Cover Innovationsreport 2018Cover Innovationsreport 2018
Mehr grüne Ampeln als in den letzten Jahren.

Der Innovationsreport wird seit 2013 jährlich von Professor Dr. Gerd Glaeske und Professor Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse (TK) herausgegeben. Dieser Report verbindet die Versorgungsforschung zur Arzneimitteltherapie mit den Beurteilungen neuer Arzneimittel, die drei Jahre zuvor erstmals angeboten wurden und die Frühbewertung des AMNOG-Verfahrens durchlaufen haben. Insofern bietet der Innovationsreport eine Art von "Spätbewertung" der Arzneimittel aus dem Jahr 2015 an. Die steigende Vermarktung von Orphan‐Arzneimitteln ist auch im diesjährigen Innovationsreport zu erkennen, ebenso wie der Trend zum frühzeitigen Markteintritt von Arzneimitteln. 

Der Innovationsreport 2018 beleuchtet die neuen Arzneimittel des Jahres 2015 auf dem deutschen Arzneimittelmarkt der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und unterzieht diese einer kritischen Bewertung. Viele Patienten, die an schwerwiegenden, bisher nur symptomatisch behandelbaren Krankheiten leiden, hoffen, durch die Entwicklung neuer Medikamente geheilt zu werden. Dabei geht es z.B. um neue Arzneimitteltherapien gegen die Alzheimerdemenz, die als Sonderkapitel im Innovationsreport 2018 beschrieben werden oder auch um neue Arzneimittel zur Behandlung bösartiger Erkrankungen. Gerade im erstgenannten Indikationsbereich gibt es immer wieder Informationen, die Hoffnungen auslösen, ein wirklicher therapeutischer Durchbruch ist aber bisher z.B. bei Arzneimitteln gegen Alzheimerdemenz nicht gelungen.

Insgesamt wurden 32 Wirkstoffe von 37 im Jahre 2015 neu eingeführten Arzneimitteln in den Innovationsreport 2018 aufgenommen. Im vorliegenden Innovationsreport 2018 wurden sieben positive (grüne Ampel) und 10 negative (rote Ampel) Bewertungen vergeben, der größte Anteil mit fast 50 % hatte zumindest einen partiellen Zusatznutzen (gelbe Ampel) zu verzeichnen.

Ein Drittel der neuen Arzneimittel entfiel auf die Gruppe der Orphan-Arzneimittel zur Behandlung seltener Krankheiten, unter denen nach der europäischen Definition nicht mehr als 5 Menschen pro 10.000 Einwohner leiden. Daneben wird aber auch deutlich, dass in der Versorgung mit Antibiotika oder bei den meisten "Sonstigen neurologischen Erkrankungen" und psychischen Störungen kaum neue Arzneimittel auf dem Markt angeboten wurden.

Die Orphan-Arzneimittel waren in der Verteilung der Bewertungen nahezu identisch zu den Nicht-Orphan-Arzneimitteln, gleichviele positive und negative Ampeln, und die gelbe Ampel war mit 45,5 % die häufigste Bewertung.

Im Vergleich zu den letzten Innovationsreporten 2016 und 2017 fällt auf, dass sich die Anzahl der grünen Gesamtbewertungen vervielfacht hat, im Innovationsreport 2016 gab es nur eine grüne Gesamtampel, im Innovationsreport 2017 gar keine.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Forschung und Vermarktung neuer Arzneimittel aufgrund der Dominanz von Generika, die rund 76 % der innerhalb der GKV verordneten Arzneimittel ausmachen, weniger lohnen. Im Rahmen des Verfahrens des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) wird je nach Ausmaß eines Zusatznutzens gegenüber bereits angebotenen Arzneimitteln der Erstattungsbetrag festgelegt. Dieser teils geringe Erstattungsbetrag trägt ein Übriges dazu bei, dass weniger in die Forschung und Entwicklung zur Therapie für weitverbreitete Erkrankungen investiert wird. Neue Arzneimittel werden stattdessen vor allem in solchen Indikationsbereichen angeboten, in denen hohe Preise, oft auch als "Mondpreise" charakterisiert, verlangt werden können. Die Onkologie hat sich in diesem Zusammenhang als besonders lukrativ für die pharmazeutischen Unternehmer herausgestellt, weil in diesem Behandlungsfeld kaum über hohe Preise diskutiert wird: Schließlich sollen die jeweiligen Patienten möglichst alle Optionen für eine Behandlung und eine mögliche Lebensverlängerung in Anspruch nehmen dürfen, auch wenn die Therapiekosten pro Jahr oftmals 60.000 € und mehr betragen und die Daten zur Lebenszeitverlängerung sowie zur Verbesserung der Lebensqualität oft nur wenig überzeugend sind. Dass pharmazeutische Unternehmen sich auf diesen Krankheitsbereich mehr und mehr konzentrieren, hängt auch damit zusammen, dass fast die Hälfte der Menschen in Deutschland im Laufe des Lebens an der einen oder anderen Form von Krebs erkrankt.

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Download:
Statement zur Pressekonferenz von Prof. Dr. Gerd Glaeske
Präsentation zur Pressekonferenz von Prof. Dr. Gerd Glaeske


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de