpolitikforschung offeriert. Teil V beschäftigt sich mit den aktuellen Herausforderungen, während Teil VI einen breiten Überblick über die vielschichtigen konkreten Inhalte der unterschiedlichen Felder von Sozialpolitik bietet. Der abschließende Teil VII befasst sich mit den Wirkungen von Sozialpolitik.

Weitere Informationen:
Obinger, Herbert/Schmidt, Manfred G. (Hrsg.) 2019: Handbuch Sozialpolitik, Wiesbaden: Springer VS


Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Obinger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58567
E-Mail: herbert.obinger@uni-bremen.de

Philip Manows neues Buch auf Platz 3 der Sachbuch-Bestsellerliste der ZEIT.

Dass der erhebliche Aufschwung des Populismus etwas mit Globalisierung zu tun hat, ist eine schon lange diskutierte Annahme. Meist dominiert in den öffentlichen Debatten aber eine kulturelle Sicht auf den Populismus: Global orientierte Kosmopoliten ständen gegen jene, die sich auf den Nationalstaat zurückziehen oder offen nationalistisch agieren. Gegen diese kulturalistische Sicht etabliert Philip Manow in seinem neuen Buch eine politisch-ökonomische Betrachtung des Populismus. Was aber lässt ihn in Südeuropa eher als Linkspopulismus auftreten, während er im Norden in seiner rechten Variante dominiert?

Der griechische oder italienische Wohlfahrtsstaat verteilt anteilig am Bruttoinlandsprodukt ähnlich viel um wie der deutsche oder schwedische. Der entscheidende Unterschied, so Manow, aber ist der Zugang zu den Leistungen. Im Norden herrscht universeller Zugang vor. Die Sozialleistungen im Süden sind aber auf einen vergleichsweise engen Personenkreis begrenzt. Der Norden hat dadurch die Risiken globalisierter Exportmärkte für alle Erwerbstätigen abgefedert, integriert aber auch Migrant*innen in das sozialstaatliche Gefüge. Der Süden baut seine Wirtschaft wesentlich mehr auf heimischer Nachfrage auf. Für die Sozialpolitik des Südens bedeuten Migrant*innen nur geringe Probleme. Sie erhalten keinen Zugang. Der Norden fürchtet Freizügigkeit, der Süden Freihandel. Hier verfangen denn auch eher die Parolen linker Populisten nach verstärktem Protektionismus vor ausländischer Warenkonkurrenz sowie nach deutlichen Lohnerhöhungen.

Philip Manow ist Professor für Vergleichende Politische Ökonomie und Mitglied des SOCIUM.

Weitere Informationen:
Manow, Philip 2018: Die Politische Ökonomie des Populismus, Berlin: Suhrkamp


Kontakt:
Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Universitäten Bremen und Zürich vergleichen Wahlergebnisse / AfD-Anhänger keine "Modernisierungsopfer".

Wählerinnen und Wähler der AfD (Alternative für Deutschland) sind nicht in erster Linie sogenannte Modernisierungsverlierer, also Opfer des wirtschaftlichen Strukturwandels. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universitäten Bremen und Zürich. Die Analysen der Faktoren des AfD-Wahlerfolgs zeigten vielmehr, dass in den untersuchten Regionen bereits seit den 1990er Jahren eine "Tradition des rechten Wählens" bestehe, sagt Politikprofessor Philip Manow vom SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen.

Analyse von Wahlergebnissen
Gemeinsam mit seiner Fachkollegin Dr. Hanna Schwander vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich hat er die Wahlergebnisse der Parteien bei der Bundestagswahl 2013 und der Europawahl 2014 in den gut 400 Kreisen und kreisfreien Städten der Bundesrepublik Deutschland verglichen und ausgewertet. Unter Berücksichtigung zahlreicher wirtschaftlicher oder sozialer Ungleichheitsmaße kommen die Wissenschaftlerin und der Wissenschaftler zu dem Schluss, dass diese Faktoren einen geringen bis gar keinen Erklärungsbeitrag zum Aufstieg der rechtspopulistischen AfD leisten.

Republikaner und NPD als Vorläufer
Eine Tradition rechten Wählens zeige sich allerdings schon in den 1990er Jahren in genau denjenigen Regionen, die gegenwärtig durch den besonderen AfD-Wahlerfolg auffallen. Professor Manow: "Dies sind aber nicht notwendigerweise ökonomisch abgehängte Regionen, wenn wir an Baden-Württemberg oder Sachsen denken." Der Erfolg rechter Parteien wie Republikaner oder NPD als Vorläufer sei dort bereits vor einem Vierteljahrhundert feststellbar.

