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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Gesundheit, Pflege und Alterssicherung".

Großer Erfolg für Nachwuchwissenschaftlerin aus der Abteilung „Gesundheit, Pflege, Alterssicherung“

Laura Maaß, Doktorandin in der Abteilung „Gesundheit, Pflege, Alterssicherung“ kann schon früh einen großen Erfolg in ihrer wissenschaftlichen Karriere verzeichnen: Das Paper „International perspectives on measuring national digital public health system maturity through a multidisciplinary Delphi study,“ das sie gemeinsam mit ihren Co-Autoren Hajo Zeeb und Heinz Rothgang verfasst hat, wird im rennomierten Nature-Journal npj Digital Medicine veröffentlicht.

Zur Pressemitteilung des LeibnizScience Campus.

Über ihre Forschung sowie die Chancen und Herausforderungen als Nachwuchswissenschaftlerin spricht Laura Maaß auch in der aktuellen Folge des Digital Public Health Podcast.

Veranstaltungsreihe zu aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätze für die Gesundheitsversorgung in Deutschland startet am 17.04.2024

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer Vielzahl an Herausforderungen: Krankenhäuser und Pflegeheime ächzen unter Personalmangel, Patient:innen warten oft lange auf Facharzttermine, auf dem Land mangelt es an Ärzt:innen und bei Medikamenten kommt es immer häufiger zu Lieferengpässen. In Großstädten sind die regionalen, medizinischen und ambulanten Versorgungsangebote sehr unterschiedlich ausgeprägt, sodass es in spezifischen Stadtteilen zu Unterversorgung kommt und Krisen wie die Corona-Pandemie oder der Klimawandel bringen darüber hinaus immer neue Fragen für die Gesundheitsversorgung mit sich.

Im Gesundheitspolitischen Kolloquium diskutieren wir zu diesen Herausforderungen, vor denen die Gesundheitsversorgung in Deutschland aktuell steht. Wir blicken dabei auf Prävention und Lösungsansätze wie Reformen, andere Versorgungsmodelle oder lokale Initiativen. In unseren Veranstaltungen diskutieren wir, wie Gesundheitspolitik gestaltet werden muss, um Gesundheitsversorgung zu garantieren und gerechter zu machen und Gesundheitsförderung zu ermöglichen. Dazu laden wir Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis ein und richten uns mit unseren Veranstaltungen an alle Bremer Bürger:innen, die sich mit aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen beschäftigen und mit uns und unseren Gästen in den Dialog treten möchten.  

Unsere Veranstaltungen finden zu festen Terminen mittwochs von 18 – 20 Uhr im Haus der Wissenschaft statt, das zentral in der Bremer Innenstadt liegt. Die anschließenden Diskussionen werden von Prof. Heinz Rothgang und Prof.in Eva Quante-Brandt moderiert. Der Eintritt ist frei und die Veranstaltungen für alle Interessierten offen.

 

Unser Programm im Sommersemester 2024:

 

17.04.2024, 18-20 Uhr

HebammenZentren Bremen – Niedrigschwellige Hebammenversorgung vor Ort

Heike Schiffling
Koordinatorin HebammenZentrum West, Hans-Wendt-Stiftung

 

22.05.2024, 18-20 Uhr

Glücksspielsucht – politische Gegenstrategien zur Vermeidung von individuellen und gesellschaftlichen Negativfolgen

Dr. Tobias Hayer
Arbeitsstelle Glücksspiel, Institut für Public Health und Pflegeforschung, Universität Bremen

 

5.6.2024, 18-20 Uhr

Klimawandel und Gesundheit – Der Bremer Hitzeaktionsplan

Vincent Möller
Die Senatorin für Umwelt, Klimawandel und Wissenschaft, Referat 43 "Anpassung an den Klimawandel"

 

12.6.2024, 18-20 Uhr

Der Landespflegebericht Bremen 2023 – Stand und Entwicklung der pflegerischen Versorgung im Bundesland

Benedikt Preuß und Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Universität Bremen

 

 

Wie sehen die aktuellen Pläne des Bundesministeriums für Gesundheit für die Krankenhausreform aus?

