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Eine soziologische Perspektive auf „alternative Fakten“

Begriffe wie „postfaktisch“ und „alternative Fakten“ haben Konjunktur. Sie verweisen darauf, dass ein gesellschaftlicher Kampf um die Wirklichkeit der Wirklichkeit entbrannt zu sein scheint. Die Debatte über alternative Fakten wird deshalb vor allem von psychologischen und erkenntnistheoretischen Fragestellungen dominiert. Um zu verstehen, warum „alternative Fakten“ in der gesellschaftlichen Debatte so verunsichernd wirken, reichen diese Perspektiven jedoch nicht aus. In seinem neuen Buch untersucht Nils Kumkar das Phänomen „alternative Fakten“ darum aus einer soziologischen, kommunikationstheoretischen Perspektive: Worüber streitet und verständigt man sich eigentlich, wenn alternative Fakten die Diskussionen prägen? Was ist, mit anderen Worten, ihre kommunikative Funktion?

Ausgehend von Fallstudien zu den Auseinandersetzungen um Corona, den Klimawandel und die Größe des Publikums bei der Amtseinführung Donald Trumps arbeitet das Buch heraus, dass „alternative Fakten“ nicht primär als Versatzstücke von Parallelwelten zu verstehen sind, in die sich relevante Teile der Bevölkerung zurückgezogen hätten. Vielmehr funktionieren sie als diskursive Nebelkerzen im Kontext polarisierter Debatten. Ihre zentrale Funktion ist nicht, die Menschen Falsches glauben zu lassen, sondern den Schritt von der kommunikativen Tatsachenfeststellung zur politischen Entscheidung hinauszuzögern. Sie wirken nicht als Beitrag zur Konstruktion einer alternativen Realität, sondern als kommunikative Realitätsdestruktion, die es erlaubt, wider besseres Wissen weiterzumachen wie bisher.


Kontakt:
Dr. Nils C. Kumkar
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58620
E-Mail: kumkar@uni-bremen.de

Mit diesem Tätigkeitsbericht legt das SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik Rechenschaft über seine Arbeit im Zeitraum 2019 bis 2021 ab.

Download: Tätigkeitsbericht des SOCIUM 2019 bis 2021

Aufgrund der aktuellen und andauernden Einschränkungen im Zusammenhang mit der Covid19/Coronavirus-Verbreitung wird das gesundheitspolitische Kolloquium bis zum Wintersemester 2022/23 pausieren.

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Festschrift zum 65. Geburtstag von Frank Nullmeier erschienen

Die Festschrift ehrt mit Frank Nullmeier ein langjähriges Mitglied des SOCIUM und einen der bedeutendsten deutschen Politikwissenschaftler der Gegenwart. Der Band erlaubt Einblicke in sein breites wissenschaftliches Werk, gibt aber auch einen guten Überblick über einige der wichtigsten Themen, die heute in der Politikwissenschaft diskutiert werden: von zentralen Debatten in der Politischen Theorie, etwa zur Legitimitäts- oder zur Demokratietheorie, über Schlüsselfragen moderner Sozialstaatlichkeit bis hin zur Erforschung einzelner Politikfelder und zur Verwaltungsforschung. Darüber hinaus zeichnen die Beiträge spannende Schnittstellen zu Nachbardisziplinen nach, etwa zu Philosophie oder Soziologie.

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Kontakt:
PD Dr. Tanja Pritzlaff-Scheele
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58579
E-Mail: tanja.pritzlaff@uni-bremen.de