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Der Innovationsreport 2020 bewertet Arzneimittel, die 2017 neu auf den deutschen Markt gekommen sind

Onkologika sind wie im letzten Jahr am häufigsten untersuchte Wirkstoffkategorie, sieben Arzneimittel zählen zu den immunsuppressiven Medikamenten und damit zu den zweithäufigsten Indikationen. Einem beschleunigten Verfahren zur Zulassung für den deutschen Markt unterlagen zwei Arzneimittel im Vergleich zu acht des Vorjahres: Spinraza® (Wirkstoff: Nusinersen), das in diesem Report eine besondere Rolle spielt, und Oxervate®, das bereits wieder außer Vertrieb ist.

Nusinersen ist als Arzneimittel zur Therapie der Spinalen Muskelatrophie (SMA) zugelassen. Der SMA, ihrer medikamentösen Behandlung und dem neuen Mittel Zolgensma® ist das diesjährige Sonderkapitel gewidmet. Außerdem wurde ein Kapitel den Besonderheiten in der Zulassung von Spinraza® und Zolgensma® in den Vereinigten Staaten und in der Europäischen Union gewidmet.

Insgesamt ergab die Bewertung aller untersuchten Wirkstoffe ein gemischtes Ergebnis: Im Gesamtscore, dem zusammengefassten Vergleich mit bereits existierenden Therapieoptionen, der Beurteilung nach patientenorientiertem (Zusatz)Nutzen und dem Kostenfaktor haben 16 Wirkstoffe eine rote, sieben eine gelbe und acht eine grüne Gesamt-Ampel. Dies ist im Vergleich zu früheren Reporten kein schlechtes Ergebnis, allerdings sind die Kosten pro Behandlung teils exorbitant angestiegen, am eindrücklichsten schlägt Nusinersen mit sechsstelligen Jahrestherapiekosten zu Buche.

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Präsentation der Ergebnisse von Prof. Dr. Gerd Glaeske

Verbesserung der Outcomes in Sicht | Stabile Kontrolle: Würde und Humanität wahren | Diskursverengung vermeiden: Corona nicht politisieren

Die wichtigsten Botschaften auf einen Blick

(1) Nach der herdförmigen Ausbreitung (Cluster) dominiert jetzt die sporadische Dynamik: Zunahme der täglich neu gemeldeten Infektionen mit SARS-CoV-2/Covid-19 von ca. 300 Fällen/Tag auf derzeit ca. 1350 Fällen/Tag (34. KW), Ausweitung des wöchentlichen Testumfangs von 400.000 auf 900.000, Abfall der Rate positiver Testergebnisse 9% auf ca. 1% - neben den „Herden“ hat sich jetzt die homogene (sporadische) Ausbreitung in den Vordergrund geschoben. Diese Dynamik ist allein durch Testung und Nachverfolgung nicht zu beherrschen, sondern bedarf einer stabilen Kontrolle durch klug geplante, Zielgruppen-orientierte Präventionsmaßnahmen.

(2) Parallel zur Zunahme der gemeldeten Infektionen kommt es zu einer Abschwächung der klinischen Folgen: Die Zunahme der täglich neu gemeldeten Infektionen in den letzten fünf bis sechs Wochen ist nicht von einer Zunahme der Erkrankungen und Komplikationen gefolgt, stattdessen ist die Hospitalisierungsrate von über 20% auf 9% abgefallen, die intensivmedizinisch betreuten Patienten sanken von 3000 auf 230 und die Mortalität der Infizierten von 7% auf 0,4% (die Angabe der letzten
Wochen liegen noch niedriger, sind aber noch nicht abschließend zu bewerten). Bestätigt wird diese Tendenz durch das Patientenkollektiv, das die infizierten Mitarbeiter im Gesundheitswesen darstellen (n = 14.977 am 26.8.2020), wo die Dunkelziffer keine Rolle spielen sollte: hier liegt die Mortalität bei zwischen 0,12 und 0,16%. Als ursächlich für diese günstige Entwicklung sind die zunehmende Testung nicht-erkrankter Personen, ein jüngeres Durchschnittsalter und die Verbesserung der organisatorischen Abläufe in den Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie der Pflegeeinrichtungen zu diskutieren. Es ist unklar, ob zusätzlich eine Veränderung des Virustyps vorliegt.


