Aktuelle Mitteilungen

Prof. Dr. Heinz RothgangProf. Dr. Heinz Rothgang
Heinz Rothgang in den Beirat des Deutschen Zentrums für Altersfragen berufen.

Zu den häufig übersehenen Leistungen universitärer Forschungszentren gehört die Beratung politischer oder politik-naher Institutionen. Auf diese Weise fließen aktuelle Forschungsergebnisse direkt in die Gesetzgebung oder Verwaltungstätigkeit. Heinz Rothgang, Professor für Gesundheitsökonomie am SOCIUM, ist nun für die kommenden vier Jahre zum Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Zentrums für Alterfragen ernannt worden.

Das Deutsche Zentrum für Altersfragen gehört zu den so genannten Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und ist dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zugeordnet. Es befasst sich im wesentlichen mit drei Aspekten: der Sammlung und öffentlichen Bereitstellung wichtiger Daten zu Demographie und Alter, der Forschung zu Altersfragen und vor allem der Beratung des Ministeriums und der Bundesregierung in Fragen des demographischen Wandels und der Politik für die ältere Bevölkerung. Das umfasst einen breiten Themenbereich von Arbeit und Ruhestand, sozialer und wirtschaftlicher Bedingungen, Gesundheit, Pflege, Familie, Partnerschaft, sozialer Beziehungen bis hin zu gesellschaftlicher Partizipation im Alter.

Der wissenschaftliche Beirat des Deutschen Zentrums für Altersfragen setzt sich aus neun Professorinnen und Professoren meist sozialwissenschaftlicher Fachgebiete zusammen, die das Zentrum beraten und auch neue Impulse für die weitere Arbeit geben sollen.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

v. li. n. re.: Prof. Dr. Frank Nullmeier, Anja Stahmann.v. li. n. re.: Prof. Dr. Frank Nullmeier, Anja Stahmann.
Sozialsenatorin und SOCIUM verstärken Zusammenarbeit.

Die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport des Landes Bremen, Anja Stahmann, sowie der Sprecher des SOCIUM, Frank Nullmeier, unterzeichneten kurz vor Weihnachten eine Kooperationsvereinbarung, die die Zusammenarbeit zwischen Behörde und Forschungszentrum auf eine neue Grundlage stellt. Zukünftig soll es regelmäßige Gespräche sowie Forschungsvorhaben geben, die direkt der Praxis zugutekommen sollen.

Die Vereinbarung umfasst die Unterstützung der Lehrangebote der Universität Bremen unter anderem durch Praktikumsplätze, die Förderung der Weiterbildung auf Seiten der Behörde durch die Expertinnen und Experten des SOCIUM, Zusammenarbeit bei öffentlichen Veranstaltungen und die Beratung über eine wissenschaftliche Fundierung von Sozialpolitik. Einen zentralen Inhalt der Vereinbarung bildet zudem die wechselseitige Information über Datenbestände, die – sofern (datenschutz-)rechtlich zulässig – in der Sozialpolitik- und Ungleichheitsforschung genutzt werden können, um Politikansätze und Politikimplementation sozialpolitischer Vorhaben im Land Bremen auf eine bessere Grundlage zu stellen.

Die Unterzeichnung der Vereinbarung fand am 19. Dezember 2018 in den Räumen der Senatorin für Soziales im Rahmen einer kleinen Feier statt, an der neben der Senatorin Anja Stahmann und Staatsrat Jan Fries das Sprecherteam des SOCIUM, Frank Nullmeier und Betina Hollstein, sowie der Leiter der Abteilung Gesundheit, Pflege und Alterssicherung am SOCIUM, Heinz Rothgang, teilnahmen.


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

DFG fördert den Aufbau eines Bereichs für ethnographische Forschungsdaten.

