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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Ungleichheitsdynamiken in Wohlfahrtsgesellschaften".

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Prof. Dr. Karin GottschallProf. Dr. Karin Gottschall
Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialforschung (FIS)" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales stellt dem SOCIUM 1,1 Millionen Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung.

Großer Erfolg für das SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen: Der Antrag der Bremer Soziologieprofessorin Karin Gottschall beim Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialforschung" für die Einrichtung der Stiftungsprofessur "Lebenslauforientierte Sozialpolitik" wurde bewilligt. Das FIS finanziert die im Fachbereich Sozialwissenschaften und am SOCIUM angegliederte Professur mit Ausstattung für die kommenden fünf Jahre mit 1,1 Millionen Euro. Die neue Professur wird sich in Forschung und Lehre auf den Zusammenhang von Erwerbsbiographien, Sozialpolitik und sozialer Ungleichheit konzentrieren.

Risiken im Lebensverlauf
Der deutsche Arbeitsmarkt ist durch eine seit Jahrzehnten anhaltend hohe Arbeitslosigkeit einzelner Arbeitsmarktgruppen und die Zunahme unsicherer Beschäftigungsverhältnisse gekennzeichnet. Die Vorstellung eines ununterbrochenen Erwerbsverlaufs bis zum Renteneintritt scheint immer unrealistischer, ein Thema, das unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren zunehmend prägen wird. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Stiftungsprofessur liegen bei neuen und alten Risiken veränderter Erwerbsverläufe und Lebensformen. Darüber hinaus wird sie sich mit den Wirkungen jüngerer sozialpolitischer Reformen in Arbeitsmarkt und Alterssicherung in Deutschland und im internationalen Vergleich auseinandersetzen. Dabei werden spezifische Gruppen - wie Frauen, Personen mit Migrationshintergrund, Erwerbsgeminderte oder Alleinselbständige - in den Blick genommen und der individuelle und gruppenspezifische Umgang mit sozialen Risiken im Lebensverlauf wie auch der alltäglichen Lebensführung untersucht.

Die Professur will zugleich sozialwissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zu kontrovers diskutierten gesellschaftlichen Fragen wie etwa Lebensstandardsicherung und Armutsrisiken bereitstellen und einen Beitrag zu einer lebenslauforientierten und nachhaltigen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik leisten. Damit fördert die Ausrichtung der Professur die am SOCIUM etablierte Einheit von Sozialpolitikforschung und soziologischer Ungleichheitsforschung und ermöglicht eine weitere Profilierung interdisziplinärer vergleichender Wohlfahrtsstaatsforschung an der Universität Bremen.

Das Bremer SOCIUM
Das SOCIUM ist bundesweit das einzige sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut, das Fragen von Ungleichheit, Sozialpolitik sowie deren gesellschaftliche und politische Wechselwirkungen empirisch wie theoretisch untersucht. Der Fokus der Arbeit liegt auf der fächerübergreifenden Forschung zu den sozialen, ökonomischen, politischen, kulturellen, organisatorischen, rechtlichen, historischen und sozial-medizinischen Bedingungen.

Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung"
Das 2016 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales eingerichtete Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung" finanziert Forschergruppen, Forschungsprojekte und Stiftungsprofessuren und fördert damit innovative Ansätze in der Sozialpolitikforschung.

Weitere Informationen: Fördernetzwerk "Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung"


Kontakt:
Prof. Dr. Karin Gottschall
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58595
E-Mail: karin.gottschall@uni-bremen.de

Dietrich Milles und Céline Teney veröffentlichen ihre aktuellen Forschungsergebnisse.

Im Wissenschaftsblog "Impulse" der Universität Bremen veröffentlichen Autorinnen und Autoren ihre aktuellen Forschungsergebnisse. "Impulse" bietet jetzt zwei neue Beiträge an. Dietrich Milles, Professor am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik und Dr. Ulrich Meseck aus dem Fachbereich Kulturwissenschaften erläutern, was beim Thema Inklusion durch Bewegung, Sport und Spiel alles möglich ist. In einer Kooperation zwischen Werkstatt Bremen (Martinshof), der AOK Bremen-Bremerhaven und der Universität Bremen haben sie eine bundesweit bisher einmalige Studie durchgeführt. Fünf Jahre lang untersuchten sie mit ihrem Team in den Werkstätten, wie Menschen mit Behinderungen effektiv gefördert und sportlich aktiviert werden können. Dabei haben die Wissenschaftler vorhandene Spiel- und Sportkurse koordiniert, weiterentwickelt und evaluiert. In ihrem Beitrag beschreiben sie detailliert die Effekte.

