Archivierte News

Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Gesundheit, Pflege und Alterssicherung".

News filtern
SuchErgebnis:
Prof. Dr. Heinz RothgangProf. Dr. Heinz Rothgang
Projekt zur "Bedarfsgerechtigkeit der medizinischen Versorgung Pflegebedürftiger in stationären Einrichtungen (MVP-STAT)" bewilligt.

Im Rahmen des Innovationsfonds wurden im Jahr 2016 Fördermittel von insgesamt 300 Millionen Euro vergeben. Davon wurden 225 Millionen Euro für die Forschung zu neuen Versorgungsformen und 75 Millionen Euro im Bereich Versorgungsforschung vergeben. Darunter befindet sich ein Projekt des SOCIUM.

Primäres Ziel des von Professor Rothgang (SOCIUM) in der Versorgungsforschung beantragten Projektes ist der Erkenntnisgewinn über die Bedarfsgerechtigkeit der haus- und fachärztlichen Versorgung Pflegebedürftiger in Pflegeheimen als Voraussetzung für die Schaffung einer bedarfsgerechteren medizinischen Versorgung in diesem Setting.

Das dreijährige Projekt mit einem Fördervolumen von 854.905 € wird am SOCIUM in Kooperation mit dem Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP), dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) und dem Kompetenzzentrum für Klinische Studien Bremen (KKSB) unter Beteiligung der AOK Bremen/Bremerhaven, der Bremer Heimstiftung, des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), der LandesArbeitsGemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen (LAG) und des Hausärzteverbands Bremen durchgeführt.

Zunächst werden auf Basis von GKV-Routinedaten Unterschiede in der haus- und fachärztlichen Versorgung Pflegebedürftiger in Pflegeheimen im Vergleich zu Pflegebedürftigen im ambulanten Bereich sowie Nicht-Pflegebedürftigen erfasst. Identifizierte Versorgungsunterschiede werden daraufhin mittels standardisierter Assessments im Rahmen einer Primärdatenerhebung auf das Vorliegen von Über-, Unter- und/oder Fehlversorgung bewertet. Die Erklärung vorliegender (nicht) bedarfsgerechter Versorgung erfolgt auf Grundlage einer retrospektiven Analyse der mit den Primärdaten mittels Record Linkage verknüpften GKV-Routinedaten sowie anhand von Fallrekonstruktionen. Auf Basis der auf diese Weise erstmals erhobenen und erklärten Versorgungsdefizite werden Verbesserungspotentiale und Lösungsansätze partizipativ in Fokusgruppengesprächen abgeleitet. Darauf aufbauend wird im Rahmen eines Delphi-Verfahrens ein Modellprojekt entwickelt und abschließend pilotiert. Insgesamt soll das Projekt so zu einer Verbesserung der Bedarfsgerechtigkeit der medizinischen Versorgung Pflegebedürftiger in stationären Einrichtungen beitragen.

Weitere Informationen zum Projekt:
Bedarfsgerechtigkeit der medizinischen Versorgung Pflegebedürftiger in stationären Einrichtungen (MVP-STAT)


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Träger des Berninghausen-Preises 2016 (v.l.n.r.): Natascha Ueckmann, Julia Borst, Ansgar Gerhardus, Heinz Rothgang und Michael Claridge. © Harald Rehling/Universität BremenTräger des Berninghausen-Preises 2016 (v.l.n.r.): Natascha Ueckmann, Julia Borst, Ansgar Gerhardus, Heinz Rothgang und Michael Claridge. © Harald Rehling/Universität Bremen
Heinz Rothgang erhält den Berninghausen-Preis für hervorragende Lehre.

