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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Politische Ökonomie des Wohlfahrtsstaates".

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Universitäten Bremen und Zürich vergleichen Wahlergebnisse / AfD-Anhänger keine "Modernisierungsopfer".

Wählerinnen und Wähler der AfD (Alternative für Deutschland) sind nicht in erster Linie sogenannte Modernisierungsverlierer, also Opfer des wirtschaftlichen Strukturwandels. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universitäten Bremen und Zürich. Die Analysen der Faktoren des AfD-Wahlerfolgs zeigten vielmehr, dass in den untersuchten Regionen bereits seit den 1990er Jahren eine "Tradition des rechten Wählens" bestehe, sagt Politikprofessor Philip Manow vom SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen.

Analyse von Wahlergebnissen
Gemeinsam mit seiner Fachkollegin Dr. Hanna Schwander vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich hat er die Wahlergebnisse der Parteien bei der Bundestagswahl 2013 und der Europawahl 2014 in den gut 400 Kreisen und kreisfreien Städten der Bundesrepublik Deutschland verglichen und ausgewertet. Unter Berücksichtigung zahlreicher wirtschaftlicher oder sozialer Ungleichheitsmaße kommen die Wissenschaftlerin und der Wissenschaftler zu dem Schluss, dass diese Faktoren einen geringen bis gar keinen Erklärungsbeitrag zum Aufstieg der rechtspopulistischen AfD leisten.

Republikaner und NPD als Vorläufer
Eine Tradition rechten Wählens zeige sich allerdings schon in den 1990er Jahren in genau denjenigen Regionen, die gegenwärtig durch den besonderen AfD-Wahlerfolg auffallen. Professor Manow: "Dies sind aber nicht notwendigerweise ökonomisch abgehängte Regionen, wenn wir an Baden-Württemberg oder Sachsen denken." Der Erfolg rechter Parteien wie Republikaner oder NPD als Vorläufer sei dort bereits vor einem Vierteljahrhundert feststellbar.

"Unwahrscheinlich, dass AfD bald aus Parlamenten verschwindet"
"Dieser Befund lässt es als eher unwahrscheinlich erscheinen, dass die AfD aus denjenigen Parlamenten, in die sie hineingewählt wurde, bald wieder verschwinden wird - trotz einer momentan erfreulichen wirtschaftlichen Lage", unterstreicht Professor Manow.

Weitere Informationen:
Studie: It’s not the economy, stupid! Explaining the electoral success of the German right-wing populist AfD (in englischer Sprache)


Kontakt:
Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Prof. Dr. Carina SchmittProf. Dr. Carina Schmitt
1,5 Millionen Euro von der Europäischen Forschungsgemeinschaft für ihr Forschungsprojekt "Das Erbe des Kolonialismus: Ursachen und Auswirkungen von Sozialpolitik im Globalen Süden".

Große Freude im SOCIUM: Carina Schmitt, Professorin für Globale Sozialpolitik an der Universität Bremen, hat eine hohe Auszeichnung erhalten. Sie hat einen der begehrten ERC Starting Grants errungen. Der Europäische Forschungsrat (European Research Council) fördert nun ihre wissenschaftliche Arbeit mit knapp 1,5 Millionen Euro. Carina Schmitt erforscht das Vermächtnis des Kolonialismus mit Blick auf Ursprünge und Ergebnisse sozialer Sicherung. Sie untersucht, welche Rolle die koloniale Vergangenheit vieler armer Staaten in Bezug auf die Effektivität von Sozialpolitik zur Bekämpfung von Armut und Ungleichheit spielt. Zudem baut sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eine Datenbank auf, die Informationen zu Sozialpolitiken in globaler und historischer Perspektive enthält.

"Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Ich habe damit die Möglichkeit ein spannendes Forschungsprojekt in einem tollen Forschungsumfeld hier an der Universität Bremen umzusetzen. Das ist nicht selbstverständlich.", sagt Professorin Schmitt.

Der ERC Starting Grant wird in diesem Jahr europaweit an 406 junge Spitzenforscher und -forscherinnen vergeben. Insgesamt fördert der Europäische Forschungsrat die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit 605 Millionen Euro. Mit dem Geld soll es ihnen ermöglicht werden, ihre eigenen Forschungsideen mit ihren Teams unabhängig umsetzen zu können. Für die hohe Auszeichnung waren 3085 Vorschläge eingegangen.