Was führt Mediziner aus der EU nach Deutschland?

Migrationsmotive von Ärztinnen und Ärzten, die aus der Europäischen Union nach Deutschland kommen, untersucht Céline Teney mit ihrer Kooperativen Nachwuchsgruppe am SOCIUM der Universität Bremen. 1500 Humanmediziner, die seit 2003 nach Deutschland umzogen, wurden nach ihren Beweggründen befragt. Die Soziologinnen veröffentlichen im Wissenschaftsblog "Impulse" nun ihre Zwischenergebnisse. Die stabile wirtschaftliche Lage in Deutschland, gute Bezahlung und bessere berufliche Perspektiven sind Hauptgründe für die Migration der fachlichen Eliten. Die Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird, listet die Migrationsmotivation nach osteuropäischen und nordwesteuropäischen Ländern auf und stellt die Unterschiede dar.


Kontakt:
Prof. Dr. phil. Dietrich Milles
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58562
E-Mail: milles@uni-bremen.de

Prof. Dr. Celine Teney
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58644
E-Mail: celine.teney@uni-bremen.de

Ruud Koopmans zum Jour Fixe im SOCIUM.

Am Montag, den 14.11.2016, hatte das SOCIUM im Rahmen seiner Jour Fixe-Vortragsreihe Ruud Koopmans vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zu Gast. Koopmans berichtete über seine jüngste Studie, für die 7.000 Menschen in sechs europäischen Ländern (Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Belgien, die Niederlande und die Schweiz) befragt wurden. Sein kontrovers diskutiertes Ergebnis: Die Beschäftigungsprobleme von Muslimen und ihre fehlende Einbindung in den Arbeitsmarkt haben weniger mit gesellschaftlicher Diskriminierung als vielmehr mit sozialen und kulturellen Faktoren zu tun.

Koopmans nannte dabei zu allererst mangelnde Sprachkenntnisse, traditionelle religionsgeprägte Wertvorstellungen und geringe interethnische Kontakte, die muslimischen Zuwanderern in Europa die Beteiligung am Arbeitsmarkt erschweren. Am offensichtlichsten sei dies bei der geringen Arbeitsmarktbeteiligung muslimischer Frauen, der das traditionelle Verständnis der Geschlechterrollen entgegenstehe.


Kontakt:
Prof. Dr. Celine Teney
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58644
E-Mail: celine.teney@uni-bremen.de

Keith Banting zum Vortrag im Jour Fixe des SOCIUM.

Kanada war bis in die 1990er Jahre - ganz im Gegensatz zu seinem südlichen Nachbar - ein typischer umverteilender Wohlfahrtsstaat. Doch spätestens seit den 2000er Jahren gehört das Land zusammen mit den USA und der Schweiz zu den am wenigsten umverteilenden Ländern der OECD-Welt. Keith Banting von der Queen’s University, Kingston, Ontario/Kanada unternahm es in seinem Vortrag nicht nur, diese überraschende Entwicklung zu belegen. Er offerierte zudem eine Erklärung: die Verschiebung der parteipolitischen Gewichte in den letzten 25 Jahren mit der Folge, dass bis in die jüngste Zeit hinein soziale Ungleichheit nicht zu einem öffentlich wichtigen Thema geworden ist.

Banting verwies darauf, dass in den letzten Jahren sowohl die Liberalen als auch die Konservativen und die Neuen Demokraten Sozialpolitik im weitesten Sinne als "Schutz der Mittelklasse" definiert hätten, was es allen drei erlaubt habe, sehr unterschiedliche Inhalte mit einer solchen Politik zu verbinden. Ungleichheit sei hier nur ein Thema unter vielen geblieben, so dass die kanadische Debatte zu diesem Thema sehr viel diffuser verlaufe, als dies in Kontinentaleuropa der Fall sei.


Kontakt:
Prof. Dr. Celine Teney
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58644
E-Mail: celine.teney@uni-bremen.de

Neues DFG-Projekt bewilligt.