QUALISERVICE erhält weitere Förderung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um nun auch ethnographische Forschungsdaten wie Bild- und Tonmaterial, Feldnotizen und Beobachtungsprotokolle zu kuratieren. Dafür beteiligte sich QUALISERVICE am Folgeantrag des Fachinformationsdienstes Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA) an der Humboldt-Universität Berlin, der jetzt von der DFG bewilligt wurde. QUALISERVICE wird als Fachrepositorium für qualitative ethnologische Forschungsdaten etabliert, um deutschlandweit eine adäquate Lösung für die komplexe Archivierungssituation der zum Teil hochsensiblen Forschungsdaten anbieten zu können. Dazu wird bei QUALISERVICE ein Bereich für ethnographische Forschungsdaten aufgebaut und ein Informations- und Beratungsangebot eingerichtet. Sozialforscherinnen und Sozialforscher sowie Ethnologinnen und Ethnologen erhalten damit eine verlässliche Anlaufstelle, in der sie ihre qualitativen Forschungsdaten archivieren und für die geschützte Weiternutzung in Forschung und ausgewählte Materialien auch für die Lehre anfordern können. Die Humboldt-Universität wird die Diskussion mit den ethnologischen Fächern auf wissenschaftspolitischer Ebene und hinsichtlich methodischer Implikationen weiterführen.

Seit letztem Jahr fördert die DFG das Infrastrukturprojekt QUALISERVICE zur Implementation eines Datenservicezentrums (DSZ) für qualitative sozialwissenschaftliche Forschungsdaten. Ziel ist die Verstetigung als nationales Regelarchiv. Bislang lag der Arbeitsschwerpunkt von QUALISERVICE auf qualitativen Interviewstudien. Mit der Beteiligung am Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA) werden die Dienstleistungen von QUALISERVICE auf qualitative Forschungsdaten in ihrer ganzen Breite ausgeweitet.

QUALISERVICE ist am SOCIUM angesiedelt und wird von Prof. Dr. Betina Hollstein geleitet. Der vom MARUM und dem Alfred-Wegener-Institut gemeinschaftlich betriebene PANGAEA - Data Publisher for Earth & Environmental Science liefert die informationstechnische Unterstützung. Weitere Projektpartner sind die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen (SuUB) und das GESIS Leibniz Institut für Sozialwissenschaften, Köln (für Mixed-Methods-Daten).

Weitere Informationen:
Website QUALISERVICE

Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie - Projekt im Rahmen des Förderformats "Fachinformationsdienste für die Wissenschaft" der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Fachinformation und Service für die ethnologischen Fächer, Pressemitteilung der HU Berlin vom 22.01.2019


Kontakt:
Prof. Dr. Betina Hollstein
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58512
E-Mail: betina.hollstein@uni-bremen.de

Cover Cover "Länger besser leben."-Buch
Präventionsempfehlungen in der praktischen Umsetzung.

Professor Dr. Gerd Glaeske, Leiter des "Länger besser leben."-Instituts der Universität Bremen, angesiedelt am SOCIUM, hat zusammen mit Friederike Höfel vom "Länger besser leben."-Institut, Friedrich Schütte und Jörg Nielaczny von der BKK24 ein Buch herausgegeben, in dem die wichtigsten vier Ziele der Präventionskampagne und Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschrieben werden.

Zentral sind gesunde Ernährung, Verringerung des Alkoholkonsums, Nichtrauchen und die Förderung von Bewegung. Auf diese Weise sollen Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems (z.B. Bluthochdruck), des Stoffwechsels (v.a. Diabetes) sowie Folgen des Rauchens und des Alkoholkonsums (v.a. Krebs, COPD, Lebererkrankungen oder Verkehrsunfälle) verringert und die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden verbessert werden. Die vier verschiedenen Präventionsaspekte werden von Beiträgen renommierter Wissenschaftler begleitet - "Bewegung" durch Prof. Dr. Detlef Kuhlmann und Kristof Grätz, Leibniz Universität Hannover, "Alkoholkonsum" durch Professor Dr. Ulrich John und Kolleg*innen vom Institut für Sozialmedizin und Prävention der Universitätsmedizin Greifswald, "Gesundheitsrisiko Rauchen" durch Dr. Christoph Kröger, IFT-Gesundheitsförderung, München und "Ernährung" durch Prof. Dr. Gerd Glaeske, "Länger besser leben."-Institut der Universität Bremen.

Neben den wissenschaftlichen Ausführungen kommen aber auch die Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den verschiedenen Angeboten der "Länger besser leben."-Initiative nicht zu kurz. Die Berichte zeigen vor allem, welche Erfolge zugunsten der eigenen Gesundheit erreicht wurden, andere Menschen können so motiviert werden.

