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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Politische Ökonomie des Wohlfahrtsstaates".

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Prof. Dr. Herbert ObingerProf. Dr. Herbert Obinger
Knapp eine Million Euro für Forschung zu "Wehrpflicht, Militär und Wohlfahrtsstaatsentwicklung in Europa".

Reinhart Koselleck-Projekte sollen, so die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in ihrer Ausschreibung, mehr Freiraum für innovative und im positiven Sinne risikobehaftete Forschung schaffen. Herbert Obinger, Professor für vergleichende Staatstätigkeitsforschung und vergleichende Sozialpolitik, hat nun den Zuschlag für ein solches innovatives Projekt bekommen: Der Bremer Sozialwissenschaftler wird in dem Projekt europäische Staaten in der Frage vergleichen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang Militär und Wehrpflicht zur Herausbildung des Wohlfahrtsstaates beigetragen haben. Mit der Bewilligung geht erneut eine hohe Auszeichnung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an die Universität Bremen.

In der US-amerikanischen Diskussion wird schon seit längerem der Veteranenversorgung eine wesentliche Rolle bei der Herausbildung der besonderen Form des US-Wohlfahrtsstaates beigemessen. In der europäischen Diskussion dominierten hingegen eher Industrialisierung, Proletarisierung sowie der Aufstieg von Gewerkschaften und Sozialdemokratie als wesentliche Einflussfaktoren. Und das obwohl gerade Europa Schauplatz zweier Weltkriege gewesen ist. Kriegsvorbereitung, totale Mobilmachung, furchtbarer Kriegsverlauf und katastrophale Folgen bieten indessen auch für Europa vielfache Ansatzpunkte für ein Nachdenken darüber, wo und mit welchen unterschiedlichen Ergebnissen Militär und Wehrpflicht in die Sozial- und Bildungspolitik eingegriffen haben könnten: Von der Forderung nach gesünderen und besser gebildeten Rekruten aus den Industrierevieren über die Verhinderung eines weiteren "Steckrüben-Winters" bis hin zur (mitunter auch fehlenden) Hilfe für die Kriegsversehrten, Hinterbliebenen, Flüchtlinge, Zwangsarbeiter, Häftlinge, Ausgebombten - jene an Leib, Leben, Gesundheit und Lebenschancen geschädigten Menschen.

Die mit diesem Koselleck-Projekt verbundene Forschung verfolgt zwei Ziele: Zum einen über die Vielzahl einzelner Geschichten hinaus zu einer systematischen, vergleichenden Bestandsaufnahme des Einflusses von Militär und Wehrpflicht auf den Wohlfahrtsstaat zu gelangen; zum anderen soll untersucht werden, inwiefern die nationalen Unterschiede in Militär und Wehrpflicht eventuell zu Unterschieden in den nationalen Bildungs- und Sozialpolitiken geführt haben.

Weitere Informationen:
Reinhart Koselleck-Projekte - Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)


Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Obinger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58567
E-Mail: herbert.obinger@uni-bremen.de

In dem von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekt untersuchen Philip Manow und Valentin Schröder die Entwicklung der Demokratie in Deutschland.

Im Mai ist am SOCIUM (entstanden aus dem Zentrum für Sozialpolitik und dem Institut für empirische und angewandte Soziologie) das Projekt "Formative Stages of German Politics. The Contested Rise of Parliamentary Democracy, 1867-1967" gestartet. In dem von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekt untersuchen Philip Manow und Valentin Schröder aus der Abteilung "Politische Ökonomie des Wohlfahrtsstaats" die Parlamentarisierung Deutschlands im Zeitraum 1867-1967, also von der Gesetzgebungspraxis unter dem Konstitutionalismus über den Dualismus Reichstag-Reichspräsident in der Weimarer Republik bis zur "Kanzlerdemokratie" der Bundesrepublik.