Einkommensverluste, Bildungspanik oder burn-out-Probleme in den Mittelschichten sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Die Frage, ob die Mittelschichten in ihrer ‚Komfortzone‘ bedroht sind und die bisher scheinbar selbstverständliche gesicherte Existenz für die eigenen Kinder nicht mehr gilt, ist Gegenstand vielfältiger, auch kontroverser öffentlicher Debatten. Tatsächlich ist über die Lebensführung der Mittelschichten in Deutschland jedoch wenig bekannt. Soziologinnen und Soziologen aus verschiedenen Abteilungen des SOCIUM werden nun in einem kürzlich von der DFG bewilligten Forschungsprojekt untersuchen, welche Ereignisse und Entwicklungen zu Verunsicherungen führen und wie Mittelschichtsangehörige mit diesen Irritationen umgehen.

In der dreijährigen Studie (Fördervolumen ca. 400.000 Euro) mit dem Titel "Lebensführung als investive Statusarbeit-Praktiken, Bedingungen, Störungen" werden Angehörige unterschiedlicher Teilgruppen der Mittelschicht auch im Vergleich zu Angehörigen von Unterschichten vertiefend zu einzelnen Lebensbereichen wie Arbeit, Partnerschaft, Geldanlagen interviewt, um herauszufinden, inwieweit sich Irritationen in einzelnen Bereichen auf die gesamte Lebensführung auswirken.

Die Studie ist Teil eines größeren Forschungsprogramms an dem die Antragsteller, Uwe Schimank, Betina Hollstein und Karin Gottschall, mit weiteren Kolleginnen und Kollegen aus der Soziologie an der Universität Bremen und darüber hinaus arbeiten. Neben der genannten qualitativen Studie, an der auch die Postdoktoranden und Doktoranden Nils C. Kumkar, Rixta Wundrak und Stefan Holubek beteiligt sein werden, soll in weiteren Projekten die Lebensführung der Mittelschichten auch repräsentativ und längsschnittlich sowie ländervergleichend untersucht werden.


Kontakt:
Prof. Dr. Karin Gottschall
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58595
E-Mail: karin.gottschall@uni-bremen.de

Prof. Dr. Betina Hollstein
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58512
E-Mail: betina.hollstein@uni-bremen.de

Prof. Dr. Uwe Schimank
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58564
E-Mail: uwe.schimank@uni-bremen.de

Prof. Dr. Karin GottschallProf. Dr. Karin Gottschall
Bundesarbeits- und -sozialministerin Andrea Nahles ebnet den Weg für die Stärkung der bundesdeutschen Forschung zu Sozialpolitik und Wohlfahrtsstaat.

Rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Bundesrepublik werden im sozialpolitischen Bereich erbracht. Aus dem Bundeshaushalt fließen über 40 Prozent in diesen Bereich. Die sozialwissenschaftliche Forschung zu diesem Thema hingegen hat in den letzten Jahren nicht zuletzt durch den Abbau von Sozialpolitiklehrstühlen erheblich abgenommen. Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales federführend gegründete „Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS)“ hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Trend umzukehren. Stiftungsprofessuren, Nachwuchsförderung, Förderung von Forschungsvorhaben – die Palette von Maßnahmen, die bereits ab 2017 gefördert werden sollen, ist breit. Dabei soll der neu einberufene  Beirat, dem Vertreter und Vertreterinnen verschiedener sozialwissenschaftlicher Disziplinen und von Trägern der Sozialpolitik angehören, eine hohe Qualität in der Umsetzung des Förderprogramms gewährleisten.

In den letzten Jahren ist von verschiedener Seite darauf hingewiesen worden, dass trotz steigender Bedeutung der Sozialpolitik die sozialwissenschaftliche Forschung dazu abnimmt. Freiwerdende Professuren wurden anderweitig ausgeschrieben, Forschungsinstitute haben sich thematisch neu ausgerichtet. Das führt zu erheblichen Lücken in der Forschung gerade zu einem Zeitpunkt, wo gesellschaftliche und globale Veränderungen viele wichtige neue Fragen aufwerfen. Vertreterinnen und Vertreter von Soziologie, Politik-, Wirtschafts-, Rechts-, Geschichtswissenschaft und Christlicher Sozialethik trafen sich zuletzt im Februar 2016 auf einer vom Bundesarbeits- und -sozialministerium und der Berlin-Brandenburgischen Akademie für Wissenschaften organisierten Tagung zur „Krise der Sozialpolitikforschung?“. Mit dabei waren auch Mitglieder des SOCIUM. Daraus entstand das Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS), dem eine Förderrichtlinie des Ministeriums zugrunde liegt. Der neu berufene Beirat ist  am 2. Juni 2016 zum ersten Mal zusammen getreten und hat die geplanten Förderformate, u.a. Stiftungsprofessuren und Nachwuchsgruppen, aber auch Leuchtturmprojekte und Dialogformate diskutiert. Eine erste Ausschreibung einzelner Maßnahmen soll im Juli dieses Jahres erfolgen. Der Beginn erfolgreich begutachteter Fördermaßnahmen ist für 2017/18 vorgesehen.