"Unwahrscheinlich, dass AfD bald aus Parlamenten verschwindet"
"Dieser Befund lässt es als eher unwahrscheinlich erscheinen, dass die AfD aus denjenigen Parlamenten, in die sie hineingewählt wurde, bald wieder verschwinden wird - trotz einer momentan erfreulichen wirtschaftlichen Lage", unterstreicht Professor Manow.

Weitere Informationen:
Studie: It’s not the economy, stupid! Explaining the electoral success of the German right-wing populist AfD (in englischer Sprache)


Kontakt:
Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Prof. Dr. Carina SchmittProf. Dr. Carina Schmitt
1,5 Millionen Euro von der Europäischen Forschungsgemeinschaft für ihr Forschungsprojekt "Das Erbe des Kolonialismus: Ursachen und Auswirkungen von Sozialpolitik im Globalen Süden".

Große Freude im SOCIUM: Carina Schmitt, Professorin für Globale Sozialpolitik an der Universität Bremen, hat eine hohe Auszeichnung erhalten. Sie hat einen der begehrten ERC Starting Grants errungen. Der Europäische Forschungsrat (European Research Council) fördert nun ihre wissenschaftliche Arbeit mit knapp 1,5 Millionen Euro. Carina Schmitt erforscht das Vermächtnis des Kolonialismus mit Blick auf Ursprünge und Ergebnisse sozialer Sicherung. Sie untersucht, welche Rolle die koloniale Vergangenheit vieler armer Staaten in Bezug auf die Effektivität von Sozialpolitik zur Bekämpfung von Armut und Ungleichheit spielt. Zudem baut sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eine Datenbank auf, die Informationen zu Sozialpolitiken in globaler und historischer Perspektive enthält.

"Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Ich habe damit die Möglichkeit ein spannendes Forschungsprojekt in einem tollen Forschungsumfeld hier an der Universität Bremen umzusetzen. Das ist nicht selbstverständlich.", sagt Professorin Schmitt.

Der ERC Starting Grant wird in diesem Jahr europaweit an 406 junge Spitzenforscher und -forscherinnen vergeben. Insgesamt fördert der Europäische Forschungsrat die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit 605 Millionen Euro. Mit dem Geld soll es ihnen ermöglicht werden, ihre eigenen Forschungsideen mit ihren Teams unabhängig umsetzen zu können. Für die hohe Auszeichnung waren 3085 Vorschläge eingegangen.

Weitere Informationen: Arbeitsgruppe "Globale Sozialpolitik"


Kontakt:
Prof. Dr. Carina Schmitt
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58603
E-Mail: carina.schmitt@uni-bremen.de

International Conference, University of Bremen, September 13-15 2017

Organizers
Dr. Teresa Huhle & Prof. Dr. Delia Gonzalez de Reufels, Latin American History (History Department, Faculty 8), University of Bremen, in cooperation with the SOCIUM Research Center on Inequality and Social Policy, University of Bremen

The conference aims to bring together an international group of junior and senior scholars from history and related fields who are working on the history of social policies and the welfare state in the Global South from a transnational, entangled or global history perspective.

Together, we would like to discuss current trends of research as well as map out open questions of the field. During the last ten years, the historiography on social policies and the welfare state has started to participate in the transnational turn. However, the exchanges of knowledge, ideas and institutions have been predominantly studied among countries and regions of the Global North, also highlighting transfers from north to south. The way European powers have intervened within their colonial domains in Africa and Asia in social policy issues can serve as an example.

We attempt to broaden these perspectives on the directions of transfer and communication. We are especially interested in research that focuses on exchanges and processes of transfer which have worked in the south-south and south-north direction. These can include questions on the effects that colonial contestations of welfare measures had on the policies in the respective ¡¥motherlands¡¦, on regional exchanges during moments of crisis (e.g. in Latin America during the Great Depression) or on how delegates from the Global South shaped the social policies of international bodies like the International Labor Organization (ILO) or the Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights (UNHCR).

In this context, we consider it promising to use a broad concept of the welfare state and its policies, including not only the classical domains of labor security and public health, but also encompassing fields like nutrition, reproduction, education, recreation and other emerging research perspectives.

The integration of a cultural history perspective will further enable us to look at representations and constructions of social problems in diverse spatial configurations. We consider these as directly intertwined with the policies directed at them and want to highlight that 'welfare problems' and their underlying social and moral assumptions traveled just as much.

We are furthermore particularly interested in discussing the role of policies and welfare measures in the processes of nation building, which both on an institutional and an identity level must be conceptualized as a global phenomena and transnational endeavor. At the same time, we consider it important to look at the formation and exchange of social policy ideas and institutions beyond the national level, highlighting both exchanges on the communal and provincial level and within regional cooperation and international organizations.

