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Presse- und Kurzmitteilungen der Abteilung "Theoretische und normative Grundlagen".

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Die Sektion "Organisationssoziologie" der Deutschen Gesellschaft für Soziologie veranstaltet am 08. und 09. Februar 2018 in Bremen ihre Frühjahrstagung.

Praktiken des Bewertens sind allgegenwärtig: Schülerinnen werden benotet, Universitäten gerankt, Preise festgelegt, Opernaufführungen kritisiert, Rechenschaftsberichte angefertigt, Gütesiegel vergeben, um nur einige Beispiele zu nennen. Organisationen sind dabei in vielfältiger Weise in das Bewertungsgeschehen einbezogen: Sie geben den sozialen Rahmen ab, in dem Bewertungen vollzogen werden, produzieren und kommunizieren Bewertungen und werden schließlich auch selbst regelmäßig bewertet, evaluiert, geratet und gerankt.

Besondere Aufmerksamkeit erhält die Bewertung von, durch und in Organisationen durch neuere Bewertungsformate, wie sie zum Beispiel mit Rechenschaftspflichten und Regimen der Leistungsbewertung im Zuge des New Public Management eingeführt werden. Auffällig ist auch der Aufstieg von Bewertungsplattformen, die nicht nur als technologische Infrastrukturen, sondern auch als Geschäftsgrundlage von Unternehmen fungieren. Gleichwohl sind aufwendige organisierte Bewertungsprozesse keinesfalls ein neues Phänomen. Beispielsweise stellt die katholische Kirche den heroischen Tugendgrad der Dienerinnen und Diener Gottes schon seit Jahrhunderten in einem hochgradig formalisierten und langwierigen Heiligsprechungsverfahren fest.

Die Sektionstagung zum Thema "Organisation und Bewertung" soll die Gelegenheit bieten, Phänomene der Bewertung in, von und durch Organisationen der verschiedensten sozialen Felder vergleichend in den Blick zu nehmen. Sie greift damit auf die Arbeiten eines sich in den vergangenen Jahren entwickelnden Forschungsfeldes zurück: der Soziologie der Bewertung (Lamont 2012; Peetz et al. 2016) bzw. Valuation Studies (Kjellberg et al. 2013). Einem pragmatistischen Impuls folgend, werden dort "Momente der Bewertung" (Hutter/Stark 2015) fokussiert, Bewertungspraktiken nachgezeichnet und zunehmen auch in ihren Kontextbedingungen und ihrer Verwobenheit analysiert. Dezidiert organisationssoziologisch interessierte Studien sind dabei jedoch noch selten (siehe als jüngere Ausnahmen etwa Kornberger 2017; Coutier et al. 2017). Hier setzt die Tagung mit dem Ziel an, das Potential einer bewertungssoziologischen Perspektive für die Organisationssoziologie und umgekehrt einer organisationssoziologischen Perspektive für die Bewertungssoziologie auszuloten.

Vorträge können sich beispielsweise auf folgende Fragenkomplexe beziehen:

  • Bewertung von Organisationen: Wie verändern sich die Bewertungsformate von Organisationen im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen? Wie reagieren Organisationen auf neue Bewertungszumutungen? Können etablierte Verfahren der organisierten Ignoranz durchgehalten werden, oder rücken Bewertungen näher an die organisationale Praxis? Wie verändern sich die Beziehungen zwischen Organisationen durch Bewertungsprozesse?

  • Bewertung durch Organisationen: Worin liegen die Quellen der Legitimität organisierter Bewertungen und wie gehen Organisationen mit etwaiger Kritik an diesen Bewertungen um? Entstehen neue Formen von Bewertungsorganisationen?

  • Bewertung in Organisationen: Wie beschränken und ermöglichen organisationale Strukturen Bewertungsinteraktionen? Wie unterscheiden sich organisierte von nicht-organisierten Bewertungspraktiken? Und wie spezifische Bewertungsformate - zum Beispiel der Leistungsbewertung - im Vergleich von Organisationstypen? In welchem Verhältnis stehen formale und informale Bewertungspraktiken? Wie sind organisationale Bewertungspraktiken miteinander verwoben?