Mit dieser Frage befasste sich das Gesundheitspolitische Kolloquium des SOCIUM am 24.01.2024. Prof. Dr. Boris Augurzky (u.a. Leiter „Gesundheit“ am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI)) berichtete über Aktuelles von der Krankenhausreform, deren Umsetzung Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in dieser Legislaturperiode anstrebt. Weiterlesen

Die Veranstaltungen des Gesundheitspolitischen Kolloquiums werden von Prof. Dr. Heinz Rothgang und Prof.in Dr. Eva Quante-Brandt moderiert und finden im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5, 28195 Bremen statt. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig und der Eintritt ist kostenlos.

Im Wintersemester 2023/24 diskutieren wir mit ausgewählten Referent:innen über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für die Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Weitere Themen und Termine in diesem Semester: 

 

Mittwoch, 31.01.2024, 18-20h

(Digitale) Medien, soviel wie sie „gut“ tun? Ein Diskussionsmodell zwischen Lust, Last und Lost

Markus Gerstmann

Medienpädagoge im ServiceBureau Jugendinformation / LidiceHaus Bremen

 

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an gpk.socium@uni-bremen.de.

Aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auch auf unserer Website.

Christina Kisner stellt im Gesundheitspolitischen Kolloquium das Vorhaben LIGA Gröpelingen vor

LIGA – das steht für „Lokales Integriertes Gesundheitszentrum für Alle“ und als solches verfolgt es vor allem ein Ziel: die Menschen in Gröpelingen bei Gesundheitsfragen zu orientieren und zu unterstützen. Das Konzept und den Aufbau des LIGA stellte die Projektkoordinatorin Christina Kisner im Gesundheitspolitischen Kolloquium des SOCIUMs am 10.01.2024 vor.

Gröpelingen ist ein vergleichsweise junger Stadtteil, er ist international geprägt und überdurchschnittlich arm. Die soziale Struktur wirkt sich auch auf die Gesundheitsversorgung aus, etwa in einem erschwerten Zugang der Bevölkerung zum Gesundheitssystem, beispielsweise durch sprachliche Barrieren. Hinzu kommt, dass die Zahl der niedergelassenen Ärzt:innen abnimmt –  es droht eine lokale Unterversorgung.

Dem soll das Gesundheitszentrum LIGA entgegentreten, indem es medizinisch-therapeutische Versorgung, Beratungsangebote und Stadtteilarbeit vereint. „Es war von Anfang an eine Idee von LIGA, Leistungen abzudecken, die nicht rein medizinisch sind, aber viel Zeit für Beratung benötigen,“ sagt Kisner. Dazu gehört beispielsweise Fachärzt:innen zu finden, Termine zu vereinbaren und Möglichkeiten individueller Gesundheitsförderung aufzuzeigen.

Seit dem Jahr 2020 wird das Zentrum geplant, im September 2022 eröffnete bereits die Beratungsstelle, die eine wichtige Säule des Gesundheitszentrums darstellt. Hier erhalten Gröpelinger:innen umfassende Beratungsangebote in verschiedenen Sprachen: von einer offenen Gesundheitsberatung, die beispielsweise hilft Erkrankungen besser zu verstehen und zu Arztterminen begleitet, über Beratungen zu dem Coronavirus oder Bewegungsangeboten, bis zu Hilfestellungen bei Anträgen.

Neben der Planung eines Neubaus für das Gesundheitszentrum arbeiten Kisner und ihre Kolleg:innen sowie Ehrenamtliche aktuell daran, die Ärzt:innenschaft in den weiteren Gestaltungsprozess einzubinden. Im Gespräch mit Ärzt:innen soll herausgearbeitet werden, welche Lücke das LIGA Vorhaben füllen soll und welche Angebote dazu noch fehlen.

Doch nicht nur die Beteiligung der medizinischen Expert:innen ist für das LIGA zwingend notwendig, sondern auch die Einbeziehung der Menschen aus dem Stadtteil. Hier, so hebt Kisner hervor, unterscheide sich das LIGA auch von anderen, ähnlichen Projekten: „Wir nutzen ein Netzwerk, das der Gesundheitstreffpunkt West in den letzten 38 Jahren aufgebaut hat.“ Das LIGA habe damit seinen Ausgangspunkt nicht auf der Seite der medizinischen Versorgung, sondern in der Stadtteilarbeit. LIGA ist viel im Stadtteil unterwegs, auf Festen, mit einer mobilen Gesundheitsberatung und organisiert Aktionen wie das Zahnfest „Gröpelinger Zahnheld*innen“ für Kinder. Damit arbeitet das Zentrum dort, wo die Leute leben, die es erreichen möchte: „Aufsuchende Arbeit ist der Goldstandart für einen Stadtteil wie Gröpelingen,“ hebt Kisner hervor.

