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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Gesundheit, Pflege und Alterssicherung".

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Cover Arzneimittelreport 2015Cover Arzneimittelreport 2015
Erste Analyse der Ausgaben für Zytostatika-Ausgaben in der GKV.

Zum 15. Mal erschien der BARMER GEK Arzneimittelreport, dieses Mal im neugegründeten SOCIUM wieder um das Autorenteam Gerd Glaeske und Christel Schicktanz. Besonderes Augenmerk wurde wie immer auf die Bereiche der Versorgung gelegt, in denen es Potentiale zur Verbesserung gibt – Arzneimittel mit unnötigen Risiken, Präparate, die zu häufig oder zu selten verschrieben werden, und Arzneimittel mit unnötigen Kosten. Die Arzneimittelversorgung in Deutschland wird anhand von Verordnungen, Kosten und regionalen Verteilungen dargestellt, ermöglicht durch Analysen der repräsentativen Sekundärdaten von 8,6 Millionen Versicherten der BARMER GEK.

Die Steigerung der Ausgaben für Arzneimittel von 2013 zu 2014 entspricht einem Plus von neun Prozent, dem spürbarsten Anstieg aller Leistungsbereiche. Hierzu gehören auch die Ausgaben für innovative Arzneimittel für die BARMER GEK. Das sind nicht nur Fertigarzneimittel sondern auch die sogenannten parenteralen Lösungen (individuelle Infusions-Zubereitungen in der Krebstherapie). Diese Lösungen waren im Jahr 2014 für etwa zehn Prozent der Arzneimittelkosten bei der Barmer GEK verantwortlich, es waren Ausgaben in Höhe von 424 Millionen Euro. In den letzten zehn Jahren haben sich die Ausgaben für diese Zubereitungen, die überwiegend in Apotheken hergestellt werden, fast verdreifacht, mit weiteren Steigerungen ist zu rechnen. Spezialpräparate machten mit rund 1,73 Milliarden Euro den größten Block aus.

Weitere Kapitel zu einzelnen Indikationsgebieten sind Akne und Harnwegsinfekte bei Frauen. Hier werden Arzneimittel verwendet, die hohe Verordnungszahlen aufweisen, hier sind insbesondere Antibiotika mit problematischen Verschreibungen zu nennen.

Download:
BARMER GEK Arzneimittelreport 2015
Präsentation Prof. Glaeske


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Cover Pflegereport 2015Cover Pflegereport 2015
Autorenteam des SOCIUM der Universität Bremen erstellte Pflegereport 2015 im Auftrag der BARMER GEK.

Die wissenschaftliche Analyse der Pflege zu Hause mittels einer eigens dazu durchgeführten Befragung von insgesamt 1.850 Versicherten ist Schwerpunktthema des BARMER GEK-Pflegereports 2015, der heute in der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde. Er ist bereits zum achten Mal von einer Arbeitsgruppe des SOCIUM (zuvor: Zentrum für Sozialpolitik) der Universität Bremen unter Leitung von Professor Heinz Rothgang erstellt worden. Neben dem Schwerpunktthema untersucht das Autorenteam - neben Heinz Rothgang sind das Thomas Kalwitzki, Rolf Müller, Rebecca Runte und Rainer Unger - darin zusätzlich zentrale Entwicklungen in der Pflege. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik, die rund 2,6 Millionen Pflegebedürftige ausweist, das sozio-ökonomische Panel und die Routinedaten der BARMER GEK, die rund zehn Prozent der Bevölkerung abbilden.

Die Hälfte der Pflegebedürftigen wohnt in nicht altengerechten Wohnungen - dennoch werden Versicherungsleistungen zum Wohnungsumbau kaum genutzt

Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege wohnt in nicht altengerechten Wohnungen. Dies lässt erwarten, dass die Zuschüsse der Pflegeversicherung von inzwischen bis zu 4.000 € für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, die die Pflege in der eigenen Häuslichkeit ermöglichen oder erleichtern sollen, intensiv genutzt werden. Dies umso mehr als insgesamt mehr als 97 % der befragten Versicherten, die einen solchen Zuschuss in Anspruch genommen haben, die Leistung für sehr hilfreich halten. Tatsächlich nutzen pro Jahr aber nur rund 3,5 % der Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege (= 65 Tsd.) diese Möglichkeit. Die sechs am häufigsten genutzten Leistungen waren in der Reihenfolge: Dusche, Treppenlift, Handlauf, WC, Haltegriff, Rampe. Hauptsächlich zwei Gründe sind für die geringe Nutzung des Zuschusses verantwortlich. Zum einen mussten 72 % der Nutzer Zuzahlungen zu den Wohnungsumbauten entrichten, die sicherlich eine abschreckende Wirkung hatten. Durch die Anhebung des Zuschusses von 2.557 € auf 4.000 € zum 1. Januar 2015 hat sich dieser Anteil verringert. Hätte die neue Obergrenze schon 2014 gegolten, läge der Anteil der Nutzer mit Zuzahlung bei nur noch 47 %. Zum anderen gelingt es den zuständigen Stellen nicht ausreichend, den Leistungsanspruch zu kommunizieren: nur die Hälfte der Nutzer hat die Information über diesen Anspruch von Kasse, Medizinischem Dienst oder Pflegestützpunkt erhalten, knapp ein Drittel derer, die keinen Zuschuss beantragt haben, gaben an, nicht zu wissen, dass es derartige Versicherungsleistungen gibt, und fast die Hälfte der Befragten, die auf eigene Rechnung Umbaumaßnahmen finanziert haben (N=68), wussten nicht, dass es Zuschüsse der Pflegeversicherung für Wohnungsumbauten gibt. Hier bestehen noch unübersehbare Informationslücken.