Viele Empfehlungen für sportliche Übungen stehen im Buch neben Rezepten für gesunde Mahlzeiten, für alkoholfreie Cocktails, übersichtlichen Infografiken und Tipps. Zu Beginn wird geschildert, wie 2011 alles begonnen und was sich seitdem getan hat. Insofern ist das Buch eine Art Biografie der "Länger besser leben."-Initiative, die nun bereits im achten Jahr als Präventionsprogramm erfolgreich tätig ist - das zeigen zumindest die steigenden Zahlen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und die positiven Rückmeldungen. Hier wird nur ein Zwischenstand gezeigt, die Aktivitäten werden weiter gehen. Und wir werden als "Länger besser leben."-Institut der Universität Bremen in Publikationen, Vorträgen und auf Kongressen die Botschaft ins Land tragen, dass sich Prävention lohnt. Diese Botschaft sollten nicht nur viele hören, sondern auch zugunsten ihrer Lebensqualität und ihres Wohlbefindens umsetzen. Das Buch "Länger besser leben." kann dazu einen Beitrag leisten.

Informationen zur Publikation: Glaeske, Gerd; Höfel, Friederike; Schütte, Friedrich; Nielaczny, Jörg (Hg.), 2019: "Länger besser leben." Für eine bessere Gesundheit und mehr Wohlbefinden, "Länger besser leben."-Institut, BKK24, Bremen, Obernkirchen: Selbstverlag

Weitere Informationen: "Länger besser leben."-Institut


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Dipl.-Soz. Friederike Höfel
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58520
E-Mail: fhoefel@uni-bremen.de

Prof. Dr. Stephan LeibfriedProf. Dr. Stephan Leibfried
Hochrangig besetzte Podiumsdiskussion zur aktuellen Armutspolitik im Haus der Wissenschaft.

Stephan Leibfried, der im Frühjahr 2018 überraschend verstarb, wäre am 1. Februar 2019 75 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass veranstaltet das SOCIUM im Haus der Wissenschaft eine Tagung zu jenem Thema, mit dem Leibfried seine wissenschaftliche Arbeit Anfang der 1970er Jahre in Bremen begonnen hat: Armut und Armutspolitik - und ganz im Sinne Leibfrieds nicht als Rückblick auf die 1970er Jahre, sondern zur aktuellen Lage und ihrer sozialwissenschaftlichen Beforschung. Den Abschluss der Veranstaltung bildet eine hochrangig besetzte Podiumsdiskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der heutigen Armutspolitik. 

Die Veranstaltung zu Stephan Leibfrieds 75. Geburtstag umfasst drei Teile. Das einleitende Gespräch mit Ulrich K. Preuss, Professor emeritus der Freien Universität Berlin, versucht, ein paar Spuren Leibfrieds aus seinen Berliner Tagen aufzunehmen, wo er in den späten 1960er Jahren Jura studiert, seine ersten Veröffentlichungen publiziert und schließlich zu Beginn der 1970er Jahre beide juristischen Staatsexamina abgelegt hat. Im zweiten Teil geht es dann in sieben Diskussionsbeiträgen um Fragen der aktuellen Armutslagen und Armutspolitik. Am Abend folgt schließlich als dritter Teil eine Podiumsdiskussion, an der Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann, die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger, Antonio Brettschneider, Professor für Kommunale Sozialpolitik an der TH Köln sowie Georg Cremer, Gastprofessor am SOCIUM und ehemaliger Generalsekretär der Caritas, teilnehmen. Die Moderation übernimmt der Sprecher des SOCIUM, Frank Nullmeier.

Download: Programm der Tagung


Kontakt:
Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-66440
E-Mail: olaf.grohsamberg@uni-bremen.de

Ein neuer Sammelband widmet sich der Mitte als Kampfzone.

Über die sozialen Mittelschichten westlicher Gesellschaften wird seit rund drei Jahrzehnten intensiv debattiert. Neben Fragen der gesellschaftlichen Funktion einer vitalen Mittelschicht, ihrer wohlfahrtsstaatlichen Kontextualisierung und strukturellen (In-)Stabilität geht es um die Konsequenzen einer Mitte im Wandel, die in jüngerer Zeit als durch Abstiegsängste und Statuspaniken geprägt gilt: revidierte Selbstvergewisserungen und modifizierte Distinktionspraktiken, legitimatorische Neujustierungen und bisher unbekannte Allianzbildungen.

