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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Gesundheit, Pflege und Alterssicherung".

Cover Pflegereport 2018Cover Pflegereport 2018
Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2018 im Auftrag der BARMER.

Heute wurde im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz der diesjährige BARMER Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die Belastungssituationen und die Gesundheitszustände von Hauptpflegepersonen analysiert. Zudem wurden die Auswirkungen der jüngsten Pflegereformen auf die Versorgung der Pflegebedürftigen untersucht. Die Autoren Professor Dr. Heinz Rothgang und Dr. Rolf Müller liefern weiterhin vertiefende Untersuchungen zu Fallzahlen, Inzidenzen, Prävalenzen und Pflegeverläufen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik 2015, die Routinedaten der BARMER sowie eine eigens für das Schwerpunktthema durchgeführte Befragung von 1.862 Versicherten der BARMER.

Pflegegrade statt Pflegestufen führen zum Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen

Mit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade zum 1. Januar 2017 haben sich die Kriterien für die Zugangsberechtigung zu Versicherungsleistungen geändert. Die kognitiven Einschränkungen sind nun definitorischer Bestandteil der Pflegebedürftigkeit und die Zugangshürde zu Versichertenleistungen abgesenkt. Entsprechend ist mit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade die Zahl der positiven Begutachtungen deutlich gestiegen. Ausweislich der hochgerechneten BARMER-Daten stieg die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2015 und 2017 um 17,9 %. Davon entfallen knapp 13 Prozentpunkte auf die Steigerung bei Pflegegrad 1 und Pflegegrad 2.

Ausweitung des Leistungsanspruchs führt zu höheren Kosten

Reformbedingt gab es im Jahr 2017 Ausgabensteigerungen von rund 7 Milliarden Euro für die Soziale Pflegeversicherung. Dem stehen reformbedingte Mehreinnahmen von 2,8 Milliarden Euro gegenüber, was zu einem reformbedingten Defizit von 4,2 Milliarden Euro führt. Lediglich aufgrund des zuvor bestehenden Überschusses und der günstigen Entwicklung der Grundlohnsumme liegt das tatsächliche Defizit 2017 bei lediglich 2,4 Milliarden Euro.

Die Mehrzahl der Pflegebedürftigen wird von pflegenden Angehörigen versorgt

Rund 2,5 Millionen Pflegebedürftige wurden im Dezember 2017 durch eine Hauptpflegeperson versorgt. Zwei Drittel der Hauptpflegepersonen sind Frauen, ein Drittel Männer. Nur ein Drittel der Hauptpflegepersonen aus der BARMER-Versichertenbefragung 2018 hat eine aktuelle Erwerbstätigkeit angegeben. Allerdings hat ein Viertel angegeben, wegen der Pflege die Erwerbstätigkeit reduziert oder aufgegeben zu haben.

Die formelle und die informelle Unterstützung ist oft nicht ausreichend

Die Hauptpflegeperson muss in der Regel mehrere Aufgaben (beispielsweise Medikamentenversorgung, Unterstützung beim Essen, Unterstützung bei der Mobilität, Unterstützung beim Toilettengang) übernehmen. Sechs von zehn Hauptpflegepersonen wünschen sich in mindestens einem der 11 abgefragten Aufgabenbereiche weitere Hilfe. Neben dieser generellen Bedarfslage gibt es Probleme bei der Vertretung. Deutlich mehr als die Hälfte hat gar keine Möglichkeiten, jemanden zu finden, der sich eine oder mehrere Wochen um die pflegebedürftige Person kümmert, so dass die Hauptpflegeperson pausieren kann.
Häufig werden wegen hoher Kosten, vermuteter geringer Qualität, fehlender Angebote oder hohem Organisationsaufwand Angebote nicht genutzt. Es wird ein Bedarf deutlich, der aber aus Gründen der Angebotsstruktur oder des Aufwands nicht befriedigt werden kann. Dies betrifft bei der Tagespflege rund 378.000 (= 15,3 %), beim Pflegedienst 188.000 (= 7,6 %), bei der Kurzzeitpflege 437.000 (= 17,7 %) und bei den niedrigschwelligen Betreuungs- und Haushaltshilfen 379.000 (= 15,3 %) der Hauptpflegepersonen.