Wir freuen uns auf theoretische und empirische Beitragsvorschläge zu den genannten oder weiteren Fragestellungen bis zum 22.10.2017 (max. 2 Seiten) per E-Mail an: soziologie_der_bewertung@groups.uni-bremen.de

Download: Call for Papers

Literatur:
Cloutier, Charlotte/Jean-Pascal Gond/Bernard Leca (Hrsg.) (2017): Justification, evaluation and critique in the study of organizations: Contributions from French pragmatist sociology. Research in the Sociology of Organizations 52. Bingley: Emerald.
Hutter, Michael/David Stark (2015): Pragmatist perspectives on valuation: An introduction. In: Ariane Berthoin Antal/Michael Hutter/David Stark (Hrsg.), Moments of valuation. Exploring sites of dissonance. Oxford: Oxford University Press, S. 15-36.
Kjellberg, Hans et al. (2013): Valuation Studies? Our collective two cents. In: Valuation Studies 1, S. 11-30.
Kornberger, Martin (2017): The values of strategy: Valuation practices, rivalry and strategic agency. In: Organization Studies. doi: 10.1177/0170840616685365
Lamont, Michèle (2012): Toward a comparative sociology of valuation and evaluation. In: Annual Review of Sociology 38, S. 201-221.
Peetz, Thorsten et al. (Hrsg.) (2016): Schwerpunkt "Soziologie der Bewertung". Berliner Journal für Soziologie 26 (3/4).


Kontakt:
Dr. Thorsten Peetz
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58594
E-Mail: peetz@uni-bremen.de

Axel SteffenAxel Steffen
1. Platz für seine Arbeit zu "Soziale Wohnungsraumagenturen in Deutschland - Eine Ersterhebung".

Axel Steffen hat für seine M.A. Arbeit im Masterprogramm Sozialpolitik zu dem Thema "Soziale Wohnungsraumagenturen in Deutschland - Eine Ersterhebung" eine Auszeichnung des Deutschen Mieterbundes erhalten. Am 67. Deutschen Mietertag in Magdeburg wurde zum zweiten Mal der DMB Studienpreis Wohnungspolitik verliehen, bei dem Axel Steffen den 1. Platz belegte.

Der Preis wird alle zwei Jahre vom Deutschen Mieterbund e.V. und dem Institut für Raumplanung der TU Dortmund vergeben. Mit dem Preis werden herausragende Abschlussarbeiten gewürdigt, die sich auf innovative Weise mit dem Forschungfeld Wohnungspolitik befassen.

Der Masterstudiengang Sozialpolitik bietet eine viersemestrige hochwertige Ausbildung auf internationalem Niveau. Die Entwicklung von Sozialstaat und Zivilgesellschaft, die Auseinandersetzung mit europäischen Wohlfahrtsstaaten, ihre Zukunft unter Globalisierungsbedingungen und internationale Vergleiche sind ebenso Bestandteil des Studiums wie der genaue Blick auf konkrete Teilbereiche und Felder der Sozialpolitik, auf Entwicklung und Folgen sozialpolitischer Maßnahmen. Ziel des Studiums ist es, für wissenschaftliche Tätigkeiten sowohl in Institutionen und Organisationen der sozialen Sicherung als auch in Forschungseinrichtungen der Wohlfahrtsstaats- und Sozialpolitikforschung zu qualifizieren. Die Ausbildung zielt auf berufliche Arbeitsfelder, die sozialwissenschaftliche Reflexion, verantwortliches Handeln und forschungsorientierte Tätigkeiten umfassen.

Weitere Informationen:
Pressemeldung des Deutschen Mieterbunds vom 06. Juni 2017
Master Sozialpolitik


Kontakt:
Dr. Irina Wiegand
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58508
E-Mail: irina.wiegand@uni-bremen.de

Antragsskizze für ein Exzellenzcluster im April eingereicht.

Gemeinsam mit Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern aus dem InIIS und den Universitäten Hamburg, Hannover, Oldenburg, Osnabrück sowie der Jacobs University erarbeiten Mitglieder des SOCIUM ein Forschungsprogramm zum Thema "Contested Inequalities". Gegenwärtig wird dieser Vorantrag begutachtet. Im September entscheiden das Expertengremium für die Exzellenzstrategie und die Exzellenzkomission darüber, welche der knapp 200 eingereichten Antragsskizzen zur Vollantragstellung aufgefordert werden.

Zusammenfassung der Antragsskizze:

Im 21. Jahrhundert sind die OECD-Länder herausgefordert, gesellschaftspolitische Antworten auf diverse Ungleichheiten - ökonomische, politische, ethnische, generationale oder geschlechterbezogene - zu finden. Diese Ungleichheiten sind nicht neu, doch ihre zunehmende Vielfalt, Häufung und Überlappung ist brisant und potentiell gefährlich geworden. Ungleichheitserfahrungen sind für viele Menschen gelebte, zu bewältigende Wirklichkeit. Wahrnehmung und Reaktionen auf sie bedrohen Sozialintegration und demokratische Legitimität in der OECD-Welt. Die gegenwärtigen populistischen Verschiebungen und autoritären politischen "Involutionen" (Rückbildungen) samt der zunehmenden Verunsicherung mittlerer Schichten und der Prekarisierung unterer Schichten sind Ausdruck dieser großen Herausforderungen.