Weitere Informationen: Arbeitsgruppe "Globale Sozialpolitik"


Kontakt:
Prof. Dr. Carina Schmitt
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58603
E-Mail: carina.schmitt@uni-bremen.de

International Conference, University of Bremen, September 13-15 2017

Organizers
Dr. Teresa Huhle & Prof. Dr. Delia Gonzalez de Reufels, Latin American History (History Department, Faculty 8), University of Bremen, in cooperation with the SOCIUM Research Center on Inequality and Social Policy, University of Bremen

The conference aims to bring together an international group of junior and senior scholars from history and related fields who are working on the history of social policies and the welfare state in the Global South from a transnational, entangled or global history perspective.

Together, we would like to discuss current trends of research as well as map out open questions of the field. During the last ten years, the historiography on social policies and the welfare state has started to participate in the transnational turn. However, the exchanges of knowledge, ideas and institutions have been predominantly studied among countries and regions of the Global North, also highlighting transfers from north to south. The way European powers have intervened within their colonial domains in Africa and Asia in social policy issues can serve as an example.

We attempt to broaden these perspectives on the directions of transfer and communication. We are especially interested in research that focuses on exchanges and processes of transfer which have worked in the south-south and south-north direction. These can include questions on the effects that colonial contestations of welfare measures had on the policies in the respective ¡¥motherlands¡¦, on regional exchanges during moments of crisis (e.g. in Latin America during the Great Depression) or on how delegates from the Global South shaped the social policies of international bodies like the International Labor Organization (ILO) or the Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights (UNHCR).

In this context, we consider it promising to use a broad concept of the welfare state and its policies, including not only the classical domains of labor security and public health, but also encompassing fields like nutrition, reproduction, education, recreation and other emerging research perspectives.

The integration of a cultural history perspective will further enable us to look at representations and constructions of social problems in diverse spatial configurations. We consider these as directly intertwined with the policies directed at them and want to highlight that 'welfare problems' and their underlying social and moral assumptions traveled just as much.

We are furthermore particularly interested in discussing the role of policies and welfare measures in the processes of nation building, which both on an institutional and an identity level must be conceptualized as a global phenomena and transnational endeavor. At the same time, we consider it important to look at the formation and exchange of social policy ideas and institutions beyond the national level, highlighting both exchanges on the communal and provincial level and within regional cooperation and international organizations.

In sum, we are particularly interested in case studies which fit into this general framework. We invited contributions which pay particular attention to the following methodological and thematic aspects:

  • Transnational networks and actors who promoted and conceptualized social policies and their mobility, especially beyond the realm of policy makers and experts, highlighting the role of social movements, labor unions and health activists among others

  • The development and transfer of visual and graphic depictions of social problems and social policies

  • The gendered dimensions of social policies and political demands

  • Colonial and imperial social policies and their possible afterlives during nationhood

  • Cross-border struggles for the recognition of social rights

The discussion will be stimulated by keynote lectures, including Prof. Dr. Christoph Conrad (University of Geneva).

If you wish to participate in the conference, please send in an abstract (maximum length 300 words) and a short CV by October 31st, 2016 to teresa.huhle@uni-bremen.de.
Notifications of acceptance will be sent out by mid-November 2016. A small travel allowance may be granted but funds are limited.

For further information please contact: teresa.huhle@uni-bremen.de

Download: Call for Papers

Laura SeelkopfLaura Seelkopf
1.106 Anträge für 47 Fellowships.

Das Europäische Hochschulinstitut in Florenz zählt zu den begehrtesten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitutionen weltweit - und das nicht nur für Fragen der Europäischen Einigung oder der Politik der Europäischen Union. Vielmehr hat sich das Institut in den vergangenen vier Jahrzehnten zu einem der führenden Zentren für vergleichende Forschung zu Gesellschaften und politischen Systemen entwickelt. Entsprechend begehrt sind seine Ausschreibungen; seien es Professuren oder Forschungsstipendien. Zu den begehrtesten gehört dabei das Max Weber Programme for Postdoctoral Studies. Für die elfte Ausschreibung für das Stipendienjahr 2016/2017 kamen mehr als 1.100 Bewerbungen auf nicht ganz 50 Stellen. Und nun ist es offiziell: Laura Seelkopf ist eine der 47 Erfolgreichen, die ab September für ein Jahr in Florenz forschen dürfen.