Das Humboldt’sche Ideal, wonach gute Forschung und ebensolche Lehre einander bedingen, kommt im universitären Alltag häufig zu kurz. Hoher Andrang, hoher Aufwand, wenig Zeit - es gibt viele Gründe, warum Studierende nicht selten auch an Universitäten „frontal unterrichtet“ werden. Heinz Rothgang und Ansgar Gerhardus aus dem Master-Studiengang „Public Health“ sind daran gegangen, das mit einem dreisemestrigen Forschungslehrprojekt grundlegend zu ändern. Das Studium von Public Health - Gesundheitsversorgung, -ökonomie und -management ist gleichermaßen praxisbezogen wie interdisziplinär, setzt aber fundiertes Theorie- und Methodenwissen voraus. Weil viele Studierende aus der Praxis kommen und dorthin zurück wollen, blieb der Forschungsgehalt des Studiums häufig genug auf der Strecke.

Das dreisemestrige Forschungslehrprojekt organisiert daher die Studierenden in Kleingruppen, die wissenschaftlich fundierte Interventions- und Evaluationskonzepte zu einem von ihnen ausgewählten aktuellen Gesundheitsthema entwickeln. Dabei bleibt es jedoch nicht. In Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen wie etwa Krankenkassen oder Kliniken setzen die Studierenden ihre Konzepte auch um. Forschung wird erfahrbar, Forschungsergebnisse bekommen eine glaubwürdige Grundlage und Studierende sind besonders motiviert.

Der Studiengang Public Health hat mittlerweile sein Lehrkonzept ganz auf diese Projektarbeit umgestellt. Die Rückmeldungen der Studierenden geben dem recht. Die Verbindung aus Forschung und Lehre, Theorie und Praxis, Anleitung und eigenständigem Arbeiten, Universität und externen Partnern kommt gut an.

Der Berninghausen-Preis wird seit 1992 von der Gesellschaft der Freunde der Universität Bremen und der Jacobs University Bremen vergeben und ist mit je 2.000 Euro dotiert.

Weitere Informationen:
Beitrag Buten un Binnen: "Hervorragende Lehre an der Uni Bremen" vom 8. November 2016
Artikel im Weser Kurier: "Enges Rennen um Preis für hervorragende Lehre" vom 10. November 2016
Pressemitteilung der Uni Bremen vom 9. November 2016


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2016 im Auftrag der BARMER GEK.

Heute wurde auf der Bundespressekonferenz der neunte BARMER GEK Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die Auswirkungen der jüngsten Pflegereformen auf die Versorgung der Pflegebedürftigen untersucht. Die Arbeitsgruppe des SOCIUM unter Leitung von Professor Heinz Rothgang, bestehend aus Thomas Kalwitzki, Rolf Müller, Rebecca Runte und Rainer Unger, untersucht dabei auch die regionalen Unterschiede der Bedarfslagen und der Angebotsstrukturen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik, die rund 2,6 Millionen Pflegebedürftige ausweist, das sozio-ökonomische Panel und die Routinedaten der BARMER GEK, die rund zehn Prozent der Bevölkerung abbilden.

Zentrale Ergebnisse des Reports sind:

  1. Die bisherigen Schritte der Pflegereform zeigen Wirkung. Im Pflege-Neuausrichtungsgesetz (2012) und dem Ersten Pflegestärkungsgesetz (2015) wurden gezielt Leistungen für Menschen mit Demenz verbessert und die Möglichkeiten, Verhinderungspflege und Teilzeitpflege in Anspruch zu nehmen, flexibilisiert. Tatsächlich zeigt sich eine deutliche Steigerung der Inanspruchnahme gerade dieser Leistungen. Auch bei der zahnmedizinischen Versorgung in Pflegeheimen, die ebenfalls Gegenstand diverser Neuregelungen war, zeigen sich Verbesserungen.

  2. Die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im PSG II ist eine sehr großzügige und damit auch sehr teure Reform. Nach im Report vorgestellten Berechnungen ist für 2017 mit Mehrausgaben im Vergleich zum Status quo von mehr als 7 Mrd. Euro zu rechnen. Gleichzeitig werden durch eine Beitragssatzsteigerung Mehreinnahmen generiert, die aber auch in Verbindung mit den Überschüssen, die die Pflegeversicherung derzeit erzielt, nicht ausreichen, die Mehrkosten zu finanzieren. Für 2017 ist daher mit einem strukturellen Defizit von mehr als 3 Mrd. Euro zu rechnen.

