Aktuelle Mitteilungen

v.l.n.r.: Patricia Zauchner, Tanja Pritzlaff und Frank Nullmeier.v.l.n.r.: Patricia Zauchner, Tanja Pritzlaff und Frank Nullmeier.
Fortsetzung der Forschergruppe "Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren" von der DFG genehmigt.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Fortführung der Forschergruppe "Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren" (FOR 2104) für weitere drei Jahre bewilligt. Die Teilprojekte der Forschergruppe erhalten insgesamt rund 2,4 Millionen Euro. Sprecher der Forschergruppe ist Prof. Stefan Traub (vormals Universität Bremen, nun Helmut-Schmidt-Universität Hamburg).

In den insgesamt acht Teilprojekten, die an den Universitäten Bremen, Hamburg, Oldenburg, Wien (Österreich), der Jacobs University Bremen, der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (Schweiz) angesiedelt sind, wird in den kommenden drei Jahren an einer Theorie der Bedarfsgerechtigkeit gearbeitet, die sich auf experimentelle Untersuchungen stützen kann. Alle Teilprojekte sammeln mit Hilfe von Laborexperimenten Daten zum Verhalten von Versuchspersonen in besonderen Verteilungssituationen. Es wird also direkt beobachtet, was Menschen als gerechte Verteilung empfinden und an welchen Gerechtigkeitsmaßstäben sie ihr Verhalten ausrichten.

Die erste Förderphase (2015-2018) hat gezeigt, dass die Verteilung von Ressourcen nach gesellschaftlich anerkannten Bedarfen ein zentrales Handlungs- und Gerechtigkeitsprinzip in Verteilungssituationen darstellt. Bedarfsgerechte Steuer- und Transfersysteme sind im Allgemeinen widerspruchsfreier, politisch legitimer und stabiler und ökonomisch nachhaltiger als solche, die sich rein an Leistungsgerechtigkeit oder Gleichheit orientieren. Eine Besonderheit von FOR 2104 ist der interdisziplinäre Zuschnitt, der die Disziplinen Ökonomie, Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie und Soziologie umfasst und in den Teilprojekten jeweils zu Tandems verbindet. In der nun genehmigten zweiten Förderphase (2018-2021) wird geprüft, unter welchen Bedingungen von Bedarfsgerechtigkeit abgewichen wird oder eine Kombination verschiedener Gerechtigkeitskriterien zur Geltung kommt.

An der Universität Bremen ist das von Prof. Frank Nullmeier und PD Dr. Tanja Pritzlaff-Scheele (beide SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik) geleitete Teilprojekt "Bedarfe diesseits und jenseits der Grenzen. Experimentelle Untersuchungen zur Stabilität von Verfahren transnationaler bedarfsgerechter Verteilung" angesiedelt. Die wissenschaftliche Analyse von Gerechtigkeitsfragen hat sich daher seit einigen Jahren verstärkt der Frage der globalen Gerechtigkeit, der politischen Ethik der Migration und der Frage einer gerechten Entwicklungspolitik zugewandt.
Das politikwissenschaftliche Projekt untersucht drei verschiedene Szenarien: Die nationale Verteilungsarena verändert sich durch (1) ein größeres Maß an Immigration, (2) entwicklungspolitische Transfers an Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen oder (3) die Änderung der gesamten Produktionsweise in einem Hocheinkommensland, sodass sie die internationale Arbeitsteilung zugunsten anderer Länder verbessert. Die Fragen lauten:

  • Wie stabil sind Bedarfsbestimmungen und bedarfsgerechte Verteilungen in diesen drei Szenarien?
  • Welche Folgen für das Gerechtigkeitsempfinden hat die Aufnahme weiterer Personen in die Verteilungsgemeinschaft im Vergleich zur Einbeziehung von Transferzahlungen an Dritte oder die Veränderung der eigenen Produktionsweise zugunsten Dritter?


Weitere Informationen:

Website der Forschergruppe "Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren" (FOR 2104)


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

Professor Heinz RothgangProfessor Heinz Rothgang
Am Forschungszentrum SOCIUM der Universität Bremen wird die wichtigste pflegepolitische Frage der aktuellen Legislaturperiode bearbeitet.

Sie haben die europaweite Ausschreibung für eine wichtige Expertise gewonnen und damit 3,7 Millionen Euro Drittmittel eingeworben: 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrums Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM) der Universität Bremen sollen jetzt unter der Leitung von Professor Heinz Rothgang ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personals in Pflegeeinrichtungen entwickeln und erproben.

