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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Gesundheit, Pflege und Alterssicherung".

Podiumsdiskussion unter der wissenschaftlichen und organisatorischen Leitung von Heinz Rothgang und Joachim Larisch vom SOCIUM.

Am 6. November 2017 richtet das SOCIUM die Abschlussveranstaltung eines empirischen Forschungsprojekts aus, das von dem Ökonomen Professor Heinz Naegler, Berlin und dem Arzt und Soziologen Professor Karl-H. Wehkamp, SOCIUM, durchgeführt wurde. Thema: Ökonomisierung patientenbezogener ärztlicher Entscheidungen im Krankenhaus. Die Ergebnisse werden von einem Podium diskutiert, dem die Bremer Senatorin für Gesundheit Frau Professorin Dr. Quante-Brandt, die Präsidentin der Ärztekammer Bremen Dr. Heidrun Gitter, die Vorsitzende der Bremer Krankenhausgesellschaft Jürgen Scholz sowie der Leiter der Abteilung Stationäre Versorgung AOK-Bundesverband Dr. Jürgen Malzahn angehören. Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Krankenhaus und langjährige Pflegedirektorin der Charité Berlin, Frau Hedwig Francois-Kettner, wird zur Thematik aus Sicht der Patientensicherheit sprechen.

Die wissenschaftliche und organisatorische Leitung liegt bei Professor Heinz Rothgang und Dr. Joachim Larisch vom SOCIUM.

Steht der Patient tatsächlich mit seinen gesundheitlichen Interessen im Mittelpunkt, wenn er ins Krankenhaus aufgenommen, dort behandelt und wieder entlassen wird? Ist der zu beobachtende fortwährende Anstieg der Fallzahlen und der Komplexitätsgrade der Erkrankungen ausschließlich auf medizinischen Bedarf zurückzuführen? Entspricht die Ausrichtung der Kliniken den gesundheitlichen Bedürfnissen der Bevölkerung? Oder sind diese Entwicklungen Ausdruck eines "Ökonomisierungsprozesses", der medizinische Indikationen zunehmend mit wirtschaftlichen Interessen vermengt? Verändern die Finanzierungs- und Steuerungskonzepte des Gesundheitssystems auch die Inhalte und den Charakter der Medizin und der Krankenhäuser?

Die vorgelegten Ergebnisse der qualitativen Studie zeigen die Dilemmata auf, denen Geschäftsführer und Ärzte ausgesetzt sind, wenn sie zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Kliniken Gewinne erzielen müssen. Wenn das Patientenwohl konsequent als Maßstab patientenbezogener und unternehmerischer Entscheidungen berücksichtigt würde, wäre die Zahl der in die stationäre Behandlung aufgenommenen Patienten geringer, die Behandlungsprozesse könnten sorgsamer, zuwartend und weniger aggressiv verlaufen. Der Arbeitsplatz Krankenhaus wäre attraktiver und gesünder und das Problem des Fachkräftemangels wäre ebenfalls geringer. Vorausgesetzt freilich, dass genügend Fachpersonal vorhanden wäre und der Druck der Krankenhäuser, Gewinne zu ihrer Zukunftssicherung zu machen, vermindert würde.

Die beiden Autoren - der eine Arzt, der andere Ökonom - befragten Ärzte und Geschäftsführer deutscher Krankenhäuser danach, ob medizinische Entscheidungen durch andere Interessen als die der Patienten beeinflusst werden und wenn ja, warum dieses so ist. Die Ergebnisse werden in Buchform (Naegler H, Wehkamp K-H: Medizin im Krankenhaus zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung von der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsanstalt, Berlin) sowie im Deutschen Ärzteblatt und im Monitor Versorgungsforschung publiziert. Das NDR-Fernsehen ist anwesend und produziert eine ausführliche Dokumentation zu dem Thema.

Anmeldungen erbeten bis zum 3.11.2017 an Vicki May, E-Mail: vicki.may@uni-bremen.de


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

StB Dr. Joachim Larisch
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58552
E-Mail: jlarisch@uni-bremen.de

Innovationsreport 2017Innovationsreport 2017
Der Innovationsreport 2017 wird von Gesundheitsexperten des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen am 20. September auf der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt.

Seit fünf Jahren erscheint in Herausgeberschaft von Professor Gerd Glaeske (SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik) und Professor Wolf-Dieter Ludwig (Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft) der Innovationsreport mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse. Der Forschungsbericht bewertet im Rückblick Arzneimittel, die seit drei Jahren in Deutschland zugelassen sind und von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattet werden. Die Bewertungen der 32 beurteilten Arzneimittel fielen eher durchschnittlich aus, kein einziges erhielt die Gesamtbestnote "Grüne Ampel".

