News

Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Gesundheit, Pflege und Alterssicherung".

Prof. Dr. Gerd Glaeske  (Copyright Raphael Huenerfauth)Prof. Dr. Gerd Glaeske (Copyright Raphael Huenerfauth)
Arzneimittelexperte hält Vorträge über Heilwirkungen von essbaren Kräutern und Gewürzen

Obernkirchen/Bremen. Prof. Dr. Gerd Glaeske hat seine Vortragsreihe zu den Gesundheitseffekten von Kräutern und Gewürzen im Rahmen der Frühjahrskur der BKK24 erfolgreich abgeschlossen. In seinen sechs Vorträgen in Barsinghausen, Hameln, Obernkirchen, Alzey-Worms, Holzminden sowie Nienburg vermittelt er Erkenntnisse zur positiven Wirkung von Kräutern und Gewürzen als gesündere Alternative zu Arzneimitteln.

Der Prävention von Krankheiten durch Kräuter mit medizinischer Wirkung oder dem Lindern von Beschwerden durch Gewürze, wird in der heutigen Zeit noch zu wenig Wert zugesprochen. Daher standen bei der Vortragsreise neben kulinarischen Vorschlägen vor allem gesundheitliche Aspekte dieser Kräuter und Gewürze im Mittelpunkt.

Kräuter und Gewürze können nicht nur zur Senkung des Bluthochdrucks beitragen oder Erkältungssymptome wie Halsschmerzen, Husten oder Schnupfen mindern, darüber hinaus können sie Verdauungs- und Magenbeschwerden auf schonende Weise behandeln. Erzielt werden diese Behandlungserfolge u.a. durch die antivirale, antibakterielle und antiseptische Wirkung verschiedener Kräuter und Gewürze. Betrachtet man beispielsweise die Heilpflanze des Jahres 2018, die Ingwerknolle, zeigen sich entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkungen. Ingwer kann sowohl in der Behandlung von Erkältungskrankheiten als auch bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes verwendet werden.

Das Interesse an den Gesundheitseffekten von Kräutern und Gewürzen sowie die Begeisterung der mehr als 350 Teilnehmer*innen zeigt sich nicht nur durch die ausverkauften Veranstaltungen an nahezu allen Orten, sondern auch durch die auf die Vorträge folgende vielfältige positive Resonanz. 

Mit seinem letzten Vortrag in Holzminden beendet Prof. Dr. Gerd Glaeske am 16.04.2019 erfolgreich seine Vortragsreise.

Die zu den Vorträgen gezeigte Präsentation finden Sie unter:  https://www.socium.uni-bremen.de/uploads/Krautervortrag_2019_end.pdf


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Länger besser leben.-InstitutLänger besser leben.-Institut
Aktuelle Beiträge und renommierte Referent*innen bescheren Gerd Glaeske und der BKK24 einen vollen Saal

Wie motiviert man Menschen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen zu einer gesundheitsorientierten Änderung ihres Lebensstils, ihres Bewegungsverhaltens und ihrer Essgewohnheiten, damit sie langfristig gesünder sind, sich wohler fühlen und länger leben? Dazu hat der Versorgungsforscher Professor Gerd Glaeske am SOCIUM zusammen mit der BKK24 ein interessantes Programm für den zweiten „Länger besser leben.“-Kongress „Motivation zur Prävention. Mehr Chancen für die Gesundheit“ zusammengestellt, der am 14. Mai 2019 stattfinden wird. Weil es nach wie vor je nach sozialem Status unterschiedliche Lebenserwartungen gibt, soll die angesprochene Motivation zu einer Verbesserung beitragen. Angesichts der Aktualität dieses Themas waren die 200 Plätze in der Akademie des Sports in Hannover schnell vergeben.

Der „Länger besser leben.“-Kongress ist Teil der Präventionsarbeit des „Länger besser leben.“-Instituts, das vom SOCIUM zusammen mit der BKK24 getragen wird.