In dem Projekt gehen die beiden Forscher der Vermutung nach, dass die demokratische Regierungsform in Deutschland seit 1945 insbesondere davon geprägt wurde, dass die Parteieliten als zentrale Akteure des deutschen politischen Systems auf fundamentale Erfahrungen und Praktiken der parlamentarischen Regierungsweise aus der Zeit vor 1933 zurückgreifen konnten. Sie wenden sich damit gegen die verbreitete Vorstellung, dass das heutige politische System der Bundesrepublik, das allgemein als ein Beispiel einer "gelungenen Demokratie" gilt, sich als reines Nachkriegsprodukt im Kontext von Grundgesetzgebung und Wirtschaftswunder verstehen lässt.

Diese Entwicklung, die sich erst aus einer vergleichenden Betrachtung über einen längeren Zeitraum hinweg zeigt, möchten Manow und Schröder in ihrem Projekt untersuchen, um zu einer systematischen politikwissenschaftlichen Darstellung der Grundlagen unserer heutigen bundesdeutschen Demokratie zu gelangen.

Seit 2011 haben die beiden Forscher bereits u.a. im Rahmen des "Bremen Reichstag Project" umfassende Datenbestände für den Zeitraum 1890-1965 aufgebaut, zum Beispiel zur personellen Zusammensetzung der Parlamente, zum dortigen Abstimmungs- und Antragsverhalten, zu den Wahlbündnissen und zu den Wahlergebnissen. Im Projekt "Formative Stages" erweitern und systematisieren sie diese Bestände, um eine umfassende Datenbasis für ihre Fragestellungen zu erhalten. Dafür nutzen sie systematisch die neuen technischen Möglichkeiten der Erhebung und Analyse parlamentarischer Prozessdaten. Das Projekt ist damit das erste seiner Art, in dem auf diese Weise der "deutsche Weg zur Demokratie" untersucht wird.

Schröder und Manow streben im Rahmen von "Formative Stages" außerdem die Vertiefung ihrer bisherigen Kooperationen mit Projekten zu ähnlichen Fragestellungen an. Das betrifft zum einen die Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern zu den britischen und amerikanischen Fällen. Zum anderen möchten sie mit einer vergleichenden Perspektive auch die Erforschung der Entwicklung der parlamentarischen Systeme in den zahlreichen anderen europäischen Gesellschaften vorantreiben.

Weitere Informationen zum Projekt:
Formative Stages of German Politics: The Contested Rise of Parliamentary Democracy, 1867-1967


Kontakt:
Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Dr. Valentin Schröder
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58590
E-Mail: schroder@uni-bremen.de

Hannah Zagel: Understanding Differences in Labour Market Attachment of Single Mothers in Great Britain and West Germany

Es ist in den letzten Jahren zu einem zentralen sozialpolitischen Thema geworden, wie alleinerziehende Mütter besser in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Nicht nur die Heterogenität der Gruppe Alleinerziehender stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, sondern auch, dass es sich beim Alleinerziehen häufig um einen Lebensabschnitt handelt, der den Dynamiken des Familienlebens unterstellt ist.

Dieses Arbeitspapier untersucht in vergleichender Perspektive zwischen Großbritannien und Westdeutschland, inwiefern Unterschiede in den Graden der Arbeitsmarkteinbindung alleinerziehender Mütter mit ihrer sozio-demographischen Lage zusammenhängen. Unterscheidend zwischen Vollzeit-, Teilzeit- und Nicht-Erwerbstätigkeit werden Daten des British Household Panel Survey (1991-2008) und des Sozio-ökonomischen Panel (1991-2008) aus 10 bis 18 Jahren der Erwerbskarrieren alleinerziehender Mütter mit Regressionsverfahren ausgewertet (N= 678).

Die Analysen deuten darauf hin, dass Frauen die in jungem Alter alleinerziehend sind, in beiden Länderkontexten längere Perioden der Nicht-Erwerbstätigkeit haben als ältere Alleinerziehende. Zudem scheinen Mütter, die zum Zeitpunkt des Alleinerziehens eine Berufsausbildung abgeschlossen hatten, eher zu Teilzeitkarrieren zu neigen, während höhere Bildungsqualifikationen mit längeren Episoden der Vollzeiterwerbstätigkeit einhergehen. Im Vergleich zu den britischen alleinerziehenden Müttern weisen die westdeutschen längere Perioden der Teilzeiterwerbstätigkeit auf.