Weitere Informationen:
Wissenschaftlicher Beirat einberufen, Pressemitteilung des Bundesministerium für Arbeit und Soziales vom 14. Juni 2016


Kontakt:
Prof. Dr. Karin Gottschall
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58595
E-Mail: karin.gottschall@uni-bremen.de

Prof. Dr. Céline TeneyProf. Dr. Céline Teney
Soziologin erhält den wichtigsten Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland.

Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geht seit 1977 an junge Nachwuchsforscherinnen und -forscher, die hervorragende wissenschaftliche Arbeit vorweisen können und bereits ein eigenständiges wissenschaftliches Profil entwickelt haben. Céline Teney, Soziologin am SOCIUM und seit 2014 Leiterin der aus Mitteln der Exzellenzinitiative geförderten kooperativen Nachwuchsgruppe mit dem Projekt „Winners of Globalization? A Study on the Emergence of a Transnational Elite in Europe“, gehört für das Jahr 2016 zu dem illustren Kreis der Preisträgerinnen und Preisträger, die am 18. Mai 2016 in Berlin die Auszeichnung verliehen bekommen haben.

Die international besetzte Jury, die aus 134 Vorschlägen letztlich zehn Gewinner auswählte, lobte in ihrer Begründung für die Vergabe nicht nur die außerordentliche Breite der Thematik der Arbeit von Céline Teney, sondern auch die Anwendung einer Vielfalt von unterschiedlichen Methoden. So geht es in ihrer Forschung nicht nur um höchst aktuelle Fragen der Akkulturation ethnischer Minderheiten, sondern auch um Aspekte der Transnationalisierung von Eliten und anderen sozialen Gruppen. Und schließlich befasst sie sich auch mit dem Wahlerfolg rechtsextremistischer Parteien, darunter auch der deutschen NPD. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Céline Teney hat an der Universität Freiburg i.Br. Soziologie und Ethnologie studiert, in Sozial- und Politikwissenschaften in Brüssel promoviert und danach unter anderem in Brüssel, am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) sowie am Center for European Studies der Harvard University geforscht, bevor sie 2014 an die Universität Bremen kam.

Weitere Informationen:
Deutsche Forschungsgemeinschaft: Céline Teney - Heinz Maier-Leibnitz-Preisträgerin 2016
Laudatio von Armin Nassehi  am 18. Mai 2016 auf die Preisträgerin Professor Dr. Céline Teney

Pressemitteilung der Deutschen Forschungsgemeinschaft: Fünf Forscherinnen und fünf Forscher erhalten wichtigsten deutschen Nachwuchspreis
forschung - Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1/2016:
Hohes Potenzial und herausragende Leistungen, 2016/1, S. 26-27


Kontakt:
Prof. Dr. Celine Teney
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58644
E-Mail: celine.teney@uni-bremen.de

Alle vier Jahre wählen die akademisch tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Bundesrepublik die Fachkollegien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Diese entscheiden unter anderem auch über die Vergabe von Forschungsgeldern. Insofern ist der Wahlerfolg zweier Mitglieder des SOCIUM ein Ausweis des bundesweit hohen Ansehens der Bremer Sozialwissenschaften.

Karin Gottschall, Hochschullehrerin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Geschlechterverhältnisse wurde erneut für das Fach „Empirische Sozialforschung“ in das Kollegium „Sozialwissenschaften“ gewählt. Frank Nullmeier, Hochschullehrer für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates wurde in dieses Kollegium für das Fach „Politikwissenschaft“ gewählt.

Download:
Vorläufiges Ergebnis der Fachkollegienwahl 2015 (§9 Nr. 9 Satz 1 und 2 der Wahlordnung)
Veröffentlicht am: 26.11.2015


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

Prof. Dr. Karin Gottschall
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58595
E-Mail: karin.gottschall@uni-bremen.de

Die Sektion Alter(n) und Gesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) veranstaltet am 18. und 19. September 2015 in Bremen ihre Herbsttagung.