Hauptpflegepersonen sind häufig höher belastet und häufiger krank

Von den Hauptpflegepersonen kommen 87,5 % nach eigenen Angaben meistens oder immer gut mit der Pflege zurecht. Dennoch bekommt ein Großteil nicht genug Schlaf (38,0 %), fühlen sich 29,9 % der Hauptpflegepersonen in der Rolle als Pflegender gefangen, ist jedem Fünften (20,4 %) die Pflege häufig zu anstrengend, wirkt bei 22,7 % die Pflege negativ auf die Freundschaftsverhältnisse und hat jeder Fünfte (18,8 %) Zukunfts- und Existenzängste.
Pflegende Angehörige sind nicht nur kränker, sie werden auch durch die Pflege kränker. Psychische Leiden sind bei Hauptpflegepersonen mit 48,7 % im Dezember 2017 sehr häufig. In einer nach Alter und Geschlecht strukturgleichen nicht pflegenden Vergleichspopulation haben nur 42,5 % solche Diagnosen. Die Erkrankungshäufigkeit hat bei den Hauptpflegepersonen in den letzten fünf Jahren um 9,1 Prozentpunkte zugenommen und in der Vergleichsgruppe nur um 5,7 Prozentpunkte.

Zukunftsszenarien der Hauptpflegepersonen

Hochgerechnet ergibt sich aus der BARMER-Versichertenbefragung 2018 eine Gesamtzahl von mindestens 185.000 Hauptpflegepersonen, die kurz davorstehen, die Pflege einzustellen. Weitere über eine Million Hauptpflegepersonen wollen die Pflege nur fortsetzen, solange sich nichts an der Situation ändert. Da sich die Pflegesituation aber häufig im Zeitverlauf verschlechtert, kann auch für diese Gruppe nicht unterstellt werden, dass sie weiterhin die Pflege übernehmen. Insgesamt ist das eine bedrohliche Ausgangslage.
Hauptpflegepersonen wünschen sich weniger Bürokratie bei Antragstellungen, würden gern bei Fragen immer dieselbe Fachkraft kontaktieren, hätten gern eine bessere Aufklärung über die Leistungen der Pflegeversicherung und darüber, woher man Hilfe bekommt. Den Pflegenden mit einem Hilfebedarf ist es vor allem wichtig, zu wissen, woher sie Hilfe bekommen können. Hier zeigt sich Handlungsbedarf seitens der zentralen Akteure der Pflegelandschaft und der Politik.

Download:
BARMER Pflegereport 2018
Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz
Folienvortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de

Cover Innovationsreport 2018Cover Innovationsreport 2018
Mehr grüne Ampeln als in den letzten Jahren.

Der Innovationsreport wird seit 2013 jährlich von Professor Dr. Gerd Glaeske und Professor Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse (TK) herausgegeben. Dieser Report verbindet die Versorgungsforschung zur Arzneimitteltherapie mit den Beurteilungen neuer Arzneimittel, die drei Jahre zuvor erstmals angeboten wurden und die Frühbewertung des AMNOG-Verfahrens durchlaufen haben. Insofern bietet der Innovationsreport eine Art von "Spätbewertung" der Arzneimittel aus dem Jahr 2015 an. Die steigende Vermarktung von Orphan‐Arzneimitteln ist auch im diesjährigen Innovationsreport zu erkennen, ebenso wie der Trend zum frühzeitigen Markteintritt von Arzneimitteln. 

Der Innovationsreport 2018 beleuchtet die neuen Arzneimittel des Jahres 2015 auf dem deutschen Arzneimittelmarkt der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und unterzieht diese einer kritischen Bewertung. Viele Patienten, die an schwerwiegenden, bisher nur symptomatisch behandelbaren Krankheiten leiden, hoffen, durch die Entwicklung neuer Medikamente geheilt zu werden. Dabei geht es z.B. um neue Arzneimitteltherapien gegen die Alzheimerdemenz, die als Sonderkapitel im Innovationsreport 2018 beschrieben werden oder auch um neue Arzneimittel zur Behandlung bösartiger Erkrankungen. Gerade im erstgenannten Indikationsbereich gibt es immer wieder Informationen, die Hoffnungen auslösen, ein wirklicher therapeutischer Durchbruch ist aber bisher z.B. bei Arzneimitteln gegen Alzheimerdemenz nicht gelungen.

