Archiv

Mitteilungen des SOCIUM seit 2015, aber auch ältere Mitteilungen aus dem ZeS und EMPAS aus den Jahren 2014 bis 2008.

News filtern
SuchErgebnis:
Naegler/Wehkamp (2018) Medizin zwischen Patientenwohl und ÖkonomisierungNaegler/Wehkamp (2018) Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung
Eine einmalige qualitative Studie zum Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Patientenwohl, mit praxisbezogenen Empfehlungen für mehr Transparenz in den Krankenhäusern.

Was bestimmt im Krankenhaus: Medizinische Vernunft oder ökonomische Zwänge?

Stehen die Patienten im Krankenhaus wirklich mit ihren gesundheitlichen Sorgen im Mittelpunkt? Sind die Steigerungen der Fallzahlen und die Komplexitätsgrade von Erkrankungen nur auf medizinische Gründe zurückzuführen? Oder sind diese Entwicklungen Ausdruck eines "Ökonomisierungsprozesses", in dem medizinische Indikationen mit wirtschaftlichen Interessen vermengt werden? Welchen Einfluss haben die Finanzierungs- und Steuerungskonzepte des Gesundheitssystems auf Inhalte und Charakter der Medizin in Krankenhäusern?

Die Autoren des vorliegenden Buches - der eine Arzt, der andere Ökonom - befragten im Rahmen einer qualitativen Studie Ärzte und Geschäftsführer deutscher Krankenhäuser, inwieweit medizinische Entscheidungen durch andere Interessen als die der Patienten beeinflusst werden. Die zusammengefassten Ergebnisse zeigen die Dilemmata auf, denen Geschäftsführer und Ärzte ausgesetzt sind, wenn sie zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Krankenhäuser Gewinne erzielen sollen: Das Patientenwohl rückt aus dem Fokus medizinischer und unternehmerischer Entscheidungen im Krankenhaus. Die Zahl der aufgenommenen Patienten steigt, Indikationen und Ablauf von Behandlungen werden ausgedehnt.

Diese Entwicklungen sind nicht nur für die Patienten bedenklich, auch der Arbeitsplatz Krankenhaus verliert für Mediziner und Pflege an Attraktivität. Die Autoren geben Ausblicke und Empfehlungen, inwiefern sich dies umkehren ließe. Krankenhäusern sollte der Druck genommen werden, für ihre Zukunftssicherung gewinnorientiert verhandeln zu müssen und das Patientenwohl sollte wieder ausschließliches Kriterium für medizinische Entscheidungen werden.

Weitere Informationen:
Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft


Kontakt:
Prof. Dr. Karl-Heinz Wehkamp
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 160 90331191
E-Mail: karl.wehkamp@uni-bremen.de

Professor Heinz RothgangProfessor Heinz Rothgang
Ergebnisse zur Entwicklung der Fachkräfteengpässe in den Gesundheitsberufen in Bremen wurden öffentlich vorgestellt.

Im Auftrag der Gesundheitssenatorin hat ein Forschungsteam des SOCIUM - bestehend aus Kai Huter, Rebecca Runte und Rolf Müller unter der Leitung von Heinz Rothgang im Auftrag der Gesundheitssenatorin - die aktuelle und zukünftige Situation für insgesamt neun nicht-ärztliche Pflegeberufe untersucht.  Ausgehend von einer detaillierten Erhebung der aktuellen Situation in diesen neun Berufen wurde ein Projektionsmodell zur Abschätzung des zukünftigen Fachkräfteangebotes und der -bedarfe entwickelt. Mit den Ergebnissen des Gesundheitsberufe-Monitorings liegen nun erstmals konkrete Daten vor, mit denen sich der voraussichtliche Bedarf und die unter Status quo-Bedingungen entstehende Personallücke bis 2035 abschätzen lässt.  
Bei den betrachteten Gesundheitsberufen handelt es sich um die fünf pflegerischen Gesundheitsberufe der Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, Gesundheits- und Krankenpflegehilfe, Altenpflege und Altenpflegehilfe sowie die therapeutischen Gesundheitsfachberufe der Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und um die Hebammen.