Weitere Informationen: Länger besser leben.-Institut


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Professor Heinz RothgangProfessor Heinz Rothgang
Stellungnahme von Heinz Rothgang für den Landtag von Schleswig-Holstein

Nachdem Hamburg es seinen Beamtinnen und Beamten ermöglich hat, eine pauschale Beihilfe für deren Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung zu erhalten, diskutieren weitere Länder die Einführung einer solchen Regel, darunter auch Schleswig-Holstein. Heinz Rothgang, Professor für Gesundheitsökonomie am SOCIUM, hat dazu für eine Expertenanhörung eine Stellungnahme verfasst.

Darin hebt Rothgang vier Aspekte besonders hervor: Eine solche Maßnahme vergrößert die Wahlmöglichkeit der Betroffenen. Sie stärkt ferner das Solidaritätsprinzip, weil es gesundheitlich bessere Risiken in die gesetzliche Krankversicherung zurückholt. Sie verringert darüber hinaus den Verwaltungsaufwand, da derzeit bei Beamten zwei Abrechnungen erstellt und bearbeitet werden müssen. Und sie spart langfristig Kosten für die öffentlichen Haushalte, weil die hohen Kosten im Alter dann voll von der Versicherung getragen werden.

Rothgang befürwortet daher den Gesetzesvorschlag, will ihn jedoch an zwei Bedingungen geknüpft sehen: Die Einführung muss auf Freiwilligkeit beruhen und die Entscheidung muss unwiderruflich sein, weil sonst in jungen Jahren die dann billigere Privatversicherung genutzt wird, um im Alter bei steigenden Kosten in die gesetzliche zu wechseln.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Weltweit werden technische Lösungen und Hilfsmittel für die Langzeitpflege entwickelt. In einem Interview mit dem Fernsehsender Radio Bremen hat SFB-Mitglied Heinz Rothgang eingeordnet, ob Roboter und IT geeignet sind, dem Pflegenotstand beizukommen.

"Der Einsatz von Robotern und IT in der Pflege sind sicher ein Teil der Zukunft, aber nicht die alleinige Lösung des Pflegenotstandes", sagte Heinz Rothgang, Leiter der Teilprojekte A04 und B07, in der Sendung "buten und binnen" des Senders Radio Bremen. "Die Technik kann unterstützen, aber nicht die Menschen ersetzen. Denn Pflege ist Kommunikation, menschliche Zuwendung." Dies könne Technik nicht übernehmen. Sie könne die Pflegenden jedoch unterstützen und entlasten durch Sensorik, Fernüberwachung und ähnliches.

Sorge, dass die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, sobald Roboter und IT in der Pflege eingesetzt würden, hat Rothgang nicht. Er hat eher Zweifel, dass sinnvolle technische Lösungen in der Pflege Einzug überhaupt halten, da in diesem Bereich der Einsatz von Technik generell skeptisch gesehen werde. Daher untersucht Heinz Rothgang mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Socium, welche Wünsche und Bedarfe an technischer Hilfestellung es bei Pflegebedürftigen und Pflegenden tatsächlich gibt. So soll sichergestellt werden, dass technische Lösungen entwickelt werden, die auch tatsächlich gewinnbringend angewendet werden.

Rothgang betonte in "buten und binnen" auch, dass angesichts des Pflegenotstandes die Attraktivität des Pflegeberufs gesteigert werden muss, damit mehr Menschen in diesem Feld arbeiten wollen.

Das gesamte Interview mit Heinz Rothgang: „buten und binnen“ vom 14.02.2019


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz RothgangProf. Dr. Heinz Rothgang
Heinz Rothgang in den Beirat des Deutschen Zentrums für Altersfragen berufen.