  3. In Pflegeheimen führen die Mehrausgaben zu einer finanziellen Entlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen sowie subsidiär der Sozialhilfeträger. Die Einnahmen der Pflegeheime steigen dagegen nicht entsprechend. Die Reform führt daher nicht zu einer besseren Personalausstattung der Pflegeheime. Sollen die Personalschlüssel in Heimen merklich verbessert werden, sind hierzu in den nächsten Jahren weitere Reformanstrengungen notwendig.

  4. Bei Betrachtung der Situation auf Länderebene zeigen sich sehr große Unterschiede. Diese beziehen sich auf die Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen ebenso wie auf die Anteile der stationär, ambulant und mit Pflegediensten versorgten Pflegebedürftigen, die Kapazitäten des ambulanten und stationären Sektors und das Ausmaß der zukünftigen Personallücke in der Pflege. Diese Unterschiede machen deutlich, dass Pflege regional bzw. lokal gedacht und geplant werden muss.

Download:
BARMER GEK Pflegereport 2016
Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz am 24.11.2016
Folienvortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz am 24.11.2016


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de

Preis für Lehrveranstaltung "Themenfindung Forschungsprojekt" in der Kategorie "Hervorragend gestaltete Lehrveranstaltung im Sinne des forschenden Lernens im Master".

Professor Rothgang ist zusammen mit Professor Ansgar Gerhardus für ihre Master-Lehrveranstaltung "Themenfindung Forschungsprojekt" in der Kategorie "Hervorragend gestaltete Lehrveranstaltung im Sinne des forschenden Lernens im Master" mit dem diesjährigen Berninghausen Preis geehrt worden. Ihre Lehrveranstaltung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Studierenden ihre Arbeiten zusammen mit Praxispartnern etwa in Krankenhäusern oder mit Krankenkassen erstellen konnten und auch ihre Themen selber wählen durften. Die Jury zeigte sich besonders von dem realen Bezug zu ihrem künftigen Arbeitsfeld in einer sehr frühen Studienphase beeindruckt.

Weitere Informationen:
Beitrag Buten un Binnen: "Hervorragende Lehre an der Uni Bremen" vom 8. November 2016
Pressemitteilung der Uni Bremen vom 9. November 2016


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Innovationsreport 2016Innovationsreport 2016
Fünf Jahre AMNOG und Bewertungen neuer Arzneimittel aus dem Jahre 2013.

Der vorliegende Innovationsreport, der von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des SOCIUM verfasst wurde (Boeschen, Fuchs, Günther und Glaeske) erscheint nun zum vierten Mal seit dem Jahr 2013. In ihm werden schwerpunktmäßig 23 Arzneimittel bewertet, die im Jahr 2013 neu in den deutschen Markt eingeführt wurden, zum einen im Hinblick auf ihren therapeutischen Nutzen nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin, zum anderen bezüglich ihrer Marktentwicklung und Versorgungsrealität in den Jahren 2013 und 2014 auf der Basis von Routinedaten der Techniker Krankenkasse.

Am 1. Januar 2011 trat das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) in Kraft, mit dem ohne Ausnahme alle neuen Arzneimittel, die für die Versicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden, auf ihre Wirksamkeit und vor allem ihren Nutzen für die Patienten geprüft werden. Insgesamt wurden seit 2011 156 Verfahren abgeschlossen.

Fasst man die Ergebnisse zusammen, so wurde immerhin in 56,4 Prozent der Verfahren ein Zusatznutzen der neuen Arzneimittel gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie bestätigt. Dieses günstige Verhältnis hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) schon anlässlich der Bewertung des hundertsten Wirkstoffes zum Jahresende 2014 herausgestellt. Seinerzeit wurde auch noch einmal nach dem Grad des Zusatznutzens differenziert: Danach war in 21 Prozent der Fälle ein beträchtlicher Zusatznutzen festgestellt werden, im Bereich der Onkologika waren es sogar 43 Prozent. Ein geringer Zusatznutzen zeigte sich bei 26 Prozent der untersuchten Fälle, in acht Prozent der Fälle war der Nutzen nicht quantifizierbar. Oft ergab sich allerdings kein Zusatznutzen für das gesamte Indikationsgebiet, vielmehr wurde er nur für bestimmte Teilpopulationen ausgesprochen (ca. 40 Prozent), die dann auch nur für einen relativ geringen Teil der Patienten einen Vorteil bedeuteten (22 Prozent).