Zentrale Ergebnisse des Berichtes
Der Bericht zeigt auf, dass für die Gesundheits- und Krankenpflege, die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie für die Altenpflegehilfe und Gesundheits- und Krankenpflegehilfe die Absolventenzahlen gegenüber dem aktuellen Stand deutlich erhöht werden müssten, um dem steigenden Bedarf nachkommen zu können. Die aktuellen Absolventenzahlen sind nicht einmal annähernd ausreichend, um den Beschäftigtenstand in den nächsten Jahren konstant halten zu können.
Die Bedarfsentwicklung für die therapeutischen Gesundheitsberufe und die Hebammen ist deutlich schwieriger abzuschätzen als für die Pflegeberufe. Für die Ergotherapie, die Physiotherapie und die Hebammen ist zu erwarten, dass der Bedarf an Fachkräften in den nächsten Jahren allein aus den Schulen des Landes nicht gedeckt werden wird. Insbesondere in der Physiotherapie und bei den Hebammen müssten die Absolventenzahlen deutlich erhöht werden. Gleichzeitig ist es insbesondere für die Schulen der Therapieberufe - angesichts sehr niedriger Bewerberzahlen - schon aktuell schwierig, die bestehenden Plätze auch zu besetzen.
Deutlicher Handlungsbedarf zeigt sich auch an den Schulen der Gesundheitsfachberufe. Ein großer Teil der Schulen berichtet bereits aktuell über Schwierigkeiten, qualifiziertes Lehrpersonal zu rekrutieren. Gleichzeitig wird gerade bei den Lehrkräften in den nächsten Jahren der allein altersbedingte Ersatzbedarf hoch sein.

Download
Bericht des Gesundheitsberufe-Monitorings
Pressemitteilung der Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz, anlässlich der Pressekonferenz am 30.04.2018
Statement von Prof. Heinz Rothgang, anlässlich der Pressekonferenz am 30.04.2018


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dipl. Soz. Kai Huter
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58547
E-Mail: huter@uni-bremen.de

Länger besser leben.-InstitutLänger besser leben.-Institut
Dies ist das Thema des ersten "Länger besser leben."-Kongresses der Universität Bremen und der BKK24 am 26.4.2018 in Hannover.

Trotz des bereits im Juli 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetzes wird das Potenzial von Prävention noch zu wenig genutzt. Dabei wird schon seit langer Zeit gefordert, die 4. Säule in unserem Gesundheitssystem neben der Behandlung, der Rehabilitation und der Pflege weiter auszubauen und zu stärken. Dazu will der Kongress des "Länger besser leben."-Institutes, einer seit 2016 bestehenden Kooperation der Universität Bremen und der Krankenkasse BKK24 zur Förderung von Prävention und Gesundheit, einen erkennbaren Beitrag leisten.

Es bereitet Ansätze und Ergebnisse der "Länger besser leben"-Gesundheitsinitiative der BKK24 (auf Basis der epic-Norfolk Studie) wissenschaftlich auf, entwickelt Aktivitäten, begleitet, fördert und implementiert innovative Gesundheits- und Präventionskonzepte auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse - nach der Maßgabe, dass die Wirksamkeit der Maßnahmen zumindest gesichert oder vielversprechend ist.

In diesem Kontext thematisiert der Kongress "Prävention stärken!" das gesundheitspolitische und gesundheitsökonomische Potenzial von Prävention und verknüpft dieses Ziel mit übergeordneten politischen Public-Health-Aspekten. Es geht um die Evaluation bisheriger Maßnahmen, z. B. bei der Behandlung von Diabetes und Adipositas, um die Entwicklung neuer Konzepte und um einen verbesserten Ergebnistransfer in die Öffentlichkeit.

Steigende Lebenserwartung, zunehmende Dominanz von chronischen Erkrankungen und durch Bildungsstandards und Sozialstatus bedingte Ungleichheiten in der Chancenverteilung für ein gesundes und langes Leben bestimmen die Rahmenbedingungen der Entwicklung der Gesundheit in Deutschland. In diesem Zusammenhang kann Prävention zu einer bestimmenden und bedeutenden Einflussgröße moderner Gesundheitssicherung auf medizinischer, politischer und ökonomischer Ebene werden. Die Nutzung präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen soll

  • die Ungleichheit von Gesundheitschancen reduzieren,

  • die Krankheitshäufigkeit in unserer Gesellschaft verringern,

  • die Dauer von Morbidität in unserer Gesellschaft längeren Lebens verkürzen ("compression of morbidity")

  • und sich damit auf Dauer auch kostendämpfend auf das Gesundheitssystem auswirken.