Pflegestärkungsgesetz II - eine sehr großzügige Reform

Das letzte Woche im Bundestag beschlossene Pflegestärkungsgesetz II enthält als zentrale Neuerung den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, dessen Einführung schon seit Jahren gefordert wird. Die Umsetzung erweist sich dabei in mehrfacher Hinsicht als unerwartet großzügig: Erstens wurde die Bewertungssystematik des Neuen Begutachtungsassessment gegenüber den Empfehlungen des Expertenbeirats mehrfach so verändert, dass mehr Personen als pflegebedürftig gelten und dabei gleichzeitig mehr Personen in höhere Pflegegrade gelangen. Zweitens wurde auch für die Überleitung der bereits anerkannten Pflegebedürftigen von Pflegestufen in Pflegegrade von den drei Vorschlägen des Expertenbeirates wiederum der großzügigste gewählt. Drittens wurden die Leistungshöhen für die neuen Pflegegrade so festgelegt, dass die im (Pflegeneuausrichtungsgesetz) PNG ausdrücklich als Übergangs-leistungen charakterisierten Leistungen nunmehr dauerhaft gewährt werden und das nicht nur für die Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, sondern für alle Pflegebedürftigen. Schließlich ist ein umfassender Bestandsschutz vorgesehen. Im Ergebnis werden im ambulanten Bereich zum Umstellungszeitpunkt mehr als 95 % der dann Leistung Beziehenden besser gestellt und niemand schlechter. Auch bei langfristiger Betrachtung gibt es nur wenige Personen, die sich dann im neuen System schlechter stellen werden als im alten.

Anzahl der Pflegebedürftigen steigt stärker als bisher angenommen, die Pflege wird "männlicher" und der Anteil hochaltriger Pflegebedürftiger steigt

Auf Basis des Zensus von 2011 und der - neuen - 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes steigt die Anzahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2060 (2055) auf 4,52 Mio. (4,64 Mio.) und damit um zusätzliche 221 Tsd. (164 Tsd.) Pflegebedürftige gegenüber früheren Projektionen. Die Pflege wird dabei insgesamt "männlicher", da bis zum Jahr 2060 von zusätzlichen 176 Tsd. pflegebedürftigen Männern, aber "nur" von zusätzlichen 45 Tsd. pflegebedürftigen Frauen auszugehen ist. Weiterhin ist von einer drastischen Alterung der Pflegebedürftigen auszugehen, die etwa ab dem Jahr 2040 einsetzt. Waren im Jahr 2015 rund 30 % aller pflegebedürftigen Männer 85 Jahre und älter, so erhöht sich deren Anteil bis zum Jahr 2060 auf knapp 60 %. Auch bei den Frauen zeigt sich eine deutliche Zunahme der Hochaltrigkeit. Während der Anteil der Frauen im Alter 85 und darüber im Jahr 2015 bei etwa 50 % lag, erhöht sich dieser Anteil bis zum Jahr 2060 noch weiter auf dann knapp 70 %. In Zukunft wird somit zunehmend die Pflege hoch betagter Menschen und adäquater Versorgungsstrukturen im Vordergrund stehen.

Download:
BARMER GEK Pflegereport 2015
BARMER GEK Pflegereport 2015 Pressemappe


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Versorgung bei Schlaganfall und bei COPD.

Knapp 85 Prozent aller Patientinnen und Patienten über 65 Jahre werden in Deutschland nach einem Schlaganfall entweder rehabilitativ oder mit Heilmitteln behandelt. Allerdings klaffen weiterhin Lücken bei der ganzheitlichen und interdisziplinären Versorgung im Krankenhaus. So wird nur gut jeder Zweite auf einer speziellen Schlaganfallstation, einer sogenannten Stroke Unit, behandelt. Im Jahr 2012 bekam nur gut die Hälfte der über 65-jährigen Schlaganfallpatienten eine neurologische Komplexbehandlung, die auf einer Spezialstation unter anderem mit Neurologen, Logopäden und Physiotherapeuten erfolgt. Bei einem Schlaganfall kommt es auf Minuten und eine sehr individuelle Behandlung an, die eine Spezialstation am besten leisten kann. Hier scheinen noch Verbesserungen in der Akutversorgung des Schlaganfalls möglich zu sein.

Von den betroffenen Schlaganfallpatienten bekamen 54,7 Prozent eine neurologische Komplexbehandlung und 7,1 Prozent eine Frührehabilitation im Krankenhaus. 90,8 Prozent der Patienten überlebten ihren Schlaganfall dank der guten medizinischen Versorgung in den Kliniken. Erstaunlich ist, dass lediglich 38,7 Prozent dieser Patienten eine Rehabilitation begannen, überwiegend direkt nach dem Klinikaufenthalt. In den ersten drei Monaten nach dem Krankenhausaufenthalt bekamen 21 Prozent der Patienten eine normale und 14,5 Prozent eine spezielle Krankengymnastik verordnet, 11,6 Prozent eine Ergotherapie.

Mangelhafte Therapie-Leitlinien
Die rehabilitative Versorgung nach einem Schlaganfall erscheint überwiegend kurzfristig ausgerichtet. In den medizinischen Leitlinien fehlen Empfehlungen, ob und unter welchen Bedingungen eine längerfristige Therapie sinnvoll ist. Eine Überarbeitung der Schlaganfall-Leitlinien wäre sinnvoll, um die Therapie, so individuell sie auch sein mag und muss, nachhaltiger anzulegen. Die Leitlinien zu den rehabilitativen Maßnahmen nach einem Schlaganfall entsprechen zu oft nicht den höchsten wissenschaftlichen Standards. Im Sinne einer bestmöglichen Patientenversorgung sind weitere Studien erforderlich, um die Leitlinien zur rehabilitativen Schlaganfallbehandlung zu optimieren.

