Prof. Dr. Gerd GlaeskeProf. Dr. Gerd Glaeske
Professor Gerd Glaeske veröffentlicht zusammen mit anderen Kolleginnen und Kollegen im Rahmen der vergleichenden Versorgungsforschung zwei internationale Publikationen.

Die Verordnungshäufigkeit von ADHS-Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten in den USA deutlich erhöht. Erstmals liegen zum Thema auch vergleichende Ergebnisse für Deutschland, Dänemark, die Niederlande, England und die USA vor. Eine internationale Forschergruppe um Professor Gerd Glaeske analysierte im Rahmen einer vergleichenden Versorgungsforschung die Medikamentengabe bei ADHS, unter Berücksichtigung von Prävalenz, Alter und Geschlecht. 

Die wiederholte Querschnittsanalyse von 2005-2012 kommt zu dem Ergebnis, dass trotz des verhältnismäßig geringeren Einsatzes in den vier europäischen Ländern, der Einsatz von ADHS Medikamenten (vorwiegend Methylphenidat) bei Kindern und Jugendlichen stark gewachsen ist. Dagegen kommt es bei der amerikanischen Kohorte nur zu einem moderaten Anstieg (nahezu gleichermaßen mit Methylphenidat und Amphetamin). 

Zusammen mit dem gleichen internationalen Expertenteam untersuchte Gerd Glaeske auch das Verschreibungsverhalten von Antidepressiva für Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahren. Nach einer Black-Box Warnung vor 12 Jahren zur Suizidgefahr bei Kindern und Jugendlichen nach der Einnahme von Antidepressiva kam es zu einem Rückgang der Verschreibungen. 

Die Ergebnisse der Studie mit Vergleichsdaten der o.a. Länder für den Zeitraum 2005-2012 sind jetzt veröffentlicht: die Verschreibungen steigen in Deutschland um 50% an; der Anstieg ist in Dänemark mit 60% am höchsten, in den Niederlanden mit 18 % am moderatesten. Dennoch erhalten in Deutschland nur 0,5% der Jugendlichen bis 19 Jahren überhaupt Antidepressiva. Diskutiert wird daher eine mögliche Unterversorgung bei den 3-6% an Depression erkrankten Kindern und Jugendlichen. Zum Vergleich werden in Dänemark und England an 1% und in den USA an 1,6 % dieser Altersgruppe Antidepressiva verordnet.

Weitere Informationen:
Bachmann, Christian J.; Wijlaars, Linda; Kalverdijk, Luuk J.; Burcu, Mehmet; Glaeske, Gerd; Schuiling-Veninga, Catharina C. M.; Hoffmann, Falk; Aagaard, Lise; Zito, Julie M., 2017: Trends in ADHD medication use in children and adolescents in five western countries, 2005-2012, in: European Neuropsychopharmacology, 27 (5), S. 484 - 493, doi:10.1016/j.euroneuro.2017.03.002

Bachmann, Christian J.; Aagaard, Lise; Burcu, Mehmet; Glaeske, Gerd; Kalverdijk, Luuk J.; Petersen, Irene; Schuiling-Veninga, Catharina C. M.; Wijlaars, Linda; Zito, Julie M.; Hoffmann, Falk, 2016: Trends and Patterns of antidepressant use in children and adolescents from five western countries, 2005-2012, in: European Neuropsychopharmacology, 26 (3), S. 411 - 419, doi:10.1016/j.euroneuro.2016.02.001


Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Glaeske
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58559
E-Mail: gglaeske@uni-bremen.de