Es war die politische Absicht, dass mit dem AMNOG eine gesetzlich geregelte Differenzierung des Innovationsgrades neuer Arzneimittel eingeführt werden sollte, um unterscheiden zu können, ob und in welchem Ausmaß sie therapeutisch positiver zu beurteilen sind als bewährte und zweckmäßige Vergleichstherapien. Dieses Ziel wurde zwar in den meisten Fällen erreicht, nicht immer waren sich aber die Experten in der Bewertung einig, vielmehr gab und gibt es auch Diskrepanzen zwischen den Bewertungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das die für die Entscheidungen vorbereitenden Dossiers erstellt, und den abschließenden Entscheidungen des G-BA. Im Jahre 2014 wurden zum Beispiel vom IQWiG 36 Bewertungen für 33 Wirkstoffe erarbeitet (Orphan Drugs sind hier nicht eingeschlossen). Diesen Bewertungen hat sich der G-BA aber nicht in allen Fällen angeschlossen, zehnmal kam er zu einer anderen Einschätzung zum Zusatznutzen, jeweils fünfmal setzte er das maximale Ausmaß herauf beziehungsweise herab, immerhin eine Veränderungsquote von 30,3 Prozent. Denkbar ist, dass im IQWiG sehr streng nach der vorliegenden Evidenz bewertet wird, während der G-BA auch Versorgungsaspekte stärker in seinen Bewertungen einfließen lässt.

Wie schon im Innovationsreport 2015 entfällt nahezu die Hälfte der neuen Wirkstoffe auf den onkologischen Indikationsbereich. Betrachtet man die Ausgaben der Techniker Krankenkasse für die Arzneimittel-Neuheiten des Jahres 2013, so folgen viele dieser neuen Onkologika eng auf den Spitzenreiter Teriflunomid, einen Wirkstoff zur Behandlung der Multiplen Sklerose. Die Kostenexplosion in der Pharmakotherapie durch neu angebotene hochpreisige Arzneimittel, vor allem im Bereich Onkologie und Immunologie, überfordert die Ressourcen unseres solidarisch finanzierten Gesundheitssystems und erfordert dringend eine Weiterentwicklung der Kriterien für die Preisgestaltung und -festsetzung neuer Wirkstoffe, so jedenfalls eine der wesentlichen Forderungen des Innovationsreportes. Das AMNOG wurde als lernendes System eingeführt - es sollte daher auch dort weiter entwickelt werden, wo sich Defizite und Schwächen zeigen. Dies betrifft auch den Aspekt der Spätbewertung für viele Arzneimittel, bei denen unmittelbar nach der Zulassung noch zu wenig über den Patientennutzen bekannt ist. Dies betrifft letztlich die größte Anzahl der neu auf dem Markt angebotenen Arzneimittel, nämlich die Onkologika. Hier sind dringend Studien erforderlich, die in den drei Jahren nach der Zulassung die Behandlungsergebnisse dokumentieren und daher eine umfassendere Bewertung von Nutzen und Risiken ermöglichen. Auf dieser Basis sollte dann letztlich ein Erstattungspreis verhandelt werden. Das AMNOG zeigt ohne Zweifel positive Ansätze in der Bewertung neuer Arzneimittel, es sollte aber zugunsten von mehr Entscheidungssicherheit weiterentwickelt werden.