Steigende Ausgaben bei Heil- und Hilfsmitteln
Die Kosten für Heilmittel, zu denen die Physio-, Ergo- und Logopädie gehören, sind im Jahr 2014 in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um 8,1 Prozent auf 5,69 Milliarden Euro gestiegen. Bei der Barmer GEK erhöhten sich die Ausgaben um 8,2 Prozent auf 760,5 Millionen Euro. Die höchsten Ausgaben kamen dabei in der Physiotherapie mit 66,59 Euro je Versicherten (plus 7,67 Prozent gegenüber dem Vorjahr) zustande, gefolgt von der Ergotherapie mit 12,37 Euro (plus 8,48 Prozent), der Logopädie mit 8,27 Euro (plus 8,62 Prozent) und der Podologie mit 1,60 Euro (plus 17,04 Prozent).

Umfassende Nutzenbewertung erforderlich
Bei den Hilfsmitteln, zu denen etwa Rollstühle und Hörgeräte gehören, stiegen die Kosten GKV-weit um 9,4 Prozent auf 7,44 Milliarden Euro. Bei der Barmer GEK schnellten sie um 10,9 Prozent auf 836,4 Millionen Euro nach oben. Auch bei den Hilfsmitteln fehlen in vielen Bereichen Nutzenbewertungen. Es ist nicht zielführend, nur Medizinprodukte mit einer hohen Risikoklasse zu prüfen, wie es das Versorgungsstärkungsgesetz vorgibt.
Insgesamt haben im Jahr 2014 bei der Barmer GEK 1,9 Millionen Versicherte Heilmittel und 2,0 Millionen Versicherte Hilfsmittel verordnet bekommen. Das ist ein Anstieg um jeweils 3,2 Prozent innerhalb eines Jahres, der nach Einschätzung der Autoren nur schwerlich auf die demografische Entwicklung zurückgeführt werden kann.

Fakten aus dem Heil- und Hilfsmittelreport 2015
Ausgaben für Heilmittel: Mit 7,25 Prozent sind die Ausgaben für die Podologie auf rund 13,7 Millionen Euro im Jahr 2014 gestiegen. Dabei gab es massive regionale Unterschiede. Während die Ausgaben für die Fußpflege in Bremen innerhalb eines Jahres um gut fünf Prozent gesunken sind, sind sie in Brandenburg um rund 30 Prozent gestiegen. Den größten Ausgabenblock machte die Physiotherapie für rund 1,769 Millionen Versicherte mit etwa 569,6 Millionen Euro aus. Der Zuwachs lag hier bei 4,47 Prozent. 105.600 Versicherte erhielten Ergotherapie, die mit rund 105,8 Millionen Euro (plus 1,97 Prozent) zu Buche schlug. 70,7 Millionen Euro (plus 4,73 Prozent) bezahlte die Barmer GEK für logopädische Leistungen an gut 89.000 Versicherten (Report Seite 33).

Ausgaben für Hilfsmittel: Innerhalb nur eines Jahres haben sich die Ausgaben für Hörgeräte-Akustiker deutlich erhöht. Sie sind um 47,5 Prozent auf 102,1 Millionen Euro gestiegen. Vergleichsweise moderat sind die größten Kostenblöcke gewachsen. So sind die Ausgaben für Orthopädiemechaniker und Bandagisten um 8,3 Prozent auf 417,7 Millionen Euro und für sonstige Leistungserbringer wie die häusliche Krankenpflege um 3,9 Prozent auf 201 Millionen Euro angewachsen (Seite 52 ff.).

Viele Einlagen-Verordnungen, teure Inhalationsgeräte: Die am häufigsten verordneten Hilfsmittel waren Einlagen. 5,8 Prozent der Männer und 8,9 Prozent der Frauen haben sie im Jahr 2014 verschrieben bekommen. Es folgten Orthesen und Schienen für 3,3 Prozent der Männer und 4,6 Prozent der Frauen. Nur an zehnter Stelle lagen die Verordnungen von Inhalations- und Atemtherapiegeräten. Allerdings machten sie mit 119 Millionen Euro den größten Ausgabenblock bei den Hilfsmitteln aus (Seite 58).

Regionale Unterschiede: Der Report berichtet über deutliche regionale Differenzen bei der Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln. So bekamen in Sachsen fast 92 Prozent der Patienten eine Physiotherapie, wenn der Arzt bei ihnen schweren Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson diagnostiziert hat. Im Saarland waren es knapp 52 Prozent (Seite 42).

Download: BARMER GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2015


Kontakt:
Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
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Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de

Dipl.-Soz. Friederike Höfel
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
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Cover Innovationsreport 2015Cover Innovationsreport 2015
Neu zugelassene Arzneimittel: Ampelbewertungen und Verordnungen.

Gerd Glaeske, Wolf-Dieter Ludwig und Jens Baas als Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse stellten in Berlin den Innovationsreport 2015 vor. Er wurde an der Universität Bremen vom Autorenteam Daniela Boeschen, Dörte Fuchs, Judith Günther und Gerd Glaeske im Arbeitsbereich Versorgungsforschung Gesundheit der Abteilung Gesundheit, Pflege und Alterssicherung des SOCIUM, vormals ZeS, mit freundlicher Unterstützung der Techniker Krankenkasse erarbeitet. Der Report beurteilt die Evidenz und Effizienz neuer Arzneimittel des Jahres 2012 im Rückblick und setzt deren Verordnungen anhand von Routinedaten der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2012 und 2013 dazu ins Verhältnis.