"Prävention kann auf Dauer die Ausgaben für die Behandlung bestimmter Krankheiten senken - ein wichtiger Aspekt für die Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitssystems. Dieses Potenzial wird in Bezug auf gesundheitsökonomische Aspekte und die Lebensqualität der Bevölkerung noch immer zu wenig wahrgenommen.", so Prof. Dr. Gerd Glaeske, der wissenschaftliche Leiter des "Länger besser leben."-Institutes und Veranstalter des Kongresses.

Nachdem das Augenmerk der Gesundheitspolitik in den vergangenen Jahren vornehmlich der kurativen Medizin gegolten hat, sind nun Bestrebungen zu erkennen, die zwischenzeitlich belegten Möglichkeiten der Prävention zu nutzen und systematisch auszubauen. Diese Entwicklung ist zu begrüßen, da die vorliegenden Erkenntnisse zeigen, dass eine Fokussierung auf den kurativen Bereich ("Reparaturmedizin") nicht nur Ineffizienzen fortschreibt, sondern auch Behandlungsbelastungen für Patientinnen und Patienten, vorzeitige Erkrankung und Tod nach sich zieht. Dies könnte durch eine frühzeitig begonnene und wirksame Präventions- und Gesundheitsförderungsstrategie verhindert werden. Die Verbindung von Prävention und Gesundheitsförderung ist letztlich eine wirkungsvolle Strategie, die Gesundheitspotenziale der Bevölkerung auszuschöpfen und einen Beitrag zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheit sowie zu einer Verringerung der Inanspruchnahme des gesundheitlichen Versorgungssystems zu leisten. Prävention trägt somit individuell und gesellschaftlich zu mehr Wohlbefinden und Lebensqualität bei.

BKK24-Vorstand Friedrich Schütte sieht mit der skizzierten Ausrichtung des "Länger besser leben."-Instituts und der Zielrichtung des Präventionskongresses eine "Investition in die Zukunft" mit nachhaltigen Vorteilen für eine "verbesserte Versorgungsqualität" und für "geringere Leistungsausgaben".

Auch der Geschlechteraspekt scheint bei der Gesundheitsförderung mittlerweile auf allen Ebenen angekommen zu sein, nicht zuletzt im Präventionsgesetz: "Bei den Leistungen der Krankenkassen ist geschlechtsspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen" - bei der Prävention und allen weiteren Aktivitäten der gesetzlichen Krankenkassen. Prof. Dr. Petra Kolip, Professorin für Prävention und Gesundheitsförderung an der Universität Bielefeld, betont, dass in der Praxis die Berücksichtigung des Geschlechts ein zentraler Indikator für Zielgruppengerechtigkeit sein sollte: "Es wäre zu wünschen, dass die einschlägigen Akteure die Umsetzung des Präventionsgesetzes auch in diesem Punkt ernst nehmen. Der Qualitätssprung wäre vermutlich groß."

Download:
Pressemitteilung und Pressemappe
zum "Länger besser leben."-Kongress der Universität Bremen und der BKK24 am 26. April 2018

Präsentationen:
Thomas Altgeld und Prof. Dr. Petra Kolip
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann
Prof. Dr. Bärbel-Maria Kurth
Prof. Dr. Hans Hauner
Prof. Dr. Rolf Rosenbrock
Prof. Dr. Gerd Glaeske

Weitere Informationen:
"Länger besser leben."-Institut 


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

DFG fördert Infrastrukturprojekt mit 1 Million Euro.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt die Implementation von QUALISERVICE als Datenservicezentrum (DSZ) für qualitative sozialwissenschaftliche Forschungsdaten. Damit ist der Weg geebnet, dass Sozialforscherinnen und Sozialforscher in Deutschland erstmals eine verlässliche Anlaufstelle erhalten, um Interviewdaten archivieren und für die Sekundärnutzung in Forschung und Lehre anfordern zu können.