Im Innovationsreport werden verschiedene Aspekte der neuen Arzneimittel nach ihrer Bewährungsprobe im Alltag analysiert und Fragen beantwortet wie: Ist das Arzneimittel das einzige zur Behandlung der betreffenden Krankheit? Hat es mehr Nutzen und/oder weniger Risiken für die Patienten als andere Arzneimittel, die zur Behandlung der jeweiligen Krankheit angeboten werden und wie teuer ist es? Gibt es weitere Hinweise in Veröffentlichungen, die seit der Zulassung des jeweiligen Mittels dessen Bewertung verändern können (z.B. bezüglich der Patientengruppen)? Diese Fragen werden mithilfe eines Ampelsystems beantwortet. Dabei steht eine "rote" Ampel für eine kritische Bewertung, eine "gelbe" für eine eher offene Klassifikation und eine "grüne" für eine positive Gesamteinschätzung.

Nahezu die Hälfte der untersuchten Arzneimittel ohne Zusatznutzen
Der untersuchte Zusatznutzen wurde 15 Mal mit "rot" bewertet, d.h. nach Einführung des Arzneimittels hat es sich nicht als wirksamer oder risikoärmer als bereits bestehende Therapien gezeigt. Unübersehbares Indiz eines nach der Zulassung aufgetretenen Risikos sind "Rote-Hand-Briefe", mit denen Ärzte und Apotheken auf bisher nicht bekannte Risiken hingewiesen oder mit denen Einschränkungen für die Behandlung bekannt gemacht werden. Für sechs der im Innovationsreport 2017 untersuchten neuen Wirkstoffe wurden Rote-Hand-Briefe verschickt, für zwei sogar doppelt.
Die meisten Wirkstoffe bekamen im Innovationsreport 2017 in Bezug auf den Zusatznutzen eine gelbe Ampel. Eine grüne Ampel für eine Innovation ohne Nachteile konnte dagegen keinem der 2014 neu auf den Markt gebrachten Arzneimittel gegeben werden, auch wenn einige Arzneimittel zum Zeitpunkt ihrer Zulassung z.B. für Krebserkrankungen oder Hepatitis C große Hoffnungen ausgelöst hatten. Gerade bei den Mitteln zur Behandlung der Hepatitis-C besteht allerdings die Möglichkeit, dass einzelne Patientengruppen auf Dauer sogar geheilt werden können.

Kostenbewertung mit deutlich negativem Aspekt
Die Kosten wurden ebenfalls im Vergleich bewertet: Neun der untersuchten Arzneimittel waren teurer als Ihre Vergleichspräparate und bekamen eine rote Kostenampel. Bei zehn Wirkstoffen waren die Preise nicht zu bewerten, da sie zu den Arzneimitteln für die Behandlung seltener Erkrankungen gehören (Orphan-Drugs) gehören. Für diese Orphan-Arzneimittel gelten Sonderregeln, die u. a. finanzielle Einsparungen beim Zulassungsprocedere bedeuten und denen von vornherein ein Zusatznutzen zugesprochen wird. Fast 40 Prozent der im Innovationsreport 2017 untersuchten Wirkstoffe sind Orphan-Arzneimittel, deren Preise astronomische Höhen erreichen können. So gilt z.B. Alipogentiparvovec, ein Mittel zur Behandlung einer seltenen familiär bedingten Fettstoffwechselstörung mit Jahrestherapiekosten von 1,2 Millionen Euro pro Patient als teuerster Wirkstoff der Welt. So wird dann ein hoher Umsatz durch die neu-zugelassenen Arzneimittel für die pharmazeutischen Unternehmer erzielt, der eine große Belastung für das deutsche Gesundheitssystem bedeutet.

Ergänzung des Arzneimittelrepertoires
Wenn neue Arzneimittel auf den Markt kommen, die in Konkurrenz zu bereits bewährten, guten Therapien treten, wird im Innovationsreport 2017 für die Kategorie "Verfügbare Therapien" eine rote Ampel vergeben. Gibt es bisher keine Arzneimitteltherapie für eine Krankheit, verdient ein neuer Wirkstoff für diese Indikation eine grüne Ampel. Für den Vergleich mit den verfügbaren Therapien erhielten im vorliegenden Report fünf Orphan-Arzneimittel diese Note. Die betreffenden Mittel konnten allerdings keinen Zusatznutzen nachweisen, sodass die Gesamtbewertung mit der Ampelfarbe "gelb" erfolgte.