In 17 Beiträgen ausgewiesener Mittelschichtsforscherinnen und Mittelschichtsforscher wird in diesem von Sabine Ritter und Nadine M. Schöneck herausgegebenen Sammelband ein breites Spektrum historischer, politologischer, ökonomischer und soziologischer Auf- und Einsichten im Hinblick auf Genese, Lage, Wertorientierungen und Normalitätskonstruktionen, Abgrenzungen und Ausschlüsse, Befindlichkeiten und Handhabungen der sozialen Mittelschichten in Deutschland geboten.

Wer sich dieser Lektüre stellt, wird besser verstehen, warum der Mittelschichtsgesellschaft ein besonderer Nimbus anhaftet, warum sie sich gegenwärtig in einem lange Zeit unbekannten Kampfmodus befindet und was das für den sozialen Zusammenhalt bedeutet: Die Mitte stellt den Sehnsuchtsort all jener dar, die auf sozialen Aufstieg hoffen. Wenn sie selbst in massive Turbulenzen gerät, hat dies Auswirkungen auf die gesellschaftliche Stabilität.

Sabine Ritter ist Universitätslektorin am Institut für Soziologie sowie Studiendekanin des Fachbereichs Sozialwissenschaften. Nadine M. Schöneck ist Professorin für Soziologie und Empirische Sozialforschung an der Hochschule Niederrhein und Lehrbeauftragte am Institut für Soziologie der Universität Bremen.

Weitere Informationen:
Schöneck, Nadine M./Ritter, Sabine (Hrsg.) 2018: Die Mitte als Kampfzone. Wertorientierungen und Abgrenzungspraktiken der Mittelschichten, Bielefeld: transcript


Kontakt:
Dr. Sabine Ritter
Fachbereich 8
Uni-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: 49 421 218-67002
E-Mail: sritter@uni-bremen.de

Professor Daniel Béland von der University of Sasketchewan, Kanada, war zu Gast in Bremen.

Überlebt Obamacare? Woher kommt der Populismus in den USA und Europa? Wie schneidet die europäische Einwanderungspolitik im Vergleich zu den USA ab, aber vor allem im Vergleich zu Kanada? Wie entwickelt sich die Sozialpolitik in Afrika? Daniel Béland, Canada Research Chair in Public Policy an der University of Saskatchewan und erster Hans-Koschnick-Professor am SOCIUM, offerierte in mehreren Vorträgen zu all diesen Fragen die Ergebnisse seiner Untersuchungen.

Hier seine Aussagen zu einem dieser Themen: Obamacare, so sein Argument, werde zwar immer noch in der Öffentlichkeit kritisiert. Aber der Affordable Care Act wurde nicht rückgängig gemacht, obwohl die Republikaner bis zu den Zwischenwahlen die Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses besaßen. Das liege auch daran, dass erhebliche Teile des Gesetzes Ideen umsetzten, die eigentlich von der republikanischen Partei lange gefordert worden seien. Obama habe Elemente aus einer Regelung übernommen, die Mitt Romney als Gouverneur von Massachussetts durchgesetzt habe, verbunden mit der (letztlich trügerischen) Hoffnung, damit auch die Zustimmung republikanischer Stimmen im Kongress zu gewinnen.

Daniel Béland ist Soziologe mit einem Schwerpunkt in Politischer Soziologie. Sein Werk umfasst 15 Bücher und über 100 Aufsätze mit Schwerpunkten in der Forschung zu Wohlfahrtsstaaten und Sozialpolitik, Föderalismus sowie der Verbindung von Steuer- und Haushaltspolitik und der Ausprägung von Wohlfahrtsstaaten. Er promovierte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris und war Gastprofessor an verschiedenen europäischen und amerikanischen Universitäten.

