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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Gesundheit, Pflege und Alterssicherung".

Foto Glaeske: ©Raphael Hünerfauth, photothek.netFoto Glaeske: ©Raphael Hünerfauth, photothek.net
Zahlen korrekt interpretieren | Spezifische Zielgruppen-orientierte Prävention | Moderne Risikokommunikation statt Lockdown-Drohung

Das Ergebnisprotokoll der Konferenz von Bundeskanzlerin, Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten vom 14.10.2020 veranlasst die Autorengruppe, mit einer dringlichen ad hoc Stellungnahme auf besorgniserregende Fehlentwicklungen hinzuweisen. Diese Fehlentwicklungen betreffen alle drei Sachgebiete, zu denen sich die Autorengruppen in ihren vier bisherigen Thesenpapieren bislang geäußert hat: Epidemiologie, Präventionskonzept und gesellschaftspolitische Implikationen.

Link zur ad hoc Stellungnahme


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Entwicklung und Erprobung eines einheitlichen Verfahrens erfolgreich abgeschlossen

Ausreichendes und qualifiziertes Personal ist in Pflegeeinrichtungen eines der wichtigsten Strukturmerkmale um gute Pflegequalität zu erzielen. Dennoch war bisher weder bekannt, welche Personalmengen bedarfsnotwendig sind, noch welcher Mix aus Pflegefach- und -assistenzkräften zur fachgerechten Versorgung erforderlich ist.
 
Ein Forscherteam der Universität Bremen unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Rothgang hat zur Klärung dieser Fragen im Jahre 2017 einen Entwicklungsauftrag der deutschen Pflegeselbstverwaltung erhalten. Das praktische Ziel war es, ein bundesweit einheitliches Verfahren zur Bemessung von Pflegepersonal wissenschaftlich fundiert zu entwickeln. 
 
Am 23.09.2020 ist die Abnahme und Veröffentlichung des Abschlussberichts erfolgt. Das Projekt ist damit abgeschlossen und das Personalbemessungsinstrument bereit für eine gestufte Einführung. Eine vollständige Umsetzung wird in stationären Einrichtungen der Langzeitpflege zu Mehrpersonal von zusätzlich gut einem Drittel der heutigen Belegschaft führen. Dabei werden hierzu weit überwiegend Pflegeassistenzkräfte mit einer Ausbildung im Umfang von 1 oder 2 Jahren nach Landesrecht einzusetzen sein.
 

Ein erster Einführungsschritt mit dem das Personalbemessungsverfahren in die Pflegeversicherung übernommen wird, ist bereits im Gesetzgebungsverfahren. So sollen mit dem Versorgungsverbesserungsgesetz zum 1.1.2021 bis zu 20.000 zusätzliche Pflegeassistenzkraftstellen besetzt werden können.


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Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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Der Innovationsreport 2020 bewertet Arzneimittel, die 2017 neu auf den deutschen Markt gekommen sind

Onkologika sind wie im letzten Jahr am häufigsten untersuchte Wirkstoffkategorie, sieben Arzneimittel zählen zu den immunsuppressiven Medikamenten und damit zu den zweithäufigsten Indikationen. Einem beschleunigten Verfahren zur Zulassung für den deutschen Markt unterlagen zwei Arzneimittel im Vergleich zu acht des Vorjahres: Spinraza® (Wirkstoff: Nusinersen), das in diesem Report eine besondere Rolle spielt, und Oxervate®, das bereits wieder außer Vertrieb ist.

Nusinersen ist als Arzneimittel zur Therapie der Spinalen Muskelatrophie (SMA) zugelassen. Der SMA, ihrer medikamentösen Behandlung und dem neuen Mittel Zolgensma® ist das diesjährige Sonderkapitel gewidmet. Außerdem wurde ein Kapitel den Besonderheiten in der Zulassung von Spinraza® und Zolgensma® in den Vereinigten Staaten und in der Europäischen Union gewidmet.

Insgesamt ergab die Bewertung aller untersuchten Wirkstoffe ein gemischtes Ergebnis: Im Gesamtscore, dem zusammengefassten Vergleich mit bereits existierenden Therapieoptionen, der Beurteilung nach patientenorientiertem (Zusatz)Nutzen und dem Kostenfaktor haben 16 Wirkstoffe eine rote, sieben eine gelbe und acht eine grüne Gesamt-Ampel. Dies ist im Vergleich zu früheren Reporten kein schlechtes Ergebnis, allerdings sind die Kosten pro Behandlung teils exorbitant angestiegen, am eindrücklichsten schlägt Nusinersen mit sechsstelligen Jahrestherapiekosten zu Buche.