(3) Die sporadische Ausbreitung wird im begrenzten Umfang weiter zunehmen, kann aber aufgefangen werden: In einem groben Modell wird die weitere Ausbreitung durch vier Kompartimente determiniert: das „Grundrauschen“, die Reiserückkehrer, die Schul- bzw. Kindergartenöffnungen und die im Winter anstehende vermehrte Innenraumnutzung. Ein weiterer, auch deutlicher Anstieg der täglichen Neuinfektionen
kann daher nicht ausgeschlossen werden. Diese Situation ist zu bewältigen, wenn (1) spezifische Präventionsprogramme entwickelt werden, die die verletzlichen Gruppen schützen (unter aktiv umgesetzter Wahrung der individuellen Würde und Humanität), und
wenn (2) die Ressourcen des Gesundheitssystems (Organisation, Bettenkapazität) in der jetzigen Form aufrechterhalten werden. Therapie und Impfstoffentwicklung sind denkbare Lösungen, die Epidemie muss jedoch auch dann stabil kontrolliert werden, wenn sich hier Verzögerungen ergeben sollten.


(4) Bei massiver Ausdehnung des Testumfanges auf Niedrigprävalenz-Kollektive (Häufigkeit 1-3%) sind unkontrollierbare Probleme mit falsch-positiven Befunden zu erwarten, die von den Institutionen, die mit der Nachverfolgung beauftragt sind, nicht bewältigt werden können. Die Teststrategie muss daher auf die Strategie der Stabilen Kontrolle ausgerichtet sein, d.h. es müssen in erster Linie Kollektive mit höherer Prävalenz, Kollektive mit höherem oder unbekanntem Infektionsrisiko (z.B. Lehrer, Kindergartenmitarbeiter) und Kollektive mit hohem individuellem Risiko für Komplikationen (z.B. Bewohner von Pflegeheimen und deren Angehörige, ambulante Pflege) getestet werden.


(5) Die Definition der „Zweiten Welle“ sollte nicht auf starren Grenzwerten beruhen, sondern sich auf das Kriterium der mangelnden Abgrenzbarkeit von Herden und sporadischer Ausbreitung beziehen (ergänzt um eine regionale Komponente – mehr als 5 Gebietskörperschaften in mindestens zwei Bundesländern – und einen offiziell festgestellten Kontrollverlust).


(6) Primäres Ziel ist die „Stabile Kontrolle“ der Epidemie, eine Eradikation scheidet ebenso aus wie die Strategie der Herdenimmunität. Essentiell sind Zielgruppen-orientierte
Präventionsmaßnahmen für die besonders verletzlichen Gruppen in der Bevölkerung. Diese Schutzkonzepte müssen die Ziele der Infektionskontrolle genauso berücksichtigen wie Humanität und Würde der einzelnen Person, hierzu sind innovative Konzept zu entwickeln und umzusetzen.


(7) Mitarbeiter und Patienten/Bewohner/Betreute in den Institutionen des Gesundheitswesens, der Pflege- und Gemeinschaftseinrichtungen trugen zu Beginn der Epidemie mit bis zu 1000 Neuinfektionen pro Tag und fast 50% der Todesfälle durch Covid-19 in Deutschland einen großen Teil der Krankheitslast, jeweils zur Hälfte verteilt auf Mitarbeiter und Patienten/Bewohner/Betreute. 300 bzw. 200 gemeldete Neuinfektionen entfielen auf die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in den Pflegeeinrichtungen. Die Bewohner von Pflegeeinrichtungen wiesen in der Spitze bis zu 400 täglich gemeldete Neuinfektionen auf; diese Zahl ist auf ca. 20 Infektionen täglich abgefallen. Im Gesundheitswesen traten bei Patienten bis zu 80 (nosokomial erworbene) Neuinfektionen pro Tag auf, die Zahl lag in den letzten drei Wochen zwischen 0 und 18.