In sum, we are particularly interested in case studies which fit into this general framework. We invited contributions which pay particular attention to the following methodological and thematic aspects:

  • Transnational networks and actors who promoted and conceptualized social policies and their mobility, especially beyond the realm of policy makers and experts, highlighting the role of social movements, labor unions and health activists among others

  • The development and transfer of visual and graphic depictions of social problems and social policies

  • The gendered dimensions of social policies and political demands

  • Colonial and imperial social policies and their possible afterlives during nationhood

  • Cross-border struggles for the recognition of social rights

The discussion will be stimulated by keynote lectures, including Prof. Dr. Christoph Conrad (University of Geneva).

If you wish to participate in the conference, please send in an abstract (maximum length 300 words) and a short CV by October 31st, 2016 to teresa.huhle@uni-bremen.de.
Notifications of acceptance will be sent out by mid-November 2016. A small travel allowance may be granted but funds are limited.

For further information please contact: teresa.huhle@uni-bremen.de

Download: Call for Papers

Laura SeelkopfLaura Seelkopf
1.106 Anträge für 47 Fellowships.

Das Europäische Hochschulinstitut in Florenz zählt zu den begehrtesten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitutionen weltweit - und das nicht nur für Fragen der Europäischen Einigung oder der Politik der Europäischen Union. Vielmehr hat sich das Institut in den vergangenen vier Jahrzehnten zu einem der führenden Zentren für vergleichende Forschung zu Gesellschaften und politischen Systemen entwickelt. Entsprechend begehrt sind seine Ausschreibungen; seien es Professuren oder Forschungsstipendien. Zu den begehrtesten gehört dabei das Max Weber Programme for Postdoctoral Studies. Für die elfte Ausschreibung für das Stipendienjahr 2016/2017 kamen mehr als 1.100 Bewerbungen auf nicht ganz 50 Stellen. Und nun ist es offiziell: Laura Seelkopf ist eine der 47 Erfolgreichen, die ab September für ein Jahr in Florenz forschen dürfen.

Das Max Weber Programm des Europäischen Hochschulinstituts gilt als angesehene Zwischenstation hervorragender Postdocs auf dem Weg zu einer eigenen Professur. Florenz bietet dazu nicht nur ausgezeichnete Forschungsbedingungen, sondern auch ein interdisziplinäres akademisches Umfeld, das es erlaubt, zum einen über den Tellerrand des eigenen Faches hinauszuschauen und zum anderen das akademische Netzwerk gleichgesinnter Nachwuchsleute weltweit auszudehnen. Das Forschungsvorhaben, das Laura Seelkopf in Florenz vorantreiben möchte, befasst sich mit einem internationalen Vergleich von staatlichen Steuerpolitiken und deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Ungleichheit verschiedener Gesellschaften.

  • Wie lassen sich die national unterschiedlichen Entscheidungen über progressive direkte Steuern erklären?
  • Und welchen Einfluss haben diese unterschiedlichen nationalen Steuersysteme auf die wirtschaftliche Ungleichheit?


Ziel der Forschungsarbeit soll es letztlich sein, die Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen direkte Steuern als Mittel zur Verringerung wirtschaftlicher Ungleichheit eingesetzt werden.


Kontakt:
Prof. Dr. Laura Seelkopf
Ludwig-Maximilians-Universität München
Oettingenstraße 67
80538 München
Tel.: +49 89 2180-9086
E-Mail: laura.seelkopf@gsi.lmu.de

Prof. Dr. Herbert ObingerProf. Dr. Herbert Obinger
Knapp eine Million Euro für Forschung zu "Wehrpflicht, Militär und Wohlfahrtsstaatsentwicklung in Europa".

Reinhart Koselleck-Projekte sollen, so die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in ihrer Ausschreibung, mehr Freiraum für innovative und im positiven Sinne risikobehaftete Forschung schaffen. Herbert Obinger, Professor für vergleichende Staatstätigkeitsforschung und vergleichende Sozialpolitik, hat nun den Zuschlag für ein solches innovatives Projekt bekommen: Der Bremer Sozialwissenschaftler wird in dem Projekt europäische Staaten in der Frage vergleichen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang Militär und Wehrpflicht zur Herausbildung des Wohlfahrtsstaates beigetragen haben. Mit der Bewilligung geht erneut eine hohe Auszeichnung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an die Universität Bremen.