QUALISERVICE ist am SOCIUM angesiedelt und wird von Prof. Dr. Betina Hollstein geleitet. Als informationstechnischer Projektpartner konnte der vom MARUM und dem Alfred-Wegener-Institut gemeinschaftlich betriebene PANGAEA - Data Publisher for Earth & Environmental Science gewonnen werden. Weitere Projektpartner sind die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen (SuUB) und das GESIS Leibniz Institut für Sozialwissenschaften, Köln für die wechselseitige Darstellung von Mixed-Methods-Daten.

Die Wurzeln des Projekts reichen bis zum ersten sozialwissenschaftlichen Bremer Sonderforschungsbereich 186 "Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf" (1989-2001). Die im Rahmen des SFB durchgeführten, mehreren hundert Interviews wurden zunächst im "Archiv für Lebenslaufforschung" archiviert, um sie für zukünftige Nutzungen zu sichern. 2011 wurde das "Archiv für Lebenslaufforschung" zu QUALISERVICE, das zwischen 2011 und 2014 in einer ersten Projektphase von der DFG gefördert wurde. Ziel des nun bewilligten, auf drei Jahre angelegten, interdisziplinären Verbundprojekts ist die Verstetigung als nationale Regeleinrichtung.

Die Maßnahmen im Rahmen des Infrastrukturprojekts umfassen neben der Einrichtung eines Safe Centers zur vertraulichen Datenaufbereitung und der Implementation der Langzeitarchivierung die Weiterentwicklung des Anonymisierungstools, die Einrichtung des Servicezentrums mit Suchportal, Datenabgabedienst und Helpdesk, den Aufbau der Geschäftsstelle sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung und den Austausch mit der Scientific Community.

Weitere Informationen über QUALISERVICE


Kontakt:
Prof. Dr. Betina Hollstein
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58512
E-Mail: betina.hollstein@uni-bremen.de

Susanne Kretzer
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58616
E-Mail: skretzer@uni-bremen.de

Professor Stephan LeibfriedProfessor Stephan Leibfried
Wir trauern um Stephan Leibfried, der völlig überraschend und für alle unfassbar mitten aus der täglichen Arbeit gerissen wurde.

Was er für uns persönlich, seine Kolleginnen und Kollegen, für die Institution SOCIUM, für die Universität Bremen bedeutet hat, ist in wenigen Sätzen nicht zu fassen. Seit 1974 Professor an der Universität Bremen, gehörte er 1979 zu den Gründern des interdisziplinären Forschungsschwerpunktes Reproduktionsrisiken, Soziale Bewegungen und Sozialpolitik, der zu einem Vorläufer des 1988 gegründeten, ebenfalls interdisziplinären Zentrums für Sozialpolitik (ZeS) wurde. Im ZeS baute er die Abteilung "Institutionen und Geschichte des Wohlfahrtsstaates" auf und er war dann 2015 mit dabei, als das ZeS Teil des neuen SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik an der Universität Bremen wurde.

Stephan Leibfrieds Persönlichkeit ist mit wesentlichen Erfolgen der Bremer Sozialwissenschaften beim Gestalten von Forschungsprojekten und dem Einwerben von Drittmitteln verbunden. Er zählte zu den Initiatoren und Projektleitern des ersten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1989-2001 an der Bremer Universität finanzierten Sonderforschungsbereichs "Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf" (SFB 186) und gehörte zur Initiativgruppe um Michael Zürn und Bernhard Peters, die den von 2003 bis 2014 geförderten Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel" (SFB 597) aus der Taufe hoben. Ab 2004 war er zudem dessen Sprecher. Der jüngste Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" (SFB 1342), der seit Anfang dieses Jahres arbeitet, sah ihn schließlich als aktiven Ratgeber und hilfreichen Unterstützer.

Stephan Leibfried war mit dabei, als 2001 die Graduate School of Social Sciences (GSSS) mit Mitteln der VolkswagenStiftung als Gemeinschaftsinstitution von Universität Bremen und Jacobs University Bremen zur Ausbildung der sozialwissenschaftlichen Doktorandinnen und Doktoranden ins Leben gerufen wurde. Diese ging dann 2007 in die aus Mitteln der Exzellenz-Initiative geförderte Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) über. Auch an den dafür notwendigen Anträgen, die der Universität Bremen den begehrten Status einer Exzellenzuniversität erwarben, beteiligte er sich mit großer Intensität.