Immer mehr Menschen in Deutschland und vielen anderen Ländern arbeiten, obwohl sie das Rentenalter erreicht haben oder bereits Rentenzahlungen erhalten. Diese Arbeit kann verschiedene Formen annehmen: Von der fortgesetzten Vollzeittätigkeit bei Aufschub von Rentenzahlungen über Teilzeittätigkeiten, Mini-Jobs und Schwarzarbeit bis zu aufwandsentschädigten ehrenamtlichen Tätigkeiten. Die Grenzen zwischen bezahlter Erwerbstätigkeit und unbezahlten produktiven Aktivitäten verlaufen dabei manchmal fließend. Den unterschiedlichen Formen der Arbeit entsprechend variieren auch subjektive Bedeutungen und Gründe für Arbeit jenseits der Rentengrenze: Spaß an der Arbeit, soziale Kontakte, eine ausgeprägte berufliche Identität, der Wunsch nach einem gleitenden Übergang in den Ruhestand, aber auch finanzielle Notwendigkeit und der Wunsch nach Hinzuverdienst können Arbeit im Rentenalter motivieren.

Die gesellschaftliche Bedeutung von Arbeit im Rentenalter ist umstritten. Ihre Zunahme wird je nach Position des Betrachters auf sehr unterschiedliche Weise gedeutet und bewertet: Als eine beklagenswertes Fehlen des eigentlich wohlverdienten Ruhestands, als willkommene Flexibilisierung des Lebenslaufs und gelungene ‚Aktivierung‘ in der Lebensphase Alter, als ‚Lösung‘ für Probleme der demographischen Alterung, etwa der Finanzierung der Sozialsysteme und des Fachkräftemangels, oder aber als Ergebnis eines erfolgreichen Kampfes gegen Altersdiskriminierung.

Die tatsächliche strukturelle Bedeutung der späten Arbeit dürfte von der jeweils betrachteten Teilgruppe arbeitender Rentnerinnen und Rentner abhängen. Ebenso sind die gesellschaftlichen Ursachen der Zunahme von Arbeit im Alter vielfältig: Eine durchschnittlich bessere Gesundheit und höhere Bildung heutiger Rentenzugangskohorten, veränderte Ansprüche an die Lebensphase Alter, geringere allgemeine Arbeitslosigkeit und die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften, aber ebenso sinkende Rentenzahlungen und ein wachsender Niedriglohnsektor dürften zu diesem Trend beitragen. Neben individuellen Faktoren wie Bildung, Geschlecht und Gesundheit beeinflussen auch auf den Arbeitsplatz bezogene und betriebliche Gegebenheiten die späte Erwerbstätigkeit, und schließlich prägt auch die sozialstaatliche Rahmung die Neigung zu arbeiten – neben der Höhe, Zusammensetzung und Verteilung von Renteneinkommen sind hier etwa die Möglichkeit des Teilrentenbezugs oder Hinzuverdienstgrenzen (aktuell bei vorgezogenen Renten oder Grundsicherung im Alter) zu nennen.

Die Herbsttagung 2015 der Sektion „Alter(n) und Gesellschaft“ greift den Trend zur Arbeit jenseits der Rentengrenze auf und diskutiert seine Erscheinungsformen, Bedingungen und Folgen für die Lebensphase Alter. Mögliche Vortragsthemen umfassen folgende Fragen:

  • Welche Formen von Arbeit jenseits der Rentengrenze existieren? Welche Rolle spielen die Schattenwirtschaft und informelle Tätigkeiten? Wie werden diese unterschiedlichen Tätigkeiten subjektiv erfahren und gesellschaftlich gedeutet?

  • Wer arbeitet noch jenseits der Rentengrenze? Welche Erwerbsverläufe und Rentenübergänge führen eher zu später Erwerbstätigkeit und welche Rolle spielt Geschlecht dabei? Welche Prozesse sozialer Mobilität ergeben sich vor und nach Erreichen der Rentengrenze?

  • Wie beeinflussen organisatorische oder betriebliche, arbeitsmarktstrukturelle sowie sozialpolitische Einflüsse das Vorkommen und die Formen dieser Arbeit? Wie werden individuelle Verlängerungen des Erwerbslebens über die Rentengrenze hinaus auf der betrieblichen Ebene verhandelt?

  • Welche Bedeutung haben Armut, Lebensstandard und Konsumwünsche für die späte Erwerbstätigkeit, welche die Verfügbarkeit von und das Wissen über bedarfsgeprüfte Sozialleistungen (Grundsicherung im Alter)? In welchem Verhältnis stehen der Wunsch nach Arbeit und Rentenalter und seine Realisierung? Wie werden die entsprechenden Entscheidungen getroffen und welche Rolle spielen Haushalt, Partner und private Netzwerke dabei?