(8) Aktuell ist ein leichter Anstieg bei den Mitarbeitern und Betreuten der Gemeinschaftseinrichtungen nach §33 IfSG1 zu beobachten, der intensiver Beobachtung bedarf.


(9) Die Empfehlungen zum Tragen von Masken sind an die Baseline-Risiken anzupassen. Die durch Studien belegte relative Risikoverminderung um 80% bedeutet in
einem Hochrisikobereich (z. B. Gesundheitswesen, angenommene Infektionswahrscheinlichkeit 10%) eine absolute Risikodifferenz von 8%, so dass 12,5 Personen eine Maske tragen müssen, um eine Infektion zu verhindern, während in einem Niedrigrisikobereich (1 Stunde Aufenthalt Supermarkt, Infektionsrisiko von 0,01%) 12.500 Personen eine Maske tragen müssen, um eine Infektion zu verhindern.


(10) Corona nicht politisieren: Die Interpretation der epidemiologischen Situation und die Auseinandersetzung über die beste Strategie der Pandemiebekämpfung sollte nicht von Kalkülen kurzfristiger politischer Positionsvorteile dominiert werden und ist auch nicht als Gegenstand des anstehenden Wahlkampfes geeignet.


(11) Rationale Entscheidungsfindung, rationaler Diskurs: Auch die Pandemie rechtfertigt es nicht, von der Grundnorm einer begründet abwägenden Entscheidungsfindung abzugehen und die Erfordernisse eines transparenten, fairen und faktenbegründeten Diskurses zwischen Politik, Wissenschaft und Medien zu relativieren. Gerade in dieser Situation müssen die jeweiligen Rollenzuweisungen klar zu erkennen sein, um daraus abgeleitet die Verantwortlichkeiten in einem demokratischen Rechtsstaat abzugrenzen. Nur unter diesen Voraussetzungen ist es möglich, das Vertrauen der Bürger in die rechtsstaatlich demokratische Kommunikation zu stärken.

Link zum Thesenpapier 4.0


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

© Raphael Hünerfauth, Photothek© Raphael Hünerfauth, Photothek
Strategie: Stabile Kontrolle des Infektionsgeschehens | Prävention: Risikosituationen erkennen | Bürgerrechte: Rückkehr zur Normalität

Das Thesenpapier 3.0 baut auf den vorangegangenen Papieren auf, aktualisiert die epidemiologische Analyse und stellt den „Dritten Weg“ der spezifischen Prävention, die juristische Analyse und die Problematik der Corona-Tracing-App in den Vordergrund.

Die wichtigsten Botschaften auf einen Blick:

  • Sporadisches und epidemisches Muster differenzieren: In der epidemiologischen Analyse ist derzeit deutlich das sporadische Auftreten von den aktuellen Herdausbrüchen (bei kritischer Wohn- oder Arbeitssituation) zu abzugrenzen, beide müssen getrennt berichtet und adressiert werden.
  • Dysfunktionale Dramatisierung: Das Berichtswesen des Robert Koch-Institutes (RKI) bzw. der Bundesregierung muss dringend aktualisiert werden, ein hier vorgelegter Vorschlag umfasst die differenzierte Darstellung von sporadischen und epidemischen Fällen und den Bericht von Versorgungs-relevanten Krankheitszuständen (z.B. asymptomatische Infizierte, stationäre Behandlungsbedürftigkeit).
  • Stabile Kontrolle des Infektionsgeschehens: Eine Eradikation der Epidemie ist nicht erreichbar, möglich ist aber eine stabile Kontrolle sporadischer Fälle, vor allem aber von Herdausbrüchen (die nicht vorhersehbar und nicht zu verhindern sind).
  • Situation ist beherrschbar: Durch ein vorbereitetes und gut ausgerüstetes Gesundheitswesen ist die derzeitige Situation beherrschbar, daher sollte die Diskussion um die Aufhebung des Pandemie-Status und der Einschränkung der Grundrechte eröffnet werden (Wahrung der Verhältnismäßigkeit).
  • Balanced Infection Control Score: Zur Einschätzung der Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen ist eine mehrdimensionale Matrix notwendig, die nicht nur infektionsepidemiologische Kennzahlen umfasst, sondern auch solche aus den Bereichen Ökonomie, Grundrecht und Wissen/Ausbildung.
  • Der „dritte Weg“: Erfolgreiche Prävention umfasst neben allgemeinen und nachfassenden Maßnahmen vor allem Zielgruppen-orientierte, spezifische Maßnahmen, die ex ante primär das Auftreten von Risikosituationen zur Herdentstehung zu verhindern suchen. Der Öffentliche Gesundheitsdienst muss ausgebaut werden.
  • Klinische Forschung fördert den rationalen Umgang: die Aufarbeitung der klinischen
    und pflegerischen Fragestellungen, die Covid-19 betreffen, stellen ein zentrales Element
    eines rationalen Umgangs der Gesellschaft und der Bevölkerung mit der Epidemie dar.
  • Die Würde des Menschen: Besonders bei Langzeitpflege, Behinderungen oder im
    Prozess des Sterbens müssen alle erdenkbaren Anstrengungen unternommen werden,
    um Situationen und Maßnahmen zu verhindern, die die Würde des Menschen einschränken. Rechtlich erscheinen allgemeine Einschränkungen dann als besonders problematisch, wenn spezifische, individuelle Lösungen möglich sind und die Verhältnismäßigkeit durch die allgemeine Verbesserung der epidemiologischen Situation in Frage steht.
  • Corona-Tracing-App wirft beunruhigende Fragen auf: Anonymität, Standortbestimmung, Freiwilligkeit, Verhaltensmodifikation, Wirksamkeit und Effizienz – zu allen diesen Aspekten (und weiteren) sind erhebliche Zweifel angebracht.

 

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Datenbasis verbessern | Prävention gezielt weiterentwickeln | Bürgerrechte wahren

Die Entwicklung der Pandemie SARS-CoV-2/Covid-19 hat sich in den letzten Wochen dynamisch weiterentwickelt, so dass es angezeigt erschien, eine Version 2 des erstmals am 5.4.2020 veröffentlichten Thesenpapiers auszuarbeiten. Die Dreiteilung in Epidemiologie, Prävention und gesellschaftspolitische Implikationen wurde von der Autorengruppe dabei nicht verändert. Besonders die Problematisierung der sozialen und politischen Konsequenzen rief zahlreiche positive Reaktionen hervor, so dass die AutorInnen sich in der grundsätzlichen Haltung bestärkt fühlen, dass adäquate Lösungen der derzeitigen Krise nur durch eine möglichst breit aufgestellte Argumentation erreicht werden können. Außerdem erscheint die Art der Kommunikation von Wichtigkeit: nach den Prinzipien der Risikokommunikation ist in einer solchen Situation ein sachlicher und gelassener Austausch von Argumenten geboten, der nichts beschönigt, aber auch nichts unnötig dramatisiert. Alle Beteiligten müssen darauf hinwirken, dass es nicht zu geschlossenen Argumentationsketten kommt, die anderslautenden Nachrichten keinen Raum mehr geben können.