Stephan Leibfried hat die internationale Kooperation in den Sozialwissenschaften immer gefördert und gelebt, er war Gastprofessor an vielen in- und ausländischen Universitäten, zudem Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Sekretar deren Sozialwissenschaftlicher Klasse, Mitglied in den wissenschaftlichen Beiräten unter anderem des Wissenschaftszentrums Berlin und des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, Köln, sowie Träger des Schader-Preises 2014.

Wir, das SOCIUM, die BIGSSS, die Mitwirkenden in den sozialwissenschaftlichen Sonderforschungsbereichen, die Universität Bremen verlieren in ihm nicht nur einen unermüdlichen Ideengeber und universitären Forschungsmanager, sondern darüber hinaus einen Kollegen, der frühzeitig die soziologische und politikwissenschaftliche Bedeutung der Sozialpolitik erkannt und wichtige Impulse für deren Erforschung im Kontext der Europäischen Union geliefert hat. Dass er darüber hinaus immer die Bedeutung der Sozialpolitik für das tägliche Leben vieler Menschen im Blick hatte, macht seinen Tod für uns umso schmerzlicher. Wir trauern um einen außergewöhnlichen Menschen, Forscher und Kollegen, einen großen Anreger und lebensfrohen Menschen. Stephan Leibfried hätte nicht gewollt, dass wir ob seines Todes in unserer Arbeit innehalten. In der Erinnerung an diesen bedeutenden Kollegen bleibt uns seine Leistung Ansporn für die Zukunft.

Sprecher, Vorstände sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SOCIUM, BIGSSS, SFB 1342 sowie dem ehemaligen ZeS und den ehemaligen SFBs 186 und 597

Professor Heinz RothgangProfessor Heinz Rothgang
Hauptstudie zur Mortalitätsevaluation des deutschen Mammographie Screening-Programms unter Beteiligung des SOCIUM gestartet.

Zur Früherkennung von Brustkrebs nehmen jährlich mehr als 2.850.000 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren am deutschen Mammographie-Screening-Programm (MSP) teil. Ob und in welchem Umfang das in Deutschland seit 2009 flächendeckend implementierte MSP zu einer Reduzierung der Brustkrebsmortalität beiträgt, wird gegenwärtig im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) überprüft. Nach erfolgreichem Abschluss der Machbarkeitsphase (Laufzeit: Juli 2012 bis September 2016) wird seit Januar 2018 im ersten Teil der Hauptphase eine Datengrundlage geschaffen, auf deren Basis im zweiten Teil der Hauptphase Analysen zur Evaluation des deutschen MSP durchgeführt werden.

Am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen wird unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Rothgang und Jonas Czwikla im Modell Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Zusammenarbeit mit der BARMER sowie in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS eine auf GKV-Routinedaten basierende Datengrundlage für die Mortalitätsevaluation des deutschen MSP aufgebaut.

Generalunternehmer des Forschungsvorhabens ist die Universität Münster. Weitere Unterauftragnehmer sind das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS (ebenfalls Modell GKV), das Landeskrebsregister NRW (Modell epidemiologische Krebsregister) und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (Modell klinische Krebsregister).

Finanziert wird das Vorhaben durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und die Träger der Kooperationsgemeinschaft Mammographie (KoopG). Das Fördervolumen des SOCIUM beträgt 350.970 €.

Weitere Informationen zur Hauptstudie und Machbarkeitsstudie.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Jonas Czwikla
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58633
E-Mail: czwikla@uni-bremen.de

Prof. Dr. Olaf Groh-SambergProf. Dr. Olaf Groh-Samberg
Interview mit Olaf Groh-Samberg von Fridolin Skala.

Jens Spahn provoziert mit seinen Aussagen zu Hartz IV. 
Im FAZ.NET-Interview widerspricht der Armutsforscher Olaf Groh-Samberg dem CDU-Politiker und zeigt Schwächen des Sozialsystems auf.
 