Mit der Hans-Koschnick-Professur am SOCIUM gedenken der Senat der Freien Hansestadt Bremen sowie die Universität Bremen der nationalen wie internationalen Tätigkeit des im Jahr 2016 verstorbenen ehemaligen Präsidenten des Bremer Senats und Bürgermeisters Hans Koschnick. Koschnicks politisches Wirken konzentrierte sich nicht nur auf die Antwort auf die wirtschaftlichen Strukturwandelprozesse der 1970er und 1980er Jahre und deren Folgen für die Arbeitsplätze etwa in den Häfen oder beim Schiffbau. Als EU-Administrator für Mostar sah sich Koschnick auch mit den komplizierten Folgen der Balkankriege der 1990er Jahre konfrontiert.


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Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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Philip Manows neues Buch auf Platz 3 der Sachbuch-Bestsellerliste der ZEIT.

Dass der erhebliche Aufschwung des Populismus etwas mit Globalisierung zu tun hat, ist eine schon lange diskutierte Annahme. Meist dominiert in den öffentlichen Debatten aber eine kulturelle Sicht auf den Populismus: Global orientierte Kosmopoliten ständen gegen jene, die sich auf den Nationalstaat zurückziehen oder offen nationalistisch agieren. Gegen diese kulturalistische Sicht etabliert Philip Manow in seinem neuen Buch eine politisch-ökonomische Betrachtung des Populismus. Was aber lässt ihn in Südeuropa eher als Linkspopulismus auftreten, während er im Norden in seiner rechten Variante dominiert?

Der griechische oder italienische Wohlfahrtsstaat verteilt anteilig am Bruttoinlandsprodukt ähnlich viel um wie der deutsche oder schwedische. Der entscheidende Unterschied, so Manow, aber ist der Zugang zu den Leistungen. Im Norden herrscht universeller Zugang vor. Die Sozialleistungen im Süden sind aber auf einen vergleichsweise engen Personenkreis begrenzt. Der Norden hat dadurch die Risiken globalisierter Exportmärkte für alle Erwerbstätigen abgefedert, integriert aber auch Migrant*innen in das sozialstaatliche Gefüge. Der Süden baut seine Wirtschaft wesentlich mehr auf heimischer Nachfrage auf. Für die Sozialpolitik des Südens bedeuten Migrant*innen nur geringe Probleme. Sie erhalten keinen Zugang. Der Norden fürchtet Freizügigkeit, der Süden Freihandel. Hier verfangen denn auch eher die Parolen linker Populisten nach verstärktem Protektionismus vor ausländischer Warenkonkurrenz sowie nach deutlichen Lohnerhöhungen.

Philip Manow ist Professor für Vergleichende Politische Ökonomie und Mitglied des SOCIUM.

Weitere Informationen:
Manow, Philip 2018: Die Politische Ökonomie des Populismus, Berlin: Suhrkamp


Kontakt:
Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
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Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Lara MinkusLara Minkus
Das ist das Ergebnis einer Studie der Soziologin Lara Minkus aus dem SOCIUM, gemeinsam veröffentlicht mit zwei Kollegen aus Florenz und Magdeburg.

Die Studie geht der Frage nach, ob und wie sich durch die Wahl Trumps die Unterstützung für die Europäische Union in Europa verändert hat. Das Ergebnis: Die Europäerinnen und Europäer sehen die EU positiver - interessanterweise vor allem diejenigen, die sich im politischen Spektrum rechts der Mitte verorten. Für die Untersuchung dieses Einstellungseffekts machten sich die Autoren zunutze, dass die Wahl Trumps mitten in die Erhebung einer Eurobarometer-Umfrage fiel. Mit den Eurobarometern erkundet die EU-Kommission regelmäßig die öffentliche Meinung der EU-Bürgerschaft, so auch im November 2016. Etwa die Hälfte der Interviews wurde vor der Trump-Wahl durchgeführt, die andere Hälfte danach. "Da der Wahlerfolg von Trump so überraschend kam und die Zuweisung der Befragten zu einem Interviewtermin vor oder nach der Wahl rein zufällig erfolgte und nicht von den jeweiligen politischen Voreinstellungen der Personen abhing, kommt dieser Umstand einem sogenannten natürlichen Experiment recht nahe", sagt Autorin Lara Minkus. Gemeinsam mit dem Soziologen Emanuel Deutschmann (European University Institute Florenz) und Jan Delhey, Professor für Makrosoziologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, hat sie festgestellt: Eine Veränderung in der Unterstützung für die EU nach der Präsidentschaftswahl muss folglich ein "Trump-Effekt" sein.