Download: ZeS Arbeitspapier 03/2015

Mit zahlreichen Beiträgen, u.a. von Stephan Leibfried, Frank Nullmeier und Magnus Brosig, in der Zeitschrift "Deutsche Rentenversicherung" erschienen.

Soeben erschien im Heft 1 von "Deutsche Rentenversicherung" eine Bilanz quer durch alle einschlägigen Disziplinen zur "Entwicklung der Sozialpolitik in Forschung und Lehre" an den deutschen Universitäten. Zum Inhalt: Die Sozialpolitik verschwindet seit den 1990er Jahren zunehmend aus dem universitären Wissens- und Ausbildungssystem in Deutschland, und zwar in allen fünf einschlägigen Disziplinen (Jura, Ökonomie, Soziologie, Politikwissenschaft und Geschichte), am wenigsten gilt noch für das Recht (aber da wird das Wissen deutlich flacher). Was bleibt, ist ein gewisses juristisches Gerippe (weil es eine Sozialgerichtsbarkeit gibt) und im übrigen bei Bedarf schnell hingeworfene Modelle bzw. eine Hobby-Beschäftigung mit dem Thema. Damit fehlt die öffentliche, andauernde, begleitende, empirisch fundierte Expertise. Zurück bleibt sektorales Maschinenraumwissen im und über den Sozialstaat, ein Wissen, das nur einen begrenzten Radius hat (Spartenwissen, kaum Wissen über die Maßnahmefolgen, ...) und kaum nach außen dringt; und es bleibt kaufbare private Expertise (in Beratungsunternehmen und in außeruniversitären Wirtschaftsinstituten). Das Fundament für eine informierte Öffentlichkeit und öffentliche Begleitung von Sozialpolitik ist dann entfallen. Eine "Sozialpolitik im Blindflug" wäre das Ergebnis. Will man sich das ernsthaft für die Riesenmaschine "Sozialstaat" leisten, die in Deutschland ein Drittel des Bruttoinlandprodukts erfasst und die Hälfte der öffentlichen Haushalte ausmacht?

Europa blickt in der Sozialpolitik seit 1880 immer auf Deutschland als sozialpolitisches Musterland, und das verstärkt seit den 1990er Jahren, aber die "intellectual leadership" für ein "soziales Europa" (Jacques Delors) wird so entfallen - obgleich sie in der heutigen Zeit besonders nötig wäre, wo die Europäische Union (EU) mit der reinen Austeritätspolitik im Süden in einer Sackgasse gelandet ist und Brüssel seit zwei Jahren mit einer europäischen Arbeitslosenversicherung hilflos einen Ausweg sucht. Europas Plan B heißt dann Großbritannien (das neoliberale Modell) oder, im günstigsten Fall, schauen wir ad hoc auf die Erfahrungen der kleinen Länder in Benelux und Skandinavien.

Ironisch ist nachzutragen: Es wird dann in den USA mehr sozialpolitisches Wissen über das eigene Land im Universitätssystem geben als in Deutschland. Das Universitätssystem der USA ist so groß, fördert massiv Empirie und toleriert Diversität so stark, dass es einen institutionalisierten Plan B im Wissenschaftssystem hat, wenngleich der dortige Sozialstaat nie vollendet wurde und brüchig blieb. In Deutschland kennen wir keinen solchen Plan B in unserem Wissenssystem. Wir hätten dann ein Wissenschafts- und Ausbildungssystem, das mit dem Rücken zum Sozialstaat steht.

