Vergleichende Politische Ökonomie

Die Arbeitsgruppe untersucht die politische Ökonomie des Wohlfahrtsstaates insbesondere der OECD-Staaten. Dabei geht es um die Analyse des wohlfahrtsstaatlichen Institutionengefüges unter den Bedingungen sich wandelnder politischer Systeme und ökonomischer Problemlagen seit dem Beginn der Industrialisierung. Ein besonderer Fokus liegt auf der Untersuchung der Wirkung des politischen Systems auf die wirtschaftlichen Performanzprofile moderner Ökonomien. Zum anderen geht es um die Rückwirkungen des Wohlfahrtsstaates auf den Parteienwettbewerb und das Parteiensystem. Mithilfe vorwiegend quantitativer Methode werden so das historische und gegenwärtige Zusammenspiel zwischen den Sphären wirtschaftlicher Produktion, politischen Wettbewerbs und sozialer Protektion untersucht.

Derzeitige Forschungsprojekte umfassen die Effekte von Wohlfahrtsstaatstransformationen auf Parteiensysteme und Parteienwettbewerb, die langfristige Nationalisierung ökonomischer Interessenvertretung vom 19. zum 20. Jahrhundert, die Entwicklung der deutschen Politischen Ökonomie in der Eurozone, die Auswirkungen der ersten Welle der Globalisierung 1870-1914 für die komplementäre Wohlfahrtsstaatsentwicklung in Westeuropa und Nordamerika, und die Effekte von langfristigen parteipolitischen Koalitionsmustern für die Entwicklung  des Wohlfahrtsstaates.

In historischen wie zeitgenössischen Untersuchungen werden in den Projekten der Arbeitsgruppe die folgenden Themenbereiche analysiert:

  • die Effekte von Industrialisierung und Tertiarisierung auf die Sozialpolitik westlicher Staaten;

  • politische Vermittlungsmechanismen über die alte und neue gesellschaftliche Interessen in wohlfahrtsstaatliche Politiken übersetzt werden;

  • das Zusammenspiel von Sozial- und Steuerstaat;

  • die Auswirkungen des Sozialstaatswandels auf den Parteienwettbewerb und das Wahlverhalten, sowie auf den Wandel gesellschaftlicher Spaltungslinien - Kapital/Arbeit und Staat/Kirche;

  • die Auswirkungen dieses Wandels auf politische Mehrheitsbildung.

Politische Repräsentation und empirische Demokratieforschung

In verschieden Studien werden die Effekte politischer Institutionen auf die demokratische Willensbildung untersucht. Welche Institutionen begünstigen bestimmte Formen demokratischer Entscheidungen und Repräsentation? Was sind die Implikationen demokratischer Entscheidungsregeln für Umverteilung und Wohlfahrtsstaat. Besondere Betonung liegt dabei auf den Effekten von Wahlregeln und Regierungsbildungen auf die Delegation demokratischer Entscheidungen.

Folgen des Sozialstaatsumbaus für den Parteienwettbewerb

Ein Projekt untersucht die Auswirkungen des Umbaus des Sozialstaates auf die Parteipräferenzen der Wählerschaft und die gesellschaftliche Sozialstruktur. Es wird untersucht wie diese Veränderungen mittelbar das Parteiensystem beeinflussen. Dazu wird zum einen die Veränderung des Wahlverhaltens von Frauen analysiert und zum anderen die programmatische Neuausrichtung der Parteien in der Sozialpolitik untersucht.

Politischer Wettbewerb im Kaiserreich

Historische Studien auf die formative Phase des modernen Sozial- und Interventionsstaats und auf die politischen Ursachen der Ausbildung distinkter Politischer Ökonomien bzw. Spielarten des Kapitalismus. In einem Projekt der Arbeitsgruppe wird der politische Wettbewerb in Wahlen und die Koalitionsbildung in der Gesetzgebung im Reichstag für das Kaiserreich untersucht.

Erhebung politikwissenschaftlicher Daten

Die Erforschung dieser Zusammenhänge erfordert vor allem die systematische Datensammlung im Bereich der parteipolitischen Parlaments- und Regierungszusammensetzung. Dazu wird in der Arbeitsgruppe die neue politikwissenschaftliche Dateninfrastruktur ParlGov (Parliament and Government Composition Database) zur Verfügung gestellt und fortentwickelt. Darüber hinaus erfolgt die systematische Zusammenstellung von sozio-ökonomischen Determinanten des Wahlverhaltens, um langfristigen Wandel in den gesellschaftlichen Interessenlagen und im politischen Partizipationsverhalten erforschen zu können.