Das Max Weber Programm des Europäischen Hochschulinstituts gilt als angesehene Zwischenstation hervorragender Postdocs auf dem Weg zu einer eigenen Professur. Florenz bietet dazu nicht nur ausgezeichnete Forschungsbedingungen, sondern auch ein interdisziplinäres akademisches Umfeld, das es erlaubt, zum einen über den Tellerrand des eigenen Faches hinauszuschauen und zum anderen das akademische Netzwerk gleichgesinnter Nachwuchsleute weltweit auszudehnen. Das Forschungsvorhaben, das Laura Seelkopf in Florenz vorantreiben möchte, befasst sich mit einem internationalen Vergleich von staatlichen Steuerpolitiken und deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Ungleichheit verschiedener Gesellschaften.

  • Wie lassen sich die national unterschiedlichen Entscheidungen über progressive direkte Steuern erklären?
  • Und welchen Einfluss haben diese unterschiedlichen nationalen Steuersysteme auf die wirtschaftliche Ungleichheit?


Ziel der Forschungsarbeit soll es letztlich sein, die Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen direkte Steuern als Mittel zur Verringerung wirtschaftlicher Ungleichheit eingesetzt werden.


Kontakt:
Dr. Laura Seelkopf
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58605
E-Mail: laura.seelkopf@eui.eu

Prof. Dr. Herbert ObingerProf. Dr. Herbert Obinger
Knapp eine Million Euro für Forschung zu "Wehrpflicht, Militär und Wohlfahrtsstaatsentwicklung in Europa".

Reinhart Koselleck-Projekte sollen, so die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in ihrer Ausschreibung, mehr Freiraum für innovative und im positiven Sinne risikobehaftete Forschung schaffen. Herbert Obinger, Professor für vergleichende Staatstätigkeitsforschung und vergleichende Sozialpolitik, hat nun den Zuschlag für ein solches innovatives Projekt bekommen: Der Bremer Sozialwissenschaftler wird in dem Projekt europäische Staaten in der Frage vergleichen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang Militär und Wehrpflicht zur Herausbildung des Wohlfahrtsstaates beigetragen haben. Mit der Bewilligung geht erneut eine hohe Auszeichnung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an die Universität Bremen.

In der US-amerikanischen Diskussion wird schon seit längerem der Veteranenversorgung eine wesentliche Rolle bei der Herausbildung der besonderen Form des US-Wohlfahrtsstaates beigemessen. In der europäischen Diskussion dominierten hingegen eher Industrialisierung, Proletarisierung sowie der Aufstieg von Gewerkschaften und Sozialdemokratie als wesentliche Einflussfaktoren. Und das obwohl gerade Europa Schauplatz zweier Weltkriege gewesen ist. Kriegsvorbereitung, totale Mobilmachung, furchtbarer Kriegsverlauf und katastrophale Folgen bieten indessen auch für Europa vielfache Ansatzpunkte für ein Nachdenken darüber, wo und mit welchen unterschiedlichen Ergebnissen Militär und Wehrpflicht in die Sozial- und Bildungspolitik eingegriffen haben könnten: Von der Forderung nach gesünderen und besser gebildeten Rekruten aus den Industrierevieren über die Verhinderung eines weiteren "Steckrüben-Winters" bis hin zur (mitunter auch fehlenden) Hilfe für die Kriegsversehrten, Hinterbliebenen, Flüchtlinge, Zwangsarbeiter, Häftlinge, Ausgebombten - jene an Leib, Leben, Gesundheit und Lebenschancen geschädigten Menschen.

Die mit diesem Koselleck-Projekt verbundene Forschung verfolgt zwei Ziele: Zum einen über die Vielzahl einzelner Geschichten hinaus zu einer systematischen, vergleichenden Bestandsaufnahme des Einflusses von Militär und Wehrpflicht auf den Wohlfahrtsstaat zu gelangen; zum anderen soll untersucht werden, inwiefern die nationalen Unterschiede in Militär und Wehrpflicht eventuell zu Unterschieden in den nationalen Bildungs- und Sozialpolitiken geführt haben.

Weitere Informationen:
Reinhart Koselleck-Projekte - Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)


Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Obinger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58567
E-Mail: herbert.obinger@uni-bremen.de

In dem von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekt untersuchen Philip Manow und Valentin Schröder die Entwicklung der Demokratie in Deutschland.