Die Idee einer Struktur, die stadtteilbasiert die medizinische Versorgung unterstützt und verbessert ist seit einigen Jahren im Gespräch, besonders prominent unter dem Begriff „Gesundheitskioske,“ von denen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach deutschlandweit 1.000 Stück aufbauen möchte. In Bremen ist die Problematik der unzureichenden medizinischen Versorgung in sozial schwächeren Stadtteilen schon seit 2015 in der Diskussion, das LIGA in Gröpelingen ging daraus hervor. Im Gesundheitspoltischen Kolloquium wurde das Thema der stadtteilbasierten Gesundheitsversorgung bereits in zwei Veranstaltungen mit Dr. med. Johannes Grundmann und mit Alexander Fischer im vergangen Jahr aufgegriffen. Im kommenden Semester wird die Diskussion am 17.04.24 in einer Veranstaltung mit Heike Schiffling vom HebammenZentrum West fortgesetzt.

Die Veranstaltungen des Gesundheitspolitischen Kolloquiums werden von Prof. Dr. Heinz Rothgang und Prof.in Dr. Eva Quante-Brandt moderiert und finden im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5, 28195 Bremen statt. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig und der Eintritt ist kostenlos.

Im Wintersemester 2023/24 diskutieren wir mit ausgewählten Referent:innen über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für die Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Weitere Themen und Termine in diesem Semester:

 

Mittwoch, 24.01.2024, 18-20h

Aktuelles von der Krankenhausreform

Prof. Dr. Boris Augurzky

Leiter „Gesundheit“ am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Vorstandsvorsitzender der Rhön Stiftung

Mittwoch, 31.01.2024, 18-20h

(Digitale) Medien, soviel wie sie „gut“ tun? Ein Diskussionsmodell zwischen Lust, Last und Lost

Markus Gerstmann

Medienpädagoge im ServiceBureau Jugendinformation / LidiceHaus Bremen

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an gpk.socium@uni-bremen.de.

Aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auch auf unserer Website.

 

Text: Maren Emde

Adelina Comas-Herrera am 15.12.23 zu Gast im Jour Fixe des SFB 1342

In der letzten Veranstaltung der SFB Jour Fixe Reihe sprach Adelina Comas-Herrera von der London School of Economics and Political Science (LSE). In ihrem Vortrag stellte sie unter anderem das Netzwerk Global Observatory of Long-Term Care (GOLTC) vor.

Ein vollständiger Bericht ist auf Englisch auf der Website des Sonderforschungsbereichs verfügbar.


Kontakt:
Dr. Johanna Fischer
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57074
E-Mail: johanna.fischer@uni-bremen.de

Diskussion mit Thomas Altgeld im Gesundheitspolitischen Kolloquium

In der letzen Veranstaltung des Gesundheitspolitischen Kolloquiums vor der Weihnachtspause sprach Thomas Altgeld, Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e.V., über Diversität und Chancengleichheit in der Gesundheitsversorgung von LSBT*Q. Einen ausführlicheren Bericht hat der Integrierte Gesundheitscampus veröffentlicht.

Die Veranstaltungen des Gesundheitspolitischen Kolloquiums werden von Prof. Dr. Heinz Rothgang und Prof.in Dr. Eva Quante-Brandt moderiert und finden im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5, 28195 Bremen statt. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig und der Eintritt ist kostenlos.

Im Wintersemester 2023/24 diskutieren wir mit ausgewählten Referent:innen über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für die Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Weitere Themen und Termine in diesem Semester:

Mittwoch, 10.01.2024, 18-20h

Quartiersbezogene Gesundheitsversorgung in Bremen am Beispiel LIGA-Gröpelingen

Christina Kisner

Koordinatorin Gesundheitstreffpunkte e.V.

Mittwoch, 24.01.2024, 18-20h

Aktuelles von der Krankenhausreform

Prof. Dr. Boris Augurzky

Leiter „Gesundheit“ am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Vorstandsvorsitzender der Rhön Stiftung

Mittwoch, 31.01.2024, 18-20h

(Digitale) Medien, soviel wie sie „gut“ tun? Ein Diskussionsmodell zwischen Lust, Last und Lost

Markus Gerstmann

Medienpädagoge im ServiceBureau Jugendinformation / LidiceHaus Bremen

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an gpk.socium@uni-bremen.de.

Aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auch auf unserer Website.

BARMER-Pflegereport 2023 am 05.12.2023 in Berlin vorgestellt

Der jährlich veröffentlichte BARMER-Pflegebericht bewertet die aktuelle Pflegepolitik und erfasst die Situation der Pflege. Für den Bericht werteten Prof. Heinz Rothgang und Dr. Rolf Müller (beide SOCIUM) Daten aus der Pflege- und Kassenstatistik sowie der BARMER umfassend aus. Darüber hinaus setzen die Autoren einen thematischen Schwerpunkt, welcher in diesem Jahr auf der Situation Pflegebedürftiger im Krankenhaus liegt.

Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag werden nicht umgesetzt

Die zentralen Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung und zur Finanzierung der Pflege wurden bisher nicht umgesetzt. Dies betrifft unter anderem die Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen wie die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, die Herausnahme der Ausbildungskosten aus den Eigenanteilen in der Heimpflege und die Umfinanzierung der medizinischen Behandlungspflege in Heimen. Angesichts der derzeitigen Finanzsituation und deren Bewertung durch die Bundesregierung ist es unwahrscheinlich, dass diese Vorhaben in der aktuellen Legislaturperiode noch verwirklicht werden.

Eine Tariftreueregelung soll den Pflegeberuf attraktiver machen. Nach dieser müssen Pflegeeinrichtungen ohne Tarifvertrag einen solchen einführen, oder ein regional übliches Entlohnungsniveau für Pflegekräfte sicherstellen. Der überwiegende Teil der bislang nicht gebundenen Einrichtungen hat sich für die zweite Option entschieden. Es wurden daher nicht deutlich mehr Tarifverträge eingeführt, die Entgelte stiegen in vielen Einrichtungen aber um bis zu 30 Prozent, was sich wiederum in den Preisen für Pflegeleistungen niederschlägt. Das zentrale Gesetzesvorhaben dieser Legislaturperiode im Bereich der Langzeitpflege ist das Pflegeunterstützungs- und Entlastungsgesetz. Die darin vorgenommenen Anpassungen sind allerdings unzureichend: in der häuslichen Pflege erfährt das Pflegegeld inflationsbedingt weiterhin einen Realwertverlust, während Eigenanteile in der stationären Pflege steigen. Das Ziel, diese Eigenanteile zu begrenzen wird damit verfehlt.  

Pflegebedürftige machen rund ein Viertel der Patient:innen in Krankenhäusern aus

Mit zunehmendem Alter werden nicht nur eine Pflegebedürftigkeit, sondern auch ein Krankenhausaufenthalt wahrscheinlicher und oft wird erst durch eine Krankenhausaufnahme eine Pflegebedürftigkeit festgestellt. Die Zahl der Personen, die Monat einer Krankenhausaufnahme pflegebedürftig geworden sind, lag in den Jahren 2017 bis 2022 jährlich relativ konstant zwischen 260.000 und 276.000. Die Zahl der Krankenhausfälle von bereits Pflegebedürftigen ist in diesem Zeitraum hingegen deutlich gestiegen – von 2,71 Millionen auf 3,45 Millionen. Insgesamt machen Pflegebedürftige rund ein Viertel der Patient:innen in Krankenhäusern aus.

Jährlich über eine Million potenziell vermeidbare Krankenhausfälle durch Pflegebedürftige

Über eine Million Krankenhausaufenthalte von Pflegebedürftigen können als potentiell vermeidbar angesehen werden. Dazu gehören insbesondere Krankenhausaufnahmen wegen Diabetes mellitus, Typ 2, Volumenmangel, Herzinsuffizienz, sonstige chronische obstruktive Lungenkrankheit und sonstige Krankheiten des Harnsystems. Neben der pflegerischen und medizinischen Versorgung könnten hier auch die Mitwirkung der Pflegebedürftigen sowie das individuelle Gesundheitsverhalten eine Rolle spielen.

Plötzlich Pflegebedürftig – was kommt nach dem Krankenhaus?

