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Prof. Heinz Rothgang präsentiert Projektergebnisse in Berlin

Im Auftrag des GKV-Spitzenverbands entwickelten und erprobten Bremer Wissenschaftler:innen ein neues Konzept zum Personaleinsatz in Pflegeeinrichtungen, das zukünftig in über 11.000 Einrichtungen der stationären Langzeitpflege in Deutschland umgesetzt werden kann. Am 21.01.2026 wurden die Ergebnisse des Modellprogramms in Berlin vorgestellt.

Die angespannte Personalsituation in Pflegeeinrichtungen ist schon lange eines der drängendsten gesundheitspolitischen Themen in Deutschland. Mehr Personal kann aber nur dann eine Lösung sein, wenn Pflegeheime dieses auch zielgerichtet einsetzen. Hier setzt das in Bremen entwickelte Konzept zum Personaleinsatz an, das eine „Kompetenz- und bewohnendenorientierten Arbeitsorganisation“ (KubA) einführt, die unterschiedliche Qualifikationen und Kompetenzen des Pflegepersonals und die Bedarfe und Bedürfnisse der Bewohnenden passgenau zueinander bringt.

Im Zeitraum von September 2023 bis Dezember 2025 wurde das Konzept in zehn Modelleinrichtungen deutschlandweit praktisch umgesetzt und evaluiert. Die Umsetzung beinhaltete dabei auch einen umfassenden Prozess der Personal- und Organisationsentwicklung in Form von Schulungen, Workshops und Fortbildungen zu Themen wie Personalentwicklungsgespräche, dem qualifikationsorientierten Pflegeprozess oder Dienstplanungen. Für die Evaluation wurden die Pflegekräfte in ihren Tätigkeiten von sogenannten „Schatten“ vor und nach der Umsetzung des Konzepts beobachtet. Zusätzlich wurden die Mitarbeitenden sowie die Bewohnenden der Pflegeeinrichtungen zu ihrer jeweiligen Zufriedenheit befragt. Im Ergebnis zeigen sich positive Effekte in den Modelleinrichtungen: die Pflegequalität hat sich verbessert, sowohl die Zufriedenheit mit der pflegerischen Versorgung als auch die der Mitarbeitenden ist erhöht und der Personaleinsatz ist effizienter. „Das Konzept zur Implementation der kompetenz- und bewohnendenorientierten Arbeitsorganisation sowie umfassende Materialien dafür liegen vor. Nun liegt es an den Pflegeeinrichtungen, mit der Umsetzung zu beginnen und ihren Personaleinsatz zukünftiger passgenauer zu gestalten“, sagt Projektleiter Prof. Heinz Rothgang (Socium, Universität Bremen).

 

Hintergrund: PeBeM-Studie

Die vorgestellten Maßnahmen basieren auf Ergebnissen eines Vorgängerprojekts, in dem die Entwicklung eines Instruments zur Personalbemessung im Zentrum stand. In dieser sogenannten PeBeM-Studie wurde ein Algorithmus entwickelt, der berechnet, wie viel Personal unterschiedlicher Qualifikationsstufen benötigt wird, um zukünftig die Bewohnenden fachlich angemessen zu versorgen. Denn nicht nur die Bedarfe und Bedürfnisse der Bewohnenden sind individuell, auch die Qualifikationen des Personals unterscheiden sich: Neben examinierten Pflegekräften arbeiten mittlerweile auch ausgebildete Pflegeassistenzkräfte, Hilfskräfte und Pflegekräfte mit Bachelorabschluss in Pflegeeinrichtungen.

Der in der PeBeM-Studie entwickelte Algorithmus ergab auf alle Einrichtungen angewendet einen Personalmehrbedarf von durchschnittlich 36% im Verhältnis zur Personalausstattung des Jahres 2018 – überwiegend im Bereich ausgebildeter Pflegeassistenzkräfte. Diese Ergebnisse wurden in der aktuellen Studie für das Jahr 2025 überprüft und bestätigt. Schon auf Basis der PeBeM-Studie hat der Gesetzgeber Personalobergrenzen eingeführt, die es den Pflegeeinrichtungen ermöglichen, bundesweit bis zu 45.000 zusätzliche Pflegekräfte (gerechnet in Vollzeit) einzustellen. Wird hiervon Gebrauch gemacht folgt, dass zukünftig nahezu gleiche Mengen von Fachkräften von deutlich mehr Assistenzkräften unterstützt werden. Dieser veränderte Qualifikationsmix macht eine neue Arbeitsorganisation und den oben beschriebenen Prozess der Personal- und Organisationsentwicklung erforderlich.

Das Umsetzungskonzept zur Personalplanung, das die wissenschaftlichen Erkenntnisse deutschlandweit in die Praxis bringen soll, wurde von Forschenden des SOCIUMS und des Instituts für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen und der Hochschule Bremen entwickelt. Die Konzepterprobung in zehn Modelleinrichtungen wurde mit der Unternehmensberatung contec GmbH als Praxispartner verantwortet, die Evaluation erfolgte zusammen mit dem aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH.