Der Innovationsreport erscheint nun zum dritten Mal. Als Herausgeber fungieren in diesem Jahr Gerd Glaeske, Petra Thürmann und Wolf-Dieter Ludwig. Der Innovationsreport liefert die ersten Daten zu den Verordnungen neu angebotener Arzneimittel - einzig unter allen anderen Übersichten über den Arzneimittelmarkt. Die Mittel, die den AMNOG-Frühbewertungsprozess durchlaufen haben, werden einer Überprüfung unterzogen, die auch den Versorgungsalltag einbezieht. Im Rahmen dieser Versorgungsforschungs-Analysen werden sowohl die verordneten Mengen als auch die Ausgaben betrachtet und in Bezug zum Nutzen dieser Arzneimittel in der jeweiligen Indikation gesetzt. Über die Angaben aus Zulassungsstudien und aus der AMNOG-Frühbewertung hinaus werden in die Nutzenbewertung des Innovationsreportes 2015 auch weitere wissenschaftliche Publikationen und Hinweise zur Therapiesicherheit mit einbezogen.

Die Ergebnisse des Innovationsreportes sollen auch direkt als Information für Ärztinnen und Ärzte dienen, um ihnen eine unabhängige und evidenzbasierte Entscheidungsbasis in der Patientenversorgung anbieten zu können.

Download: Innovationsreport, Langfassung


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Patientenorientierte Versorgungsforschung - gestern, heute und morgen.

Die Versorgungsforschung hat zwischenzeitlich viel erreicht, aber ist es auch genug? Der Sachverständigenrat Gesundheit forderte bereits in seinem Gutachten 2000/2001 den Ausbau der Versorgungforschung und die verstärkte Nutzung von Routinedaten. Vorrangig ging es dabei um die Darstellung einer rationalen und qualitätsorientierten Patientenversorgung durch methodisch adäquate Studien, die Aufdeckung von Über-, Unter- und Fehlversorgung und die Evaluation gesundheitspolitisch induzierter Veränderungen in unserem Gesundheitssystem. Nach wie vor bestimmen diese Aspekte auch die künftigen Herausforderungen für die Versorgungsforschung auf medizinischer, politischer und ökonomischer Ebene:

  • Umfassendere Evaluationskonzepte therapeutischer Maßnahmen zugunsten und aus Sicht von Patientinnen und Patienten auf der Basis ausreichender Fördermittel;

  • Entwicklung neuer Konzepte zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen und -prozesse;

  • Verbesserter Transfer der Ergebnisse in die Öffentlichkeit und erhöhte Berücksichtigung der Erkenntnisse in der Politik.

Das GKV-Versorgungssystem verpflichtet sich zu einer bestmöglichen Versorgung von Versicherten: Effektivität und Effizienz, Qualität und Angemessenheit der Versorgung stehen hier wie in der Versorgungsforschung im Fokus. Gemeinsamer Ausgangspunkt sollte dabei immer die Patientenorientierung sein. Die Entscheidung der Politik, die Versorgungsforschung innerhalb des Innovationsfonds zu fördern, ist eine Anerkennung und Verpflichtung zugleich.

Der Kongress thematisiert die Versorgungsforschung mit Blick auf die bereits erreichten Ergebnisse und auf die zukünftigen Anforderungen im Sinne einer Optimierung der Versorgungssicherheit und -qualität für Patientinnen und Patienten. Darüber wollen wir diskutieren und laden Sie herzlich dazu ein.

Kontakt:
Dr. Christoph Straub
Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Dipl.-Soz. Friederike Höfel
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58520
E-Mail: fhoefel@uni-bremen.de

Cornelia Trittin
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58560
E-Mail: cornelia.trittin@uni-bremen.de

Wissenschaftler der Universität Bremen untersuchen die Pflegequalität in 50 stationären Einrichtungen und erheben Daten von 2000 Senioren.

Bleiben Menschen in Pflegeeinrichtungen lange mobil? Bewahren sie ihre Selbstständigkeit bei alltäglichen Verrichtungen und sind sie nach dem derzeit verfügbaren Wissen gepflegt worden? Ein Forscherteam der Uni Bremen hat jetzt begonnen, mit diesen und weiteren Fragestellungen die Messbarkeit der Qualität von stationären Pflegeeinrichtungen zu untersuchen. Das Team wird geleitet von Professor Stefan Görres vom Zentrum für Alterns- und Pflegeforschung und von Professor Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik. Vorausgegangen war eine Ausschreibung der Gesetzlichen Krankenversicherung, die die Studie federführend organisiert. Die Universität Bremen hat den Zuschlag bekommen. Über einen Zeitraum von 18 Monaten sollen nun in 50 Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg und Brandenburg Daten erhoben werden. Ziel ist es, die Qualität der Einrichtungen verbraucherfreundlich miteinander vergleichen zu können. Auftraggeber sind die Vertragspartner des Sozialgesetzbuches, das sind der GKV-Spitzenverband und die Vereinigungen der Träger der Sozialhilfe und der Pflegeeinrichtungen auf Bundesebene.