Wenn ein Pflegebedarf im Krankenhaus festgestellt wird, ist dieser häufig mit relativ plötzlich auftretenden, schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs oder Schlaganfall verbunden und die Pflegegrade sind dann meist höher als in anderen Situationen, in denen eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wird. An den Krankenhausaufenthalt schließt in diesen Fällen die Frage nach der weiteren Versorgung an, auf die das häusliche Umfeld oft nicht vorbereitet ist. Mehr als die Hälfte (53,5 Prozent) der Personen, bei denen im Zuge ihres Krankenhausaufenthaltes eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, wird nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ausschließlich informell gepflegt – d.h. ohne Leistungen von ambulanten Pflegediensten, Versorgung in Pflegeeinrichtungen. 39,8 Prozent beziehen Pflegesachleistung und 6,4 Prozent ziehen in Pflegeheime. Zudem nutzt jede siebte Person (14,2 Prozent) Kurzzeitpflege. Von diesen wird einen Monat später die Hälfte noch vollstationär versorgt. Die Kurzzeitpflege nimmt hier eine Überbrückungsfunktion ein, bis die adäquate Versorgung organisiert ist.

Veränderungen auch für schon Pflegebedürftige

Für Menschen, die bereits pflegebedürftig sind, ist nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthaltes überhaut, sondern auch die eines potenziell vermeidbaren höher als für Menschen ohne Pflegebedarf. Vielfach erhöht sich nach dem Krankenhausaufenthalt der Pflegegrad. Dadurch können Angehörige auch hier vor der Frage nach einem veränderten Versorgungsbedarf stehen. Schon im Monat der Krankenhausentlassung nehmen 5,6 Prozent der bislang informell versorgten Pflegebedürftigen einen Pflegedienst in Anspruch und 2,7 Prozent ziehen in ein Pflegeheim. Von den Pflegebedürftigen, die bislang durch Pflegedienste versorgt werden, ziehen sogar 8,1 Prozent schon im Entlassungsmonat in ein Pflegeheim um. Von den bisherigen Nutzern der Pflegedienste nutzen 15,7 Prozent direkt nach der Entlassung auch die Kurzzeitpflege, welche auch bei diesen Pflegebedürftigen sehr häufig als Überbrückung in die vollstationäre Dauerpflege genutzt wird.

Krankenhausaufenthalte sind für Pflegebedürftige deutlich länger

Notwendige Suchprozesse können die Entlassungen aus dem Krankenhaus verzögern, dabei liegt es im Interesse der Krankenhäuser, Krankenkassen und Pflegebedürftigen den Krankenhausaufenthalt so kurz wie möglich zu halten. Ein Entlassungsmanagement der Krankenhäuser soll zwar bei dem Übergang helfen, scheitert aber häufig schlichtweg an zu wenigen Plätzen in den Pflegeeinrichtungen und beginnt teilweise zu spät und zu unkoordiniert. Patient:innen mit einem neu festgestellten Pflegebedarf sind im Durchschnitt dreieinhalb Tage und durch ambulante Pflegedienste versorgte Pflegebedürftige sind im Durchschnitt bis zu zweieinhalb Tage länger im Krankenhaus als nicht pflegebedürftige Personen. Dies kann sowohl an einem schwereren Krankheitsverlauf als auch an einer notwenigen Überbrückungszeit liegen. Da eine anschließende Nutzung der Kurzzeitpflege die Krankenhausdauer durchschnittlich um weitere sechs Tage verlängert, deutet vieles auf einen längeren Suchprozess für die adäquate pflegerische Versorgung hin.

 

Download:

BARMER Pflegereport 2023

Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz

Folienvortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de

Zweite Veranstaltung des Gesundheitspolitischen Kolloquiums im Wintersemester

Bei vielen Arzneimitteln kam es in der letzten Zeit zu Lieferengpässen. Über die aktuelle Situation, die Ursachen und mögliche Lösungsansätze sprach Dr. rer. nat. Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen, im Gesundheitspolitischen Kolloquium. Einen ausführlicheren Bericht hat der Integrierte Gesundheitscampus Bremen verfasst.

Die Veranstaltungen des Gesundheitspolitischen Kolloquiums werden von Prof. Dr. Heinz Rothgang und Prof.in Dr. Eva Quante-Brandt moderiert und finden im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5, 28195 Bremen statt. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig und der Eintritt ist kostenlos.

Im Wintersemester 2023/24 diskutieren wir mit ausgewählten Referent:innen über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für die Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Weitere Themen und Termine in diesem Semester: 

Mittwoch, 06.12.2023, 18-20h

Gesundheit und Gesundheitsversorgung von LSBT*Q - gesundheitliche Chancengleichheit

Thomas Altgeld

Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e.V.