Ein guter Ausgangspunkt einer solchen nüchternen Herangehensweise könnte die klar geäußerte, deutlich ausgesprochene Erkenntnis sein, dass SARS-CoV-2/Covid-19 eine typische Infektionskrankheit darstellt, die bestimmte Eigenschaften und – natürlich – enorme Auswirkungen auf die Gesundheit, auf die Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung und auf die sozialen Systeme haben kann (These 1). Wir werden im Detail noch mehrere Besonderheiten dieser Infektionskrankheit kennenlernen, aber sie stellt keinen Anlass dafür dar, in quasi metaphysischer Überhöhung alle Regeln, alles Gemeinsame, alles Soziale in Frage zu stellen oder sogar außer Kraft zu setzen. Dies gilt insbesondere für den Umgang mit den „vulnerablen Gruppen“, wo auf der Suche nach spezifischen Präventionsstrategien unsere gesellschaftliche Lösungskompetenz doch phantasievoller und erfindungsreicher ausgestattet sein müsste, als dies durch den mechanistischen Reflex zu „Kontaktsperren“ und „sozialer Isolation“ reflektiert wird.

Das jetzt vorliegende Thesenpapier 2.0 trifft aus der Vielzahl der Themen eine Auswahl. Analog zum Verfahren der Technikfolgen-Abschätzung wird ein mehrdimensionaler Zugang gewählt. Es wird versucht, eine tagesaktuelle Übersicht über die zur Verfügung stehende Literatur zu geben, die jedoch wegen des rasch wachsenden Wissensstandes immer auch Lücken aufweisen wird.

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Datenbasis verbessern | Prävention gezielt weiterentwickeln | Bürgerrechte wahren

Der vorliegende Text stellt sich der Aufgabe, die epidemiologische Problemlage wissenschaftlich zu klären und aus der gegebenen Situation Empfehlungen für wirksame Präventionsmaßnahmen abzuleiten. Die Vorschläge zur Prävention werden in einen gesellschaftspolitischen Rahmen gestellt, der für die Autoren in einem unauflösbaren Zusammenhang mit den geschilderten Sachverhalten steht. Dem umfangreichen analytischen Teil wird eine kürzere Zusammenfassung vorangestellt, die eine schnelle Orientierung über die vertretenen Standpunkte ermöglichen soll. Wie für ein Thesenpapier nicht anders zu erwarten, werden die wichtigsten Ergebnisse zu drei Thesen mit entsprechenden Unterpunkten verdichtet, die wortgleich in der Zusammenfassung und am Ende der jeweiligen Kapitel zu finden sind. Die Autoren bemühen sich um eine klare Benennung der Fakten und Probleme. Sie
verbinden hiermit keine Kritik an den handelnden Personen, die in den zurückliegenden Wochen unter den Bedingungen einer – die Steigerung sei erlaubt – „noch
unvollständigeren Information“ entscheiden mussten als dies heute der Fall ist. In jeder Beziehung sind die Ausführungen dieses Thesenpapiers als konstruktive Beiträge gedacht, die den Zweck verfolgen, die Entscheidungen der kommenden Wochen zu unterstützen.

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Gerd Glaeske hält zunehmende Lieferengpässe für wahrscheinlich

Im Bereich der chronischen Erkrankungen oder generell bei häufig verwendeten Arzneimitteln kommen sogenannte Generika zum Einsatz, mehr als 75 Prozent aller Arzneimittelverordnungen. Meistens werden diese Arzneimittel in Indien und China produziert. Dies bedeutet lange Lieferketten, Qualität, Herstellungsbedingungen und Zuverlässigkeit können darunter leiden. In China sind auch die Regionen vom Coronavirus betroffen, in denen die Mittel hergestellt werden, das wird die Lieferschwierigkeiten sicherlich verschärfen.

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Cover Innovationsreport 2019Cover Innovationsreport 2019
Studie zu innovativen Arzneimitteln des Jahres 2016 in der Versorgungsrealität

Der diesjährige Innovationsreport bewertet 21 Wirkstoffe der insgesamt 31 Arzneimittel, die im Jahr 2016 neu auf den Markt gekommen sind.

Am häufigsten wurden Onkologika bewertet, fünf Arzneimittel enthalten antivirale Wirkstoffe, drei sind rekombinante Gerinnungsfaktoren. Die restlichen Wirkstoffe verteilen sich auf acht weitere Indikationen. Zum ersten Mal wurde in diesem Report auch ein Impfstoff bewertet. Dabei handelt es sich um den HPV-Impfstoff, der u.a. vor Gebärmutterhalskrebs schützt. Acht Arzneimittel kamen im Rahmen eines beschleunigten Zulassungsverfahrens auf den Markt.