  • In welchem Verhältnis steht bezahlte Arbeit zu freiwilligem Engagement und weiteren produktiven Aktivitäten wie Pflege? Ist hier – individuell und gesellschaftlich – eher von einem Konkurrenzverhältnis auszugehen oder von einer Kumulation verschiedener Tätigkeiten?

  • Welche sozialwissenschaftlichen Theorien und Konzepte können zur Erklärung von Arbeit jenseits der Rentengrenze herangezogen werden, wie können sie untersucht werden und wie schneiden sie im vergleichenden empirischen Test ab?

  • Welche Folgen hat Arbeit im Rentenalter für die Lebensphase Alter und die institutionalisierte Rentengrenze, auch in breiter historischer Perspektive? Verlieren Altersgrenzen im Erwerbsleben und für den Rentenempfang an Bedeutung?

  • Welche Implikationen hat die Ausweitung der späten Arbeit für Arbeitsmarktstrukturen und soziale Ungleichheiten? Führt die Zunahme von Arbeit im Rentenalter eher zu mehr oder weniger Ungleichheiten im Alter?

  • In welcher Weise wird Arbeit im Alter gesellschaftlich debattiert und bewertet? Welche Rolle spielen Reformprozesse sowie unterschiedliche (nationale und internationale) Akteure und Wohlfahrtskulturen dabei?

  • Welche praxisbezogenen sozial- und arbeitsmarktpolitischen oder betrieblichen Konzepte beziehen sich auf Arbeit im Rentenalter, einen gleitenden Übergang in die Rentenphase oder verlängerte Erwerbskarrieren im Allgemeinen? Wovon hängt ihre erfolgreiche Umsetzung ab?

Die erbetenen Beiträge können sich sowohl in theoretisch-konzeptioneller als auch in empirischer (quantitativer, qualitativer oder methodenkombinierender) Perspektive auf die oben genannten oder verwandte Fragen beziehen; gesellschaftsvergleichende Zugänge sind besonders willkommen.

Wir bitten um Zusendung entsprechender Exposés im Umfang von bis zu 400 Wörtern bis zum 30. Juni 2015 an abstracts-hb@sektion-altern.de

Download: Call for Papers


Kontakt:
Prof. Dr. Simone Scherger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58569
E-Mail: simone.scherger@uni-bremen.de

Simone Scherger, Steffen Hagemann: Concepts of Retirement and the Evaluation of Post-Retirement Work. Positions of Political Actors in Germany and the UK

In Debatten um Rentenreformen spielen Vorstellungen darüber, was die Lebensphase des Ruhestands ist oder sein sollte, und darauf bezogene moralische Argumente eine wichtige Rolle. Diese Vorstellungen sind zum einen von der jeweiligen Wohlfahrtskultur geprägt, zum anderen hängen sie eng mit den Interessen und Ansichten der an den Debatten beteiligten Akteure zusammen.

In diesem Arbeitspapier untersuchen wir die Bedeutung, die bestimmte kollektive Akteure in Deutschland und Großbritannien dem Ruhestand als Lebensphase zuschreiben, sowie ihre Bewertung von bezahlter Arbeit jenseits der Rentengrenze, die eine Ausnahme vom 'normalen' Ruhestand darstellt. Zu diesem Zweck analysieren wir Interviews mit Experten von Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und von in diesem Feld relevanten gemeinnützigen Organisationen. Neben den Interviews, die im Rahmen eines größeren vergleichenden Projekts geführt wurden, werden außerdem politische Dokumente (insbesondere Positionspapiere) der gleichen Organisationen einbezogen. Unsere Analyse der Interviews und Dokumente zeigt, dass vergleichbare Akteure in verschiedenen Ländern auch ähnliche Ruhestandskonzepte vertreten: Gewerkschaften und zumindest einige der betrachteten gemeinnützigen Organisationen sprechen sich für Ruhestand als soziales Recht und als eine klar abgegrenzte, idealerweise arbeitsfreie Lebensphase aus. Im Gegensatz dazu vertreten Arbeitgeberverbände ein weniger gehaltvolles Ruhestandskonzept. Gleichzeitig beziehen sich alle Akteure auf Ideen, die Teil der jeweiligen Wohlfahrtskultur sind, wenn sie moralisch rechtfertigen, was der Ruhestand in ihren Augen sein sollte.

Download: ZeS Arbeitspapier 04/2014