Biosimilars mit Einsparpotenzial bei der GKV
In einem Sonderkapitel des Innovationsreportes 2017 werden Biosimilars behandelt, die als Nachfolgeprodukte der erstangebotenen Biologika nach deren Patentablauf auf dem Markt sind. Beides sind Produkte, die nicht wie gängige Arzneimittel chemisch synthetisiert werden, sondern die künstlich hergestellte Eiweiße enthalten und die gegen bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers gerichtet sind. Sie werden vor allem bei Indikationen wie Rheumatoide Arthritis, Psoriasis oder onkologischen Erkrankungen ohne klinische Nachteile für die Patienten eingesetzt. Da Biosimilars etwa 25 bis 30 % kostengünstiger als die vorher patentgeschützten Biologika angeboten werden, lässt sich wie mit den Generika im herkömmlichen Arzneimittelsegment ein hohes Einsparpotenzial erreichen. Es wird derzeit auf bis zu 500 Millionen Euro allein in der Krebstherapie geschätzt. Das Angebot wird sich weiter entwickeln, je mehr Originalpräparate ihren Patentschutz verlieren. Nun muss nur noch die Verordnungshäufigkeit der Biosimilars gefördert werden.

Spätbewertung nach der Frühbewertung notwendig
Ein weiteres Thema des Innovationsreportes 2017 ist der wachsende Anteil beschleunigter Zulassungen im Arzneimittelmarkt. Damit soll erreicht werden, dass neue Arzneimittel schneller für die Patientenversorgung zur Verfügung stehen. Der Nachteil solcher beschleunigter Zulassungen liegt aber darin, dass deutlich weniger Informationen zur Wirksamkeit und zu Nebenwirkungen vorliegen als bei den üblichen Zulassungsverfahren. Es muss daher dafür Sorge getragen werden, dass neue Arzneimittel, die auf der Basis einer beschleunigten Zulassung auf den Markt gebracht werden, nach der Zulassung in einem studienähnlichen Versorgungsumfeld eingesetzt werden. So können weitere Daten zum Nutzen und zu den Risiken der neuen Mittel erfasst und ausgewertet werden. Es kann nicht sein, dass die Interessen der pharmazeutischen Unternehmer an einem möglichst schnellen Marktzugang mit der Möglichkeit, hohe Profite im Rahmen einer möglichst lange ausgenutzten Patentlaufzeit Vorrang haben vor Therapiesicherheit und Patientenschutz.

Die Ergebnisse und Bewertungen des Innovationsreports 2017 zeigen deutlich, dass auch bei einem üblichen Zulassungsverfahren Fragen zu Risiken und Nutzen in der Patientenversorgung nicht mit ausreichender Sicherheit im frühen Stadium der AMNOG-Bewertung beantwortet werden können. Deshalb ist es umso wichtiger, zu einem späteren Zeitpunkt eine erneute Nutzen- und Risikoprüfung durchzuführen - der "Frühbewertung" muss nach der Bewährungsprobe der Arzneimittel in den ersten drei Jahren eine "Spätbewertung" auf der Basis von Studien der Versorgungsforschung folgen. Der Innovationsreport 2017 bietet hierfür eine mögliche Methodik an, die sich zugunsten der Patienten begleitend zu den bisherigen Regelungen anwenden ließe.

Der Innovationreport bietet somit aktuelle Informationen für Arzneimittel an, die bereits auf dem Markt verfügbar sind, und kann somit Erfahrungen aus den ersten Jahren der Anwendung widergeben, die für Ärzte und Patienten mehr Sicherheit in der Behandlung bedeuten.

Download:
Langfassung: Innovationsreport 2017
Kurzfassung: Innovationsreport 2017

Statement von Prof. Dr. Gerd Glaeske

Präsentation zur Pressekonferenz Gerd Glaeske

Link Livestream Pressekonferenz

Weitere Informationen:
Einzelheiten zu den aktuellen und vorherigen Innovationsreporten


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Prof. Dr. Gerd GlaeskeProf. Dr. Gerd Glaeske
Professor Gerd Glaeske veröffentlicht zusammen mit anderen Kolleginnen und Kollegen im Rahmen der vergleichenden Versorgungsforschung zwei internationale Publikationen.