Das Sonderkapitel des Reportes widmet sich dem aktuellen Thema „Impfen und Impfpflicht“ und bespricht insbesondere Masern-, HPV- und Grippeimpfungen.

Die Daten des RKIs, der KiGGS-Studie aber auch der Weltgesundheitsorganisation verdeutlichen, dass die gewünschten Masernimpfquoten noch nicht erreicht werden konnten und weiterhin ein großer Handlungsbedarf besteht. Sie zeigen aber auch, dass mit der Impfpflicht, wie sie bereits in einigen europäischen Ländern eingeführt wurde, das Ziel der Elimination der Masern ebenfalls nicht erreicht wurde. Im Innovationsreport 2019 werden darum verschiedene Ansätze vorgestellt, wie eine Erhöhung der Impfquoten gelingen könnte, welche die Argumente der Impfgegner sein könnten und verdeutlicht die große Bedeutung der Arzt-Patienten-Kommunikation in diesem Zusammenhang. Die Schlussfolgerung aus diesem Kapitel ist, dass eine Masernimpfpflicht nur die Ultima Ratio sein sollte – zunächst müssen Aufklärungs- und Informationskampagnen ergriffen und intensiviert werden.

Jüngste Studien machen deutlich, dass die HPV-Impfungen Wirkungen zeigen, also die Häufigkeit der Vorstufen zum Gebärmutterhalskrebs sinkt und dass die Zahl der HPV-geimpften Jungen steigt. Auch hier ist die Arzt-Patienten-Kommunikation ausschlaggebend – schließlich sind es junge Menschen, die mit der Entscheidung für eine Impfung Risiken für Erkrankungen, die sich erst viel später im Leben entwickeln können, minimieren sollen.

Bezüglich der Grippe-Impfungen gibt es Hinweise, dass es sinnvoll ist, die Zielgruppe zu ändern. Statt generell Menschen ab 60 Jahren zu impfen, sollten es nach aktueller Studienlage besser Kinder und Jugendliche sein. Dadurch kann eher ein schützender „Herdeneffekt“ eintreten, weil bei Menschen ab 60 Jahren das Immunsystem weniger gut auf die Impfung anspricht.

Im Ergebnis des Innovationsreports 2019 konnten zwar fünf Arzneimittel mit einer „grünen“ Gesamtampel bewertet werden, verglichen mit dem letzten Jahr dämpft der Anstieg der „roten“ Ampeln (61% aller bewerteten Arzneimittel) aber die Hoffnung auf eine positive Entwicklung neu zugelassener Arzneimittel. Für sechs Arzneimittel wurden Rote-Hand-Briefe mit wichtigen Informationen für Ärzte und Patienten verschickt. Auch dies bestätigt die Annahme, dass aktuelle Zulassungsstudien nur ein eingeschränktes Bild von Wirkungen und Nebenwirkungen liefern, Pharmakovigilanzstudien im „Nachmarkt“ also dringend nötig sind.

Zweifel, ob Empfehlungen immer neutral und unabhängig erstellt werden, kommen aufgrund der Tatsache auf, dass 13 Wirkstoffe in Leitlinien und Therapieempfehlungen aufgenommen wurden, obwohl sechs davon eine negative Gesamtbewertung erhalten haben.