Bislang Ergebnisse kaum gemessen

15 pflegebezogene Indikatoren sollen geprüft werden, die von Dr. Klaus Wingenfeld von der Uni Bielefeld und Dr. Dietrich Engels vom ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik im Auftrag der beiden Bundesministerien für Gesundheit sowie für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entwickelt worden sind. Für diese Prüfung werden Daten von etwa 2.000 Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern erhoben. "Entscheidend ist die Ergebnisqualität, dass heißt das, was bei den alten Menschen ankommt, in welchem gesundheitlichen Zustand sie sind, wie sie sich fühlen", sagt Pflegeexperte Professor Görres. "Bislang wurde das kaum gemessen, vielmehr standen Strukturen und Abläufe in stationären Einrichtungen im Mittelpunkt der Qualitätsuntersuchungen."

Hochrangige Themen für Bremer Pflegeforscher

Projektkoordinator Mathias Fünfstück nennt als einen der wichtigsten Indikatoren Dekubitus, das Wundliegen. Gelingt es, die alten Menschen davor zu bewahren? Weitere Fragen sind Stürze mit gravierenden Folgen, Gewichtsverlust, Schmerzen. "Wir werden in jeder stationären Einrichtung mit ausgewählten Pflegefachkräften zusammenarbeiten", sagt der Wissenschaftler. Um die Dokumentation anzupassen und praktikabel zu machen, sei auch ein Softwareentwickler mit im Boot. "Wir wollen herausfinden, ob sie praxistauglich, vollständig und genau sind, eventuell müssen auch Anpassungen vorgenommen werden", sagt Görres. Von zentraler Bedeutung ist dabei, dass Pflegeeinrichtungen nicht Dinge angelastet werden, für die sie nichts können. "Wenn eine Einrichtung mehr bettlägerige Patienten hat als andere, so muss das berücksichtigt werden, wenn die Rate der Bewohner mit Dekubitus verglichen wird", führt Rothgang aus. "Die Regeln für diese sogenannte Risikoadjustierung sind bisher noch unvollständig und werden im Laufe des Projektes erarbeitet und konkretisiert". Am Ende solle ein "praxiserprobtes Qualitätsmessinstrument" herauskommen, ergänzt Fünfstück. Die Experten der Universität Bremen sind bereits zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit mit Themen betraut, die eine hohe gesellschaftliche und politische Bedeutung haben. Das ist ein großer Erfolg. Görres: "Wir bearbeiten fast zeitgleich ein Projekt zur Mobilität im Alter". Ein weiteres Projekt, das Grundlage für die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs war, wurde von Rothgang und Fünfstück gerade abgeschlossen.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Görres
Tel.: +49 421 218-68901
E-Mail: sgoerres@uni-bremen.de


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Mathias Fünfstück
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58637
E-Mail: m.fuenfstueck@uni-bremen.de

Stefan Görres vom Institut für Public Health und Pflegeforschung und Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik erhalten einen hochrangigen Forschungsauftrag.

Viele pflegebedürftige Menschen können sich nicht selbstständig oder nur stark eingeschränkt bewegen. Mobil zu sein, trägt für Pflegebedürftige jedoch entscheidend zur Gesundheit und Lebensqualität bei. Wie kann die Mobilität pflegebedürftiger Menschen erhalten und verbessert werden? Zu diesem Thema haben Professor Stefan Görres vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) und Professor Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) der Universität Bremen einen hochrangigen Forschungsauftrag erhalten.

Sie haben jetzt damit begonnen, den aktuellen Expertenstandard "Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege", der als Entwurf vorliegt, in der Praxis zu testen. Der Expertenstandard wurde vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) im Auftrag der Vertragsparteien des Sozialgesetzbuches (§ 113 SGB XI) entwickelt und soll nun in Bezug auf Praxistauglichkeit, Wirksamkeit und Kosten in einem bundesweiten Projekt mit 45 stationären und teilstationären Einrichtungen sowie ambulanten Pflegediensten unterschiedlicher Träger erprobt werden. Die Vertragspartner im Sozialgesetzbuch, die den Auftrag an die Uni Bremen gegeben haben, sind u.a. der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe, die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände und die Vereinigungen der Träger der Pflegeeinrichtungen auf Bundesebene.

Das Projekt hat im Februar 2015 begonnen. Auf Grundlage der Ende 2016 vorliegenden Ergebnisse entscheiden die genannten Vertragspartner dann über die verpflichtende bundesweite Umsetzung des Expertenstandards.

Die Entwurfsfassung des Expertenstandards steht zur Information auf den Internetseiten des GKV-Spitzenverbandes, der Vereinigungen der Träger der Pflegeeinrichtungen auf Bundesebene und den Interessenvertretungen der Pflegebedürftigen und Selbsthilfe zum kostenfreien Download zur Verfügung. Der Expertenstandard ist in diesem Entwurfsstand für die Pflegeeinrichtungen und Dienste aber noch nicht verbindlich.

Weitere Informationen: GKV-Spitzenverband


Kontakt:
Dr. Claudia Stolle
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58548
E-Mail: stolle@uni-bremen.de

Die Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen in Bremen hat im Sommer 2014 ein Gutachten zur Bedarfs- und Angebotsanalyse in der Altenpflegeausbildung an Rolf Müller und Heinz Rothgang vom ZeS in Auftrag gegeben.

Die Ergebnisse aus dem Gutachten "Bedarfs- und Angebotsanalyse sowie -prognose über Ausbildungsplätze in der Altenpflegeausbildung" sind dem Landespflegeausschuss am 16. Januar 2015 vorgestellt worden.