Die Verordnungshäufigkeit von ADHS-Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten in den USA deutlich erhöht. Erstmals liegen zum Thema auch vergleichende Ergebnisse für Deutschland, Dänemark, die Niederlande, England und die USA vor. Eine internationale Forschergruppe um Professor Gerd Glaeske analysierte im Rahmen einer vergleichenden Versorgungsforschung die Medikamentengabe bei ADHS, unter Berücksichtigung von Prävalenz, Alter und Geschlecht. 

Die wiederholte Querschnittsanalyse von 2005-2012 kommt zu dem Ergebnis, dass trotz des verhältnismäßig geringeren Einsatzes in den vier europäischen Ländern, der Einsatz von ADHS Medikamenten (vorwiegend Methylphenidat) bei Kindern und Jugendlichen stark gewachsen ist. Dagegen kommt es bei der amerikanischen Kohorte nur zu einem moderaten Anstieg (nahezu gleichermaßen mit Methylphenidat und Amphetamin). 

Zusammen mit dem gleichen internationalen Expertenteam untersuchte Gerd Glaeske auch das Verschreibungsverhalten von Antidepressiva für Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahren. Nach einer Black-Box Warnung vor 12 Jahren zur Suizidgefahr bei Kindern und Jugendlichen nach der Einnahme von Antidepressiva kam es zu einem Rückgang der Verschreibungen. 

Die Ergebnisse der Studie mit Vergleichsdaten der o.a. Länder für den Zeitraum 2005-2012 sind jetzt veröffentlicht: die Verschreibungen steigen in Deutschland um 50% an; der Anstieg ist in Dänemark mit 60% am höchsten, in den Niederlanden mit 18 % am moderatesten. Dennoch erhalten in Deutschland nur 0,5% der Jugendlichen bis 19 Jahren überhaupt Antidepressiva. Diskutiert wird daher eine mögliche Unterversorgung bei den 3-6% an Depression erkrankten Kindern und Jugendlichen. Zum Vergleich werden in Dänemark und England an 1% und in den USA an 1,6 % dieser Altersgruppe Antidepressiva verordnet.

Weitere Informationen:
Bachmann, Christian J.; Wijlaars, Linda; Kalverdijk, Luuk J.; Burcu, Mehmet; Glaeske, Gerd; Schuiling-Veninga, Catharina C. M.; Hoffmann, Falk; Aagaard, Lise; Zito, Julie M., 2017: Trends in ADHD medication use in children and adolescents in five western countries, 2005-2012, in: European Neuropsychopharmacology, 27 (5), S. 484 - 493, doi:10.1016/j.euroneuro.2017.03.002

Bachmann, Christian J.; Aagaard, Lise; Burcu, Mehmet; Glaeske, Gerd; Kalverdijk, Luuk J.; Petersen, Irene; Schuiling-Veninga, Catharina C. M.; Wijlaars, Linda; Zito, Julie M.; Hoffmann, Falk, 2016: Trends and Patterns of antidepressant use in children and adolescents from five western countries, 2005-2012, in: European Neuropsychopharmacology, 26 (3), S. 411 - 419, doi:10.1016/j.euroneuro.2016.02.001


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de

Tagungsbericht zur Fachtagung "Ageing - Health - Equity".

Der Wissenschaftsschwerpunkt "Gesundheitswissenschaften - Health Sciences" war am 29. und 30. Juni Veranstalter einer internationalen Fachtagung zum Thema "Altern, Gesundheit, Gerechtigkeit - Anforderungen an ein gerechtes Gesundheitssystem" im Konsul-Hackfeld-Haus. Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligten sich lebhaft an den Diskussionen der beiden Tage.

