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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Ungleichheitsdynamiken in Wohlfahrtsgesellschaften".

Prof. Dr. Karin GottschallProf. Dr. Karin Gottschall
Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialforschung (FIS)" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales stellt dem SOCIUM 1,1 Millionen Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung.

Großer Erfolg für das SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen: Der Antrag der Bremer Soziologieprofessorin Karin Gottschall beim Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialforschung" für die Einrichtung der Stiftungsprofessur "Lebenslauforientierte Sozialpolitik" wurde bewilligt. Das FIS finanziert die im Fachbereich Sozialwissenschaften und am SOCIUM angegliederte Professur mit Ausstattung für die kommenden fünf Jahre mit 1,1 Millionen Euro. Die neue Professur wird sich in Forschung und Lehre auf den Zusammenhang von Erwerbsbiographien, Sozialpolitik und sozialer Ungleichheit konzentrieren.

Risiken im Lebensverlauf
Der deutsche Arbeitsmarkt ist durch eine seit Jahrzehnten anhaltend hohe Arbeitslosigkeit einzelner Arbeitsmarktgruppen und die Zunahme unsicherer Beschäftigungsverhältnisse gekennzeichnet. Die Vorstellung eines ununterbrochenen Erwerbsverlaufs bis zum Renteneintritt scheint immer unrealistischer, ein Thema, das unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren zunehmend prägen wird. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Stiftungsprofessur liegen bei neuen und alten Risiken veränderter Erwerbsverläufe und Lebensformen. Darüber hinaus wird sie sich mit den Wirkungen jüngerer sozialpolitischer Reformen in Arbeitsmarkt und Alterssicherung in Deutschland und im internationalen Vergleich auseinandersetzen. Dabei werden spezifische Gruppen - wie Frauen, Personen mit Migrationshintergrund, Erwerbsgeminderte oder Alleinselbständige - in den Blick genommen und der individuelle und gruppenspezifische Umgang mit sozialen Risiken im Lebensverlauf wie auch der alltäglichen Lebensführung untersucht.

Die Professur will zugleich sozialwissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zu kontrovers diskutierten gesellschaftlichen Fragen wie etwa Lebensstandardsicherung und Armutsrisiken bereitstellen und einen Beitrag zu einer lebenslauforientierten und nachhaltigen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik leisten. Damit fördert die Ausrichtung der Professur die am SOCIUM etablierte Einheit von Sozialpolitikforschung und soziologischer Ungleichheitsforschung und ermöglicht eine weitere Profilierung interdisziplinärer vergleichender Wohlfahrtsstaatsforschung an der Universität Bremen.

Das Bremer SOCIUM
Das SOCIUM ist bundesweit das einzige sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut, das Fragen von Ungleichheit, Sozialpolitik sowie deren gesellschaftliche und politische Wechselwirkungen empirisch wie theoretisch untersucht. Der Fokus der Arbeit liegt auf der fächerübergreifenden Forschung zu den sozialen, ökonomischen, politischen, kulturellen, organisatorischen, rechtlichen, historischen und sozial-medizinischen Bedingungen.

Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung"
Das 2016 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales eingerichtete Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung" finanziert Forschergruppen, Forschungsprojekte und Stiftungsprofessuren und fördert damit innovative Ansätze in der Sozialpolitikforschung.

Weitere Informationen: Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung"


Kontakt:
Prof. Dr. Karin Gottschall
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58595
E-Mail: karin.gottschall@uni-bremen.de

Dietrich Milles und Céline Teney veröffentlichen ihre aktuellen Forschungsergebnisse.

Im Wissenschaftsblog "Impulse" der Universität Bremen veröffentlichen Autorinnen und Autoren ihre aktuellen Forschungsergebnisse. "Impulse" bietet jetzt zwei neue Beiträge an. Dietrich Milles, Professor am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik und Dr. Ulrich Meseck aus dem Fachbereich Kulturwissenschaften erläutern, was beim Thema Inklusion durch Bewegung, Sport und Spiel alles möglich ist. In einer Kooperation zwischen Werkstatt Bremen (Martinshof), der AOK Bremen-Bremerhaven und der Universität Bremen haben sie eine bundesweit bisher einmalige Studie durchgeführt. Fünf Jahre lang untersuchten sie mit ihrem Team in den Werkstätten, wie Menschen mit Behinderungen effektiv gefördert und sportlich aktiviert werden können. Dabei haben die Wissenschaftler vorhandene Spiel- und Sportkurse koordiniert, weiterentwickelt und evaluiert. In ihrem Beitrag beschreiben sie detailliert die Effekte.