Download Innovationsreport 2020:
Langfassung
Kurzfassung

Download:
Präsentation der Ergebnisse von Prof. Dr. Gerd Glaeske


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Heinz Rothgang als Sachverständiger bei Anhörung im Deutschen Bundestag

Am 9.9.20 wurden im Gesundheitsausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung zwei Anträge der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen diskutiert. Die Anträge fordern im Kontext der Coronavirus-Pandemie, Pflegekräfte im stationären und ambulanten Sektor wertzuschätzen und zu entlasten - und dies auch über die akute Pandemiesituation hinaus aufrecht zu erhalten.

Link zur Anhörung im Deutschen Bundestag
 
Professor Heinz Rothgang wurde als Sachverständiger zu diesen Anträgen gehört. Er betont in seiner Stellungnahme , dass aktuelle Arbeiten sowohl im stationären Sektor als auch bei den informellen Pflegepersonen in häuslichen Pflegesituationen  zeigen, dass die ohnehin hohen Belastungen der Pflegetätigkeit aktuell verstärkt wurden. Als geeignete dauerhafte Entlastungen ist die Stärkung der professionellen Pflegepersonen durch bessere Entlohnung und höhere Personalschlüssel anzustreben. Für informelle Pflegepersonen ist langfristig eine Entlastung durch eine ordnungsrechtliche Flexibilisierung erforderlich, durch die strukturelle Überforderungen in gemischten Pflegearrangements vermieden werden können.



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Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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Ergebnisse einer Online-Befragung von informellen Pflegepersonen im erwerbsfähigen Alter

Wie eine Befragung von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten gezeigt  hat, sind diese durch die Pandemie erheblichen zusätzlichen Belastungen unterworfen. Ein entsprechender Befund wurde nun von einem Forscherteam um Prof. Heinz Rothgang (SOCIUM) und Prof. Karin Wolf-Ostermann (IPP) nun auch für die häusliche Pflege durch pflegende Angehörige nachgewiesen. Befragt wurden hierfür mehr als 1.200 Personen, die als informelle Pflegepersonen registriert sind und die aufgrund ihres Alters von unter 67 Jahren potenziell einer Doppel- und Dreifachbelastung von Pflege, Beruf und eigener Familie ausgesetzt sind: Schnellbericht_Befragung_Häusliche Pflege.
 
Durchweg zeigt sich dabei, dass die wahrgenommene Lebensqualität und die Gesundheit der Pflegenden durch die veränderten Rahmenbedingungen der Coronavirus-Pandemie teils erheblich reduziert sind. Dies ist dabei nicht auf eine erfolgte Infektion mit dem Coronavirus zurückzuführen, sondern auf die Kombination aus zeitaufwändigerer Pflege, verminderten Unterstützungsmöglichkeiten, reduzierten Sozialkontakten und Homeoffice/Homeschooling. Die abgeleiteten politischen Empfehlungen konzentrieren sich daher darauf, weitere Unterstützungsangebote zu schaffen, mit denen die häuslichen Pflegekapazitäten langfristig stabilisiert und erhalten werden können.

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Prof. Dr. Heinz Rothgang
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Verbesserung der Outcomes in Sicht | Stabile Kontrolle: Würde und Humanität wahren | Diskursverengung vermeiden: Corona nicht politisieren

Die wichtigsten Botschaften auf einen Blick

(1) Nach der herdförmigen Ausbreitung (Cluster) dominiert jetzt die sporadische Dynamik: Zunahme der täglich neu gemeldeten Infektionen mit SARS-CoV-2/Covid-19 von ca. 300 Fällen/Tag auf derzeit ca. 1350 Fällen/Tag (34. KW), Ausweitung des wöchentlichen Testumfangs von 400.000 auf 900.000, Abfall der Rate positiver Testergebnisse 9% auf ca. 1% - neben den „Herden“ hat sich jetzt die homogene (sporadische) Ausbreitung in den Vordergrund geschoben. Diese Dynamik ist allein durch Testung und Nachverfolgung nicht zu beherrschen, sondern bedarf einer stabilen Kontrolle durch klug geplante, Zielgruppen-orientierte Präventionsmaßnahmen.