Die Fachtagung war anhand von vier Sitzungen zu unterschiedlichen Aspekten des Schwerpunktthemas strukturiert. Es gab jeweils einen Keynote-Speaker und im Anschluss einen oder mehrere Vorträge zu dem Thema, in denen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler über einschlägige Forschungsprojekte berichteten. In der ersten Sitzung legte James Nazroo von der Universität Manchester dar, wie stark Gesundheitszustand und gesundheitliche Versorgung im Alter von sozialen Umständen geprägt wird. Er schlug als wesentliche Policy-Ansätze zur Verminderung dieser gesundheitlichen Ungleichheit die Fokussierung auf das Thema "Wohnen im Alter" sowie auf ein für alle auskömmlichen Rentenniveau vor und begründete dies mit aktuellen Entwicklungen insbesondere in Großbritannien. Einen sehr guten Anschluss an diesen Beitrag bildete der sich anschließende Vortrag zu sozioökonomischer Ungleichheit und nicht abgedeckten Versorgungsbedarfen bei Älteren (Jens Hoebel, RKI Berlin). Ungerechtigkeit bei den Zugängen zur Langzeitpflege im europäischen Vergleich wurde anschließend vorgestellt und diskutiert (Stefania Ilianca, Wien).
Die zweite Sitzung stand unter dem Fokus "Qualifikationsanforderungen und Ausbildung der Gesundheitsberufe". Carol Hall von der Universität Nottingham und Repräsentantin in zahlreichen europäischen Arbeitsgruppen diskutierte in ihrem Beitrag die Wirkungen von Regelwerken auf europäischer Ebene auf nationale (Pflege) Bildungssysteme. In einem weiteren Beitrag zweier Kolleginnen der Universität Maastricht wurde die Entwicklung eines neuen Qualifikationsprofils, des "Geriatric Family Companion" präsentiert (Elisabeth Dorant, Theresia Krieger, Maastricht).
Gegenstand der dritten Sitzung war "Prävention und das Gesunde Altern". Clemens Tesch-Römer, Leiter des Deutschen Zentrums für Altersfragen, gab einen lebendigen und kritischen Einblick in das vieldiskutierte Konzept des "erfolgreichen Alterns" und plädierte für einen breiteren Ansatz, der auch positive Aspekte des Alterns bei Menschen mit vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen umfasst. Eine Analyse zur Zeitnutzung für verschiedene Tätigkeiten des Alltags als alternativen Ansatz zur Untersuchung von Gender- und anderen Einflüssen auf den Gesundheitszustand folgte auf diesen Beitrag (Nicholas Adjei, Bremen).
Die vierte Sitzung beschäftigte sich mit "Altern und Diversity: Anforderungen an Versorgungssysteme". Die Keynote-Speakerin, Janine Suurmond von der Universität Amsterdam stellte Befunde aus den Niederlanden zur Versorgung von alten Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen vor. Im anschließenden Beitrag wurde eine Studie zum Thema Gesundheitsförderung am Beispiel der Freizeitbewegungsaktivitäten von Menschen mit Migrationshintergrund präsentiert (Johanna Schönbach, Uni Bremen).

Ein besonderer Höhepunkt war die Abendveranstaltung in der oberen Rathaushalle, bei der die Senatorin Eva Quante-Brandt als Schirmherrin der Tagung zunächst über die Ergebnisse der Gesundheitsministerkonferenz in der Vorwoche informierte und anschließend in einer Podiumsdiskussion Rede und Antwort stand. Unter der Moderation von Ingrid Darmann-Finck und Hajo Zeeb vom Wissenschaftsschwerpunkt diskutieren die Senatorin, Clemens Tesch-Römer, Heinz Rothgang (SOCIUM, Universität Bremen und Wissenschaftsschwerpunkt) sowie Alexander Künzel von der Bremer Heimstiftung über neue Ansätze in der Verminderung von Ungleichheit und Ungerechtigkeit im Alter. Das sehr aktiv an der Diskussion beteiligte Publikum umfasste Tagungsteilnehmende und viele Interessierte u.a. aus Verbänden, Ärzteschaft und Gesundheitswirtschaft.

Weitere Informationen:
Webseite zur Public Health Tagung: Aktuelle Gesundheitsforschung: Altern - Gesundheit - Gerechtigkeit


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dipl. Soz. Kai Huter
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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E-Mail: huter@uni-bremen.de

Dietrich Milles und Céline Teney veröffentlichen ihre aktuellen Forschungsergebnisse.

Im Wissenschaftsblog "Impulse" der Universität Bremen veröffentlichen Autorinnen und Autoren ihre aktuellen Forschungsergebnisse. "Impulse" bietet jetzt zwei neue Beiträge an. Dietrich Milles, Professor am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik und Dr. Ulrich Meseck aus dem Fachbereich Kulturwissenschaften erläutern, was beim Thema Inklusion durch Bewegung, Sport und Spiel alles möglich ist. In einer Kooperation zwischen Werkstatt Bremen (Martinshof), der AOK Bremen-Bremerhaven und der Universität Bremen haben sie eine bundesweit bisher einmalige Studie durchgeführt. Fünf Jahre lang untersuchten sie mit ihrem Team in den Werkstätten, wie Menschen mit Behinderungen effektiv gefördert und sportlich aktiviert werden können. Dabei haben die Wissenschaftler vorhandene Spiel- und Sportkurse koordiniert, weiterentwickelt und evaluiert. In ihrem Beitrag beschreiben sie detailliert die Effekte.