Was führt Mediziner aus der EU nach Deutschland?

Migrationsmotive von Ärztinnen und Ärzten, die aus der Europäischen Union nach Deutschland kommen, untersucht Céline Teney mit ihrer Kooperativen Nachwuchsgruppe am SOCIUM der Universität Bremen. 1500 Humanmediziner, die seit 2003 nach Deutschland umzogen, wurden nach ihren Beweggründen befragt. Die Soziologinnen veröffentlichen im Wissenschaftsblog "Impulse" nun ihre Zwischenergebnisse. Die stabile wirtschaftliche Lage in Deutschland, gute Bezahlung und bessere berufliche Perspektiven sind Hauptgründe für die Migration der fachlichen Eliten. Die Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird, listet die Migrationsmotivation nach osteuropäischen und nordwesteuropäischen Ländern auf und stellt die Unterschiede dar.

Weitere Informationen: Wissenschaftsblog der Universität Bremen


Kontakt:
Prof. Dr. phil. Dietrich Milles
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58562
E-Mail: milles@uni-bremen.de

Prof. Dr. Céline Teney
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58644
E-Mail: celine.teney@uni-bremen.de

Ruud Koopmans zum Jour Fixe im SOCIUM.

Am Montag, den 14.11.2016, hatte das SOCIUM im Rahmen seiner Jour Fixe-Vortragsreihe Ruud Koopmans vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zu Gast. Koopmans berichtete über seine jüngste Studie, für die 7.000 Menschen in sechs europäischen Ländern (Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Belgien, die Niederlande und die Schweiz) befragt wurden. Sein kontrovers diskutiertes Ergebnis: Die Beschäftigungsprobleme von Muslimen und ihre fehlende Einbindung in den Arbeitsmarkt haben weniger mit gesellschaftlicher Diskriminierung als vielmehr mit sozialen und kulturellen Faktoren zu tun.

Koopmans nannte dabei zu allererst mangelnde Sprachkenntnisse, traditionelle religionsgeprägte Wertvorstellungen und geringe interethnische Kontakte, die muslimischen Zuwanderern in Europa die Beteiligung am Arbeitsmarkt erschweren. Am offensichtlichsten sei dies bei der geringen Arbeitsmarktbeteiligung muslimischer Frauen, der das traditionelle Verständnis der Geschlechterrollen entgegenstehe.


Kontakt:
Prof. Dr. Céline Teney
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58644
E-Mail: celine.teney@uni-bremen.de

Keith Banting zum Vortrag im Jour Fixe des SOCIUM.

Kanada war bis in die 1990er Jahre - ganz im Gegensatz zu seinem südlichen Nachbar - ein typischer umverteilender Wohlfahrtsstaat. Doch spätestens seit den 2000er Jahren gehört das Land zusammen mit den USA und der Schweiz zu den am wenigsten umverteilenden Ländern der OECD-Welt. Keith Banting von der Queen’s University, Kingston, Ontario/Kanada unternahm es in seinem Vortrag nicht nur, diese überraschende Entwicklung zu belegen. Er offerierte zudem eine Erklärung: die Verschiebung der parteipolitischen Gewichte in den letzten 25 Jahren mit der Folge, dass bis in die jüngste Zeit hinein soziale Ungleichheit nicht zu einem öffentlich wichtigen Thema geworden ist.

Banting verwies darauf, dass in den letzten Jahren sowohl die Liberalen als auch die Konservativen und die Neuen Demokraten Sozialpolitik im weitesten Sinne als "Schutz der Mittelklasse" definiert hätten, was es allen drei erlaubt habe, sehr unterschiedliche Inhalte mit einer solchen Politik zu verbinden. Ungleichheit sei hier nur ein Thema unter vielen geblieben, so dass die kanadische Debatte zu diesem Thema sehr viel diffuser verlaufe, als dies in Kontinentaleuropa der Fall sei.


Kontakt:
Prof. Dr. Céline Teney
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58644
E-Mail: celine.teney@uni-bremen.de