Mittwoch, 10.01.2024, 18-20h

Quartiersbezogene Gesundheitsversorgung in Bremen am Beispiel LIGA-Gröpelingen

Christina Kisner

Koordinatorin Gesundheitstreffpunkte e.V.

Mittwoch, 24.01.2024, 18-20h

Aktuelles von der Krankenhausreform

Prof. Dr. Boris Augurzky

Leiter „Gesundheit“ am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Vorstandsvorsitzender der Rhön Stiftung

Mittwoch, 31.01.2024, 18-20h

(Digitale) Medien, soviel wie sie „gut“ tun? Ein Diskussionsmodell zwischen Lust, Last und Lost

Markus Gerstmann

Medienpädagoge im ServiceBureau Jugendinformation / LidiceHaus Bremen

 

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an gpk.socium@uni-bremen.de.

Aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auch auf unserer Website.

SFB Projekt lädt internationale Expert:innen ein

Ein Workshop des SFB 1342-Projektes "Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen" brachte führende Expert:innen zur historischen Entwicklung und aktuellen Gestaltung der Gesundheitssysteme in Nigeria und Kenia in Bremen zusammen. Im Mittelpunkt stand der Einfluss von Kolonialismus und Nation-Building auf die Einführung und anschließende Reform der Gesundheitssysteme in beiden Ländern. Ein vollständiger Bericht ist auf Englisch auf der Website des Sonderforschungsbereichs verfügbar.


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Erster Landespflegebericht in Bremen vorgestellt

Wie steht es um die Pflege im Land Bremen? Können 2030 noch alle Menschen versorgt werden, die auf Unterstützung in ihrem Alltag angewiesen sind? Diese Fragen beantworten Prof. Dr. Heinz Rothgang, Thomas Kalwitzki und Benedikt Preuß (alle SOCIUM, Universität Bremen) im ersten offiziellen „Landespflegebericht Bremen 2023,“ den sie gemeinsam mit Dr. Johanna Krawietz (Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V) im Auftrag der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration vorgestellt haben.

Jeder sechste Mensch in Deutschland wird derzeit im Laufe seines Lebens pflegebedürftig und ist damit in seinem Alltag auf Unterstützung angewiesen. Neben der Pflege durch Angehörige stellen beispielsweise ambulante Pflegedienste und Pflegeheime die Versorgung pflegebedürftiger Menschen sicher. Um diese Versorgung zu garantieren, sieht die Gesetzgebung eine langfristige Planung von ambulanten und (teil)stationären Einrichtungen vor. Der vorgelegte Landespflegebericht bildet die Grundlage für diese Planung, indem er nicht nur die Bevölkerungsentwicklung und die gegenwärtige Pflegeversorgung in Bremen aufzeigt, sondern diese auch den aktuellen und zukünftigen Bedarfen gegenüberstellt. Dazu analysierten die Wissenschaftler Daten aus den Jahren 2015-2022, auf deren Grundlage sie auch Entwicklungen bis 2030 berechnen können.  

Für die allgemeine Bevölkerungsentwicklung stellen die Forscher ähnliche Tendenzen in Bremen und Bremerhaven fest. So wird es zwar in beiden Städten bis 2030 zu einem deutlichen Rückgang in der Altersgruppe der 30-66-Jährigen und einem großen Anstieg der Gruppe der 67-79-Jährigen kommen, der Anteil der über 80-Jährigen sinkt hingegen. Innerhalb der älteren Bevölkerung kommt es insgesamt also zu einer Verjüngung. In Hinblick auf die pflegerische Versorgung ist insbesondere die Altersgruppe 80+ relevant, da hier die Wahrscheinlichkeit pflegebedürftig zu werden am größten ist.

Ältere Stadtteile werden jünger, jüngere Stadtteile werden älter

Ein besonderer Fokus des Berichtes liegt auf dem Vergleich der Bremer und Bremerhavener Stadteile hinsichtlich ihrer Bevölkerungsentwicklung und der Entwicklung der Pflegebedürftigkeit. Hier zeigen sich große Unterschiede. In der Stadt Bremen sind die Stadtteile Oberneuland und Horn-Lehe sowie in Bremerhaven die Stadtteile Surheide und Mitte verhältnismäßig alt, die Bremer Stadtteile Östliche Vorstadt und Walle und die Stadtteile Lehe und Geestemünde in Bremerhaven sind vergleichsweise jung. Diese Unterschiede werden sich aber in den nächsten Jahren angleichen, da die „alten“ Stadtteile jünger, und die „jungen“ Stadtteile älter werden. Doch hier gibt es Ausnahmen: der Bremer Stadtteil Obervieland ist beispielsweise bereits jetzt deutlich älter als der Durchschnitt und wird bis 2030 noch weiter altern.