EU bei der politischen Rechten beliebter

Die EU erfährt nach der Trump-Wahl mehr Unterstützung durch die Bevölkerung. Allerdings verteilt sich dieser Anstieg ungleichmäßig, wenn man nach politischer Orientierung unterteilt. Dann sieht man, dass es vor allem diejenigen sind, die sich politisch rechts der Mitte einstufen, bei denen dieser Trump-Effekt messbar ist. Bei der politischen Mitte und den Linken hat sich die Unterstützung der EU zwar auch leicht erhöht, aber noch im statistischen Zufallsbereich. Was steckt bei den eher rechts-konservativen Bürgerinnen und Bürgern dahinter, fragten sich die Autoren. Hier können sie nur spekulieren. Am plausibelsten sei es, dass die Trump-Wahl in diesen politischen Kreisen die Hoffnung genährt hat, die EU in Richtung eines "Europas der Nationen" zu entwickeln, das sich stärker nach außen abschottet und eine protektionistischere Machtpolitik verfolgt, sagt Lara Minkus. "Ob dieser "Trump-Effekt" im rechten Spektrum nur vorrübergehend war oder von Dauer, werden die nächsten Europawahlen im Mai kommenden Jahres zeigen."

Weitere Informationen:
Minkus, Lara; Deutschmann, Emanuel; Delhey, Jan, 2019: A Trump Effect on the EU’s Popularity? The U.S. Presidential Election as a Natural Experiment, in: Perspectives on Politics, online-first, S. 1 - 18,  doi:10.1017/S1537592718003262


Kontakt:
Lara Minkus
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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E-Mail: lminkus@uni-bremen.de

Cover Pflegereport 2018Cover Pflegereport 2018
Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2018 im Auftrag der BARMER.

Heute wurde im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz der diesjährige BARMER Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die Belastungssituationen und die Gesundheitszustände von Hauptpflegepersonen analysiert. Zudem wurden die Auswirkungen der jüngsten Pflegereformen auf die Versorgung der Pflegebedürftigen untersucht. Die Autoren Professor Dr. Heinz Rothgang und Dr. Rolf Müller liefern weiterhin vertiefende Untersuchungen zu Fallzahlen, Inzidenzen, Prävalenzen und Pflegeverläufen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik 2015, die Routinedaten der BARMER sowie eine eigens für das Schwerpunktthema durchgeführte Befragung von 1.862 Versicherten der BARMER.

Pflegegrade statt Pflegestufen führen zum Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen

Mit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade zum 1. Januar 2017 haben sich die Kriterien für die Zugangsberechtigung zu Versicherungsleistungen geändert. Die kognitiven Einschränkungen sind nun definitorischer Bestandteil der Pflegebedürftigkeit und die Zugangshürde zu Versichertenleistungen abgesenkt. Entsprechend ist mit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade die Zahl der positiven Begutachtungen deutlich gestiegen. Ausweislich der hochgerechneten BARMER-Daten stieg die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2015 und 2017 um 17,9 %. Davon entfallen knapp 13 Prozentpunkte auf die Steigerung bei Pflegegrad 1 und Pflegegrad 2.

Ausweitung des Leistungsanspruchs führt zu höheren Kosten

Reformbedingt gab es im Jahr 2017 Ausgabensteigerungen von rund 7 Milliarden Euro für die Soziale Pflegeversicherung. Dem stehen reformbedingte Mehreinnahmen von 2,8 Milliarden Euro gegenüber, was zu einem reformbedingten Defizit von 4,2 Milliarden Euro führt. Lediglich aufgrund des zuvor bestehenden Überschusses und der günstigen Entwicklung der Grundlohnsumme liegt das tatsächliche Defizit 2017 bei lediglich 2,4 Milliarden Euro.

Die Mehrzahl der Pflegebedürftigen wird von pflegenden Angehörigen versorgt

Rund 2,5 Millionen Pflegebedürftige wurden im Dezember 2017 durch eine Hauptpflegeperson versorgt. Zwei Drittel der Hauptpflegepersonen sind Frauen, ein Drittel Männer. Nur ein Drittel der Hauptpflegepersonen aus der BARMER-Versichertenbefragung 2018 hat eine aktuelle Erwerbstätigkeit angegeben. Allerdings hat ein Viertel angegeben, wegen der Pflege die Erwerbstätigkeit reduziert oder aufgegeben zu haben.