(2) Parallel zur Zunahme der gemeldeten Infektionen kommt es zu einer Abschwächung der klinischen Folgen: Die Zunahme der täglich neu gemeldeten Infektionen in den letzten fünf bis sechs Wochen ist nicht von einer Zunahme der Erkrankungen und Komplikationen gefolgt, stattdessen ist die Hospitalisierungsrate von über 20% auf 9% abgefallen, die intensivmedizinisch betreuten Patienten sanken von 3000 auf 230 und die Mortalität der Infizierten von 7% auf 0,4% (die Angabe der letzten
Wochen liegen noch niedriger, sind aber noch nicht abschließend zu bewerten). Bestätigt wird diese Tendenz durch das Patientenkollektiv, das die infizierten Mitarbeiter im Gesundheitswesen darstellen (n = 14.977 am 26.8.2020), wo die Dunkelziffer keine Rolle spielen sollte: hier liegt die Mortalität bei zwischen 0,12 und 0,16%. Als ursächlich für diese günstige Entwicklung sind die zunehmende Testung nicht-erkrankter Personen, ein jüngeres Durchschnittsalter und die Verbesserung der organisatorischen Abläufe in den Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie der Pflegeeinrichtungen zu diskutieren. Es ist unklar, ob zusätzlich eine Veränderung des Virustyps vorliegt.


(3) Die sporadische Ausbreitung wird im begrenzten Umfang weiter zunehmen, kann aber aufgefangen werden: In einem groben Modell wird die weitere Ausbreitung durch vier Kompartimente determiniert: das „Grundrauschen“, die Reiserückkehrer, die Schul- bzw. Kindergartenöffnungen und die im Winter anstehende vermehrte Innenraumnutzung. Ein weiterer, auch deutlicher Anstieg der täglichen Neuinfektionen
kann daher nicht ausgeschlossen werden. Diese Situation ist zu bewältigen, wenn (1) spezifische Präventionsprogramme entwickelt werden, die die verletzlichen Gruppen schützen (unter aktiv umgesetzter Wahrung der individuellen Würde und Humanität), und
wenn (2) die Ressourcen des Gesundheitssystems (Organisation, Bettenkapazität) in der jetzigen Form aufrechterhalten werden. Therapie und Impfstoffentwicklung sind denkbare Lösungen, die Epidemie muss jedoch auch dann stabil kontrolliert werden, wenn sich hier Verzögerungen ergeben sollten.


(4) Bei massiver Ausdehnung des Testumfanges auf Niedrigprävalenz-Kollektive (Häufigkeit 1-3%) sind unkontrollierbare Probleme mit falsch-positiven Befunden zu erwarten, die von den Institutionen, die mit der Nachverfolgung beauftragt sind, nicht bewältigt werden können. Die Teststrategie muss daher auf die Strategie der Stabilen Kontrolle ausgerichtet sein, d.h. es müssen in erster Linie Kollektive mit höherer Prävalenz, Kollektive mit höherem oder unbekanntem Infektionsrisiko (z.B. Lehrer, Kindergartenmitarbeiter) und Kollektive mit hohem individuellem Risiko für Komplikationen (z.B. Bewohner von Pflegeheimen und deren Angehörige, ambulante Pflege) getestet werden.


(5) Die Definition der „Zweiten Welle“ sollte nicht auf starren Grenzwerten beruhen, sondern sich auf das Kriterium der mangelnden Abgrenzbarkeit von Herden und sporadischer Ausbreitung beziehen (ergänzt um eine regionale Komponente – mehr als 5 Gebietskörperschaften in mindestens zwei Bundesländern – und einen offiziell festgestellten Kontrollverlust).


(6) Primäres Ziel ist die „Stabile Kontrolle“ der Epidemie, eine Eradikation scheidet ebenso aus wie die Strategie der Herdenimmunität. Essentiell sind Zielgruppen-orientierte
Präventionsmaßnahmen für die besonders verletzlichen Gruppen in der Bevölkerung. Diese Schutzkonzepte müssen die Ziele der Infektionskontrolle genauso berücksichtigen wie Humanität und Würde der einzelnen Person, hierzu sind innovative Konzept zu entwickeln und umzusetzen.