 

Links:

Weitere Informationen zum Modellprogramm: https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/forschung/modellprogramm___8_abs__3b_sgb_xi/modellprogramm_8_abs_3b.jsp

Implementationskonzept und Materialien: https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/forschung/modellprogramm___8_abs__3b_sgb_xi/8_abs_3b_materialien/implementationskonzept_und_materialien.jsp

Foto: Patrick Pollmeier / Universität Bremen


Contact:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Research Center on Inequality and Social Policy
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Phone: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Motherhood Reduces Complex Job Tasks

How the birth of a child affects the content of women’s work is examined by Wiebke Schulz (SOCIUM University of Bremen) and Gundula Zoch (University of Oldenburg) in a new study published in the Journal of Marriage and Family. Motherhood is considered a central source of gender inequalities in the labor market; yet, little is known about how it reshapes women’s specific job tasks.
 
The analysis of panel data from the German National Educational Panel Study (NEPS, 2011–2020) using individual fixed-effects models shows that, after childbirth, mothers perform fewer analytical, complex, and interactive tasks. These reductions are especially pronounced among women who reduce their working hours. No differences were found related to occupational mobility or the length of parental leave.
 
The study highlights a previously underexplored aspect of gender inequality. Motherhood changes the content of work, which is an important factor for job quality, skill development, and long-term career trajectories.
 
The full article is freely accessible here.

Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) bietet einen Klimatypenrechner an

Welcher Klimatyp bist du? Was verbindet dich mit anderen? Probiere es hier aus: www.fgz-risc.de/klimatypenrechner 

Der Klimatypenrechner wurde auf Grundlage der Ergebnisse des Zweiten Zusammenhaltsberichts erarbeitet, der am 13.11.2025 auf einer Bundespressekonferenz vorgestellt wurde (wir berichteten). Begleitet wurde die Veröffentlichung mit einer erfolgreichen bundesweiten Plakatkampagne.

 

Die Forscher am FGZ identifizieren fünf Gruppen: Entschlossene (18%), Besorgte (18%), Zustimmende (31%), Indifferente (25%) und Ablehnende (8%).
Die Ablehnenden kritisieren Klimapolitik und fürchten wirtschaftliche Folgen. Die Entschlossenen sind von der Dringlichkeit umfassender Maßnahmen überzeugt. Dazwischen stehen die Besorgten. Sie teilen das Klimabewusstsein der Entschlossenen – und die wirtschaftlichen Sorgen der Ablehnenden. Das macht sie zu einer Schlüsselgruppe.
Der Zweite Zusammenhaltsbericht des FGZ zeigt, dass der Großteil der Bevölkerung die Gefahren des Klimawandels anerkennt und sich mehr Klimaschutz wünscht. Gleichzeitig machen sich viele Menschen aber Sorgen um die Folgen von Klimapolitik. Nur 8 Prozent lehnen eine ökologische Transformation ab. 
83 Prozent der Befragten sorgen sich um die Folgen des Klimawandels. 71 Prozent sind der Meinung, dass die Politik noch mehr zur Bekämpfung des Klimawandels tun müsste. Aber: 49 Prozent fürchten Jobverluste durch Klimapolitik. 42 Prozent haben Angst um ihren Lebensstandard.
„Es geht bei der Transformation weniger um das ‚Ob‘ als um das ‚Wie‘“, sagt FGZ-Direktor und Mitherausgeber der Studie Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg. „Wir finden in unseren Auswertungen eine Gruppe, die sehr deutlich die Risiken und Gefahren des Klimawandels anerkennt, sich aber zugleich stark um die sozialen Folgen von Klimapolitik sorgt.“

Klimapolitik muss soziale Ungleichheiten mitdenken
Die Besorgten könnten die Transformation mittragen – wenn ihre sozialen Sorgen ernst genommen werden. Die Bereitschaft in der Bevölkerung ist da: 53 Prozent sind überzeugt, dass es eine grundlegende Veränderung des Wirtschaftssystems bräuchte, um den Klimawandel zu bekämpfen. Entschlossene und Besorgte eint die Forderung nach Umverteilung und sozialem Ausgleich.

Kleine Gruppe, große Wirkung
Die 8 Prozent Ablehnenden sind politisch aktiv. Ihre Positionen werden in sozialen Medien verbreitet – oft mit Falschinformationen. Das könnte ein Grund dafür sein, warum 70 Prozent befürchten, Klimapolitik verschärfe gesellschaftliche Konflikte. „Wenn die Haltung der Ablehnenden als weit verbreitet gilt, erscheint ambitionierte Klimapolitik als Bedrohung für den Zusammenhalt“, sagt Olaf Groh-Samberg.