Zu den häufig übersehenen Leistungen universitärer Forschungszentren gehört die Beratung politischer oder politik-naher Institutionen. Auf diese Weise fließen aktuelle Forschungsergebnisse direkt in die Gesetzgebung oder Verwaltungstätigkeit. Heinz Rothgang, Professor für Gesundheitsökonomie am SOCIUM, ist nun für die kommenden vier Jahre zum Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Zentrums für Alterfragen ernannt worden.

Das Deutsche Zentrum für Altersfragen gehört zu den so genannten Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und ist dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zugeordnet. Es befasst sich im wesentlichen mit drei Aspekten: der Sammlung und öffentlichen Bereitstellung wichtiger Daten zu Demographie und Alter, der Forschung zu Altersfragen und vor allem der Beratung des Ministeriums und der Bundesregierung in Fragen des demographischen Wandels und der Politik für die ältere Bevölkerung. Das umfasst einen breiten Themenbereich von Arbeit und Ruhestand, sozialer und wirtschaftlicher Bedingungen, Gesundheit, Pflege, Familie, Partnerschaft, sozialer Beziehungen bis hin zu gesellschaftlicher Partizipation im Alter.

Der wissenschaftliche Beirat des Deutschen Zentrums für Altersfragen setzt sich aus neun Professorinnen und Professoren meist sozialwissenschaftlicher Fachgebiete zusammen, die das Zentrum beraten und auch neue Impulse für die weitere Arbeit geben sollen.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Cover Cover "Länger besser leben."-Buch
Präventionsempfehlungen in der praktischen Umsetzung.

Professor Dr. Gerd Glaeske, Leiter des "Länger besser leben."-Instituts der Universität Bremen, angesiedelt am SOCIUM, hat zusammen mit Friederike Höfel vom "Länger besser leben."-Institut, Friedrich Schütte und Jörg Nielaczny von der BKK24 ein Buch herausgegeben, in dem die wichtigsten vier Ziele der Präventionskampagne und Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschrieben werden.

Zentral sind gesunde Ernährung, Verringerung des Alkoholkonsums, Nichtrauchen und die Förderung von Bewegung. Auf diese Weise sollen Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems (z.B. Bluthochdruck), des Stoffwechsels (v.a. Diabetes) sowie Folgen des Rauchens und des Alkoholkonsums (v.a. Krebs, COPD, Lebererkrankungen oder Verkehrsunfälle) verringert und die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden verbessert werden. Die vier verschiedenen Präventionsaspekte werden von Beiträgen renommierter Wissenschaftler begleitet - "Bewegung" durch Prof. Dr. Detlef Kuhlmann und Kristof Grätz, Leibniz Universität Hannover, "Alkoholkonsum" durch Professor Dr. Ulrich John und Kolleg*innen vom Institut für Sozialmedizin und Prävention der Universitätsmedizin Greifswald, "Gesundheitsrisiko Rauchen" durch Dr. Christoph Kröger, IFT-Gesundheitsförderung, München und "Ernährung" durch Prof. Dr. Gerd Glaeske, "Länger besser leben."-Institut der Universität Bremen.

Neben den wissenschaftlichen Ausführungen kommen aber auch die Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den verschiedenen Angeboten der "Länger besser leben."-Initiative nicht zu kurz. Die Berichte zeigen vor allem, welche Erfolge zugunsten der eigenen Gesundheit erreicht wurden, andere Menschen können so motiviert werden.

Viele Empfehlungen für sportliche Übungen stehen im Buch neben Rezepten für gesunde Mahlzeiten, für alkoholfreie Cocktails, übersichtlichen Infografiken und Tipps. Zu Beginn wird geschildert, wie 2011 alles begonnen und was sich seitdem getan hat. Insofern ist das Buch eine Art Biografie der "Länger besser leben."-Initiative, die nun bereits im achten Jahr als Präventionsprogramm erfolgreich tätig ist - das zeigen zumindest die steigenden Zahlen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und die positiven Rückmeldungen. Hier wird nur ein Zwischenstand gezeigt, die Aktivitäten werden weiter gehen. Und wir werden als "Länger besser leben."-Institut der Universität Bremen in Publikationen, Vorträgen und auf Kongressen die Botschaft ins Land tragen, dass sich Prävention lohnt. Diese Botschaft sollten nicht nur viele hören, sondern auch zugunsten ihrer Lebensqualität und ihres Wohlbefindens umsetzen. Das Buch "Länger besser leben." kann dazu einen Beitrag leisten.