Was führt Mediziner aus der EU nach Deutschland?

Migrationsmotive von Ärztinnen und Ärzten, die aus der Europäischen Union nach Deutschland kommen, untersucht Céline Teney mit ihrer Kooperativen Nachwuchsgruppe am SOCIUM der Universität Bremen. 1500 Humanmediziner, die seit 2003 nach Deutschland umzogen, wurden nach ihren Beweggründen befragt. Die Soziologinnen veröffentlichen im Wissenschaftsblog "Impulse" nun ihre Zwischenergebnisse. Die stabile wirtschaftliche Lage in Deutschland, gute Bezahlung und bessere berufliche Perspektiven sind Hauptgründe für die Migration der fachlichen Eliten. Die Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird, listet die Migrationsmotivation nach osteuropäischen und nordwesteuropäischen Ländern auf und stellt die Unterschiede dar.

Weitere Informationen: Wissenschaftsblog der Universität Bremen


Kontakt:
Prof. Dr. phil. Dietrich Milles
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58562
E-Mail: milles@uni-bremen.de

Prof. Dr. Céline Teney
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58644
E-Mail: celine.teney@uni-bremen.de

Logo Wissenschaftsschwerpunkt Gesundheitswissenschaften, Universität Bremen.Logo Wissenschaftsschwerpunkt Gesundheitswissenschaften, Universität Bremen.
Universität Bremen lädt zur Podiumsdiskussion über eine gerechte Gesundheitsversorgung für ältere Menschen ins Bremer Rathaus ein.

Der Wissenschaftsschwerpunkt Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen richtet am Donnerstag, 29. Juni 2017, und am darauf folgenden Freitag eine internationale Tagung zum Thema "Altern - Gesundheit - Gerechtigkeit" im Konsul-Hackfeld-Haus aus. Interessierte sind am Donnerstag, 29. Juni 2017, um 19 Uhr zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion ins Bremer Rathaus eingeladen. Es diskutieren die Schirmfrau der Tagung, Gesundheitssenatorin Professorin Eva Quante Brandt, Alexander Künzel, Vorsitzender der Bremer Heimstiftung, Professor Clemens Tesch-Römer, Leiter des Deutschen Zentrums für Altersfragen, und Professor Heinz Rothgang vom SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen.

Anforderungen an Politik, Wissenschaft und Gesellschaft
Im Mittelpunkt der Diskussion wird die Frage stehen, welche Anforderungen sich an Politik, Wissenschaft und Praxis stellen, um für Ältere ein gerechtes gesundheitliches Versorgungssystem weiterzuentwickeln. Ziel ist ein Perspektivaustausch zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis. Diskutiert wird, welche Erwartungen und Wünsche aus den verschiedenen Bereichen an die gesundheitlichen Versorgungssysteme gestellt werden.

Professorin Ingrid Darmann-Finck vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen, und Professor Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS werden die Veranstaltung moderieren. Eine kostenlose, verbindliche Anmeldung ist bis zum 25. Juni unter der E-Mail: huter@uni-bremen.de erforderlich.

Informationen zum Wissenschaftsschwerpunkt
Der Wissenschaftsschwerpunkt Gesundheitswissenschaften in Bremen ist deutschlandweit einer der größten und forschungsstärksten Standorte in diesem Bereich. Unter seinem Dach werden die Ressourcen gebündelt und die Kooperation zwischen Universität und außeruniversitären Einrichtungen gestärkt. Beteiligt sind insbesondere das Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen, das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS, das SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen sowie das Kompetenzzentrum für Klinische Studien Bremen (KKSB). Der Fokus auf Gerechtigkeit im Kontext von Gesundheit und in Gesundheitssystemen bildet eine zentrale Verbindungslinie und damit einen Forschungsschwerpunkt innerhalb dieser Kooperation.

Weitere Informationen: Website zur Tagung


Kontakt:
Dipl. Soz. Kai Huter
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58547
E-Mail: huter@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz RothgangProf. Dr. Heinz Rothgang
Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Forschung zu neuen Technologien in der Pflege.