Insgesamt wurden 32 Wirkstoffe von 37 im Jahre 2015 neu eingeführten Arzneimitteln in den Innovationsreport 2018 aufgenommen. Im vorliegenden Innovationsreport 2018 wurden sieben positive (grüne Ampel) und 10 negative (rote Ampel) Bewertungen vergeben, der größte Anteil mit fast 50 % hatte zumindest einen partiellen Zusatznutzen (gelbe Ampel) zu verzeichnen.

Ein Drittel der neuen Arzneimittel entfiel auf die Gruppe der Orphan-Arzneimittel zur Behandlung seltener Krankheiten, unter denen nach der europäischen Definition nicht mehr als 5 Menschen pro 10.000 Einwohner leiden. Daneben wird aber auch deutlich, dass in der Versorgung mit Antibiotika oder bei den meisten "Sonstigen neurologischen Erkrankungen" und psychischen Störungen kaum neue Arzneimittel auf dem Markt angeboten wurden.

Die Orphan-Arzneimittel waren in der Verteilung der Bewertungen nahezu identisch zu den Nicht-Orphan-Arzneimitteln, gleichviele positive und negative Ampeln, und die gelbe Ampel war mit 45,5 % die häufigste Bewertung.

Im Vergleich zu den letzten Innovationsreporten 2016 und 2017 fällt auf, dass sich die Anzahl der grünen Gesamtbewertungen vervielfacht hat, im Innovationsreport 2016 gab es nur eine grüne Gesamtampel, im Innovationsreport 2017 gar keine.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Forschung und Vermarktung neuer Arzneimittel aufgrund der Dominanz von Generika, die rund 76 % der innerhalb der GKV verordneten Arzneimittel ausmachen, weniger lohnen. Im Rahmen des Verfahrens des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) wird je nach Ausmaß eines Zusatznutzens gegenüber bereits angebotenen Arzneimitteln der Erstattungsbetrag festgelegt. Dieser teils geringe Erstattungsbetrag trägt ein Übriges dazu bei, dass weniger in die Forschung und Entwicklung zur Therapie für weitverbreitete Erkrankungen investiert wird. Neue Arzneimittel werden stattdessen vor allem in solchen Indikationsbereichen angeboten, in denen hohe Preise, oft auch als "Mondpreise" charakterisiert, verlangt werden können. Die Onkologie hat sich in diesem Zusammenhang als besonders lukrativ für die pharmazeutischen Unternehmer herausgestellt, weil in diesem Behandlungsfeld kaum über hohe Preise diskutiert wird: Schließlich sollen die jeweiligen Patienten möglichst alle Optionen für eine Behandlung und eine mögliche Lebensverlängerung in Anspruch nehmen dürfen, auch wenn die Therapiekosten pro Jahr oftmals 60.000 € und mehr betragen und die Daten zur Lebenszeitverlängerung sowie zur Verbesserung der Lebensqualität oft nur wenig überzeugend sind. Dass pharmazeutische Unternehmen sich auf diesen Krankheitsbereich mehr und mehr konzentrieren, hängt auch damit zusammen, dass fast die Hälfte der Menschen in Deutschland im Laufe des Lebens an der einen oder anderen Form von Krebs erkrankt.

Download Innovationsreport 2018:
Langfassung
Kurzfassung

Download:
Statement zur Pressekonferenz von Prof. Dr. Gerd Glaeske
Präsentation zur Pressekonferenz von Prof. Dr. Gerd Glaeske


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Sigrid LupieriSigrid Lupieri
Lupieri ist Doktorandin an der University of Cambridge und wird drei Monate eng mit dem SOCIUM und dem SFB 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" zusammenarbeiten.

Dank eines Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung arbeitet Sigrid Lupieri vom 1. September bis 30. November 2018 als Gastwissenschaftlerin am SFB 1342 und SOCIUM. Als Doktorandin an der University of Cambridge analysiert sie die Faktoren, die die Teilhabe älterer syrischer Flüchtlinge an Gesundheitsdienstleistungen in Jordanien bestimmen.

Sigrid Lupieri war zuvor für die UNESCO und das UNDP in Neu-Delhi und New York tätig, außerdem hat sie mehrere Jahre als Journalistin in Armenien, Georgien, Deutschland und den USA gearbeitet. Sie hat einen Master-Abschluss in Journalismus (Northwestern University) und Moderner europäischer Geschichte (University of Cambridge) sowie einen BA in Fremdsprachen und Literatur der Universität Udine. Während ihres Aufenthaltes in Bremen wird Sigrid Lupieri eng mit dem Teilprojekt A04 "Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege" des SFB 1342 zusammenarbeiten.