Im Mai ist am SOCIUM (entstanden aus dem Zentrum für Sozialpolitik und dem Institut für empirische und angewandte Soziologie) das Projekt "Formative Stages of German Politics. The Contested Rise of Parliamentary Democracy, 1867-1967" gestartet. In dem von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekt untersuchen Philip Manow und Valentin Schröder aus der Abteilung "Politische Ökonomie des Wohlfahrtsstaats" die Parlamentarisierung Deutschlands im Zeitraum 1867-1967, also von der Gesetzgebungspraxis unter dem Konstitutionalismus über den Dualismus Reichstag-Reichspräsident in der Weimarer Republik bis zur "Kanzlerdemokratie" der Bundesrepublik.

In dem Projekt gehen die beiden Forscher der Vermutung nach, dass die demokratische Regierungsform in Deutschland seit 1945 insbesondere davon geprägt wurde, dass die Parteieliten als zentrale Akteure des deutschen politischen Systems auf fundamentale Erfahrungen und Praktiken der parlamentarischen Regierungsweise aus der Zeit vor 1933 zurückgreifen konnten. Sie wenden sich damit gegen die verbreitete Vorstellung, dass das heutige politische System der Bundesrepublik, das allgemein als ein Beispiel einer "gelungenen Demokratie" gilt, sich als reines Nachkriegsprodukt im Kontext von Grundgesetzgebung und Wirtschaftswunder verstehen lässt.

Diese Entwicklung, die sich erst aus einer vergleichenden Betrachtung über einen längeren Zeitraum hinweg zeigt, möchten Manow und Schröder in ihrem Projekt untersuchen, um zu einer systematischen politikwissenschaftlichen Darstellung der Grundlagen unserer heutigen bundesdeutschen Demokratie zu gelangen.

Seit 2011 haben die beiden Forscher bereits u.a. im Rahmen des "Bremen Reichstag Project" umfassende Datenbestände für den Zeitraum 1890-1965 aufgebaut, zum Beispiel zur personellen Zusammensetzung der Parlamente, zum dortigen Abstimmungs- und Antragsverhalten, zu den Wahlbündnissen und zu den Wahlergebnissen. Im Projekt "Formative Stages" erweitern und systematisieren sie diese Bestände, um eine umfassende Datenbasis für ihre Fragestellungen zu erhalten. Dafür nutzen sie systematisch die neuen technischen Möglichkeiten der Erhebung und Analyse parlamentarischer Prozessdaten. Das Projekt ist damit das erste seiner Art, in dem auf diese Weise der "deutsche Weg zur Demokratie" untersucht wird.

Schröder und Manow streben im Rahmen von "Formative Stages" außerdem die Vertiefung ihrer bisherigen Kooperationen mit Projekten zu ähnlichen Fragestellungen an. Das betrifft zum einen die Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern zu den britischen und amerikanischen Fällen. Zum anderen möchten sie mit einer vergleichenden Perspektive auch die Erforschung der Entwicklung der parlamentarischen Systeme in den zahlreichen anderen europäischen Gesellschaften vorantreiben.

Weitere Informationen zum Projekt:
Formative Stages of German Politics: The Contested Rise of Parliamentary Democracy, 1867-1967


Kontakt:
Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Prof. Dr. Valentin Schröder
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58590
E-Mail: schroder@uni-bremen.de

Hannah Zagel: Understanding Differences in Labour Market Attachment of Single Mothers in Great Britain and West Germany

Es ist in den letzten Jahren zu einem zentralen sozialpolitischen Thema geworden, wie alleinerziehende Mütter besser in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Nicht nur die Heterogenität der Gruppe Alleinerziehender stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, sondern auch, dass es sich beim Alleinerziehen häufig um einen Lebensabschnitt handelt, der den Dynamiken des Familienlebens unterstellt ist.

Dieses Arbeitspapier untersucht in vergleichender Perspektive zwischen Großbritannien und Westdeutschland, inwiefern Unterschiede in den Graden der Arbeitsmarkteinbindung alleinerziehender Mütter mit ihrer sozio-demographischen Lage zusammenhängen. Unterscheidend zwischen Vollzeit-, Teilzeit- und Nicht-Erwerbstätigkeit werden Daten des British Household Panel Survey (1991-2008) und des Sozio-ökonomischen Panel (1991-2008) aus 10 bis 18 Jahren der Erwerbskarrieren alleinerziehender Mütter mit Regressionsverfahren ausgewertet (N= 678).