Die Personalausstattung von Pflegeheimen - schon immer ein Thema

Die Personalausstattung von Pflegeheimen ist unzureichend: So lautet eine Klage, die schon so alt ist wie die Pflegeversicherung selbst, also mehr als 20 Jahre. Die Personalausstattung fällt zudem im Bundesgebiet äußerst unterschiedlich aus. Ein Beispiel: In stationären Einrichtungen in Bayern wird pro Pflegebedürftigem 20 Prozent mehr Personal eingesetzt als in Sachsen-Anhalt. Bislang sind schon mehrere Versuche gescheitert, ein bundeseinheitliches Personalbemessungsverfahren einzuführen.

Im Zweiten Pflegestärkungsgesetz hat der Gesetzgeber daher die Vertragsparteien der Pflege-Selbstverwaltung verpflichtet, bis zum 30. Juni 2020 ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personals in Pflegeeinrichtungen nach qualitativen und quantitativen Maßstäben wissenschaftlich entwickeln und erproben zu lassen. Dazu müssen die Vertragsparteien fachlich unabhängige wissenschaftliche Einrichtungen beauftragen.

Neues Pflegeverständnis in der Praxis nötig

Die Frage nach einer angemessenen Personalausstattung hat zuletzt weiter an Bedeutung gewonnen - angestoßen durch die große Pflegereform in der vergangenen Legislaturperiode. Der im Rahmen dieser Reform eingeführte "neue Pflegebedürftigkeitsbegriff" zielt darauf ab, die Selbständigkeit der Pflegebedürftigen zu erhalten und zu fördern. Bei der Umsetzung wird es in den kommenden Jahren wichtig sein, auch ein verändertes Pflegeverständnis in der Praxis zu schaffen. Es soll sich vom bisherigen "Verrichtungsbezug" entfernen. Mit "Verrichtungen" sind unerlässliche Tätigkeiten des Alltags gemeint, also Essen, Trinken, Einkaufen, Kochen, Putzen usw..

Zentraler Faktor: Menge und Ausbildungsgrad des Pflegepersonals

Der zentrale Faktor für ein verändertes Pflegeverständnis ist das Pflegepersonal. Dessen Zahl und der Ausbildungsgrad der Pflegenden werden künftig im Mittelpunkt der politischen Bemühungen zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung stehen. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff muss somit zum Anlass genommen werden, die Personalausstattung zu überprüfen und an den sich verändernden Bedarf anzupassen. Dies wird das Team von Professor Rothgang in den kommenden Jahren tun.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Thomas Kalwitzki
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58544
E-Mail: thomas.kalwitzki@uni-bremen.de

Mathias Fünfstück
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58637
E-Mail: m.fuenfstueck@uni-bremen.de

Cover Antrag SFB 1342 Cover Antrag SFB 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik".
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB) an der Universität Bremen bewilligt. Der SFB wird in den nächsten vier Jahren mit rund elf Millionen Euro gefördert.

Mit dem SFB, der federführend von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik und des InIIS (Institut für Interkulturelle und Internationale Studien) mit dem Sprecher Professor Herbert Obinger beantragt wurde, wird ein neuer Forschungsverbund im Bereich der Sozialpolitikforschung in Bremen etabliert. Bisher hatte sich diese Forschung stark auf den Vergleich der hochindustrialisierten Länder konzentriert. Im neuen Sonderforschungsbereich werden die Entwicklungsdynamiken staatlich verantworteter Sozialpolitik in einer auch den Globalen Süden umfassend einbeziehenden Perspektive analysiert. Auch in weiteren Hinsichten geht das Forschungsprogramm des SFBs über die bisherige Sozialpolitikforschung hinaus. Die internationalen Verbindungen und Vernetzungen rücken in den Vordergrund. Die Sozialpolitik eines Landes lässt sich nicht allein aus den innerstaatlichen Verhältnissen heraus erklären. Handelsbeziehungen, Migration, Krieg und Kolonialismus sowie die weltweite Verbreitung von Ideen und Rechtsregeln besitzen eine große Bedeutung für die sozialpolitischen Entwicklungen in den einzelnen Ländern. Zudem liegt der Forschung im SFB ein breites Verständnis von Sozialpolitik zugrunde, in dem unter anderem Bildungspolitik einbezogen wird. Drittens ersetzt der SFB die nationalstaatliche Binnenorientierung der Sozialpolitikforschung durch einen interdependenzentrierten Ansatz.