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Titelblatt Cannabis-ReportTitelblatt Cannabis-Report
Erste Studie zur Versorgung mit neuen Cannabis-Arzneimitteln vorgestellt.

Seit März 2017 ist die Verordnung von Cannabis auf Rezept zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen möglich, obwohl die Studienlage zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis als Medizin bisher lückenhaft ist. Um die aktuelle Rolle von Cannabis als Therapieoption für verschiedene Krankheiten besser beurteilen zu können, wurde der Cannabis-Report von der Universität Bremen mit Unterstützung der TK erstellt. Die ersten repräsentativen Zahlen von Cannabis-Verordnungen können ein Licht auf die tatsächliche Versorgung bei den TK-Versicherten werfen und dazu dienen, die Diskussion um dieses neue Arzneimittel zu versachlichen.

Die grundsätzliche Behandlungsmöglichkeit durch Cannabis ist positiv zu bewerten, Cannabis ist aber im Vergleich zu den meisten bewährten Therapien keine gute Alternative. Im Einzelfall kann medizinisches Cannabis Patientinnen und Patienten aber helfen.

Das ist eines der Ergebnisse des Cannabis-Reports, der am 17. Mai 2018 in Berlin vorgestellt wurde.

Weitere Informationen:
Gerd Glaeske/Kristin Sauer, Cannabis-Report, 2018
Präsentation zur Pressekonferenz Cannabis-Report, 17. Mai 2018, Berlin


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Naegler/Wehkamp (2018) Medizin zwischen Patientenwohl und ÖkonomisierungNaegler/Wehkamp (2018) Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung
Eine einmalige qualitative Studie zum Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Patientenwohl, mit praxisbezogenen Empfehlungen für mehr Transparenz in den Krankenhäusern.

Was bestimmt im Krankenhaus: Medizinische Vernunft oder ökonomische Zwänge?

Stehen die Patienten im Krankenhaus wirklich mit ihren gesundheitlichen Sorgen im Mittelpunkt? Sind die Steigerungen der Fallzahlen und die Komplexitätsgrade von Erkrankungen nur auf medizinische Gründe zurückzuführen? Oder sind diese Entwicklungen Ausdruck eines "Ökonomisierungsprozesses", in dem medizinische Indikationen mit wirtschaftlichen Interessen vermengt werden? Welchen Einfluss haben die Finanzierungs- und Steuerungskonzepte des Gesundheitssystems auf Inhalte und Charakter der Medizin in Krankenhäusern?

Die Autoren des vorliegenden Buches - der eine Arzt, der andere Ökonom - befragten im Rahmen einer qualitativen Studie Ärzte und Geschäftsführer deutscher Krankenhäuser, inwieweit medizinische Entscheidungen durch andere Interessen als die der Patienten beeinflusst werden. Die zusammengefassten Ergebnisse zeigen die Dilemmata auf, denen Geschäftsführer und Ärzte ausgesetzt sind, wenn sie zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Krankenhäuser Gewinne erzielen sollen: Das Patientenwohl rückt aus dem Fokus medizinischer und unternehmerischer Entscheidungen im Krankenhaus. Die Zahl der aufgenommenen Patienten steigt, Indikationen und Ablauf von Behandlungen werden ausgedehnt.

Diese Entwicklungen sind nicht nur für die Patienten bedenklich, auch der Arbeitsplatz Krankenhaus verliert für Mediziner und Pflege an Attraktivität. Die Autoren geben Ausblicke und Empfehlungen, inwiefern sich dies umkehren ließe. Krankenhäusern sollte der Druck genommen werden, für ihre Zukunftssicherung gewinnorientiert verhandeln zu müssen und das Patientenwohl sollte wieder ausschließliches Kriterium für medizinische Entscheidungen werden.

Weitere Informationen:
Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft


Kontakt:
Prof. Dr. Karl-Heinz Wehkamp
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 160 90331191
E-Mail: karl.wehkamp@uni-bremen.de

Länger besser leben.-InstitutLänger besser leben.-Institut
Dies ist das Thema des ersten "Länger besser leben."-Kongresses der Universität Bremen und der BKK24 am 26.4.2018 in Hannover.