Informationen zur Publikation: Glaeske, Gerd; Höfel, Friederike; Schütte, Friedrich; Nielaczny, Jörg (Hg.), 2019: "Länger besser leben." Für eine bessere Gesundheit und mehr Wohlbefinden, "Länger besser leben."-Institut, BKK24, Bremen, Obernkirchen: Selbstverlag

Weitere Informationen: "Länger besser leben."-Institut


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Dipl.-Soz. Friederike Höfel
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58520
E-Mail: fhoefel@uni-bremen.de

Cover Pflegereport 2018Cover Pflegereport 2018
Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2018 im Auftrag der BARMER.

Heute wurde im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz der diesjährige BARMER Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die Belastungssituationen und die Gesundheitszustände von Hauptpflegepersonen analysiert. Zudem wurden die Auswirkungen der jüngsten Pflegereformen auf die Versorgung der Pflegebedürftigen untersucht. Die Autoren Professor Dr. Heinz Rothgang und Dr. Rolf Müller liefern weiterhin vertiefende Untersuchungen zu Fallzahlen, Inzidenzen, Prävalenzen und Pflegeverläufen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik 2015, die Routinedaten der BARMER sowie eine eigens für das Schwerpunktthema durchgeführte Befragung von 1.862 Versicherten der BARMER.

Pflegegrade statt Pflegestufen führen zum Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen

Mit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade zum 1. Januar 2017 haben sich die Kriterien für die Zugangsberechtigung zu Versicherungsleistungen geändert. Die kognitiven Einschränkungen sind nun definitorischer Bestandteil der Pflegebedürftigkeit und die Zugangshürde zu Versichertenleistungen abgesenkt. Entsprechend ist mit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade die Zahl der positiven Begutachtungen deutlich gestiegen. Ausweislich der hochgerechneten BARMER-Daten stieg die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2015 und 2017 um 17,9 %. Davon entfallen knapp 13 Prozentpunkte auf die Steigerung bei Pflegegrad 1 und Pflegegrad 2.

Ausweitung des Leistungsanspruchs führt zu höheren Kosten

Reformbedingt gab es im Jahr 2017 Ausgabensteigerungen von rund 7 Milliarden Euro für die Soziale Pflegeversicherung. Dem stehen reformbedingte Mehreinnahmen von 2,8 Milliarden Euro gegenüber, was zu einem reformbedingten Defizit von 4,2 Milliarden Euro führt. Lediglich aufgrund des zuvor bestehenden Überschusses und der günstigen Entwicklung der Grundlohnsumme liegt das tatsächliche Defizit 2017 bei lediglich 2,4 Milliarden Euro.

Die Mehrzahl der Pflegebedürftigen wird von pflegenden Angehörigen versorgt

Rund 2,5 Millionen Pflegebedürftige wurden im Dezember 2017 durch eine Hauptpflegeperson versorgt. Zwei Drittel der Hauptpflegepersonen sind Frauen, ein Drittel Männer. Nur ein Drittel der Hauptpflegepersonen aus der BARMER-Versichertenbefragung 2018 hat eine aktuelle Erwerbstätigkeit angegeben. Allerdings hat ein Viertel angegeben, wegen der Pflege die Erwerbstätigkeit reduziert oder aufgegeben zu haben.