Arzneimittel, die eine echte therapeutische Innovation darstellen und mit einer grünen (Zusatz)-Nutzen-Ampel bewertet wurden, sind die Impfung gegen humane Papillom-Viren und im Bereich der Krebstherapie zur Behandlung des multiplen Myeloms (Daratumumab und Elotuzumab) sowie bei der Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (Sacubitril/Valsartan) zu finden. Nur ein Arzneimittel (Elbasvir/Grazoprevir) ist günstiger als die zweckmäßige Vergleichstherapie und wurde in dieser Kategorie mit einer grünen Ampel bewertet. Zwölf Mal zeigt die Kostenampel gelb, vier Mal rot. Beim Blick auf den Vergleich mit bereits verfügbaren Therapien zeigt die Ampel bei fünf Arzneimitteln grün, bei vier gelb und bei 14 rot. Damit stellen nur neun der neu in den Markt gebrachten Arzneimittel eine positiv zu bewertende Ergänzung des Arzneimittelrepertoires dar.

 

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Präsentation der Ergebnisse von Prof. Dr. Gerd Glaeske


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Cover Hautkrebsreport 2019Cover Hautkrebsreport 2019
Professor Dr. Gerd Glaeske hat als Mitherausgeber am 29. Mai zusammen mit der Techniker Krankenkasse und dem Universitätsklinikum Eppendorf den Hautkrebsreport 2019 vorgestellt.

Hautkrebs ist mit 270.000 Neuerkrankungen im Jahr in Deutschland die häufigste Krebserkrankung. Bei jeder siebten Hautkrebserkrankung wird der besonders gefährliche schwarze Hautkrebs (Malignes Melanom) festgestellt, der etwa 14 % der Hautkrebserkrankungen ausmacht, 86 % entfallen auf den weißen oder hellen Hautkrebs. Und jedes Jahr steigt die Anzahl an - in den Jahren 2009 bis 2015 gab es 50 % mehr Diagnosen des hellen und 30 % des schwarzen Hautkrebses. Wird der Hautkrebs früh genug diagnostiziert, ist er jedoch oft heilbar.

Der Report zeigt auf, welche regionalen Unterschiede es in der Hautkrebsverbreitung und -früherkennung gibt. In Hessen, Niedersachsen und Thüringen wird besonders häufig schwarzer Hautkrebs diagnostiziert. In Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt nahmen die Versicherten die Früherkennungsuntersuchung seltener in Anspruch als in anderen Bundesländern. Insgesamt ging in den Jahren 2009 bis 2015 nur jeder fünfte gesetzlich Versicherte zur Früherkennung zu einem Hautarzt oder Hausarzt.

Da es sich um eine in erster Linie verhaltensbedingte Erkrankung handelt, wird auch das richtige und „gesunde“ Verhalten bei der Sonnenstrahlung thematisiert. Die wirksamste Prävention ist die Vermeidung eines Sonnenbrands durch die UV-Strahlung (Sonnencreme, UV-Schutzbekleidung, Früherkennungsuntersuchungen und Verzicht auf die Sonnenbank).

Außerdem weist der Report auch auf die medizinischen Fortschritte bei der Arzneimitteltherapie von Hautkrebs hin. Hier zeigt sich, dass die neuen, aber auch teureren Immuntherapien erhebliche Vorteile gegenüber der Chemotherapie bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs haben - die betroffenen Menschen leben länger.

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Präsentation zur Pressekonferenz von Prof. Dr. Gerd Glaeske

Länger besser leben.-InstitutLänger besser leben.-Institut
Aktuelle Beiträge und renommierte Referent*innen bescheren Gerd Glaeske und der BKK24 einen vollen Saal

Wie motiviert man Menschen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen zu einer gesundheitsorientierten Änderung ihres Lebensstils, ihres Bewegungsverhaltens und ihrer Essgewohnheiten, damit sie langfristig gesünder sind, sich wohler fühlen und länger leben? Dazu hat der Versorgungsforscher Professor Gerd Glaeske am SOCIUM zusammen mit der BKK24 ein interessantes Programm für den zweiten „Länger besser leben.“-Kongress „Motivation zur Prävention. Mehr Chancen für die Gesundheit“ zusammengestellt, der am 14. Mai 2019 stattfinden wird. Weil es nach wie vor je nach sozialem Status unterschiedliche Lebenserwartungen gibt, soll die angesprochene Motivation zu einer Verbesserung beitragen. Angesichts der Aktualität dieses Themas waren die 200 Plätze in der Akademie des Sports in Hannover schnell vergeben.