Trotz des bereits im Juli 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetzes wird das Potenzial von Prävention noch zu wenig genutzt. Dabei wird schon seit langer Zeit gefordert, die 4. Säule in unserem Gesundheitssystem neben der Behandlung, der Rehabilitation und der Pflege weiter auszubauen und zu stärken. Dazu will der Kongress des "Länger besser leben."-Institutes, einer seit 2016 bestehenden Kooperation der Universität Bremen und der Krankenkasse BKK24 zur Förderung von Prävention und Gesundheit, einen erkennbaren Beitrag leisten.

Es bereitet Ansätze und Ergebnisse der "Länger besser leben"-Gesundheitsinitiative der BKK24 (auf Basis der epic-Norfolk Studie) wissenschaftlich auf, entwickelt Aktivitäten, begleitet, fördert und implementiert innovative Gesundheits- und Präventionskonzepte auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse - nach der Maßgabe, dass die Wirksamkeit der Maßnahmen zumindest gesichert oder vielversprechend ist.

In diesem Kontext thematisiert der Kongress "Prävention stärken!" das gesundheitspolitische und gesundheitsökonomische Potenzial von Prävention und verknüpft dieses Ziel mit übergeordneten politischen Public-Health-Aspekten. Es geht um die Evaluation bisheriger Maßnahmen, z. B. bei der Behandlung von Diabetes und Adipositas, um die Entwicklung neuer Konzepte und um einen verbesserten Ergebnistransfer in die Öffentlichkeit.

Steigende Lebenserwartung, zunehmende Dominanz von chronischen Erkrankungen und durch Bildungsstandards und Sozialstatus bedingte Ungleichheiten in der Chancenverteilung für ein gesundes und langes Leben bestimmen die Rahmenbedingungen der Entwicklung der Gesundheit in Deutschland. In diesem Zusammenhang kann Prävention zu einer bestimmenden und bedeutenden Einflussgröße moderner Gesundheitssicherung auf medizinischer, politischer und ökonomischer Ebene werden. Die Nutzung präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen soll

  • die Ungleichheit von Gesundheitschancen reduzieren,

  • die Krankheitshäufigkeit in unserer Gesellschaft verringern,

  • die Dauer von Morbidität in unserer Gesellschaft längeren Lebens verkürzen ("compression of morbidity")

  • und sich damit auf Dauer auch kostendämpfend auf das Gesundheitssystem auswirken.

"Prävention kann auf Dauer die Ausgaben für die Behandlung bestimmter Krankheiten senken - ein wichtiger Aspekt für die Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitssystems. Dieses Potenzial wird in Bezug auf gesundheitsökonomische Aspekte und die Lebensqualität der Bevölkerung noch immer zu wenig wahrgenommen.", so Prof. Dr. Gerd Glaeske, der wissenschaftliche Leiter des "Länger besser leben."-Institutes und Veranstalter des Kongresses.

Nachdem das Augenmerk der Gesundheitspolitik in den vergangenen Jahren vornehmlich der kurativen Medizin gegolten hat, sind nun Bestrebungen zu erkennen, die zwischenzeitlich belegten Möglichkeiten der Prävention zu nutzen und systematisch auszubauen. Diese Entwicklung ist zu begrüßen, da die vorliegenden Erkenntnisse zeigen, dass eine Fokussierung auf den kurativen Bereich ("Reparaturmedizin") nicht nur Ineffizienzen fortschreibt, sondern auch Behandlungsbelastungen für Patientinnen und Patienten, vorzeitige Erkrankung und Tod nach sich zieht. Dies könnte durch eine frühzeitig begonnene und wirksame Präventions- und Gesundheitsförderungsstrategie verhindert werden. Die Verbindung von Prävention und Gesundheitsförderung ist letztlich eine wirkungsvolle Strategie, die Gesundheitspotenziale der Bevölkerung auszuschöpfen und einen Beitrag zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheit sowie zu einer Verringerung der Inanspruchnahme des gesundheitlichen Versorgungssystems zu leisten. Prävention trägt somit individuell und gesellschaftlich zu mehr Wohlbefinden und Lebensqualität bei.

BKK24-Vorstand Friedrich Schütte sieht mit der skizzierten Ausrichtung des "Länger besser leben."-Instituts und der Zielrichtung des Präventionskongresses eine "Investition in die Zukunft" mit nachhaltigen Vorteilen für eine "verbesserte Versorgungsqualität" und für "geringere Leistungsausgaben".