Folgende Beiträge sind zu diesem Schwerpunktthema in Heft 1 der Zeitschrift "Deutsche Rentenversicherung" enthalten:

    • Prof. Dr. Stephan Leibfried, Dr. Christina Stecker:
      Sozialpolitik: Bilanz und Perspektiven für Forschung und Lehre an den deutschen Universitäten – eine Einführung

    • Prof. Dr. Ursula Dallinger, Prof. Dr. Stephan Lessenich, Prof. Dr. Ilona Ostner:
      Soziologische Forschung zur Sozialpolitik: Geschichte, Institutionalisierung, Herausforderungen

    • Prof. em. Dr. Richard Hauser:
      Die institutionelle Verankerung von Lehre und Forschung zur Sozialpolitik in den Wirtschaftswissenschaften an deutschen staatlichen Universitäten

    • Prof. Dr. Werner Sesselmeier:
      Wissenschaftliche Forschung zur Sozialpolitik in den Wirtschaftswissenschaften: Bilanz und Perspektiven

    • Prof. Dr. Ulrich Becker:
      Wissenschaftliche Forschung zum Sozialrecht – Bilanz und Perspektiven aus Sicht der Rechtswissenschaften

    • Prof. Dr. Frank Nullmeier, Dr. Magnus Brosig:
      Politikwissenschaftliche Forschung zur Sozialpolitik und Alterssicherung

    • PD Dr. Winfried Süß:
      Die Geschichte der Sozialpolitik als Teil der Neueren und Neuesten Geschichte/Zeitgeschichte

    • Prof. Dr. Stephan Leibfried:
      Zentrale Ergebnisse des Memorandums "Förderinitiative Stiftungsprofessuren Sozialpolitik"

Weitere Informationen:
Zeitschrift "Deutsche Rentenversicherung"


Kontakt:
Prof. Dr. Stephan Leibfried
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58606
E-Mail: stlf@uni-bremen.de

Peter Starke: Krisen und Krisenbewältigung im deutschen Sozialstaat: Von der Ölkrise zur Finanzkrise von 2008

Der Beitrag analysiert die sozialpolitischen Krisenreaktionen in Deutschland auf die Finanzkrise von 2008 im Licht der historischen Entwicklung und der Befunde der international vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung. Vier aufeinanderfolgende Konjunkturpakete enthielten eine Reihe wichtiger sozialpolitischer Elemente, allen voran die Kurzarbeit. Der internationale Vergleich zeigt, dass Deutschlands sozialpolitische Krisenantwort vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Performanz und der bestehenden sozialstaatlichen Institutionen nicht ungewöhnlich war. Überraschend war die starke Rolle der Gewerkschaften und Arbeitgeber bei der Politikformulierung. Insbesondere die sektoralen Verbände der deutschen Exportwirtschaft konnten 2008 und 2009 deutliche Akzente setzen.

Download: ZeS Arbeitspapier 02/2015

Hg. von Stephan Leibfried, Evelyne Huber, Matthew Lange, Jonah D. Levy, Frank Nullmeier, und John D. Stephens.

"The Oxford Handbook of Transformation of the State" erscheint in der bekannten Handbuchreihe, deren Bände von Oxford University Press initiiert werden. Mit diesem Werk zieht der Bremer Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel", dessen Arbeit 2003 begann und 2014 abschloss, zusammen mit vielen internationalen Staatsforscherinnen und Staatsforschern eine große Schlussbilanz zum "state of the state". Das geschieht nicht nur für den Globalen Norden, sondern auch für den Globalen Süden, also für die gesamte Staatenwelt. Mit diesem Handbuch kommen 12 Jahre Bremer Forschung zu einem ersten international sichtbaren Abschluss.

Das Handbuch hat bei 44 Kapiteln fünf Abteilungen:

  1. Die Entstehung der modernen Staaten.
  2. Internationalisierung und Staat.
  3. Die laufenden Transformationen der Kern-OECD-Staatenwelt.
  4. Post-kommunistische Besonderheiten: Staatstransformationen in der früheren kommunistischen Welt.
  5. Staaststransformationen im Globalen Süden.


Zudem gibt es eine umfangreiche Zuführung zu diesem Großthema in den Kapiteln 1 und 2, samt einer ersten Synthese in Kapitel 9, und einen Ausblick in Kap. 44.