Die Analysen deuten darauf hin, dass Frauen die in jungem Alter alleinerziehend sind, in beiden Länderkontexten längere Perioden der Nicht-Erwerbstätigkeit haben als ältere Alleinerziehende. Zudem scheinen Mütter, die zum Zeitpunkt des Alleinerziehens eine Berufsausbildung abgeschlossen hatten, eher zu Teilzeitkarrieren zu neigen, während höhere Bildungsqualifikationen mit längeren Episoden der Vollzeiterwerbstätigkeit einhergehen. Im Vergleich zu den britischen alleinerziehenden Müttern weisen die westdeutschen längere Perioden der Teilzeiterwerbstätigkeit auf.

Download: ZeS Arbeitspapier 03/2015

Mit zahlreichen Beiträgen, u.a. von Stephan Leibfried, Frank Nullmeier und Magnus Brosig, in der Zeitschrift "Deutsche Rentenversicherung" erschienen.

Soeben erschien im Heft 1 von "Deutsche Rentenversicherung" eine Bilanz quer durch alle einschlägigen Disziplinen zur "Entwicklung der Sozialpolitik in Forschung und Lehre" an den deutschen Universitäten. Zum Inhalt: Die Sozialpolitik verschwindet seit den 1990er Jahren zunehmend aus dem universitären Wissens- und Ausbildungssystem in Deutschland, und zwar in allen fünf einschlägigen Disziplinen (Jura, Ökonomie, Soziologie, Politikwissenschaft und Geschichte), am wenigsten gilt noch für das Recht (aber da wird das Wissen deutlich flacher). Was bleibt, ist ein gewisses juristisches Gerippe (weil es eine Sozialgerichtsbarkeit gibt) und im übrigen bei Bedarf schnell hingeworfene Modelle bzw. eine Hobby-Beschäftigung mit dem Thema. Damit fehlt die öffentliche, andauernde, begleitende, empirisch fundierte Expertise. Zurück bleibt sektorales Maschinenraumwissen im und über den Sozialstaat, ein Wissen, das nur einen begrenzten Radius hat (Spartenwissen, kaum Wissen über die Maßnahmefolgen, ...) und kaum nach außen dringt; und es bleibt kaufbare private Expertise (in Beratungsunternehmen und in außeruniversitären Wirtschaftsinstituten). Das Fundament für eine informierte Öffentlichkeit und öffentliche Begleitung von Sozialpolitik ist dann entfallen. Eine "Sozialpolitik im Blindflug" wäre das Ergebnis. Will man sich das ernsthaft für die Riesenmaschine "Sozialstaat" leisten, die in Deutschland ein Drittel des Bruttoinlandprodukts erfasst und die Hälfte der öffentlichen Haushalte ausmacht?

Europa blickt in der Sozialpolitik seit 1880 immer auf Deutschland als sozialpolitisches Musterland, und das verstärkt seit den 1990er Jahren, aber die "intellectual leadership" für ein "soziales Europa" (Jacques Delors) wird so entfallen - obgleich sie in der heutigen Zeit besonders nötig wäre, wo die Europäische Union (EU) mit der reinen Austeritätspolitik im Süden in einer Sackgasse gelandet ist und Brüssel seit zwei Jahren mit einer europäischen Arbeitslosenversicherung hilflos einen Ausweg sucht. Europas Plan B heißt dann Großbritannien (das neoliberale Modell) oder, im günstigsten Fall, schauen wir ad hoc auf die Erfahrungen der kleinen Länder in Benelux und Skandinavien.

Ironisch ist nachzutragen: Es wird dann in den USA mehr sozialpolitisches Wissen über das eigene Land im Universitätssystem geben als in Deutschland. Das Universitätssystem der USA ist so groß, fördert massiv Empirie und toleriert Diversität so stark, dass es einen institutionalisierten Plan B im Wissenschaftssystem hat, wenngleich der dortige Sozialstaat nie vollendet wurde und brüchig blieb. In Deutschland kennen wir keinen solchen Plan B in unserem Wissenssystem. Wir hätten dann ein Wissenschafts- und Ausbildungssystem, das mit dem Rücken zum Sozialstaat steht.