Die formelle und die informelle Unterstützung ist oft nicht ausreichend

Die Hauptpflegeperson muss in der Regel mehrere Aufgaben (beispielsweise Medikamentenversorgung, Unterstützung beim Essen, Unterstützung bei der Mobilität, Unterstützung beim Toilettengang) übernehmen. Sechs von zehn Hauptpflegepersonen wünschen sich in mindestens einem der 11 abgefragten Aufgabenbereiche weitere Hilfe. Neben dieser generellen Bedarfslage gibt es Probleme bei der Vertretung. Deutlich mehr als die Hälfte hat gar keine Möglichkeiten, jemanden zu finden, der sich eine oder mehrere Wochen um die pflegebedürftige Person kümmert, so dass die Hauptpflegeperson pausieren kann.
Häufig werden wegen hoher Kosten, vermuteter geringer Qualität, fehlender Angebote oder hohem Organisationsaufwand Angebote nicht genutzt. Es wird ein Bedarf deutlich, der aber aus Gründen der Angebotsstruktur oder des Aufwands nicht befriedigt werden kann. Dies betrifft bei der Tagespflege rund 378.000 (= 15,3 %), beim Pflegedienst 188.000 (= 7,6 %), bei der Kurzzeitpflege 437.000 (= 17,7 %) und bei den niedrigschwelligen Betreuungs- und Haushaltshilfen 379.000 (= 15,3 %) der Hauptpflegepersonen.

Hauptpflegepersonen sind häufig höher belastet und häufiger krank

Von den Hauptpflegepersonen kommen 87,5 % nach eigenen Angaben meistens oder immer gut mit der Pflege zurecht. Dennoch bekommt ein Großteil nicht genug Schlaf (38,0 %), fühlen sich 29,9 % der Hauptpflegepersonen in der Rolle als Pflegender gefangen, ist jedem Fünften (20,4 %) die Pflege häufig zu anstrengend, wirkt bei 22,7 % die Pflege negativ auf die Freundschaftsverhältnisse und hat jeder Fünfte (18,8 %) Zukunfts- und Existenzängste.
Pflegende Angehörige sind nicht nur kränker, sie werden auch durch die Pflege kränker. Psychische Leiden sind bei Hauptpflegepersonen mit 48,7 % im Dezember 2017 sehr häufig. In einer nach Alter und Geschlecht strukturgleichen nicht pflegenden Vergleichspopulation haben nur 42,5 % solche Diagnosen. Die Erkrankungshäufigkeit hat bei den Hauptpflegepersonen in den letzten fünf Jahren um 9,1 Prozentpunkte zugenommen und in der Vergleichsgruppe nur um 5,7 Prozentpunkte.

Zukunftsszenarien der Hauptpflegepersonen

Hochgerechnet ergibt sich aus der BARMER-Versichertenbefragung 2018 eine Gesamtzahl von mindestens 185.000 Hauptpflegepersonen, die kurz davorstehen, die Pflege einzustellen. Weitere über eine Million Hauptpflegepersonen wollen die Pflege nur fortsetzen, solange sich nichts an der Situation ändert. Da sich die Pflegesituation aber häufig im Zeitverlauf verschlechtert, kann auch für diese Gruppe nicht unterstellt werden, dass sie weiterhin die Pflege übernehmen. Insgesamt ist das eine bedrohliche Ausgangslage.
Hauptpflegepersonen wünschen sich weniger Bürokratie bei Antragstellungen, würden gern bei Fragen immer dieselbe Fachkraft kontaktieren, hätten gern eine bessere Aufklärung über die Leistungen der Pflegeversicherung und darüber, woher man Hilfe bekommt. Den Pflegenden mit einem Hilfebedarf ist es vor allem wichtig, zu wissen, woher sie Hilfe bekommen können. Hier zeigt sich Handlungsbedarf seitens der zentralen Akteure der Pflegelandschaft und der Politik.

Download:
BARMER Pflegereport 2018
Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz
Folienvortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de

Cover Innovationsreport 2018Cover Innovationsreport 2018
Mehr grüne Ampeln als in den letzten Jahren.

