Aktuelle Mitteilungen

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05.02.2026

Die diesjährige Jahrestagung des SOCIUM - Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik - fand am 05.02.2026 in der Rotunde im Cartesium an der Universität Bremen statt. Im Mittelpunkt des kollegialen Austausches stand die gegenseitige Berichterstattung über aktuelle Forschungsergebnisse und strategische Vorhaben. Zu den beteiligten Institutionen zählten neben dem SOCIUM unter anderem der SFB 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" und das Deutsche Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS).


Kontakt:
Prof. Dr. Simone Scherger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58569
E-Mail: simone.scherger@uni-bremen.de

Prof. Heinz Rothgang präsentiert Projektergebnisse in Berlin

Im Auftrag des GKV-Spitzenverbands entwickelten und erprobten Bremer Wissenschaftler:innen ein neues Konzept zum Personaleinsatz in Pflegeeinrichtungen, das zukünftig in über 11.000 Einrichtungen der stationären Langzeitpflege in Deutschland umgesetzt werden kann. Am 21.01.2026 wurden die Ergebnisse des Modellprogramms in Berlin vorgestellt.

Die angespannte Personalsituation in Pflegeeinrichtungen ist schon lange eines der drängendsten gesundheitspolitischen Themen in Deutschland. Mehr Personal kann aber nur dann eine Lösung sein, wenn Pflegeheime dieses auch zielgerichtet einsetzen. Hier setzt das in Bremen entwickelte Konzept zum Personaleinsatz an, das eine „Kompetenz- und bewohnendenorientierten Arbeitsorganisation“ (KubA) einführt, die unterschiedliche Qualifikationen und Kompetenzen des Pflegepersonals und die Bedarfe und Bedürfnisse der Bewohnenden passgenau zueinander bringt.

Im Zeitraum von September 2023 bis Dezember 2025 wurde das Konzept in zehn Modelleinrichtungen deutschlandweit praktisch umgesetzt und evaluiert. Die Umsetzung beinhaltete dabei auch einen umfassenden Prozess der Personal- und Organisationsentwicklung in Form von Schulungen, Workshops und Fortbildungen zu Themen wie Personalentwicklungsgespräche, dem qualifikationsorientierten Pflegeprozess oder Dienstplanungen. Für die Evaluation wurden die Pflegekräfte in ihren Tätigkeiten von sogenannten „Schatten“ vor und nach der Umsetzung des Konzepts beobachtet. Zusätzlich wurden die Mitarbeitenden sowie die Bewohnenden der Pflegeeinrichtungen zu ihrer jeweiligen Zufriedenheit befragt. Im Ergebnis zeigen sich positive Effekte in den Modelleinrichtungen: die Pflegequalität hat sich verbessert, sowohl die Zufriedenheit mit der pflegerischen Versorgung als auch die der Mitarbeitenden ist erhöht und der Personaleinsatz ist effizienter. „Das Konzept zur Implementation der kompetenz- und bewohnendenorientierten Arbeitsorganisation sowie umfassende Materialien dafür liegen vor. Nun liegt es an den Pflegeeinrichtungen, mit der Umsetzung zu beginnen und ihren Personaleinsatz zukünftiger passgenauer zu gestalten“, sagt Projektleiter Prof. Heinz Rothgang (Socium, Universität Bremen).

 

Hintergrund: PeBeM-Studie

Die vorgestellten Maßnahmen basieren auf Ergebnissen eines Vorgängerprojekts, in dem die Entwicklung eines Instruments zur Personalbemessung im Zentrum stand. In dieser sogenannten PeBeM-Studie wurde ein Algorithmus entwickelt, der berechnet, wie viel Personal unterschiedlicher Qualifikationsstufen benötigt wird, um zukünftig die Bewohnenden fachlich angemessen zu versorgen. Denn nicht nur die Bedarfe und Bedürfnisse der Bewohnenden sind individuell, auch die Qualifikationen des Personals unterscheiden sich: Neben examinierten Pflegekräften arbeiten mittlerweile auch ausgebildete Pflegeassistenzkräfte, Hilfskräfte und Pflegekräfte mit Bachelorabschluss in Pflegeeinrichtungen.