Folgende Beiträge sind zu diesem Schwerpunktthema in Heft 1 der Zeitschrift "Deutsche Rentenversicherung" enthalten:

    • Prof. Dr. Stephan Leibfried, Dr. Christina Stecker:
      Sozialpolitik: Bilanz und Perspektiven für Forschung und Lehre an den deutschen Universitäten – eine Einführung

    • Prof. Dr. Ursula Dallinger, Prof. Dr. Stephan Lessenich, Prof. Dr. Ilona Ostner:
      Soziologische Forschung zur Sozialpolitik: Geschichte, Institutionalisierung, Herausforderungen

    • Prof. em. Dr. Richard Hauser:
      Die institutionelle Verankerung von Lehre und Forschung zur Sozialpolitik in den Wirtschaftswissenschaften an deutschen staatlichen Universitäten

    • Prof. Dr. Werner Sesselmeier:
      Wissenschaftliche Forschung zur Sozialpolitik in den Wirtschaftswissenschaften: Bilanz und Perspektiven

    • Prof. Dr. Ulrich Becker:
      Wissenschaftliche Forschung zum Sozialrecht – Bilanz und Perspektiven aus Sicht der Rechtswissenschaften

    • Prof. Dr. Frank Nullmeier, Dr. Magnus Brosig:
      Politikwissenschaftliche Forschung zur Sozialpolitik und Alterssicherung

    • PD Dr. Winfried Süß:
      Die Geschichte der Sozialpolitik als Teil der Neueren und Neuesten Geschichte/Zeitgeschichte

    • Prof. Dr. Stephan Leibfried:
      Zentrale Ergebnisse des Memorandums "Förderinitiative Stiftungsprofessuren Sozialpolitik"

Weitere Informationen:
Zeitschrift "Deutsche Rentenversicherung"


Kontakt:
Prof. Dr. Stephan Leibfried

Peter Starke: Krisen und Krisenbewältigung im deutschen Sozialstaat: Von der Ölkrise zur Finanzkrise von 2008

Der Beitrag analysiert die sozialpolitischen Krisenreaktionen in Deutschland auf die Finanzkrise von 2008 im Licht der historischen Entwicklung und der Befunde der international vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung. Vier aufeinanderfolgende Konjunkturpakete enthielten eine Reihe wichtiger sozialpolitischer Elemente, allen voran die Kurzarbeit. Der internationale Vergleich zeigt, dass Deutschlands sozialpolitische Krisenantwort vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Performanz und der bestehenden sozialstaatlichen Institutionen nicht ungewöhnlich war. Überraschend war die starke Rolle der Gewerkschaften und Arbeitgeber bei der Politikformulierung. Insbesondere die sektoralen Verbände der deutschen Exportwirtschaft konnten 2008 und 2009 deutliche Akzente setzen.

Download: ZeS Arbeitspapier 02/2015

Hg. von Stephan Leibfried, Evelyne Huber, Matthew Lange, Jonah D. Levy, Frank Nullmeier, und John D. Stephens.

"The Oxford Handbook of Transformation of the State" erscheint in der bekannten Handbuchreihe, deren Bände von Oxford University Press initiiert werden. Mit diesem Werk zieht der Bremer Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel", dessen Arbeit 2003 begann und 2014 abschloss, zusammen mit vielen internationalen Staatsforscherinnen und Staatsforschern eine große Schlussbilanz zum "state of the state". Das geschieht nicht nur für den Globalen Norden, sondern auch für den Globalen Süden, also für die gesamte Staatenwelt. Mit diesem Handbuch kommen 12 Jahre Bremer Forschung zu einem ersten international sichtbaren Abschluss.

Das Handbuch hat bei 44 Kapiteln fünf Abteilungen:

  1. Die Entstehung der modernen Staaten.
  2. Internationalisierung und Staat.
  3. Die laufenden Transformationen der Kern-OECD-Staatenwelt.
  4. Post-kommunistische Besonderheiten: Staatstransformationen in der früheren kommunistischen Welt.
  5. Staaststransformationen im Globalen Süden.


Zudem gibt es eine umfangreiche Zuführung zu diesem Großthema in den Kapiteln 1 und 2, samt einer ersten Synthese in Kapitel 9, und einen Ausblick in Kap. 44.

Derzeit ist das Handbuch für einen um 30% reduzierten Preis beim Verlag zu beziehen. In zwei Jahren wird es als Paperback erscheinen - und für Studierende erschwinglich sein.

Download:
Table of Contents

Weitere Informationen:
Oxford University Press


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

Prof. Dr. Stephan Leibfried