Download:
Langfassung: Innovationsreport 2016
Kurzfassung Innovationsreport 2016

Statement zur Pressekonferenz von Gerd Glaeske
Präsentation zur Pressekonferenz Gerd Glaeske


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Austausch über Langzeitpflegepolitik

Dr. Sunwoo Duk und seine Kollegin Frau Ju Hee Hwang vom Korea Institute for Health and Social Affairs (KIHASA), haben am 17. Mai 2016 während eines zweitägigen Deutschland-Besuchs das SOCIUM aufgesucht, um sich über die Langzeitpflegepolitik in Deutschland und Südkorea auszutauschen. Die Gäste, zusammen mit ihrem Dolmetscher Chang Kyu Chung, wurden von Professor Heinz Rothgang und Dr. Lorraine Frisina-Doetter zu einem Gespräch in Empfang genommen. In Südkorea stehen Reformen in der Pflegepolitik an, und Dr. Sunwoo, ein führender Wissenschaftler in Südkorea im Bereich Langzeitpflegepolitik, und Ju Hee Hwang interessierten sich dafür, welche Erfahrung in diesem Bereich Deutschland gemacht worden sind, insbesondere in Bezug auf Zugangsvoraussetzungen und die Entwicklungen im Leistungskatalog. Außerdem wurden Möglichkeiten für eine Kooperation zwischen den beiden wissenschaftlichen Einrichtungen erörtert.

Zuvor bekamen Herr Sunwoo und Frau Hee Hwang eine Führung durch das Pflegezentrum Arsten in Heukämpfendamm durch Herrn Frank Markus, Geschäftsführer der Residenz-Gruppe Bremen, der das Pflegezentrum gehört. Der Besuch wurde vermittelt durch Frau Bitter-Wirtz von der Landesvertretung des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V. in Bremen.

Weitere Informationen: KIHASA

Prof. Dr. Gerd GlaeskeProf. Dr. Gerd Glaeske
Expertenteam um Professor Gerd Glaeske veröffentlicht zwei neue Begleitforschungsgutachten, um Fragen zur Verbesserung des Morbi-RSA zu untersuchen und die Fachdiskussion erneut anzustoßen.

Gerd Glaeske (SOCIUM, Universität Bremen) legt in Kooperation mit Wolfgang Greiner (Universität Bielefeld), Jean Dietzel und Carsten Neumann (beide IGES Institut, Berlin) ein Gutachten zu Kriterien, Analysen und Alternativen der Morbi-RSA Begleitforschung vor. Darüber hinaus veröffentlichen Glaeske, Dietzel und Neumann ein weiteres Gutachten zum Thema "Erwerbsminderungsrenten als Morbiditätsindikatoren?".

Initiiert von 11 Gesetzlichen Krankenkassen, ist das erste Gutachten zu Kriterien, Analysen und Alternativen der Auftakt einer unabhängigen wissenschaftlichen Begleitforschung, um Fragen zur Verbesserung des Morbi-RSA zu untersuchen. Mit dem Ziel die Fachdiskussion erneut anzustoßen und das Ausgleichssystem anzupassen, steht die Krankheitsauswahl im Morbi-RSA und u.a. deren Prävalenzgewichtung im Mittelpunkt. Das Gutachten analysiert die realen Auswirkungen des heutigen Verfahrens der Krankheitsauswahl und entwickelt und bewertet ergebnisoffen eine Reihe entsprechender Alternativen.

Auf Basis einer Stichprobe von 1.999.999 Versicherten, wurde anhand von acht Szenarien zur Krankheitsauswahl zunächst quantitativ, dann qualitativ analysiert. Vorab definierte Kriterien hinsichtlich der Anforderungen an den Morbi-RSA, vor allem in Bezug auf die Sicherstellung der Chancengleichheit im Wettbewerb der GKVen, bilden die zentralen Bewertungsaspekte des Gutachtens. Darüber hinaus wurden weitere Kriterien wie Prognosesubstanz/Validität, Vermeidung von Risikoselektion/Zielgenauigkeit der Zuweisungen, Manipulationsresistenz, Messbarkeit, Kontrollierbarkeit und Justiziabilität, Praktikabilität und Verwaltungseffizienz, Transparenz und Akzeptanz sowie Versorgungsneutralität betrachtet.