Der Forschungsverbund hat 15 Teilprojekte und gliedert sich in zwei Projektbereiche. Projektbereich A besteht aus sechs Teilprojekten, die die Entwicklungsdynamiken in den einzelnen Feldern der Sozialpolitik weltweit untersuchen und eine alle Felder umfassende Datenbank "Global Welfare State Information System" (WeSIS) aufbauen. Projektbereich B besteht aus neun Teilprojekten, in denen in fallstudienzentrierten, qualitativen Analysen die Kausalpfade zwischen internationalen Verflechtungen und sozialpolitischen Entwicklungsdynamiken für einzelne Ländergruppen untersucht werden.

Beteiligt sind von der Universität Bremen neben dem SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik und dem Institut für Internationale und Interkulturelle Studien (InIIS), Teilprojektleiter aus der Forschungsstelle Osteuropa, dem Institut für Geschichtswissenschaft, dem Institut für Geographie, dem Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW), dem Zentrum für europäische Rechtspolitik sowie der Arbeitsgruppe Informationsmanagement des Fachbereichs Informatik. Ebenfalls beteiligt sind die Jacobs University Bremen, die Universität Duisburg-Essen und die Universität zu Köln. Der Start des Sonderforschungsbereichs ist für Anfang 2018 vorgesehen.

Mit den Sonderforschungsbereichen fördert die DFG bis zu zwölf Jahre fächerübergreifende Forschungsprogramme einer Hochschule. Derzeit werden 267 Sonderforschungsbereiche finanziert.


Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Obinger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58567
E-Mail: herbert.obinger@uni-bremen.de

Dr. Irina Wiegand
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58508
E-Mail: irina.wiegand@uni-bremen.de

Barmer-Pflegereport 2017Barmer-Pflegereport 2017
Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2017 im Auftrag der BARMER.

Heute wurde im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz der diesjährige BARMER Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die unterschiedliche Bedarfs- und Versorgungslage von jungen Pflegebedürftigen (0 bis 59 Jahre) analysiert. Zudem wurden die Auswirkungen der jüngsten Pflegereformen auf die Versorgung der Pflegebedürftigen untersucht. Die Arbeitsgruppe des SOCIUM unter Leitung von Professor Heinz Rothgang, bestehend aus Dr. Rolf Müller, Rebecca Runte und Dr. Rainer Unger liefert dazu auch vertiefende Untersuchungen zu Fallzahlen, Inzidenzen, Prävalenzen und Pflegeverläufen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik 2015, das sozio-ökonomische Panel, die Routinedaten der BARMER sowie eine eigens für das Schwerpunktthema durchgeführte Versichertenbefragung.

Leistungsausweitung lässt die Zahl der Pflegebedürftigen steigen
Die Leistungsausweitungen der Pflegeversicherung führt - zusätzlich zum demografischen Effekt - zu einer steigenden Zahl Pflegebedürftiger, da sich aufgrund der neuen oder erhöhten Leistungen mehr Menschen als bisher einer Pflegebegutachtung unterziehen. Gleichzeitig ist die Prävalenz hoher Pflegstufen (jetzt Pflegegraden) tendenziell rückläufig.

Pflegebedürftigkeit ist auch unter jungen Menschen sehr häufig
Langzeitpflege betrifft nicht nur alte Menschen. Von den 2,86 Millionen in der Pflegestatistik 2015 ausgewiesenen Pflegebedürftigen mit Pflegestufe I-III waren 386.000 und damit 13,5% jünger als 60 Jahre. Sie unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von älteren Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Während der weitaus größere Teil der Pflegebedürftigen weiblich ist, verhält es sich bei den jüngeren genau entgegengesetzt. So gab es im Jahr 2015 "nur" 175.000 weibliche, aber dafür 211.000 männliche Pflegebedürftige bis 59 Jahre.

Junge Pflegebedürftige haben andere Erkrankungen und Behinderungen
Mit der Pflegebedürftigkeit älterer Menschen werden Erkrankungen wie Demenz und Schlaganfall in Verbindung gebracht; bei jungen Pflegebedürftigen findet sich hingegen eine Reihe anderer Erkrankungen und Störungen. Von den jungen Pflegebedürftigen haben 35 Prozent Lähmungen, 32 Prozent Intelligenzminderungen, 24 Prozent Epilepsie, 22 Prozent Entwicklungsstörungen und zehn Prozent das Down-Syndrom. Dafür sind Demenzen und Schlaganfälle bei jungen Pflegedürftigen deutlich seltener. Das geringere Alter in Verbindung mit diesem Erkrankungsspektrum führt zu einer höheren Überlebensrate und zu einer höheren Austrittsrate aus der Pflegebedürftigkeit.
Insgesamt 89 Prozent der jungen Pflegebedürftigen haben einen Grad der Behinderung von mindestens 20 und damit Ansprüche auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (§ 33 SGB IX) und am Leben in der Gemeinschaft (§ 55 SGB IX). Insbesondere für junge Pflegebedürftige ist das abgestimmte Zusammenwirken der verschiedenen Leistungsträger daher von zentraler Bedeutung.

