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"Moving for the Kids" und die Folgen für die residenzielle Segregation. Die wahrgenommene Qualität von Schulen und Nachbarschaften als Ursache von Umzügen von Familien mit und ohne Migrationshintergrund.

"Umziehen für die Kinder" - Umzüge von Familien können dadurch motiviert sein, die Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder zu verbessern. In dem geplanten Projekt wird auf der Basis von regional vergleichenden standardisierten Primärdatenerhebungen untersucht, wie die wahrgenommene Qualität von Schulen und Nachbarschaften - neben anderen Ursachen - Umzüge und Wohnstandortentscheidungen von Familien mit und ohne Migrationshintergrund beeinflusst. Für Deutschland wird erstmalig systematisch der Frage nachgegangen, ob Motive des intergenerationalen Bildungserhalts oder Bildungsaufstiegs, aber auch Motive des Erhalts ethnisch-kulturellen Kapitals, in Verbindung mit wahrgenommenen Kontextfaktoren der Schule und Nachbarschaft, kleinräumige Wanderungen auslösen. Diese Wanderungen können die ethnische Segregation verstärken ("white flight") oder reduzieren ("spatial assimilation") - und zugleich Form und Ausmaß der sozialen Segregation beeinflussen. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Analyse der Ursachen des räumlichen Mobilitätsverhaltens von Familien mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland, jedoch erweitert um den vermutlich zentralen Faktor der elterlichen Status- bzw. Bildungsaspiration.

Wir vermuten, dass junge Paare und Familien insbesondere aus der Mittelschicht ihre Wohnstandortentscheidungen auch danach ausrichten, wie förderlich sie die lokale Schule und die Nachbarschaft für die Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten ihrer (künftigen) Kinder einschätzen. Kontextmerkmale wie hohe Armutsquoten und hohe Konzentrationen von Migranten in Nachbarschaft und Schule werden als "push"-Faktoren wahrgenommen. Bei Familien mit Migrationshintergrund vermuten wir dagegen auch Motive des Erhalts lokalen ethnisch-kulturellen Kapitals, die bildungsmotivierten Umzügen entgegenwirken könnten.

Im ersten Schritt soll geklärt werden, wie stark intergenerationale Bildungsmotive - auch als Kopplungsgewinne und neben anderen Motiven - die Bewertung der lokalen Kontextbedingungen Umzugsentscheidungen beeinflussen, ob sich Familien mit und ohne Migrationshintergrund diesbezüglich unterscheiden und wie diese Motive im Zusammenspiel mit der wahrgenommenen sozialen und ethnischen Zusammensetzung von Schulen und Nachbarschaften Umzüge auslösen. Im zweiten Schritt wird untersucht, wie realisierte Umzüge - aggregiert auf die Makroebene - in Form ethnischer und sozialer Segregation strukturbildend wirken. Anhand von Simulationsmodellen soll im zweiten Schritt auf Basis der empirisch ermittelten Determinanten von Umzügen regional vergleichend die Entwicklung der ethnischen und sozialen Segregation prognostiziert werden.


Kontakt:
Prof. Dr. Johannes Huinink
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58535
E-Mail: huinink@uni-bremen.de

Prof. Dr. Michael Windzio
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58629
E-Mail: mwindzio@uni-bremen.de

Neues DFG-Projekt bewilligt.

Einkommensverluste, Bildungspanik oder burn-out-Probleme in den Mittelschichten sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Die Frage, ob die Mittelschichten in ihrer ‚Komfortzone‘ bedroht sind und die bisher scheinbar selbstverständliche gesicherte Existenz für die eigenen Kinder nicht mehr gilt, ist Gegenstand vielfältiger, auch kontroverser öffentlicher Debatten. Tatsächlich ist über die Lebensführung der Mittelschichten in Deutschland jedoch wenig bekannt. Soziologinnen und Soziologen aus verschiedenen Abteilungen des SOCIUM werden nun in einem kürzlich von der DFG bewilligten Forschungsprojekt untersuchen, welche Ereignisse und Entwicklungen zu Verunsicherungen führen und wie Mittelschichtsangehörige mit diesen Irritationen umgehen.

In der dreijährigen Studie (Fördervolumen ca. 400.000 Euro) mit dem Titel "Lebensführung als investive Statusarbeit-Praktiken, Bedingungen, Störungen" werden Angehörige unterschiedlicher Teilgruppen der Mittelschicht auch im Vergleich zu Angehörigen von Unterschichten vertiefend zu einzelnen Lebensbereichen wie Arbeit, Partnerschaft, Geldanlagen interviewt, um herauszufinden, inwieweit sich Irritationen in einzelnen Bereichen auf die gesamte Lebensführung auswirken.

Die Studie ist Teil eines größeren Forschungsprogramms an dem die Antragsteller, Uwe Schimank, Betina Hollstein und Karin Gottschall, mit weiteren Kolleginnen und Kollegen aus der Soziologie an der Universität Bremen und darüber hinaus arbeiten. Neben der genannten qualitativen Studie, an der auch die Postdoktoranden und Doktoranden Nils C. Kumkar, Rixta Wundrak und Stefan Holubek beteiligt sein werden, soll in weiteren Projekten die Lebensführung der Mittelschichten auch repräsentativ und längsschnittlich sowie ländervergleichend untersucht werden.


Kontakt:
Prof. Dr. Karin Gottschall
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58595
E-Mail: karin.gottschall@uni-bremen.de

Prof. Dr. Betina Hollstein
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58512
E-Mail: betina.hollstein@uni-bremen.de

Prof. Dr. Uwe Schimank
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58564
E-Mail: uwe.schimank@uni-bremen.de

DFG bewilligt die Finanzierung der nächsten zwei Jahre ab Mai 2016.

Das deutsche Beziehungs- und Familienpanel pairfam, das von Soziologen der Universität Bremen maßgeblich mitinitiiert wurde, geht in die nächste Runde: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im Dezember 2015 die Befragungswellen 9 und 10 von pairfam (Panel Analysis of Family Dynamics) bewilligt. Der Förderumfang für die Dauer von 24 Monaten liegt bei fünf Millionen Euro, davon entfallen rund 20 Prozent auf die Uni Bremen. Die erste Befragungswelle fand 2008/2009 statt. Insgesamt ist das Projekt auf 14 Jahre angelegt. Die pairfam-Daten stehen der Fachöffentlichkeit für wissenschaftliche Analysen zur Verfügung und können über das GESIS-Institut bezogen werden. Die Zahl der registrierten Nutzer betrug 2015 über 1150.

Pairfam wird gemeinsam von den Universitäten Bremen (Professor Johannes Huinink), Chemnitz (Professor Bernhard Nauck), Jena (Professor Franz Neyer), Köln (Professor Karsten Hank) und München (Professor Josef Brüderl, Professorin Sabine Walper) durchgeführt.

Weitere Informationen:
Beziehungs- und Familienpanel pairfam (Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics)


Kontakt:
Dr. Petra Buhr
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58539
E-Mail: buhr@uni-bremen.de

Prof. Dr. Johannes Huinink
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58535
E-Mail: huinink@uni-bremen.de

Timo Peter
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58542
E-Mail: timo.peter@uni-bremen.de