Ausgangslage für das Gutachten ist die als zu gering eingeschätzte Anzahl an Ausbildungen im Bereich der Altenpflege. Zur Abwendung des Pflegefachkräftemangels soll daher im Land Bremen die Einführung eines Ausgleichsverfahrens zur Finanzierung der Altenpflegeausbildung geprüft werden. Wenn ein solches erforderlich ist, um einen Mangel an Ausbildungsplätzen zu verhindern oder zu beseitigen, ist die Landesregierung ermächtigt, für die Kosten der Ausbildungsvergütungen Ausgleichsbeträge von den Pflegeeinrichtungen zu erheben. Zur Prüfung, ob die Angebote in der Altenpflegeausbildung zum jetzigen Zeitpunkt und in der Zeit bis zum Jahr 2025 den Bedarf decken, sollten die Bedarfe und Angebote für den Zeitraum von 2014 bis 2025 ermittelt werden.

Mit dem Gutachten sind nun belastbare Zahlen geschaffen worden. Derzeit und in den Jahren bis 2025 werden jährlich rund 300 bis 400 Ausbildungsplätze für examinierte Altenpflegekräfte im Land Bremen benötigt. Im Jahr 2014 waren in den einzelnen Ausbildungsjahren aber weit unter 200 Personen in einer Ausbildung zur examinierten Altenpflegekraft. Unter derzeit gegebenen realistischen Annahmen wird diese Lücke in den kommenden zehn Jahren konstant bleiben. Sollte es möglich sein, sehr optimistische Bedingungen zu schaffen (deutliche Erhöhungen der Steigerungsraten in den Ausbildungszahlen, deutliche Verringerung der Abbruchquoten in der Ausbildung und deutliche Verlängerung der Zeiten im Beruf), dann wäre es voraussichtlich im Jahr 2025 möglich, die dann benötigte Anzahl an Ausbildungsplätzen zu erreichen. Bis dahin wäre aber schon ein großer Mangel an examinierten Altenpflegekräften entstanden. Die demografische Entwicklung ermahnt, schleunigst zu handeln. Einerseits steigt zusehends der Bedarf an Pflegekräften durch die steigende Anzahl an Pflegebedürftigen und andererseits ist mit einem Rückgang des Erwerbstätigenpotentials zu rechnen.

Download:
Gutachten "Bedarfs- und Angebotsanalyse und -prognose über Ausbildungsplätze in der Altenpflegeausbildung"
von Rolf Müller und Heinz Rothgang, im Auftrag der Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen in Bremen.

Präsentation "Gutachten zum Ausgleichsverfahren in der Altenpflegeausbildung"
von Rolf Müller am 16.01.2015 bei der Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen in der Sitzung des Landespflegeausschusses.


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Dr. rer. pol. Rolf Müller
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Das ZeS ist Teil eines Konsortiums zur Bewertung des 2005 eingeführten Screening-Programms.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) lässt im Rahmen eines weiteren Forschungsvorhabens (Machbarkeitsstudie I von Juli 2012 - September 2014; jetzt Machbarkeitsstudie II von Januar 2015-Juni 2016) durch ein Forschungs-Konsortium unter Beteiligung des ZeS überprüfen, wie wirksam das deutsche Mammographie-Screening-Programm die Brustkrebs-Sterblichkeit verringert. Seit 2005 können in ganz Deutschland Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre eine Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs in Anspruch nehmen.

Ziel der jetzt bewilligten Studie unter Federführung der Universität Münster ist es, den Anspruch des Programms zu überprüfen, durch ein flächendeckendes, qualitätsgesichertes Screening bei dieser Altersgruppe die Zahl der Erkrankungen mit tödlichem Ausgang zu senken. „Die Universität Münster wird in dieser langfristig ausgelegten Studie wissenschaftlich fundiert analysieren, ob dieses Ziel erreicht wird. Der Nutzen des Programms muss größer sein als die möglichen Risiken“, sagt Wolfgang Weiss, Fachbereichsleiter beim Bundesamt für Strahlenschutz. „Schließlich ist jede Untersuchung mit einer zusätzlichen Strahlenbelastung verbunden. Mit dieser Studie wird ein weiteres wichtiges Element neben den umfangreichen Qualitätssicherungsmaßnahmen des Screening-Programms umgesetzt.“

Die ZeS-Arbeitsgruppe unter der Leitung von Klaus Giersiepen und Heinz Rothgang untersucht - ebenso wie die nach dem gleichen Ansatz abgestimmt vorgehende Arbeitsgruppe am Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS), ob auf der Basis von pseudonymisierten Daten der gesetzlichen Krankenkassen die Wirksamkeit des Screening-Programm aufgezeigt werden kann. Dieser Ansatz ist komplementär zu den ebenfalls im Projekt bewilligten regionalen Modellen der Datenzusammenführung in NRW und bietet eine Erweiterung auf weitere Regionen und die prinzipielle Abdeckung von Gesamtdeutschland. Da die Krankenkassendaten die Informationen zum Screening beinhalten, ist lediglich die Ergänzung der Informationen im Hinblick auf die Brustkrebs-sterblichkeit erforderlich. Die derzeit dem ZeS und dem BIPS zugänglichen Kassendaten stammen hauptsächlich von drei überregionalen Ersatzkassen - die insgesamt etwa 20-25% der Bevölkerung über alle Regionen Deutschlands einschließen.

Download:
Pressemitteilung des Bundesamt für Strahlenschutz vom 03. Juli 2012


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Prof. Dr. Heinz Rothgang
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Cover BARMER GEK Pflegereport 2014Cover BARMER GEK Pflegereport 2014
Der diesjährige Report untersucht die zahnärztliche Versorgung von Pflegebedürftigen.

In seinem Schwerpunkthema liefert der BARMER GEK Pflegereport, der in diesem Jahr zum siebten Mal erscheint, eine breite Darstellung der zahnärztlichen Versorgung Pflegebedürftiger, beschreibt die erkannten Probleme, nennt die jüngsten gesetzlichen Reaktionen auf die Problematik und weist letztlich auf noch verbleibende Verbesserungspotentiale hin.