Weitere Informationen:
Interview veröffentlicht auf FAZ.NET am 13.03.2018:

"Unser Sozialstaat hat ganz empfindliche Probleme"


Kontakt:
Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-66440
E-Mail: olaf.grohsamberg@uni-bremen.de

Wissenschaftsschwerpunkt GesundheitswissenschaftenWissenschaftsschwerpunkt Gesundheitswissenschaften
Schwerpunktheft mit Beiträgen der Tagung des Wissenschaftsschwerpunktes Gesundheitswissenschaften.

Der Wissenschaftsschwerpunkt Gesundheitswissenschaften richtete im Juni 2017 die internationale Tagung "Altern, Gesundheit, Gerechtigkeit - Anforderungen an ein gerechtes Gesundheitssystem" aus.
Ergänzend zur Tagung ist jetzt - herausgegeben von den Sprecherinnen und Sprechern des Wissenschaftsschwerpunktes - ein Schwerpunktheft des International Journal of Environmental Research and Health mit dem Titel "Key Issues in Current Health Research: Ageing-Health-Equity" erschienen.

Neben Beiträgen zum Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Gesundheit sowie von sozialer Ungleichheit und gesundheitlicher wie auch pflegerischer Versorgung von älteren Menschen, umfasst das Schwerpunktheft auch die Diskussion methodischer Fragen, wie zum Beispiel die partizipatorische Einbeziehung älterer Menschen in die Forschung und die Notwendigkeit der interkulturellen Anpassung von Forschungsinstrumenten.

Weitere Informationen:
Die Beiträge stehen auf der Webseite des International Journal of Environmental Research and Health zum Download zur Verfügung.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Prof. Sonja DrobničProf. Sonja Drobnič
Universität Bremen erhält in den nächsten zwei Jahren 1,8 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Das deutsche Beziehungs- und Familienpanel (pairfam) erhebt seit 2008 Informationen über die Gründung, Etablierung, Gestaltung und Stabilität von Paarbeziehungen. Diese Daten sind eine wesentliche Grundlage für eine Vielzahl wichtiger und interessanter sozialwissenschaftlicher Untersuchungen. Im Dezember 2017 hat nun die Deutsche Forschungsgemeinschaft nicht nur zwei weitere Befragungswellen, sondern darüber hinaus auch die Aufstockung der Stichprobe um 6000 neue Personen bewilligt.

Untersucht werden die Entscheidung über das Ob und Wann der Geburt von Kindern, das Erziehungsverhalten und die kindliche Entwicklung, die Beziehung zwischen den Generationen, etwa der Austausch materieller Ressourcen und immaterieller Leistungen, sowie die soziale Einbettung von Partnerschafts- und Familienentwicklungsprozessen.

Den besonderen Erfolg dieser weltweit einzigartigen multidisziplinären Studie macht aus, dass Tausende von Einzelpersonen und Familien seit nunmehr zehn Jahren regelmäßig jedes Jahr Auskunft über ihre Situation in verschiedenen Lebensbereichen geben. Dadurch lassen sich Entwicklungen und Veränderungen über einen längeren Zeitraum dokumentieren. Und es können unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden, weil nicht nur Daten über einzelne Befragungspersonen, sondern auch über andere Familienmitglieder und deren Beziehungen zueinander erhoben werden.

pairfam ist ein Kooperationsprojekt mehrerer Universitäten, eine Struktur, die sich in inhaltlicher und organisatorischer Hinsicht in hervorragender Weise bewährt hat. Die Universität Bremen war von Anfang an mit Prof. Dr. Johannes Huinink als Mit-Initiator der Studie dabei. In der kommenden Runde wird pairfam gemeinsam von den Universitäten Bremen (Prof. Sonja Drobnič, PhD), Jena (Prof. Dr. Franz Neyer), Köln (Prof. Dr. Karsten Hank) und München (Prof. Dr. Josef Brüderl, Prof. Dr. Sabine Walper) durchgeführt.

Die pairfam Daten stehen der Fachöffentlichkeit für wissenschaftliche Analysen zur Verfügung und können über das GESIS-Institut bezogen werden.