Die formelle und die informelle Unterstützung ist oft nicht ausreichend

Die Hauptpflegeperson muss in der Regel mehrere Aufgaben (beispielsweise Medikamentenversorgung, Unterstützung beim Essen, Unterstützung bei der Mobilität, Unterstützung beim Toilettengang) übernehmen. Sechs von zehn Hauptpflegepersonen wünschen sich in mindestens einem der 11 abgefragten Aufgabenbereiche weitere Hilfe. Neben dieser generellen Bedarfslage gibt es Probleme bei der Vertretung. Deutlich mehr als die Hälfte hat gar keine Möglichkeiten, jemanden zu finden, der sich eine oder mehrere Wochen um die pflegebedürftige Person kümmert, so dass die Hauptpflegeperson pausieren kann.
Häufig werden wegen hoher Kosten, vermuteter geringer Qualität, fehlender Angebote oder hohem Organisationsaufwand Angebote nicht genutzt. Es wird ein Bedarf deutlich, der aber aus Gründen der Angebotsstruktur oder des Aufwands nicht befriedigt werden kann. Dies betrifft bei der Tagespflege rund 378.000 (= 15,3 %), beim Pflegedienst 188.000 (= 7,6 %), bei der Kurzzeitpflege 437.000 (= 17,7 %) und bei den niedrigschwelligen Betreuungs- und Haushaltshilfen 379.000 (= 15,3 %) der Hauptpflegepersonen.

Hauptpflegepersonen sind häufig höher belastet und häufiger krank

Von den Hauptpflegepersonen kommen 87,5 % nach eigenen Angaben meistens oder immer gut mit der Pflege zurecht. Dennoch bekommt ein Großteil nicht genug Schlaf (38,0 %), fühlen sich 29,9 % der Hauptpflegepersonen in der Rolle als Pflegender gefangen, ist jedem Fünften (20,4 %) die Pflege häufig zu anstrengend, wirkt bei 22,7 % die Pflege negativ auf die Freundschaftsverhältnisse und hat jeder Fünfte (18,8 %) Zukunfts- und Existenzängste.
Pflegende Angehörige sind nicht nur kränker, sie werden auch durch die Pflege kränker. Psychische Leiden sind bei Hauptpflegepersonen mit 48,7 % im Dezember 2017 sehr häufig. In einer nach Alter und Geschlecht strukturgleichen nicht pflegenden Vergleichspopulation haben nur 42,5 % solche Diagnosen. Die Erkrankungshäufigkeit hat bei den Hauptpflegepersonen in den letzten fünf Jahren um 9,1 Prozentpunkte zugenommen und in der Vergleichsgruppe nur um 5,7 Prozentpunkte.

Zukunftsszenarien der Hauptpflegepersonen

Hochgerechnet ergibt sich aus der BARMER-Versichertenbefragung 2018 eine Gesamtzahl von mindestens 185.000 Hauptpflegepersonen, die kurz davorstehen, die Pflege einzustellen. Weitere über eine Million Hauptpflegepersonen wollen die Pflege nur fortsetzen, solange sich nichts an der Situation ändert. Da sich die Pflegesituation aber häufig im Zeitverlauf verschlechtert, kann auch für diese Gruppe nicht unterstellt werden, dass sie weiterhin die Pflege übernehmen. Insgesamt ist das eine bedrohliche Ausgangslage.
Hauptpflegepersonen wünschen sich weniger Bürokratie bei Antragstellungen, würden gern bei Fragen immer dieselbe Fachkraft kontaktieren, hätten gern eine bessere Aufklärung über die Leistungen der Pflegeversicherung und darüber, woher man Hilfe bekommt. Den Pflegenden mit einem Hilfebedarf ist es vor allem wichtig, zu wissen, woher sie Hilfe bekommen können. Hier zeigt sich Handlungsbedarf seitens der zentralen Akteure der Pflegelandschaft und der Politik.

Download:
BARMER Pflegereport 2018
Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz
Folienvortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz


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Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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E-Mail: rmint@uni-bremen.de