Daneben untersucht die Arbeitsgruppe des ZeS, bestehend aus Professor Heinz Rothgang, Rolf Müller, Rebecca Mundhenk und Rainer Unger das Leistungsgeschehen in der Pflege und diskutiert zentrale Weiterentwicklungen in der Pflegeversicherung. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik als Vollerhebung der rund 2,6 Mio. Pflegebedürftigen und die Routinedaten der BARMER GEK, die rund 10 Prozent der Bevölkerung abbilden. Die Ergebnisse wurden heute in der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Im Folgenden eine Kurzdarstellung ausgewählter Ergebnisse des Reports:

Zahnärztliche Versorgung: Pflegebedürftige sind unterversorgt

Während rund dreißig Prozent der nicht pflegebedürftigen Versicherten mindestens einmal im Quartal einen Zahnarztkontakt haben, sind es bei den pflegebedürftigen nur rund zwanzig Prozent. Dieser Unterschied kann zum Teil durch das höhere Alter der Pflegebedürftigen erklärt werden. Doch auch unter Kontrolle von Alter, Geschlecht, einer Vielzahl an Diagnosestellungen und der Region bleiben die Unterschiede bestehen. Pflegebedürftige der niedrigsten Pflegestufe, die ausschließlich von ihren Angehörigen gepflegt werden, weisen dabei noch die geringsten Unterschiede zu Nicht-Pflegebedürftigen auf. Für diese Pflegegeldempfängerinnen und -empfänger in der Pflegestufe I wird eine um 5,5 Prozentpunkte geringere Behandlungsquote festgestellt. Liegt allerdings die Pflegestufe III vor, dann ist die Behandlungsquote bei Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege unter Beteiligung von Pflegediensten sogar um 16,5 Prozentpunkte verringert. Entsprechende Ergebnisse zeigen sich auch bei den Untersuchungen von speziellen Teilbereichen der zahnärztlichen Versorgung. Bei einer durchschnittlichen Behandlungsquote Nicht-Pflegebedürftiger von 0,35 Prozent je Quartal im Bereich der Parodontopathien weisen Pflegebedürftige unabhängig von Alter, Geschlecht, Erkrankungen und Region eine im 0,14 Prozentpunkte verminderte Behandlungsquote auf. Im Leistungsspektrum von Zahnersatz und Zahnkronen wird für nicht pflegebedürftige Versicherte eine Behandlungsquote von 3,2 Prozent je Quartal festgestellt. Für Pflegebedürftige mit Pflegestufe III werden ebenfalls unter Kontrolle der oben genannten Merkmale um 2,8 Prozentpunkte verringerte Behandlungsquoten ermittelt. Die Pflegebedürftigen, die durch ambulante Pflegedienste oder im Pflegeheim versorgt werden, haben noch geringere Behandlungsquoten. Da Hinweise auf eine zahnmedizinische Überversorgung Nicht-Pflegebedürftiger nicht erkennbar sind, ist angesichts der genannten Unterschiede insgesamt von einer Unterversorgung der Pflegebedürftigen auszugehen.

Pflegebedürftige sind aufgrund von Immobilität, Wahrnehmungsstörungen, Kommunikationsproblemen, gestörtem Schmerzempfinden und vielem anderen mehr häufig nicht in der Lage, sich angemessen um ihre Zahngesundheit zu kümmern. Daher sind alle anderen Beteiligten aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen. Strukturelle Verbesserungen sind möglich, beispielsweise durch barrierefreie Zahnarztpraxen, die Organisation der Transporte oder Behandlungsräume in größeren Pflegeeinrichtungen. Zudem sollten die in Pflegeeinrichtungen tätigen Personen für die zahnmedizinischen Belange von Pflegebedürftigen weiter sensibilisiert und qualifiziert werden. Hierzu gehören sowohl Mundhygieneschulungen für Pflegekräfte als auch die Formulierung von Leitlinien zum zahnärztlichen Umgang mit Pflegebedürftigen. Die Punktwerte für die Abrechnung der zahnmedizinischen Leistungen sollten so veranschlagt sein, dass es keinen finanziellen Anreiz gibt, Pflegebedürftige zu vernachlässigen.

Zwanzig Jahre Pflegeversicherung sind eine Erfolgsgeschichte

Am 26. Mai 1994 wurde das Pflegeversicherungsgesetz beschlossen. In diesem Jahr kann damit auf zwanzig Jahre Pflegeversicherung zurückgeblickt werden. Dieser Rückblick macht deutlich, wie stark sich die Situation durch die Pflegeversicherung verbessert hat: die Pflegeinfrastruktur wurde ausgebaut, die öffentlichen Mittel für diesen Bereich erhöht, die Sozialhilfeausgaben sind ebenso gesunken wie die Zahl und der Anteil der pflegebedingten Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger und auch die Qualität der Pflege erfährt heute eine weit höhere Aufmerksamkeit als vor zwanzig Jahren. Vor allem wurde das Pflegerisiko als allgemeines Lebensrisiko anerkannt, das einer sozialstaatlichen Bearbeitung bedarf. Damit hat sich die deutsche Pflegeversicherung auch international zum Vorbild entwickelt.