Derzeit ist das Handbuch für einen um 30% reduzierten Preis beim Verlag zu beziehen. In zwei Jahren wird es als Paperback erscheinen - und für Studierende erschwinglich sein.

Download:
Table of Contents

Weitere Informationen:
Oxford University Press


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

Prof. Dr. Stephan Leibfried
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58606
E-Mail: stlf@uni-bremen.de

Wissenschaftliche Untersuchung zur Akzeptanz von Reformen.

Öffentliche Projekte kosten Geld, und zwar das Geld der Steuerzahler. Gesellschaftliche Großprojekte haben zahlreiche Finanzierungsaspekte. Wie werden diese von den Bürgerinnen und Bürgern eigentlich wahrgenommen und bewertet? Dieser Frage geht ein Forscherteam des Zentrums für Sozialpolitik der Universität Bremen in der kommenden Woche vom 17. bis 22. November 2014 in einer wissenschaftlichen Befragung von Passanten im Einkaufszentrum Waterfront Bremen in Gröpelingen nach. "Wir wollen herausfinden, welche Gerechtigkeitsaspekte bei den Finanzierungslasten öffentlicher Großprojekte in der Bevölkerung eine Rolle spielen", sagt Projektleiter Professor Stefan Traub. In einer 15-minütigen Befragung sollen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die anonym bleiben, einfache Entscheidungsaufgaben am Computer durchführen. Die gewonnenen Daten und Ergebnisse werden von den Forschern anschließend ausgewertet und sollen helfen, die Akzeptanz und Wirkung von Reformen zu erklären. 

Als Belohnung für das Mitmachen erhalten die Teilnehmer eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 5 Euro. Zusätzlich haben alle Teilnehmenden die Chance auf einen Lotteriegewinn von bis zu 160 Euro in bar, der bei Gewinn sofort ausgezahlt wird. Professor Stefan Traub und sein Team bauen ihren Stand in der Waterfront Bremen vor dem Cinespace Multiplex Kino auf und sind täglich von 10 bis 20 Uhr vor Ort.


Kontakt:
Ole Kutzschbauch

Tagung des Zentrums für Sozialpolitik und Sciences Po, Paris am 25.-26. September 2014.

Hanna Schwander und Philip Manow veranstalteten zusammen mit Bruno Palier vom Centre d’étude Européenne der Sciences Po in Paris eine zweitägige Tagung mit dem Ziel die Auswirkungen der Veränderungen der sozialpolitischen Systeme auf den politischen Wettbewerb und Wähler-Parteien-Bindungen zu diskutieren. Ausgangspunkt der Tagung waren die tiefgreifenden Veränderungen der wohlfahrtstaatlichen Systeme in postindustriellen Gesellschaften, welche eine traditionelle Mobilisierung der Kernwählerschaft über den Wohlfahrtstaat, wie sie im goldenen Zeitalter des Wohlfahrtstaatsausbaus möglich und üblich war, verunmöglichte. In Anbetracht des Ausmaßes des Sozialstaatsumbaus in den letzten Jahrzehnten, welche durch die andauernde Wirtschaftskrise verstärkt wird, und der Bedeutung des Sozialstaats für die materielle Absicherung des individuellen Bürgers und den politischen Wettbewerb und der Identität der Parteien vermuten wir, dass der Sozialstaatsumbau weitreichende Folgen für diverse Aspekte des politischen Wettbewerbs haben sollte. Dazu kommt, dass die distributiven und daher auch politischen Konsequenzen der Reformen vielschichtig und komplex sind: Reformen reduzieren oftmals den passiven Schutz gegenüber ‚alten’ sozialen Risiken wie Arbeitslosigkeit, während neue Policies entweder zum Schutz vor neuen sozialen Risiken wie instabilen Familienverhältnisse oder atypischer Erwerbsarbeit oder mit einem stärkeren Fokus auf (Wieder)beschäftigung ausgebaut werden.