(7) Mitarbeiter und Patienten/Bewohner/Betreute in den Institutionen des Gesundheitswesens, der Pflege- und Gemeinschaftseinrichtungen trugen zu Beginn der Epidemie mit bis zu 1000 Neuinfektionen pro Tag und fast 50% der Todesfälle durch Covid-19 in Deutschland einen großen Teil der Krankheitslast, jeweils zur Hälfte verteilt auf Mitarbeiter und Patienten/Bewohner/Betreute. 300 bzw. 200 gemeldete Neuinfektionen entfielen auf die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in den Pflegeeinrichtungen. Die Bewohner von Pflegeeinrichtungen wiesen in der Spitze bis zu 400 täglich gemeldete Neuinfektionen auf; diese Zahl ist auf ca. 20 Infektionen täglich abgefallen. Im Gesundheitswesen traten bei Patienten bis zu 80 (nosokomial erworbene) Neuinfektionen pro Tag auf, die Zahl lag in den letzten drei Wochen zwischen 0 und 18.

(8) Aktuell ist ein leichter Anstieg bei den Mitarbeitern und Betreuten der Gemeinschaftseinrichtungen nach §33 IfSG1 zu beobachten, der intensiver Beobachtung bedarf.


(9) Die Empfehlungen zum Tragen von Masken sind an die Baseline-Risiken anzupassen. Die durch Studien belegte relative Risikoverminderung um 80% bedeutet in
einem Hochrisikobereich (z. B. Gesundheitswesen, angenommene Infektionswahrscheinlichkeit 10%) eine absolute Risikodifferenz von 8%, so dass 12,5 Personen eine Maske tragen müssen, um eine Infektion zu verhindern, während in einem Niedrigrisikobereich (1 Stunde Aufenthalt Supermarkt, Infektionsrisiko von 0,01%) 12.500 Personen eine Maske tragen müssen, um eine Infektion zu verhindern.


(10) Corona nicht politisieren: Die Interpretation der epidemiologischen Situation und die Auseinandersetzung über die beste Strategie der Pandemiebekämpfung sollte nicht von Kalkülen kurzfristiger politischer Positionsvorteile dominiert werden und ist auch nicht als Gegenstand des anstehenden Wahlkampfes geeignet.


(11) Rationale Entscheidungsfindung, rationaler Diskurs: Auch die Pandemie rechtfertigt es nicht, von der Grundnorm einer begründet abwägenden Entscheidungsfindung abzugehen und die Erfordernisse eines transparenten, fairen und faktenbegründeten Diskurses zwischen Politik, Wissenschaft und Medien zu relativieren. Gerade in dieser Situation müssen die jeweiligen Rollenzuweisungen klar zu erkennen sein, um daraus abgeleitet die Verantwortlichkeiten in einem demokratischen Rechtsstaat abzugrenzen. Nur unter diesen Voraussetzungen ist es möglich, das Vertrauen der Bürger in die rechtsstaatlich demokratische Kommunikation zu stärken.

Link zum Thesenpapier 4.0


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© Raphael Hünerfauth, Photothek© Raphael Hünerfauth, Photothek
Strategie: Stabile Kontrolle des Infektionsgeschehens | Prävention: Risikosituationen erkennen | Bürgerrechte: Rückkehr zur Normalität

Das Thesenpapier 3.0 baut auf den vorangegangenen Papieren auf, aktualisiert die epidemiologische Analyse und stellt den „Dritten Weg“ der spezifischen Prävention, die juristische Analyse und die Problematik der Corona-Tracing-App in den Vordergrund.

Die wichtigsten Botschaften auf einen Blick:

  • Sporadisches und epidemisches Muster differenzieren: In der epidemiologischen Analyse ist derzeit deutlich das sporadische Auftreten von den aktuellen Herdausbrüchen (bei kritischer Wohn- oder Arbeitssituation) zu abzugrenzen, beide müssen getrennt berichtet und adressiert werden.
  • Dysfunktionale Dramatisierung: Das Berichtswesen des Robert Koch-Institutes (RKI) bzw. der Bundesregierung muss dringend aktualisiert werden, ein hier vorgelegter Vorschlag umfasst die differenzierte Darstellung von sporadischen und epidemischen Fällen und den Bericht von Versorgungs-relevanten Krankheitszuständen (z.B. asymptomatische Infizierte, stationäre Behandlungsbedürftigkeit).
  • Stabile Kontrolle des Infektionsgeschehens: Eine Eradikation der Epidemie ist nicht erreichbar, möglich ist aber eine stabile Kontrolle sporadischer Fälle, vor allem aber von Herdausbrüchen (die nicht vorhersehbar und nicht zu verhindern sind).
  • Situation ist beherrschbar: Durch ein vorbereitetes und gut ausgerüstetes Gesundheitswesen ist die derzeitige Situation beherrschbar, daher sollte die Diskussion um die Aufhebung des Pandemie-Status und der Einschränkung der Grundrechte eröffnet werden (Wahrung der Verhältnismäßigkeit).
  • Balanced Infection Control Score: Zur Einschätzung der Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen ist eine mehrdimensionale Matrix notwendig, die nicht nur infektionsepidemiologische Kennzahlen umfasst, sondern auch solche aus den Bereichen Ökonomie, Grundrecht und Wissen/Ausbildung.
  • Der „dritte Weg“: Erfolgreiche Prävention umfasst neben allgemeinen und nachfassenden Maßnahmen vor allem Zielgruppen-orientierte, spezifische Maßnahmen, die ex ante primär das Auftreten von Risikosituationen zur Herdentstehung zu verhindern suchen. Der Öffentliche Gesundheitsdienst muss ausgebaut werden.
  • Klinische Forschung fördert den rationalen Umgang: die Aufarbeitung der klinischen
    und pflegerischen Fragestellungen, die Covid-19 betreffen, stellen ein zentrales Element
    eines rationalen Umgangs der Gesellschaft und der Bevölkerung mit der Epidemie dar.
  • Die Würde des Menschen: Besonders bei Langzeitpflege, Behinderungen oder im
    Prozess des Sterbens müssen alle erdenkbaren Anstrengungen unternommen werden,
    um Situationen und Maßnahmen zu verhindern, die die Würde des Menschen einschränken. Rechtlich erscheinen allgemeine Einschränkungen dann als besonders problematisch, wenn spezifische, individuelle Lösungen möglich sind und die Verhältnismäßigkeit durch die allgemeine Verbesserung der epidemiologischen Situation in Frage steht.
  • Corona-Tracing-App wirft beunruhigende Fragen auf: Anonymität, Standortbestimmung, Freiwilligkeit, Verhaltensmodifikation, Wirksamkeit und Effizienz – zu allen diesen Aspekten (und weiteren) sind erhebliche Zweifel angebracht.

 

Link zum Thesenpapier 3.0

 


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Abbildung des Corona-VirusAbbildung des Corona-Virus
Online Vortrags- und Diskussionsreihe des Wissenschaftsschwerpunkt Gesundheitswissenschaften beginnt am 24.06.2020

Die SARS-CoV-2 Pandemie hat eine enorme öffentliche, politische, wirtschaftliche und soziale Reaktion hervorgerufen, - ein Public Health Thema ist zum fast allgegenwärtigen Hauptthema unseres Alltags geworden. Viele Wissenschaftler*innen und Lehrende im Gesundheitsbereich sind in Krisenbewältigung, in fachliche Beratung oder in neu aufgelegte wissenschaftliche Studien eingebunden. Bei der großen Dynamik in der Entwicklung der Krankheit und der gesellschaftlichen sowie politischen Reaktionen bleibt jedoch oft nicht genügend Zeit für Austausch und Diskussion.

Der WSP Gesundheitswissenschaften bietet in Zusammenarbeit mit dem Zukunftsforum Public Health hierfür ein kurzfristig entwickeltes Online-Angebot zu ausgesuchten Themen rund um COVID-19 und Public Health.

Die Themen sind:

24.06.2020   Covid-19: Strategien und ihrer Implikationen.

30.06.2020   Soziale Ungleichheit, Rassismus und Covid-19

07.07.2020   Applaus für die Pflege - tatsächlich eine Anerkennung

14.07.2020  Risikostatus, Stereotype und Stigma in der Corona-Pandemie

Nähere Informationen finden Sie hier.