Nach Auswertung aller Szenarienvarianten empfehlen die Gutachter den Übergang zur logarithmischen Prävalenzgewichtung im Verfahren zur Krankheitsauswahl durch das BVA.

Das zweite Begleitforschungsgutachten thematisiert Fragestellungen zur Erforderlichkeit der indirekten Messung von Morbidität im Morbi-RSA oder ob diese zugunsten einer reinen Morbiditätsorientierung aufgegeben werden kann. Neben der Berücksichtigung von Disease Management Programmen (DMP), steht das Merkmal “Erwerbsminderungsstatus“ im Mittelpunkt, das in der Zuweisungssystematik zur Einschätzung von Morbidität und damit verbundenen Leistungsausgaben dient.

Das Gutachten geht zunächst auf die historische Entwicklung der im RSA verwendeten Ausgabenschätzer ein. Auf einer Datenbasis von 3 Millionen gesetzlich Versicherten wurden anhand einer GKV-repräsentativen Stichprobe Auswirkungen des Wegfalls der beiden Parameter simuliert, auch hinsichtlich des Kassenwettbewerbs. Weitere quantitative Analysen bezogen sich u. a. auf das Verhältnis von Erwerbsminderungsgruppen (EMGs) und Hierarchisierte Morbiditätsgruppen (HMGs).

Nach einer abschließenden qualitativen Bewertung der sich ergebenden Ausgleichsmodelle und RSA-Anpassungen empfehlen die Gutachter den Verzicht des Parameters "Erwerbsminderungsstatus", um die Systematik zu vereinfachen und die Chancengleichheit im GKV-Wettbewerb zu erhöhen.

Download Gutachten:
IGES Institut, Gerd Glaeske, Wolfgang Greiner (2016): Begleitforschung zum Morbi-RSA (Teil 1) Kriterien, Wirkungen und Alternativen

IGES Institut in Zusammenarbeit mit Gerd Glaeske (2016): Begleitforschung zum Morbi-RSA. Erwerbsminderungsrenten als Morbiditätsindikatoren?


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz RothgangProf. Dr. Heinz Rothgang
Professor Heinz Rothgang wurde vom Bundesminister für Gesundheit Hermann Gröhe als Mitglied in den Beirat zur Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs berufen.

Das Zweite Gesetz zur Stärkung der pflegerischen Versorgung und zur Änderung weiterer Vorschriften (Zweites Pflegestärkungsgesetz - PSG II), das zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist, sieht ein neues Begutachtungsverfahren sowie die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade vor. Unter dem neuen Gesetz haben Pflegebedürftigte außerdem zum ersten Mal den gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung unabhängig davon, ob sie von körperlichen oder psychischen Einschränkungen betroffen sind. Der Beirat hat die Aufgabe, das PSG II in der Vorbereitungsphase wie auch ab Januar 2017 in der Einführungsphase mit ihrer pflegefachlichen und wissenschaftlichen Expertise zu unterstützen. Darüber hinaus soll er den Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband), den Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes sowie die Vereinigungen der Träger der Pflegeeinrichtungen auf Bundesebene bei der Vorbereitung der Umstellung auf das neue Begutachtungsinstrument unterstützen. Zudem begleitet er die praktische Anwendung der neuen Leistungen und Vergütungen der Pflegeversicherung durch die Pflegekassen und die Pflegeeinrichtungen sowie die Beratung der Versicherten und ihrer Angehörigen über die Umstellung auf das neue Begutachtungsinstrument.

Der neue Beirat setzt die Arbeit des Beirats zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs und des Expertenbeirats zur konkreten Ausgestaltung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs fort, an denen Heinz Rothgang ebenfalls als Mitglied mitgewirkt hat.

Weitere Informationen:
Bundesministerium für Gesundheit


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Logo Logo "Joint Action on Health Workforce Planning and Forecasting"
Fachtagung über Personalbedarfsplanung im Gesundheitswesen im Haus der Wissenschaft und Arbeitstreffen am SOCIUM.