Dazu kommt, dass sich durch abnehmende Parteienbindungen, der Auflösung traditioneller Wählermilieus und einer stärkeren Fragmentierung des Parteiensystems auch der Parteienwettbewerb im Wandel befindet. Die Forschung zum Parteienwettbewerb betont hier die Zentralität langfristiger struktureller Prozesse wie Globalisierung und Post-Industrialisierung, während der Wandel des Wohlfahrtsstaates als strukturierender Faktor wenig Beachtung findet. Dies ist umso überraschender als dass der Konflikt um den Wohlfahrtstaat (Abbau versus Expansion) als der zentrale Konflikt im Parteienwettbewerb gilt und die ökonomische Dimension des politischen Konfliktes oftmals als dominant angesehen wird und es daher Grund zur Annahme gibt, dass die grundlegenden Veränderungen im Sozialstaat auch den politischen Wettbewerb tangieren. Bürger, die sich als Verlierer der Reformen sehen, können beispielsweise zunehmend extreme Parteien an den Rändern des Parteienspektrums wählen oder sich der Wahl enthalten, was zu einer stärkeren Polarisierung des Parteiensystems aber auch zu einer geringeren Legitimität des Regierungen führen kann, da sich größere Wählerschaften nicht mehr repräsentiert sehen.

Gleichzeitig könnte sich das Verhältnis zwischen der ökonomischen und der zweiten, oftmals kulturellen oder moralischen genannten Dimension verändern, wenn sich aufgrund des wahrgenommen oder faktischen Zwangs zur Reduktion des Wohlfahrstaates der Parteienwettbewerb auf die zweite Dimension verlagert. Abgesehen von einer relativ jungen Literatur zu den elektoralen Auswirkungen von Wohlfahrtstaatsreformen, fehlen jedoch umfassende Analysen zu den Effekten von Sozialstaatsreformen auf das Wahlverhalten von traditioneller und neuer Wählergruppen, Parteienwettbewerb und -polarisierung, die Struktur des politischen Wettbewerb, die Salienz des Wohlfahrtsstaates und der ökonomischen Dimension im politischen Wettbewerb im Allgemeinen sowie die Adaptionsstrategien von Parteien.

Zur Diskussion der beschriebenen Fragen waren folgende Wissenschaftler eingeladen, mit großzügiger Unterstützung des Sfb 597 "Staatlichkeit im Wandel" und der Sciences Po:

  • Alexandre Afonso, King's College, London, GB
  • Ben Ansell, Nuffield College, Oxford University, GB
  • Silja Häusermann, Universität Zürich, Schweiz
  • Carsten Jensen, Universität Aarhus, Dänemark
  • Herbert Kitschelt, Duke University, USA
  • Johannes Lindvall, Universität Lund, Schweden
  • Kimberly Morgan, George Washington University, USA
  • Jonathan T. Polk, Universität Gothenburg, Schweden
  • Philipp Rehm, University of Ohio, USA
  • Jan Rovny, Centre d'études européennes, Sciences Po, Paris, Frankreich
  • Allison Rovny, Centre d'études européennes, Sciences Po, Paris, Frankreich
  • David Rueda, Nuffield College, University of Oxford, GB


Organisation der Tagung:

Philip Manow, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen, Deutschland
Bruno Palier, Centre d'études européennes, Sciences Po, Paris, Frankreich
Hanna Schwander, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen, Deutschland


Kontakt:
Prof. Dr. Philip Manow
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58580
E-Mail: manow@uni-bremen.de

Prof. Dr. Stefan Traub, Sprecher der Forschergruppe 2104 Prof. Dr. Stefan Traub, Sprecher der Forschergruppe 2104 "Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren"
Sprecherfunktion und zwei Teilprojekte am Zentrum für Sozialpolitik.