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Dipl. Soz. Kai Huter
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Datenbasis verbessern | Prävention gezielt weiterentwickeln | Bürgerrechte wahren

Die Entwicklung der Pandemie SARS-CoV-2/Covid-19 hat sich in den letzten Wochen dynamisch weiterentwickelt, so dass es angezeigt erschien, eine Version 2 des erstmals am 5.4.2020 veröffentlichten Thesenpapiers auszuarbeiten. Die Dreiteilung in Epidemiologie, Prävention und gesellschaftspolitische Implikationen wurde von der Autorengruppe dabei nicht verändert. Besonders die Problematisierung der sozialen und politischen Konsequenzen rief zahlreiche positive Reaktionen hervor, so dass die AutorInnen sich in der grundsätzlichen Haltung bestärkt fühlen, dass adäquate Lösungen der derzeitigen Krise nur durch eine möglichst breit aufgestellte Argumentation erreicht werden können. Außerdem erscheint die Art der Kommunikation von Wichtigkeit: nach den Prinzipien der Risikokommunikation ist in einer solchen Situation ein sachlicher und gelassener Austausch von Argumenten geboten, der nichts beschönigt, aber auch nichts unnötig dramatisiert. Alle Beteiligten müssen darauf hinwirken, dass es nicht zu geschlossenen Argumentationsketten kommt, die anderslautenden Nachrichten keinen Raum mehr geben können.

Ein guter Ausgangspunkt einer solchen nüchternen Herangehensweise könnte die klar geäußerte, deutlich ausgesprochene Erkenntnis sein, dass SARS-CoV-2/Covid-19 eine typische Infektionskrankheit darstellt, die bestimmte Eigenschaften und – natürlich – enorme Auswirkungen auf die Gesundheit, auf die Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung und auf die sozialen Systeme haben kann (These 1). Wir werden im Detail noch mehrere Besonderheiten dieser Infektionskrankheit kennenlernen, aber sie stellt keinen Anlass dafür dar, in quasi metaphysischer Überhöhung alle Regeln, alles Gemeinsame, alles Soziale in Frage zu stellen oder sogar außer Kraft zu setzen. Dies gilt insbesondere für den Umgang mit den „vulnerablen Gruppen“, wo auf der Suche nach spezifischen Präventionsstrategien unsere gesellschaftliche Lösungskompetenz doch phantasievoller und erfindungsreicher ausgestattet sein müsste, als dies durch den mechanistischen Reflex zu „Kontaktsperren“ und „sozialer Isolation“ reflektiert wird.

Das jetzt vorliegende Thesenpapier 2.0 trifft aus der Vielzahl der Themen eine Auswahl. Analog zum Verfahren der Technikfolgen-Abschätzung wird ein mehrdimensionaler Zugang gewählt. Es wird versucht, eine tagesaktuelle Übersicht über die zur Verfügung stehende Literatur zu geben, die jedoch wegen des rasch wachsenden Wissensstandes immer auch Lücken aufweisen wird.

Link zum Thesenpapier 2.0


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Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Befragung soll aktuelle und verlässliche Daten zur Situation in Pflegeheimen und bei ambulanten Pflegediensten erbringen

Schon vor Corona standen ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen  vor großen Herausforderungen, wie einem eklatanten Pflegekräftemangel, die sich im Zug der Corona-Pandemie noch verstärkt haben. Pflegebedürftige sind eine hoch vulnerable Gruppe, für die jeder Kontakt zu anderen Menschen ein Risiko beinhaltet. Sie können die Kontakte aber nicht wie anders Menschen reduzieren, da auf Unterstützung und Pflege angewiesen. Wie gehen Pflegeeinrichtungen mit dieser Situation um, vor welchen Problemen stehen sie und was kann getan werden, um sie zu unterstützen?

 

Belastbare Zahlen zur Situation in Pflegeeinrichtungen, die eine Voraussetzung für gezielte Hilfe sind, gibt es aber nicht. Dem will eine umfassende Online-Befragung abhelfen, die ein Team um Heinz Rothgang (SOCIUM) und Karin Wolf-Ostermann (Institut für Public Health und Pflegeforschung) organisiert. Mehr als die Hälfte der 18.000 Pflegeeinrichtungen in Deutschland werden gebeten, Auskunft über Ausstattung, Bedarf und Umgang mit den akuten Problemen zu geben. Die Befragung soll nicht nur für eine aktuelle, solide Datengrundlage sorgen, sondern auch die Basis für konkrete Empfehlungen an das Bundesgesundheitsministerium bilden.

weitere Informationen:

butenunbinnen.de/videos/isolation-in-pflegeheimen
butenunbinnen.de/videos/corona-in-bremer-pflegeheimen
butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/pflegeheime-bremen-massnahmen-corona


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