In der US-amerikanischen Diskussion wird schon seit längerem der Veteranenversorgung eine wesentliche Rolle bei der Herausbildung der besonderen Form des US-Wohlfahrtsstaates beigemessen. In der europäischen Diskussion dominierten hingegen eher Industrialisierung, Proletarisierung sowie der Aufstieg von Gewerkschaften und Sozialdemokratie als wesentliche Einflussfaktoren. Und das obwohl gerade Europa Schauplatz zweier Weltkriege gewesen ist. Kriegsvorbereitung, totale Mobilmachung, furchtbarer Kriegsverlauf und katastrophale Folgen bieten indessen auch für Europa vielfache Ansatzpunkte für ein Nachdenken darüber, wo und mit welchen unterschiedlichen Ergebnissen Militär und Wehrpflicht in die Sozial- und Bildungspolitik eingegriffen haben könnten: Von der Forderung nach gesünderen und besser gebildeten Rekruten aus den Industrierevieren über die Verhinderung eines weiteren "Steckrüben-Winters" bis hin zur (mitunter auch fehlenden) Hilfe für die Kriegsversehrten, Hinterbliebenen, Flüchtlinge, Zwangsarbeiter, Häftlinge, Ausgebombten - jene an Leib, Leben, Gesundheit und Lebenschancen geschädigten Menschen.

Die mit diesem Koselleck-Projekt verbundene Forschung verfolgt zwei Ziele: Zum einen über die Vielzahl einzelner Geschichten hinaus zu einer systematischen, vergleichenden Bestandsaufnahme des Einflusses von Militär und Wehrpflicht auf den Wohlfahrtsstaat zu gelangen; zum anderen soll untersucht werden, inwiefern die nationalen Unterschiede in Militär und Wehrpflicht eventuell zu Unterschieden in den nationalen Bildungs- und Sozialpolitiken geführt haben.

Weitere Informationen:
Reinhart Koselleck-Projekte - Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)


Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Obinger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58567
E-Mail: herbert.obinger@uni-bremen.de

In dem von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekt untersuchen Philip Manow und Valentin Schröder die Entwicklung der Demokratie in Deutschland.

Im Mai ist am SOCIUM (entstanden aus dem Zentrum für Sozialpolitik und dem Institut für empirische und angewandte Soziologie) das Projekt "Formative Stages of German Politics. The Contested Rise of Parliamentary Democracy, 1867-1967" gestartet. In dem von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekt untersuchen Philip Manow und Valentin Schröder aus der Abteilung "Politische Ökonomie des Wohlfahrtsstaats" die Parlamentarisierung Deutschlands im Zeitraum 1867-1967, also von der Gesetzgebungspraxis unter dem Konstitutionalismus über den Dualismus Reichstag-Reichspräsident in der Weimarer Republik bis zur "Kanzlerdemokratie" der Bundesrepublik.

In dem Projekt gehen die beiden Forscher der Vermutung nach, dass die demokratische Regierungsform in Deutschland seit 1945 insbesondere davon geprägt wurde, dass die Parteieliten als zentrale Akteure des deutschen politischen Systems auf fundamentale Erfahrungen und Praktiken der parlamentarischen Regierungsweise aus der Zeit vor 1933 zurückgreifen konnten. Sie wenden sich damit gegen die verbreitete Vorstellung, dass das heutige politische System der Bundesrepublik, das allgemein als ein Beispiel einer "gelungenen Demokratie" gilt, sich als reines Nachkriegsprodukt im Kontext von Grundgesetzgebung und Wirtschaftswunder verstehen lässt.

Diese Entwicklung, die sich erst aus einer vergleichenden Betrachtung über einen längeren Zeitraum hinweg zeigt, möchten Manow und Schröder in ihrem Projekt untersuchen, um zu einer systematischen politikwissenschaftlichen Darstellung der Grundlagen unserer heutigen bundesdeutschen Demokratie zu gelangen.

Seit 2011 haben die beiden Forscher bereits u.a. im Rahmen des "Bremen Reichstag Project" umfassende Datenbestände für den Zeitraum 1890-1965 aufgebaut, zum Beispiel zur personellen Zusammensetzung der Parlamente, zum dortigen Abstimmungs- und Antragsverhalten, zu den Wahlbündnissen und zu den Wahlergebnissen. Im Projekt "Formative Stages" erweitern und systematisieren sie diese Bestände, um eine umfassende Datenbasis für ihre Fragestellungen zu erhalten. Dafür nutzen sie systematisch die neuen technischen Möglichkeiten der Erhebung und Analyse parlamentarischer Prozessdaten. Das Projekt ist damit das erste seiner Art, in dem auf diese Weise der "deutsche Weg zur Demokratie" untersucht wird.

Schröder und Manow streben im Rahmen von "Formative Stages" außerdem die Vertiefung ihrer bisherigen Kooperationen mit Projekten zu ähnlichen Fragestellungen an. Das betrifft zum einen die Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern zu den britischen und amerikanischen Fällen. Zum anderen möchten sie mit einer vergleichenden Perspektive auch die Erforschung der Entwicklung der parlamentarischen Systeme in den zahlreichen anderen europäischen Gesellschaften vorantreiben.

Weitere Informationen zum Projekt:
Formative Stages of German Politics: The Contested Rise of Parliamentary Democracy, 1867-1967


Kontakt:
Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Dr. Valentin Schröder