Weitere Informationen: Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics (pairfam)


Kontakt:
Dr. Petra Buhr
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58539
E-Mail: buhr@uni-bremen.de

Prof. Sonja Drobnič
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-66360
E-Mail: sonja.drobnic@bigsss.uni-bremen.de

Timo Peter
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58542
E-Mail: timo.peter@uni-bremen.de

v.l.n.r.: Patricia Zauchner, Tanja Pritzlaff und Frank Nullmeier.v.l.n.r.: Patricia Zauchner, Tanja Pritzlaff und Frank Nullmeier.
Fortsetzung der Forschergruppe "Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren" von der DFG genehmigt.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Fortführung der Forschergruppe "Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren" (FOR 2104) für weitere drei Jahre bewilligt. Die Teilprojekte der Forschergruppe erhalten insgesamt rund 2,4 Millionen Euro. Sprecher der Forschergruppe ist Prof. Stefan Traub (vormals Universität Bremen, nun Helmut-Schmidt-Universität Hamburg).

In den insgesamt acht Teilprojekten, die an den Universitäten Bremen, Hamburg, Oldenburg, Wien (Österreich), der Jacobs University Bremen, der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (Schweiz) angesiedelt sind, wird in den kommenden drei Jahren an einer Theorie der Bedarfsgerechtigkeit gearbeitet, die sich auf experimentelle Untersuchungen stützen kann. Alle Teilprojekte sammeln mit Hilfe von Laborexperimenten Daten zum Verhalten von Versuchspersonen in besonderen Verteilungssituationen. Es wird also direkt beobachtet, was Menschen als gerechte Verteilung empfinden und an welchen Gerechtigkeitsmaßstäben sie ihr Verhalten ausrichten.

Die erste Förderphase (2015-2018) hat gezeigt, dass die Verteilung von Ressourcen nach gesellschaftlich anerkannten Bedarfen ein zentrales Handlungs- und Gerechtigkeitsprinzip in Verteilungssituationen darstellt. Bedarfsgerechte Steuer- und Transfersysteme sind im Allgemeinen widerspruchsfreier, politisch legitimer und stabiler und ökonomisch nachhaltiger als solche, die sich rein an Leistungsgerechtigkeit oder Gleichheit orientieren. Eine Besonderheit von FOR 2104 ist der interdisziplinäre Zuschnitt, der die Disziplinen Ökonomie, Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie und Soziologie umfasst und in den Teilprojekten jeweils zu Tandems verbindet. In der nun genehmigten zweiten Förderphase (2018-2021) wird geprüft, unter welchen Bedingungen von Bedarfsgerechtigkeit abgewichen wird oder eine Kombination verschiedener Gerechtigkeitskriterien zur Geltung kommt.

An der Universität Bremen ist das von Prof. Frank Nullmeier und PD Dr. Tanja Pritzlaff-Scheele (beide SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik) geleitete Teilprojekt "Bedarfe diesseits und jenseits der Grenzen. Experimentelle Untersuchungen zur Stabilität von Verfahren transnationaler bedarfsgerechter Verteilung" angesiedelt. Die wissenschaftliche Analyse von Gerechtigkeitsfragen hat sich daher seit einigen Jahren verstärkt der Frage der globalen Gerechtigkeit, der politischen Ethik der Migration und der Frage einer gerechten Entwicklungspolitik zugewandt.
Das politikwissenschaftliche Projekt untersucht drei verschiedene Szenarien: Die nationale Verteilungsarena verändert sich durch (1) ein größeres Maß an Immigration, (2) entwicklungspolitische Transfers an Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen oder (3) die Änderung der gesamten Produktionsweise in einem Hocheinkommensland, sodass sie die internationale Arbeitsteilung zugunsten anderer Länder verbessert. Die Fragen lauten:

  • Wie stabil sind Bedarfsbestimmungen und bedarfsgerechte Verteilungen in diesen drei Szenarien?
  • Welche Folgen für das Gerechtigkeitsempfinden hat die Aufnahme weiterer Personen in die Verteilungsgemeinschaft im Vergleich zur Einbeziehung von Transferzahlungen an Dritte oder die Veränderung der eigenen Produktionsweise zugunsten Dritter?


Weitere Informationen:

Website der Forschergruppe "Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren" (FOR 2104)


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de