Einzigartige Datenbasis
Der Zusammenhaltsbericht nutzt verschiedene Datenquellen zur Analyse des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die repräsentative Studie „German Social Cohesion Panel“ (SCP) stützt sich dabei auf die Befragung von über 8.000 Personen in ganz Deutschland, die Ende 2022 durchgeführt wurde. Die Ergebnisse unserer Studie bilden zentrale gesellschaftliche Konstellationen ab, deren Entwicklung wir fortlaufend beobachten und weiter auswerten. Aktuelle Daten bestätigen, dass Klimaschutz in der Bevölkerung weiterhin einen hohen Stellenwert hat. 
„Mit unseren Daten können wir die Einstellungen zum Klimawandel in der Bevölkerung nicht nur in Bezug auf den sozio-demografischen Hintergrund der Befragten analysieren. Wir können sie auch mit gesellschaftspolitischen Einstellungen, Erfahrungen von Zusammenhalt im Alltag und dem Vertrauen in politische Institutionen in Beziehung setzen“, erklärt Mitherausgeber Dr. Nils Teichler. 

Der vollständige Zusammenhaltsbericht steht hier zum Download bereit.

21.11.2025

DFG Success

(c) Maximilian Hohmann(c) Maximilian Hohmann
"Global Dynamics of Social Policy" CRC Enters Third Funding Phase

The German Research Foundation (DFG) is supporting the Collaborative Research Center 1342 "Global Dynamics of Social Policy" in a third phase for another four years until the end of 2029. In total, over nine million euros have been made available to successfully complete the twelve-year research agenda.

On November 21, 2025, the German Research Foundation's Review Committee for Collaborative Research Centers announced that it would continue to fund CRC 1342 for another four years with over nine million euros. The third funding phase will begin on January 1, 2026.

"We are thrilled about this outstanding success for our university and its partner institutions", commented Prof. Dr. Jutta Günther, President of the University of Bremen. "Over the past eight years, CRC 1342 has established itself as a renowned institution that will now continue to be able to make an important contribution to its interdisciplinary research area for another four years."

Collaborative Research Centers are among the largest and most important research networks supported by the DFG. In addition to SOCIUM as the anchor institute, other research institutes and facilities at the University of Bremen, Constructor University Bremen, Bielefeld University, Marburg University, Bamberg University, Mannheim University, and the University of Duisburg-Essen are involved in CRC 1342, which began its work in 2018. Furthermore, several non-university research institutions such as the Research Centre for East European Studies and the German Centre for Integration and Migration Research (DeZIM) are also included.

In 13 subprojects, around 80 researchers from the fields of political science, sociology, history, geography, law, and computer science are investigating the global effectiveness of state-sponsored social policy. The two funding phases have so far resulted in hundreds of publications in international, peer-reviewed journals, in the form of monographs, anthologies, and policy briefs.

In the third phase, which will begin in January 2026, two project areas will examine how social programs contribute to improving social living conditions and support political integration. In project area A, six subprojects will investigate how social policy affects social and political structures worldwide. In area B, six further subprojects will analyze the social and political consequences of social policy measures in selected countries and regions of the world. The Information Infrastructure Project (INF) will further expand the Global Welfare State Information System (WeSIS). The web-based, interactive system went online in the second funding phase and has been available to researchers and the public free of charge ever since.

Contact:
Prof. Dr. Markus Tepe
University of Bremen
SOCIUM – Research Center on Inequality and Social Policy
Phone: +49 421 218-58520
Email: markus.tepe@uni-bremen.de


Contact:
Dr. Maximilian Hohmann
CRC 1342: Global Dynamics of Social Policy
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Phone: +49 421 218-57058
E-Mail: hohmann@uni-bremen.de

(Un)mögliche Transformation? Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Einstellungen zum Klimawandel in Deutschland

Der zweite Zusammenhaltsbericht des FGZ analysiert umfassend, wie die deutsche Bevölkerung zur sozial-ökologischen Transformation steht. Die Ergebnisse zeigen deutliche Konfliktlinien, aber auch überraschende Konsenspotenziale zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Den Bericht als Kurz- und Langfassung sowie weitere Informationen finden Sie auf dieser Seite.

Die Veröffentlichung des zweiten Zusammenhaltsberichts am 13. November 2025 wird gerahmt durch zwei Veranstaltungen am gleichen Tag:

Um 10 Uhr wird die Studie im Rahmen einer Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Mit: Dr. Silke Launert (Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt), Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg (Direktor des FGZ und Leiter des German Social Cohesion Panel), Dr. Nils Teichler (Forschungsdatenzentrum des FGZ) und Clara Dilger (FGZ Leipzig). 

Um 18 Uhr werden die Ergebnisse der Studie im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Halle mit Vertreter:innen aus Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft diskutiert. Die Veranstaltung findet statt in Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) und dem Zukunftszentrum Deutsche Einheit und Europäische Transformation. Die Veranstaltung ist öffentlich – nähere Informationen finden Sie hier.

Kontakt
Dr. Nils Teichler
Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg
Dr. Jean-Yves Gerlitz