Der in der PeBeM-Studie entwickelte Algorithmus ergab auf alle Einrichtungen angewendet einen Personalmehrbedarf von durchschnittlich 36% im Verhältnis zur Personalausstattung des Jahres 2018 – überwiegend im Bereich ausgebildeter Pflegeassistenzkräfte. Diese Ergebnisse wurden in der aktuellen Studie für das Jahr 2025 überprüft und bestätigt. Schon auf Basis der PeBeM-Studie hat der Gesetzgeber Personalobergrenzen eingeführt, die es den Pflegeeinrichtungen ermöglichen, bundesweit bis zu 45.000 zusätzliche Pflegekräfte (gerechnet in Vollzeit) einzustellen. Wird hiervon Gebrauch gemacht folgt, dass zukünftig nahezu gleiche Mengen von Fachkräften von deutlich mehr Assistenzkräften unterstützt werden. Dieser veränderte Qualifikationsmix macht eine neue Arbeitsorganisation und den oben beschriebenen Prozess der Personal- und Organisationsentwicklung erforderlich.

Das Umsetzungskonzept zur Personalplanung, das die wissenschaftlichen Erkenntnisse deutschlandweit in die Praxis bringen soll, wurde von Forschenden des SOCIUMS und des Instituts für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen und der Hochschule Bremen entwickelt. Die Konzepterprobung in zehn Modelleinrichtungen wurde mit der Unternehmensberatung contec GmbH als Praxispartner verantwortet, die Evaluation erfolgte zusammen mit dem aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH.

 

Links:

Weitere Informationen zum Modellprogramm: https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/forschung/modellprogramm___8_abs__3b_sgb_xi/modellprogramm_8_abs_3b.jsp

Implementationskonzept und Materialien: https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/forschung/modellprogramm___8_abs__3b_sgb_xi/8_abs_3b_materialien/implementationskonzept_und_materialien.jsp

Foto: Patrick Pollmeier / Universität Bremen


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Mutterschaft verringert komplexe Tätigkeiten im Job

Wie sich die Geburt eines Kindes auf den Inhalt der beruflichen Tätigkeit von Frauen auswirkt, untersuchen Wiebke Schulz (SOCIUM Universität Bremen) und Gundula Zoch (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) in einer neuen Studie im Journal of Marriage and Family. Mutterschaft gilt als zentrale Ursache geschlechtsspezifischer Ungleichheiten am Arbeitsmarkt, jedoch ist über Veränderungen der konkreten Arbeitsaufgaben bislang wenig bekannt.

Die Analyse von Paneldaten des Nationalen Bildungspanels (NEPS, 2011–2020) mit individuellen Fixed-Effects-Modellen zeigt: Nach der Geburt übernehmen Mütter seltener analytische, komplexe und interaktive Tätigkeiten. Diese Rückgänge konzentrieren sich vor allem auf diejenigen, die ihre Arbeitszeit reduzieren. Veränderungen durch berufliche Mobilität oder die Dauer der Elternzeit lassen sich hingegen nicht nachweisen.
Die Studie zeigt damit einen bisher wenig beachteten Aspekt geschlechtsspezifischer Ungleichheit. Mutterschaft verändert die Inhalte der Arbeit, was ein wichtiger Faktor für Arbeitsqualität, Kompetenzentwicklung und langfristige Karrierechancen ist.

Der vollständige Artikel ist hier frei zugänglic

Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) bietet einen Klimatypenrechner an

Welcher Klimatyp bist du? Was verbindet dich mit anderen? Probiere es hier aus: www.fgz-risc.de/klimatypenrechner 

Der Klimatypenrechner wurde auf Grundlage der Ergebnisse des Zweiten Zusammenhaltsberichts erarbeitet, der am 13.11.2025 auf einer Bundespressekonferenz vorgestellt wurde (wir berichteten). Begleitet wurde die Veröffentlichung mit einer erfolgreichen bundesweiten Plakatkampagne.