Auch der Geschlechteraspekt scheint bei der Gesundheitsförderung mittlerweile auf allen Ebenen angekommen zu sein, nicht zuletzt im Präventionsgesetz: "Bei den Leistungen der Krankenkassen ist geschlechtsspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen" - bei der Prävention und allen weiteren Aktivitäten der gesetzlichen Krankenkassen. Prof. Dr. Petra Kolip, Professorin für Prävention und Gesundheitsförderung an der Universität Bielefeld, betont, dass in der Praxis die Berücksichtigung des Geschlechts ein zentraler Indikator für Zielgruppengerechtigkeit sein sollte: "Es wäre zu wünschen, dass die einschlägigen Akteure die Umsetzung des Präventionsgesetzes auch in diesem Punkt ernst nehmen. Der Qualitätssprung wäre vermutlich groß."

Download:
Pressemitteilung und Pressemappe
zum "Länger besser leben."-Kongress der Universität Bremen und der BKK24 am 26. April 2018

Präsentationen:
Thomas Altgeld und Prof. Dr. Petra Kolip
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann
Prof. Dr. Bärbel-Maria Kurth
Prof. Dr. Hans Hauner
Prof. Dr. Rolf Rosenbrock
Prof. Dr. Gerd Glaeske

Weitere Informationen:
"Länger besser leben."-Institut 


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Professor Heinz RothgangProfessor Heinz Rothgang
Hauptstudie zur Mortalitätsevaluation des deutschen Mammographie Screening-Programms unter Beteiligung des SOCIUM gestartet.

Zur Früherkennung von Brustkrebs nehmen jährlich mehr als 2.850.000 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren am deutschen Mammographie-Screening-Programm (MSP) teil. Ob und in welchem Umfang das in Deutschland seit 2009 flächendeckend implementierte MSP zu einer Reduzierung der Brustkrebsmortalität beiträgt, wird gegenwärtig im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) überprüft. Nach erfolgreichem Abschluss der Machbarkeitsphase (Laufzeit: Juli 2012 bis September 2016) wird seit Januar 2018 im ersten Teil der Hauptphase eine Datengrundlage geschaffen, auf deren Basis im zweiten Teil der Hauptphase Analysen zur Evaluation des deutschen MSP durchgeführt werden.

Am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen wird unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Rothgang und Jonas Czwikla im Modell Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Zusammenarbeit mit der BARMER sowie in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS eine auf GKV-Routinedaten basierende Datengrundlage für die Mortalitätsevaluation des deutschen MSP aufgebaut.

Generalunternehmer des Forschungsvorhabens ist die Universität Münster. Weitere Unterauftragnehmer sind das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS (ebenfalls Modell GKV), das Landeskrebsregister NRW (Modell epidemiologische Krebsregister) und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (Modell klinische Krebsregister).

Finanziert wird das Vorhaben durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und die Träger der Kooperationsgemeinschaft Mammographie (KoopG). Das Fördervolumen des SOCIUM beträgt 350.970 €.

Weitere Informationen zur Hauptstudie und Machbarkeitsstudie.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Jonas Czwikla
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58633
E-Mail: czwikla@uni-bremen.de

Wissenschaftsschwerpunkt GesundheitswissenschaftenWissenschaftsschwerpunkt Gesundheitswissenschaften
Schwerpunktheft mit Beiträgen der Tagung des Wissenschaftsschwerpunktes Gesundheitswissenschaften.

Der Wissenschaftsschwerpunkt Gesundheitswissenschaften richtete im Juni 2017 die internationale Tagung "Altern, Gesundheit, Gerechtigkeit - Anforderungen an ein gerechtes Gesundheitssystem" aus.
Ergänzend zur Tagung ist jetzt - herausgegeben von den Sprecherinnen und Sprechern des Wissenschaftsschwerpunktes - ein Schwerpunktheft des International Journal of Environmental Research and Health mit dem Titel "Key Issues in Current Health Research: Ageing-Health-Equity" erschienen.

Neben Beiträgen zum Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Gesundheit sowie von sozialer Ungleichheit und gesundheitlicher wie auch pflegerischer Versorgung von älteren Menschen, umfasst das Schwerpunktheft auch die Diskussion methodischer Fragen, wie zum Beispiel die partizipatorische Einbeziehung älterer Menschen in die Forschung und die Notwendigkeit der interkulturellen Anpassung von Forschungsinstrumenten.

Weitere Informationen:
Die Beiträge stehen auf der Webseite des International Journal of Environmental Research and Health zum Download zur Verfügung.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de