Pflegevorsorgefonds ist fehlkonzipiert

Am 7. November 2014 wurde das Erste Pflegestärkungsgesetz verabschiedet. Es enthält sinnvolle Leistungsausweitungen, eine moderate Leistungsdynamisierung und den Pflegevorsorgefonds. Im letzteren sollen in den nächsten zwanzig Jahren Rücklagen gebildet werden, die anschließend gestreckt über einen Zeitraum von wiederum gut zwanzig Jahren der Pflegeversicherung zugutekommen. Dadurch sollen Beitragssatzstabilität und Generationengerechtigkeit geschaffen werden. Dieser Pflegevorsorgefonds ist aber fehlkonzipiert: Erstens räumt selbst die zur Hüterin dieser Rücklage auserkorene deutsche Bundesbank ein, dass es nicht möglich ist, diese Rücklagen vor dem zukünftigen Zugriff des Finanzministers zu schützen. Zweitens wird der Beitragssatz für die Pflegeversicherung in den Jahren 2035 bis 2055, wenn der Fonds wieder der Pflegeversicherung zugutekommt, bei rund vier Prozent liegen. Eine Entlastung  in Höhe von 0,1 Beitragssatzpunkten ist dann relativ unbedeutend. Drittens ist der Fonds gerade dann leer, wenn der Beitragssatz sein Maximum erreicht. Aber nachfolgend geht der Beitragssatz nicht zurück, sondern wird relativ konstant auf hohem Niveau verharren. Eine temporäre Kapitalbildung ist daher nicht geeignet, um einen nachhaltigen Effekt hervorzurufen. Viertens ist eine Kapitalbildung in einem Sondervermögen zur Förderung der Generationengerechtigkeit ineffizient. Wenn die Last zukünftiger Generationen verringert werden soll, ist dazu die Staatsverschuldung abzubauen. Andernfalls kommt es zu einem Nebeneinander von Staatsverschuldung, für die Soll-Zinsen zu zahlen sind und einem Fonds mit niedrigeren Haben-Zinsen.

Zahl der Pflegebedürftigen steigt regional sehr unterschiedlich

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt seit Einführung der Pflegeversicherung kontinuierlich, und die demografische Entwicklung sorgt auch für die nächsten Jahrzehnte für weitere Steigerungen. Allerdings fallen diese regional unterschiedlich aus. Während sich die Zahl der Pflegebedürftigen von 2010 bis 2050 in Sachsen-Anhalt ‚nur‘ um 57 Prozent erhöht, liegt diese Steigerungsrate in Baden-Württemberg mit 113 Prozent ziemlich genau doppelt so hoch. Die Pflegebedürftigenzahl wird in den 2050er Jahren in elf Bundesländern insgesamt wieder rückläufig sein, während sie in den restlichen fünf weiter steigt. Auch eine sinkende Zahl an Pflegebedürftigen kann aber zu Versorgungsproblemen führen, wenn die Zahl der Erwerbstätigen gleichfalls sinkt und der Pflegenotstand so anhält.

Mehr Pflegeheimkapazitäten – mehr Pflegebedürftige im Heim

Ein Vergleich der Bundesländer zeigt enge Zusammenhänge zwischen Versorgungskapazitäten und -inanspruchnahme auf. In den Bundesländern, in denen es mehr Heimplätze pro Pflegebedürftige gibt, findet sich auch tendenziell ein höherer Anteil Pflegebedürftier, die im Pflegeheim versorgt werden. Ein höheres Angebot schafft sich somit seine Nachfrage. Besonders drastisch zeigt sich dieser Angebotseffekt in Schleswig-Holstein: Je 100 Pflegebedürftige werden dort 48,4 Heimplätze vorgehalten (Bundesdurchschnitt: 33,2). In Pflegeheimen in Schleswig-Holstein werden 40,6 Prozent der Pflegebedürftigen versorgt (Bundesdurchschnitt: 29,7 %). Allerdings wird das höhere Angebot nicht eins zu eins in Anspruch genommen. Ein höheres Angebot geht tendenziell mit einer geringeren Auslastung einher.

Wer zahlt für die Pflegebedürftigkeit?

Die Pflegeversicherung ist keine Vollversicherung. Nur ein Teil der anfallenden Pflegeleistungen und der mit der Pflegebedürftigkeit einhergehenden Aufwendungen werden von der Pflegeversicherung getragen. Die Soziale Pflegeversicherung trägt einen Anteil von 54,7 und die Private Pflegeversicherung 1,9 Prozent der monatlichen Gesamtausgaben. 35,2 Prozent werden privat getragen und weitere 7,7 Prozent durch die Sozialhilfe übernommen.

Regionale Unterschiede in der geriatrischen Rehabilitation und Frührehabilitation deuten auf deren Wirksamkeit hin

Die geriatrische rehabilitative Versorgung in den einzelnen Bundesländern ist unterschiedlich ausgeprägt. In den einen Bundesländern wird ausschließlich auf geriatrische Versorgung im Krankenhaus gesetzt, in anderen ist sie in Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen besonders weit verbreitet und in wiederum anderen sind die Angebote in beiden Bereichen unterdurchschnittlich. Die beiden Länder mit den meisten Betten in geriatrischen Einrichtungen der Vorsorge- und Rehabilitation, Bayern und Saarland, haben auch die geringste Pflegeeintrittswahrscheinlichkeit. Von den sechs Bundesländern mit den meisten Betten in diesen Einrichtungen, das sind Saarland, Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen, haben fünf unterdurchschnittliche Eintrittsraten in die Pflegebedürftigkeit. Dies kann als Hinweis auf die Wirksamkeit geriatrischer Rehabilitation interpretiert werden.

Download: 
BARMER GEK Pflegereport 2014
BARMER GEK Pflegereport 2014 Pressemappe


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. Rainer Unger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58553
E-Mail: rainer.unger@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de