Die Pflegebranche steht in den nächsten Jahren und Jahrzenten vor großen Herausforderungen. Bedingt durch den demographischen Wandel wird die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich ansteigen. Gleichzeitig erhöht sich in den Krankenhäusern der Anteil von Menschen, die älter als 80 Jahre sind. Die Pflege dort wird komplexer und durch verkürzte Liegezeiten auch die anschließende Pflege zu Hause anspruchsvoller. Dem steigenden Pflegebedarf steht dabei ein sinkender Anteil erwerbstätiger Menschen gegenüber, die professionelle Pflegearbeit leisten können. Der Fachkräftemangel in der Pflege wird sich weiter verschärfen. Der Beitrag, den digitale Technologien leisten können, um professionelle Pflegefachkräfte, aber auch pflegende Angehörige zu entlasten, wird bisher bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

"Showrooms" für die Fachöffentlichkeit
Mit dem "Pflegeinnovationszentrum", startet jetzt unter Beteiligung der Universität Bremen ein auf fünf Jahre angelegtes Projekt, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit vier Millionen Euro gefördert wird. Dort gehört es zum Programm "Zukunft der Pflege: Mensch-Technik-Interaktion für die Praxis". Das Oldenburger Institut für Informatik (OFFIS) wird das Pflegeinnovationszentrum koordinieren. Von der Universität Bremen sind Professorin Karin Wolf-Ostermann vom Institut für Public Health und Pflegeforschung und Professor Heinz Rothgang vom SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, maßgeblich involviert.

Ziel ist es, ein Kompetenzzentrum für Innovationen in der Pflege aufzubauen, das bedarfsgerechte technische Neuerungen zur Unterstützung der Pflege entwickelt, Produkte am Markt und aus Forschungsprojekten erprobt, sowie die Ergebnisse in Laboren und "Showrooms" für die Fachöffentlichkeit, aber auch für die Aus- und Weiterbildung zugänglich macht.

Bremer Forschungsziele
Während auf der einen Seite in den letzten Jahren eine Vielzahl technologischer Lösungen entwickelt wurde, ist eine Integration dieser Entwicklungen in den pflegerischen Alltag bisher nur punktuell gelungen. Bedarfe und die Umsetzung in den Alltag der Pflegenden wurden oft nicht von vornherein mitgedacht. Ziel des Pflegeinnovationszentrums ist es, die konkreten Bedarfe aus Sicht der Pflegenden und Pflegebedürftigen bereits in die Entwicklungsprozesse einzubeziehen. Bestehende Vorbehalte sowie die Ablehnung einer zunehmenden Technisierung und Digitalisierung der Pflege müssen bei der Entwicklung von technischen Innovationen berücksichtigt werden. Wie kann das gelingen? Zentraler Ansatz ist, dass Technik die menschliche Zuwendung in der Pflege nicht ersetzt, sondern diese im Gegenteil unterstützt, indem die Pflegekräfte von anderen Tätigkeiten entlastet werden. Zu den Aufgaben der Bremer Forscher und Forscherinnen gehört zudem die Bewertung der Effektivität und Effizienz der neu entwickelten technischen Innovationen.

Realitätsgetreue Labore einrichten
Im Rahmen des Projekts werden vier realitätsgetreue Labore für verschiedene Pflegesituationen (häusliche Pflege, Pflege in Heimen, Pflege in Kliniken, Pflegedienst-/Kommunikationszentrale) aufgebaut, in denen technologische Entwicklungen einerseits erprobt, andererseits aber auch zur Demonstration und Weiterbildung genutzt werden können. Da sich durch technologische Innovationen auch neue Qualifikationsanforderungen an die Pflegefachkräfte stellen, werden im Rahmen des Projekts auch Qualifikationsmodule für die Pflegeausbildung entwickelt und getestet.

Weitere Informationen:
Pressemitteilung Nr. 056/2017 des Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 01.06.2017:
Pflege von Angehörigen und Patienten erleichtern. BMBF fördert neuen Cluster "Zukunft der Pflege" und bundesweit erstes Pflegeinnovationszentrum

Kontakt:
Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann
Institut für Public Health und Pflegeforschung
Abteilung: Pflegewissenschaftliche Versorgungsforschung
Tel.: +49 421 218-68960
E-Mail: wolf-ostermann@uni-bremen.de


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Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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28359 Bremen
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E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Lehrbuch VersorgungsforschungLehrbuch Versorgungsforschung
Gerd Glaeske (SOCIUM, Universität Bremen) legt als Mitherausgeber einen aktualisierten Wegweiser zur Theorie und zum Stand der Versorgungsforschung und zu Themen für die Optimierung des Gesundheitswesens vor.