Der Innovationsreport wird seit 2013 jährlich von Professor Dr. Gerd Glaeske und Professor Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse (TK) herausgegeben. Dieser Report verbindet die Versorgungsforschung zur Arzneimitteltherapie mit den Beurteilungen neuer Arzneimittel, die drei Jahre zuvor erstmals angeboten wurden und die Frühbewertung des AMNOG-Verfahrens durchlaufen haben. Insofern bietet der Innovationsreport eine Art von "Spätbewertung" der Arzneimittel aus dem Jahr 2015 an. Die steigende Vermarktung von Orphan‐Arzneimitteln ist auch im diesjährigen Innovationsreport zu erkennen, ebenso wie der Trend zum frühzeitigen Markteintritt von Arzneimitteln. 

Der Innovationsreport 2018 beleuchtet die neuen Arzneimittel des Jahres 2015 auf dem deutschen Arzneimittelmarkt der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und unterzieht diese einer kritischen Bewertung. Viele Patienten, die an schwerwiegenden, bisher nur symptomatisch behandelbaren Krankheiten leiden, hoffen, durch die Entwicklung neuer Medikamente geheilt zu werden. Dabei geht es z.B. um neue Arzneimitteltherapien gegen die Alzheimerdemenz, die als Sonderkapitel im Innovationsreport 2018 beschrieben werden oder auch um neue Arzneimittel zur Behandlung bösartiger Erkrankungen. Gerade im erstgenannten Indikationsbereich gibt es immer wieder Informationen, die Hoffnungen auslösen, ein wirklicher therapeutischer Durchbruch ist aber bisher z.B. bei Arzneimitteln gegen Alzheimerdemenz nicht gelungen.

Insgesamt wurden 32 Wirkstoffe von 37 im Jahre 2015 neu eingeführten Arzneimitteln in den Innovationsreport 2018 aufgenommen. Im vorliegenden Innovationsreport 2018 wurden sieben positive (grüne Ampel) und 10 negative (rote Ampel) Bewertungen vergeben, der größte Anteil mit fast 50 % hatte zumindest einen partiellen Zusatznutzen (gelbe Ampel) zu verzeichnen.

Ein Drittel der neuen Arzneimittel entfiel auf die Gruppe der Orphan-Arzneimittel zur Behandlung seltener Krankheiten, unter denen nach der europäischen Definition nicht mehr als 5 Menschen pro 10.000 Einwohner leiden. Daneben wird aber auch deutlich, dass in der Versorgung mit Antibiotika oder bei den meisten "Sonstigen neurologischen Erkrankungen" und psychischen Störungen kaum neue Arzneimittel auf dem Markt angeboten wurden.

Die Orphan-Arzneimittel waren in der Verteilung der Bewertungen nahezu identisch zu den Nicht-Orphan-Arzneimitteln, gleichviele positive und negative Ampeln, und die gelbe Ampel war mit 45,5 % die häufigste Bewertung.