FGZ Plakatkampagne Klimatyp 2025.JPG (9 KB)

Die Forscher am FGZ identifizieren fünf Gruppen: Entschlossene (18%), Besorgte (18%), Zustimmende (31%), Indifferente (25%) und Ablehnende (8%).
Die Ablehnenden kritisieren Klimapolitik und fürchten wirtschaftliche Folgen. Die Entschlossenen sind von der Dringlichkeit umfassender Maßnahmen überzeugt. Dazwischen stehen die Besorgten. Sie teilen das Klimabewusstsein der Entschlossenen – und die wirtschaftlichen Sorgen der Ablehnenden. Das macht sie zu einer Schlüsselgruppe.
Der Zweite Zusammenhaltsbericht des FGZ zeigt, dass der Großteil der Bevölkerung die Gefahren des Klimawandels anerkennt und sich mehr Klimaschutz wünscht. Gleichzeitig machen sich viele Menschen aber Sorgen um die Folgen von Klimapolitik. Nur 8 Prozent lehnen eine ökologische Transformation ab. 
83 Prozent der Befragten sorgen sich um die Folgen des Klimawandels. 71 Prozent sind der Meinung, dass die Politik noch mehr zur Bekämpfung des Klimawandels tun müsste. Aber: 49 Prozent fürchten Jobverluste durch Klimapolitik. 42 Prozent haben Angst um ihren Lebensstandard.
„Es geht bei der Transformation weniger um das ‚Ob‘ als um das ‚Wie‘“, sagt FGZ-Direktor und Mitherausgeber der Studie Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg. „Wir finden in unseren Auswertungen eine Gruppe, die sehr deutlich die Risiken und Gefahren des Klimawandels anerkennt, sich aber zugleich stark um die sozialen Folgen von Klimapolitik sorgt.“

Klimapolitik muss soziale Ungleichheiten mitdenken
Die Besorgten könnten die Transformation mittragen – wenn ihre sozialen Sorgen ernst genommen werden. Die Bereitschaft in der Bevölkerung ist da: 53 Prozent sind überzeugt, dass es eine grundlegende Veränderung des Wirtschaftssystems bräuchte, um den Klimawandel zu bekämpfen. Entschlossene und Besorgte eint die Forderung nach Umverteilung und sozialem Ausgleich.

Kleine Gruppe, große Wirkung
Die 8 Prozent Ablehnenden sind politisch aktiv. Ihre Positionen werden in sozialen Medien verbreitet – oft mit Falschinformationen. Das könnte ein Grund dafür sein, warum 70 Prozent befürchten, Klimapolitik verschärfe gesellschaftliche Konflikte. „Wenn die Haltung der Ablehnenden als weit verbreitet gilt, erscheint ambitionierte Klimapolitik als Bedrohung für den Zusammenhalt“, sagt Olaf Groh-Samberg.

Einzigartige Datenbasis
Der Zusammenhaltsbericht nutzt verschiedene Datenquellen zur Analyse des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die repräsentative Studie „German Social Cohesion Panel“ (SCP) stützt sich dabei auf die Befragung von über 8.000 Personen in ganz Deutschland, die Ende 2022 durchgeführt wurde. Die Ergebnisse unserer Studie bilden zentrale gesellschaftliche Konstellationen ab, deren Entwicklung wir fortlaufend beobachten und weiter auswerten. Aktuelle Daten bestätigen, dass Klimaschutz in der Bevölkerung weiterhin einen hohen Stellenwert hat. 
„Mit unseren Daten können wir die Einstellungen zum Klimawandel in der Bevölkerung nicht nur in Bezug auf den sozio-demografischen Hintergrund der Befragten analysieren. Wir können sie auch mit gesellschaftspolitischen Einstellungen, Erfahrungen von Zusammenhalt im Alltag und dem Vertrauen in politische Institutionen in Beziehung setzen“, erklärt Mitherausgeber Dr. Nils Teichler. 

Der vollständige Zusammenhaltsbericht steht hier zum Download bereit.