Der demografische Wandel und gesellschaftliche Veränderungen stellen das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel der Versorgungsforschung, zur Verbesserung der Kranken- und Gesundheitsversorgung beizutragen und Über-, Unter- und Fehlversorgungen zu vermeiden. Das "Lehrbuch Versorgungsforschung" thematisiert die dafür notwendigen Wissensgrundlagen und methodischen Instrumente der Versorgungsforschung in ihrer gesamten Bandbreite. Gleichzeitig ist es Ausdruck für eine immer wichtiger werdende Disziplin und deren rasanter Entwicklung in den letzten Jahren. Insbesondere die theoretischen Grundlagen und zentralen Forschungsmethoden und deren problem- und krankheitsbezogene Anwendung finden vertiefte Berücksichtigung.

Neben den vier Herausgebern und Gründungsmitgliedern des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung (DNVF) stellt ein renommiertes Team von 76 Autoren aus den Bereichen Medizin, Gesundheitswissenschaften, Soziologie, Pharmazie und Gesundheitsökonomie weitere zentrale Themen vor, wie z.B. die Rolle von Patienten und deren Partizipation in der Versorgung, die Aufgabe von Berufsgruppen und Institutionen, die Rahmenbedingungen und Systemfaktoren sowie krankheitsübergreifende Querschnittsthemen. Hier seien exemplarisch der medizinische Bedarf von älteren Menschen und Menschen mit Behinderung sowie die Arzneimittelversorgung, die Pflege und die Prävention genannt.

Um die Aktualität auch längerfristig zu gewährleisten, sind diverse Kapitel mit einem QR-Code versehen und werden in erforderlichen Zeitabständen aktualisiert.


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Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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Prof. Dr. Heinz RothgangProf. Dr. Heinz Rothgang
Die Mundgesundheit Pflegebedürftiger steht im Fokus des Projektes "MundPflege".

Nachdem im Dezember 2016 bereits ein von Professor Rothgang in der Versorgungsforschung beantragtes Projekt zur "Bedarfsgerechtigkeit der medizinischen Versorgung Pflegebedürftiger in stationären Einrichtungen (MVP-STAT)" mit einem Fördervolumen von 854.905 € bewilligt wurde, erhielt das SOCIUM nun eine zweite Bewilligung mit einem Fördervolumen von 850.702 €. Ziel dieses von Professor Rothgang in der zweiten Förderwelle der neuen Versorgungsformen beantragten Projektes ist es, mittels einer neuen Versorgungsform die Mundgesundheit ambulant versorgter Pflegebedürftiger zu erhalten und zu verbessern. Hierdurch wird die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität Pflegebedürftiger gestärkt, die unter anderem durch Schmerzfreiheit sowie die Fähigkeiten zum adäquaten Zerkleinern und Schlucken von Nahrung, zum Sprechen und zur sozialen Teilhabe bestimmt wird.

Das dreijährige Projekt wird am SOCIUM in Kooperation mit dem BKK Dachverband e.V. und dem Kompetenzzentrum für Klinische Studien Bremen der Universität Bremen unter Beteiligung der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen im Lande Bremen und Niedersachsen, des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, der LandesArbeitsGemeinschaften der Freien Wohlfahrtspflege Bremen und Niedersachsen, und der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin durchgeführt. Beteiligte Krankenkassen sind die BAHN-BKK, die SBK - Siemens-Betriebskrankenkasse, die atlas BKK ahlmann, die Betriebskrankenkasse Deutsche Bank AG, die energie-BKK, die pronova BKK, und die Novitas BKK.

In dem Modellprojekt gem. § 63 Abs. 2 SGB V erfolgen eine zugehende zahnärztliche Statuserhebung der Mundgesundheit ambulant versorgter Pflegebedürftiger und, unter Beachtung der zahnärztlichen Delegationsgrundsätze gemäß Zahnheilkundegesetz, die Erbringung von Prophylaxeleistungen mit Einbezug der Pflegepersonen durch fortgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte.

Die neue Versorgungsform wird unter der Leitung von Professor Falk Hoffmann (Universität Oldenburg) in einer zweiarmigen randomisierten kontrollierten Studie (RCT) unter Einbezug von BKK-Routinedaten inklusive Verknüpfung von Primär- und Sekundärdaten evaluiert.

Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vergibt in den Jahren 2016 bis 2019 Fördermittel von jeweils 300 Millionen Euro pro Jahr. Davon werden jährlich 225 Millionen Euro für die Forschung zu neuen Versorgungsformen und 75 Millionen Euro für den Bereich Versorgungsforschung vergeben.

Weitere Informationen zum Projekt:
Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen (MundPflege)


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Prof. Dr. Heinz Rothgang
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