Auf seiner Oktober-Sitzung hat der Senat der DFG die Einrichtung einer Forschergruppe „Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren“ (FOR 2104) an der Universität Bremen beschlossen. Die Forschergruppe ist ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt mit insgesamt elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Bremen, Hamburg, Oldenburg und Wien sowie der Jacobs University Bremen aus den Disziplinen Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre. Sprecher der Forschergruppe ist der Volkswirt Professor Stefan Traub, Co-Leiter der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung des Zentrums für Sozialpolitik (ZeS). Die Universität Bremen ist zudem mit den Politikwissenschaftlern Professor Frank Nullmeier und Tanja Pritzlaff (beide ebenfalls vom ZeS, Abteilung Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates) und Professorin Dagmar Borchers (Institut für Philosophie) an der Forschergruppe beteiligt.

In der ersten dreijährigen Förderphase (2015-2017) wird die Forschergruppe der Frage nachgehen, wie auf individueller Ebene Bedarfe identifiziert und diese auf gesellschaftlicher Ebene anerkannt werden. Führt der Prozess der Bedarfsanerkennung zu einem stabilen Ergebnis? Und welche ökonomischen Anreizeffekte gehen von bedarfsgerechter Umverteilung aus? Eine Besonderheit der Forschergruppe ist, dass alle Teilprojekte interdisziplinär besetzt sind und die jeweiligen Fragestellungen mit Hilfe von Laborexperimenten untersucht werden, in denen Versuchspersonen realistische Verteilungsentscheidungen treffen. Das langfristige Ziel ist die Formulierung einer normativen Theorie der Bedarfsgerechtigkeit auf Basis dieser experimentellen Beobachtungen. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler orientieren sich dabei an zwei zentralen Vermutungen: zum einen, dass es dem Einzelnen leichter fällt, die bestehenden Verteilungsprinzipien zu akzeptieren, wenn diese transparent sind; zum anderen, dass die Zustimmung zum Verteilungsergebnis umso höher ist, je mehr Expertise bei der Verteilung herangezogen wird. Ausgehend davon sollen in der Folge passgenaue Analysen des Sozialstaats betrieben werden.

Eine Forschergruppe ist ein enges Arbeitsbündnis mehrerer herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die gemeinsam eine Forschungsaufgabe bearbeiten. Das Forschungsvorhaben geht dabei nach seinem thematischen, zeitlichen und finanziellen Umfang über die Förderungsmöglichkeiten im Rahmen der DFG-Einzelförderung weit hinaus. Die Förderung von Forschergruppen soll helfen, für eine mittelfristige - meist auf sechs Jahre - angelegte, enge Kooperation die notwendige personelle und materielle Ausstattung bereitzustellen. Forschergruppen tragen dazu bei, neue Arbeitsrichtungen zu etablieren.

Die genaue Fördersumme der DFG für die Forschergruppe „Bedarfsgerechtigkeit und Verteilungsprozeduren“ ist den Antragstellern zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt, da der schriftliche Zuwendungsbescheid der DFG noch nicht vorliegt. 


Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Traub

James Mirrlees, Preisträger 1996, im Gespräch mit jungen Ökonomen (ganz rechts Nicola Maaser).James Mirrlees, Preisträger 1996, im Gespräch mit jungen Ökonomen (ganz rechts Nicola Maaser).
Nicola Maaser von der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung des ZeS zum 5. Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen eingeladen.

Vom 19. bis zum 23. August diesen Jahres fand in Lindau das 5. Treffen der Ökonomie-Nobelpreisträger statt. Nicola Maaser, Post-Doc in der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung des ZeS, nahm als eine von 460 ausgewählten Nachwuchswissenschaftlern aus 80 verschiedenen Ländern daran teil.

Die traditionsreichen Lindauer Treffen bieten jungen Wissenschaftlern eine einmalige Gelegenheit, von Nobelpreisträgern ihrer Fachrichtung in Vorlesungen, Diskussionsrunden und Meisterkursen zu lernen und mit ihnen in Pausen und Abendveranstaltungen ungezwungen ins Gespräch zu kommen. An dieser Tagung nahmen 17 der 38 lebenden Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften teil, darunter Alvin Roth, Robert Aumann, Reinhard Selten, Joseph Stiglitz und Robert C. Merton.


Kontakt:
Dr. rer. pol. Nicola Friederike Maaser
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58555
E-Mail: maaser@uni-bremen.de