Im Vergleich zu den letzten Innovationsreporten 2016 und 2017 fällt auf, dass sich die Anzahl der grünen Gesamtbewertungen vervielfacht hat, im Innovationsreport 2016 gab es nur eine grüne Gesamtampel, im Innovationsreport 2017 gar keine.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Forschung und Vermarktung neuer Arzneimittel aufgrund der Dominanz von Generika, die rund 76 % der innerhalb der GKV verordneten Arzneimittel ausmachen, weniger lohnen. Im Rahmen des Verfahrens des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) wird je nach Ausmaß eines Zusatznutzens gegenüber bereits angebotenen Arzneimitteln der Erstattungsbetrag festgelegt. Dieser teils geringe Erstattungsbetrag trägt ein Übriges dazu bei, dass weniger in die Forschung und Entwicklung zur Therapie für weitverbreitete Erkrankungen investiert wird. Neue Arzneimittel werden stattdessen vor allem in solchen Indikationsbereichen angeboten, in denen hohe Preise, oft auch als "Mondpreise" charakterisiert, verlangt werden können. Die Onkologie hat sich in diesem Zusammenhang als besonders lukrativ für die pharmazeutischen Unternehmer herausgestellt, weil in diesem Behandlungsfeld kaum über hohe Preise diskutiert wird: Schließlich sollen die jeweiligen Patienten möglichst alle Optionen für eine Behandlung und eine mögliche Lebensverlängerung in Anspruch nehmen dürfen, auch wenn die Therapiekosten pro Jahr oftmals 60.000 € und mehr betragen und die Daten zur Lebenszeitverlängerung sowie zur Verbesserung der Lebensqualität oft nur wenig überzeugend sind. Dass pharmazeutische Unternehmen sich auf diesen Krankheitsbereich mehr und mehr konzentrieren, hängt auch damit zusammen, dass fast die Hälfte der Menschen in Deutschland im Laufe des Lebens an der einen oder anderen Form von Krebs erkrankt.

Download Innovationsreport 2018:
Langfassung
Kurzfassung

Download:
Statement zur Pressekonferenz von Prof. Dr. Gerd Glaeske
Präsentation zur Pressekonferenz von Prof. Dr. Gerd Glaeske


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Sigrid LupieriSigrid Lupieri
Lupieri ist Doktorandin an der University of Cambridge und wird drei Monate eng mit dem SOCIUM und dem SFB 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" zusammenarbeiten.

Dank eines Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung arbeitet Sigrid Lupieri vom 1. September bis 30. November 2018 als Gastwissenschaftlerin am SFB 1342 und SOCIUM. Als Doktorandin an der University of Cambridge analysiert sie die Faktoren, die die Teilhabe älterer syrischer Flüchtlinge an Gesundheitsdienstleistungen in Jordanien bestimmen.

Sigrid Lupieri war zuvor für die UNESCO und das UNDP in Neu-Delhi und New York tätig, außerdem hat sie mehrere Jahre als Journalistin in Armenien, Georgien, Deutschland und den USA gearbeitet. Sie hat einen Master-Abschluss in Journalismus (Northwestern University) und Moderner europäischer Geschichte (University of Cambridge) sowie einen BA in Fremdsprachen und Literatur der Universität Udine. Während ihres Aufenthaltes in Bremen wird Sigrid Lupieri eng mit dem Teilprojekt A04 "Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege" des SFB 1342 zusammenarbeiten.


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Titelblatt Cannabis-ReportTitelblatt Cannabis-Report
Erste Studie zur Versorgung mit neuen Cannabis-Arzneimitteln vorgestellt.

Seit März 2017 ist die Verordnung von Cannabis auf Rezept zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen möglich, obwohl die Studienlage zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis als Medizin bisher lückenhaft ist. Um die aktuelle Rolle von Cannabis als Therapieoption für verschiedene Krankheiten besser beurteilen zu können, wurde der Cannabis-Report von der Universität Bremen mit Unterstützung der TK erstellt. Die ersten repräsentativen Zahlen von Cannabis-Verordnungen können ein Licht auf die tatsächliche Versorgung bei den TK-Versicherten werfen und dazu dienen, die Diskussion um dieses neue Arzneimittel zu versachlichen.

Die grundsätzliche Behandlungsmöglichkeit durch Cannabis ist positiv zu bewerten, Cannabis ist aber im Vergleich zu den meisten bewährten Therapien keine gute Alternative. Im Einzelfall kann medizinisches Cannabis Patientinnen und Patienten aber helfen.

Das ist eines der Ergebnisse des Cannabis-Reports, der am 17. Mai 2018 in Berlin vorgestellt wurde.

Weitere Informationen:
Gerd Glaeske/Kristin Sauer, Cannabis-Report, 2018
Präsentation zur Pressekonferenz Cannabis-Report, 17. Mai 2018, Berlin


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de