Die EU "Joint Action on Health Workforce Planning and Forecasting", die 2013 für 3 Jahre ins Leben gerufen wurde, bildet die zentrale Plattform zum Austausch von Daten, Erfahrungen und Konzepten zur Personalplanung im Gesundheitswesen zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten. Bislang traf sich das Steuerungsgremium der Joint Action abwechselnd in unterschiedlichen europäischen Städten; dieses Mal sind sie in Bremen zu Gast, und das Team von Professor Rothgang, das in der Joint Action Deutschland vertritt, richtet eine Tagung im Haus der Wissenschaft sowie ein Arbeitstreffen in den Räumen des SOCIUM aus.

Auf der halbtägigen Fachtagung stellte die Bremer Projektgruppe die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie bezüglich der Bedarfsplanung im Gesundheitswesen vor und diskutierte sie im Kontext der europäischen Entwicklungen im Gesundheitswesen. In der Studie prüfte die Arbeitsgruppe aus dem SOCIUM in Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Ärzteschaft, Pflegeberufen, Apothekerkammer, Hebammen, Gesundheitsbehörden der Länder sowie Kassen den Nutzen eines europäischen Handbuchs zu Methoden der Bedarfsplanung. Außerdem berichtete Paolo Michelutti aus Italien, Projektleiter der Partnerstudien in Italien und Portugal, über die Joint Action on Health Workforce Planning and Forecasting. Als Keynote Referent berichtete Herr Leon van Berkel von der Europäischen Kommission über aktuelle Programme der EU im Themenfeld Gesundheitsfachberufe.

Am 28. und 29. Januar findet dann in den Räumen des SOCIUM ein Arbeitstreffen des Joint Action Steuerungsgremiums aus allen beteiligten europäischen Ländern statt.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Cover Arzneimittelreport 2015Cover Arzneimittelreport 2015
Erste Analyse der Ausgaben für Zytostatika-Ausgaben in der GKV.

Zum 15. Mal erschien der BARMER GEK Arzneimittelreport, dieses Mal im neugegründeten SOCIUM wieder um das Autorenteam Gerd Glaeske und Christel Schicktanz. Besonderes Augenmerk wurde wie immer auf die Bereiche der Versorgung gelegt, in denen es Potentiale zur Verbesserung gibt – Arzneimittel mit unnötigen Risiken, Präparate, die zu häufig oder zu selten verschrieben werden, und Arzneimittel mit unnötigen Kosten. Die Arzneimittelversorgung in Deutschland wird anhand von Verordnungen, Kosten und regionalen Verteilungen dargestellt, ermöglicht durch Analysen der repräsentativen Sekundärdaten von 8,6 Millionen Versicherten der BARMER GEK.

Die Steigerung der Ausgaben für Arzneimittel von 2013 zu 2014 entspricht einem Plus von neun Prozent, dem spürbarsten Anstieg aller Leistungsbereiche. Hierzu gehören auch die Ausgaben für innovative Arzneimittel für die BARMER GEK. Das sind nicht nur Fertigarzneimittel sondern auch die sogenannten parenteralen Lösungen (individuelle Infusions-Zubereitungen in der Krebstherapie). Diese Lösungen waren im Jahr 2014 für etwa zehn Prozent der Arzneimittelkosten bei der Barmer GEK verantwortlich, es waren Ausgaben in Höhe von 424 Millionen Euro. In den letzten zehn Jahren haben sich die Ausgaben für diese Zubereitungen, die überwiegend in Apotheken hergestellt werden, fast verdreifacht, mit weiteren Steigerungen ist zu rechnen. Spezialpräparate machten mit rund 1,73 Milliarden Euro den größten Block aus.

Weitere Kapitel zu einzelnen Indikationsgebieten sind Akne und Harnwegsinfekte bei Frauen. Hier werden Arzneimittel verwendet, die hohe Verordnungszahlen aufweisen, hier sind insbesondere Antibiotika mit problematischen Verschreibungen zu nennen.

Download:
BARMER GEK Arzneimittelreport 2015
Präsentation Prof. Glaeske


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de