Der Wunsch nach selbstbestimmtem Wohnen bleibt häufig unerfüllt
Für das Schwerpunktthema des Reports wurde eine Befragung von BARMER-Versicherten im Alter bis zu 59 Jahren durchgeführt, bei deren Auswertung insgesamt 1.747 vollständig ausgefüllte Fragebögen berücksichtigt werden konnten. Gemäß den Befragungsergebnissen wünschen sich junge Pflegebedürftige häufig ein Leben in Wohngruppen, in betreuten Wohngemeinschaften, in einer eigenen Wohnung oder in Behinderteneinrichtungen. An Versorgungsangeboten mangelt es aber. Am höchsten ist die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation bei den Alleinlebenden (93 Prozent) und den in Partnerschaft Lebenden (91 Prozent); am geringsten ist sie bei den Bewohnern von Pflegeheimen (63 Prozent). Der Wunsch, die gegenwärtige Wohnsituation zu ändern, besteht vielfach. So wünschen sich rund 35 Prozent der 10- bis 29-Jährigen in Wohngruppen oder betreute Wohngemeinschaften zu ziehen. Rund die Hälfte findet aber kein passendes Angebot.

Versorgungslücken zeigen sich bei Kurzzeitpflege und Tagespflege
Ein Mangel an alters- oder erkrankungsgerechten Versorgungsangeboten wird auch bei Kurzzeitpflege oder Tagespflege festgestellt. Der in der Versichertenbefragung geäußerte Wunsch nach Kurzzeitpflege und Tagespflege ist etwa doppelt so groß wie die angegebene derzeitige Nutzung. Im Resultat wird damit ein zusätzlicher Bedarf an von 3.400 Kurzzeitpflegplätzen und 4.000 Tagespflegeplätzen deutlich. Die Kurzzeitpflege und Tagespflege wird in den bestehenden Formen überwiegend deshalb nicht genutzt, weil sie als nicht altersgerecht und nicht angepasst an die eigene Erkrankung empfunden wird.

Versorgungsqualität wird von jungen Pflegebedürftigen in Behinderteneinrichtungen und Wohngruppen als besser bewertet
Bei der Bewertung der Versorgungsqualität durch junge Pflegebedürftige schnitten Pflegeheime und häusliche Versorgungssettings mit Pflegediensten schlechter ab als die Versorgung im Behindertenheim oder in den Wohngruppen. Auch dies ist ein Indiz dafür, dass die Versorgung der jungen Pflegebedürftigen in Teilen am Bedarf (Wunsch nach mehr Versorgung in Wohngruppen und im Behindertenwohnheim bei entsprechender Qualität) vorbei geht.

Download:
Barmer-Pflegereport 2017
Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz am 09.11.2017
Vortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz am 09.11.2017
Infografiken zum Barmer-Pflegereport


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. Rainer Unger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58553
E-Mail: rainer.unger@uni-bremen.de

Dr. rer. pol. Rolf Müller
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58554
E-Mail: rmint@uni-bremen.de

MARDY: Modeling ARgumentation DYnamics in Political Discourse.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Sebastian Haunss im Rahmen des Schwerpunktprogramm "Robust Argumentation Machines (RATIO)" (SPP 1999) ein Forschungsprojekt bewilligt. Unter dem Titel »Modeling ARgumentation DYnamics in Political Discourse« (MARDY) geht es darum Methoden und Tools zur Analyse und datengetriebenen Modellierung von Diskursdynamiken zu entwickeln.

In dem für einen Zeitraum von drei Jahren bewilligten Projekt kooperiert Sebastian Haunss mit den beiden Informatikern und Computer-Linguisten Jonas Kuhn und Sebastian Padó vom Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung der Universität Stuttgart.