Die Zahl der Pflegebedürftigen stieg zwischen 2015 und 2021 im Land Bremen, wie im gesamten Bundesgebiet, stark an. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung liegt die Zahl der Pflegebedürftigen in Bremen damit nah am Bundesdurchschnitt. Aber auch hier sind deutliche Unterschiede zwischen den Bremer Stadteilen zu erkennen: während in Burglesum oder Obervieland in 2021 mehr als 70 Pflegebedürftige je 1.000 Einwohner:innen lebten, waren es in der Östlichen Vorstadt ca. 33. Auf der Grundlage von Daten über Empfänger:innen von Pflegegeld und/oder Pflegesachleistungen durch ambulante Pflegedienste können die Wissenschaftler abschätzen wie sich die Zahl der pflegebedürftigen Menschen zukünftig im Land Bremen entwickelt. Dabei überrascht: zwischen 2021 und 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen nur minimal um ca. 1.000 Personen steigen. Die unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklungen in den Stadtteilen wirken sich auch auf die benötigte Versorgung aus: während in Stadtteilen wie Huchting und Burglesum, die jünger werden, die Anzahl an Menschen, die auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen angewiesen sind, zurück geht, steigt ihre Anzahl in anderen, „alternden“ Stadtteilen wie Walle und der Östlichen Vorstadt um mehr als 20 % an.  

Versorgungslage verschlechtert sich

In ihrem Bericht stellen die Bremer Wissenschaftler auch die Entwicklung der Versorgungssituation in Bremen dar und vergleichen die Versorgung mit anderen Bundesländern. Dabei stellen sie fest: im Land Bremen zwischen 2015 und 2021 sind die Versorgungsgrade (Plätze je Pflegebedürftige) der meisten Leistungsangebote deutlich zurückgegangen. Die Versorgung im ambulanten Bereich (inkl. Tagespflege) ist im Bundesvergleich zwar überdurchschnittlich, im stationären Bereich liegt der Versorgungsgrad hingegen unter dem Bundesdurchschnitt. Besondere Versorgungslücken bestehen im Bereich der Kurzzeitpflege. In Bremen und Bremerhaven unterscheidet sich die Versorgung zwischen den Stadtteilen deutlich. Pflegeheime sowie ambulante Pflegedienste liegen in den beiden Städten meist in zentralen, jüngeren Stadtteilen und damit nicht dort wo der Bedarf besonders hoch ist. Beim großen Thema Personalmangel in Pflegeheimen liegt Bremen hingegen insgesamt im Durchschnitt, wobei es im Vergleich zu anderen Bundesländern einen höheren Bedarf an Pflegefachkräften gibt, dafür aber einen geringeren Bedarf an Assistenzkräften.

Für die Zukunft empfehlen die Wissenschaftler eine zweijährige Berichterstattung, um demographische Veränderungen festzuhalten und eine angemessene Pflegeplanung zu garantieren. Zudem sollten Versorgungslücken in weniger zentralen Stadtteilen gefüllt werden, indem das stationäre beziehungsweise ambulante Angebot ausgeweitet wird. Um dem Personalmangel in der Pflege zu begegnen, heben Prof. Rothgang und seine Kollegen die Notwendigkeit hervor, den Beruf attraktiver zu machen, indem die Arbeitsbedingungen und Bezahlung besser werden. Auch ein neues Konzept zu Maßnahmen der Personal- und Organisationsentwicklung, das aktuell in der Arbeitsgruppe des Bremer Professors entwickelt wird, soll zukünftig dabei helfen, den Einsatz von Pflegepersonal zu verbessern.

Im zweiten Teil des Landespflegeberichts, der durch die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. (LVG & AfS) erarbeitet wurde, wird die Entwicklung und die aktuelle Situation in Hinblick auf pflegeunterstützende Maßnahmen und offene Altenhilfe wie ehrenamtliche Angebote im Bereich Betreuung und Beratung dargestellt.

Der vollständige Bericht kann auf der Website der Pressestelle des Senats heruntergeladen werden.

Text: Maren Emde und Benedikt Preuß


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
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Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de