Der „Länger besser leben.“-Kongress ist Teil der Präventionsarbeit des „Länger besser leben.“-Instituts, das vom SOCIUM zusammen mit der BKK24 getragen wird.

Weitere Informationen: Länger besser leben.-Institut


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Cover Cover "Länger besser leben."-Buch
Präventionsempfehlungen in der praktischen Umsetzung.

Professor Dr. Gerd Glaeske, Leiter des "Länger besser leben."-Instituts der Universität Bremen, angesiedelt am SOCIUM, hat zusammen mit Friederike Höfel vom "Länger besser leben."-Institut, Friedrich Schütte und Jörg Nielaczny von der BKK24 ein Buch herausgegeben, in dem die wichtigsten vier Ziele der Präventionskampagne und Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschrieben werden.

Zentral sind gesunde Ernährung, Verringerung des Alkoholkonsums, Nichtrauchen und die Förderung von Bewegung. Auf diese Weise sollen Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems (z.B. Bluthochdruck), des Stoffwechsels (v.a. Diabetes) sowie Folgen des Rauchens und des Alkoholkonsums (v.a. Krebs, COPD, Lebererkrankungen oder Verkehrsunfälle) verringert und die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden verbessert werden. Die vier verschiedenen Präventionsaspekte werden von Beiträgen renommierter Wissenschaftler begleitet - "Bewegung" durch Prof. Dr. Detlef Kuhlmann und Kristof Grätz, Leibniz Universität Hannover, "Alkoholkonsum" durch Professor Dr. Ulrich John und Kolleg*innen vom Institut für Sozialmedizin und Prävention der Universitätsmedizin Greifswald, "Gesundheitsrisiko Rauchen" durch Dr. Christoph Kröger, IFT-Gesundheitsförderung, München und "Ernährung" durch Prof. Dr. Gerd Glaeske, "Länger besser leben."-Institut der Universität Bremen.

Neben den wissenschaftlichen Ausführungen kommen aber auch die Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den verschiedenen Angeboten der "Länger besser leben."-Initiative nicht zu kurz. Die Berichte zeigen vor allem, welche Erfolge zugunsten der eigenen Gesundheit erreicht wurden, andere Menschen können so motiviert werden.

Viele Empfehlungen für sportliche Übungen stehen im Buch neben Rezepten für gesunde Mahlzeiten, für alkoholfreie Cocktails, übersichtlichen Infografiken und Tipps. Zu Beginn wird geschildert, wie 2011 alles begonnen und was sich seitdem getan hat. Insofern ist das Buch eine Art Biografie der "Länger besser leben."-Initiative, die nun bereits im achten Jahr als Präventionsprogramm erfolgreich tätig ist - das zeigen zumindest die steigenden Zahlen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und die positiven Rückmeldungen. Hier wird nur ein Zwischenstand gezeigt, die Aktivitäten werden weiter gehen. Und wir werden als "Länger besser leben."-Institut der Universität Bremen in Publikationen, Vorträgen und auf Kongressen die Botschaft ins Land tragen, dass sich Prävention lohnt. Diese Botschaft sollten nicht nur viele hören, sondern auch zugunsten ihrer Lebensqualität und ihres Wohlbefindens umsetzen. Das Buch "Länger besser leben." kann dazu einen Beitrag leisten.

Informationen zur Publikation: Glaeske, Gerd; Höfel, Friederike; Schütte, Friedrich; Nielaczny, Jörg (Hg.), 2019: "Länger besser leben." Für eine bessere Gesundheit und mehr Wohlbefinden, "Länger besser leben."-Institut, BKK24, Bremen, Obernkirchen: Selbstverlag

Weitere Informationen: "Länger besser leben."-Institut


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Dipl.-Soz. Friederike Höfel
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E-Mail: fhoefel@uni-bremen.de