Weitere Informationen zum Projekt:
Modeling ARgumentation DYnamics in Political Discourse (MARDY)


Kontakt:
PD Dr. Sebastian Haunss
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58572
E-Mail: sebastian.haunss@uni-bremen.de

Abschlussveranstaltung zu der von den Professoren Heinz Naegler (Berlin) und Karl-Heinz Wehkamp (Bremen/SOCIUM) durchgeführten Studie.

Am 6. November 2017 richtet das SOCIUM die Abschlussveranstaltung eines empirischen Forschungsprojekts aus, das von dem Ökonomen Professor Heinz Naegler, Berlin und dem Arzt und Soziologen Professor Karl-H. Wehkamp, SOCIUM, durchgeführt wurde. Thema: Ökonomisierung patientenbezogener ärztlicher Entscheidungen im Krankenhaus. Die Ergebnisse werden von einem Podium diskutiert, dem die Bremer Senatorin für Gesundheit Professorin Eva Quante-Brandt, die Präsidentin der Ärztekammer Bremen Dr. Heidrun Gitter, der Vorsitzende der Bremer Krankenhausgesellschaft Jürgen Scholz sowie der Leiter der Abteilung Stationäre Versorgung AOK-Bundesverband Dr. Jürgen Malzahn angehören. Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Krankenhaus und langjährige Pflegedirektorin der Charité Berlin, Hedwig Francois-Kettner, wird zur Thematik aus Sicht der Patientensicherheit sprechen.
Die wissenschaftliche und organisatorische Leitung liegt bei Professor Heinz Rothgang und Dr. Joachim Larisch vom SOCIUM.

Steht der Patient tatsächlich mit seinen gesundheitlichen Interessen im Mittelpunkt, wenn er ins Krankenhaus aufgenommen, dort behandelt und wieder entlassen wird? Ist der zu beobachtende fortwährende Anstieg der Fallzahlen und der Komplexitätsgrade der Erkrankungen ausschließlich auf medizinischen Bedarf zurückzuführen? Entspricht die Ausrichtung der Kliniken den gesundheitlichen Bedürfnissen der Bevölkerung? Oder sind diese Entwicklungen Ausdruck eines "Ökonomisierungsprozesses", der medizinische Indikationen zunehmend mit wirtschaftlichen Interessen vermengt? Verändern die Finanzierungs- und Steuerungskonzepte des Gesundheitssystems auch die Inhalte und den Charakter der Medizin und der Krankenhäuser?

Die vorgelegten Ergebnisse der qualitativen Studie zeigen die Dilemmata auf, denen Geschäftsführer und Ärzte ausgesetzt sind, wenn sie zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Kliniken Gewinne erzielen müssen. Wenn das Patientenwohl konsequent als Maßstab patientenbezogener und unternehmerischer Entscheidungen berücksichtigt würde, wäre die Zahl der in die stationäre Behandlung aufgenommenen Patienten geringer, die Behandlungsprozesse könnten sorgsamer, zuwartend und weniger aggressiv verlaufen. Der Arbeitsplatz Krankenhaus wäre attraktiver und gesünder und das Problem des Fachkräftemangels wäre ebenfalls geringer. Vorausgesetzt freilich, dass genügend Fachpersonal vorhanden wäre und der Druck der Krankenhäuser, Gewinne zu ihrer Zukunftssicherung zu machen, vermindert würde.

Die beiden Autoren - der eine Arzt, der andere Ökonom - befragten Ärzte und Geschäftsführer deutscher Krankenhäuser danach, ob medizinische Entscheidungen durch andere Interessen als die der Patienten beeinflusst werden und wenn ja, warum dieses so ist. Die Ergebnisse werden in Buchform (Naegler H., Wehkamp K.-H.: Medizin im Krankenhaus zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung von der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsanstalt, Berlin) sowie im Deutschen Ärzteblatt und im Monitor Versorgungsforschung publiziert. Das NDR-Fernsehen ist anwesend und produziert eine ausführliche Dokumentation zu dem Thema.

Weitere Informationen zu den Vorträgen:

  • Naegler, Heinz; Wehkamp, Karl-Heinz: Ergebnisse der Studie und Empfehlungen, Medizin im Krankenhaus zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung. Ärzte und Geschäftsführer im Interview, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Universität Bremen, Bremen, Deutschland

  • Rothgang, Heinz: Einführung, Medizin im Krankenhaus zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung. Ärzte und Geschäftsführer im Interview, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Universität Bremen, Bremen, Deutschland


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

StB Dr. Joachim Larisch
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58552
E-Mail: jlarisch@uni-bremen.de