Angesichts dieser dramatischen Entwicklungen fragt unser Cluster "Umkämpfte Ungleichkeiten (COIN)": Was bedeutet es für gesellschaftliche und politische Dynamiken, wenn zu den fortbestehenden ökonomischen Ungleichheiten weitere wichtige Ungleichheiten hinzutreten? Dazu suchen wir Antworten auf drei miteinander verknüpfte Fragen:

  • Wie bewältigen Individuen ineinander verschränkte Ungleichheiten in ihrer Lebensführung?
  • Wie finden Menschen aufgrund geteilter Ungleichheitserfahrungen zusammen und reagieren gemeinsam?
  • Wie reagieren staatliche Akteure auf die immer klarer zu Tage tretenden Ungleichheiten?


Neue und bessere Antworten sind dringend erforderlich; dazu bedarf es eines vertieften Verständnisses der Settings multi-dimensionaler Ungleichheiten, der Praktiken, mit denen individuelle, kollektive und staatliche Akteure auf die verschiedenen Ungleichheiten reagieren, sowie der intendierten und unintendierten Effekte dieser Reaktionen. COIN konzentriert sich auf die Konflikthaftigkeit dieses Geschehens und die zirkulären Dynamiken interdependenter Reaktionsmuster. In den ersten sieben Jahren liegt die Betonung auf Ländern und ihrem Vergleich, anschließend wird stärker die internationale Einbettung umkämpfter Ungleichheiten analysiert, also die veränderten internationalen Beziehungen in der OECD-Welt und mit dem Globalen Süden.

COIN setzt auf die Stärken der Bremer Forschung in kooperativen, theoriegeleiteten und vergleichenden empirischen Untersuchungen von Ungleichheit und Sozialpolitik in der OECD-Welt. COIN arbeitet mit einem eigenen analytischen Ansatz, in dem die drei Research Areas (individuelle, kollektive und politische Reaktionen) und ein Daten- und Methodenzentrum eng aufeinander bezogen werden. Bremens Soziologie und Politikwissenschaft arbeitet mit ausgewiesenen Kolleginnen und Kollegen im norddeutschen Raum und weiteren nationalen und internationalen Kooperationspartnern zusammen, um den Sozialwissenschaften und der breiten Öffentlichkeit wegweisende Einsichten in Ungleichheitsdynamiken als zentrale Herausforderungen unserer Zeit zu vermitteln und ein weltweit sichtbares Forschungszentrum zu dieser Thematik aufzubauen.

Principal investigators (women) / Maßgeblich beteiligte Wissenschaftlerinnen:
Barlösius, Eva - University of Hannover
Drobnič, Sonja - University of Bremen
Gottschall, Karin - University of Bremen
Hollstein, Betina - University of Bremen
Hornidge, Anna-Katharina - Bremen / ZMT, University of Bremen
Lippke, Sonia - Bremen / Jacobs University
Martens, Kerstin - University of Bremen
Schmidt, Susanne K. - University of Bremen
Schmitt, Carina - University of Bremen
Teney, Céline - University of Bremen

Principal investigators (men) / Maßgeblich beteiligte Wissenschaftler:
Botzem, Sebastian - University of Bremen
Engel, Uwe - University of Bremen
Groh-Samberg, Olaf - University of Bremen
Haunss, Sebastian - University of Bremen
Manow, Philip - University of Bremen
Neckel, Sighard - University of Hamburg
Nonhoff, Martin - University of Bremen
Nullmeier, Frank - University of Bremen
Obinger, Herbert - University of Bremen
Rothgang, Heinz - University of Bremen
Schäfer, Armin - Osnabrück University
Schimank, Uwe - University of Bremen
Tepe, Markus - University of Oldenburg
Windzio, Michael - University of Bremen
Wonka, Arndt - University of Bremen

Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Martens
Institut für Interkulturelle und Internationale Studien - InIIS
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de


Kontakt:
Prof. Dr. Uwe Schimank
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58564
E-Mail: uwe.schimank@uni-bremen.de

Frank Nullmeier und Sebastian Haunss haben das neueste Heft der ZSR mit dem Schwerpunkt »Sozialstaat 4.0 - Digitale Ökonomie und Sozialpolitik« herausgegeben.

Die Ausgabe 4/2016 der Zeitschrift für Sozialreform beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die verschiedenen Bereiche der Sozialpolitik. Im Editorial sprechen Sebastian Haunss und Frank Nullmeier einige zentrale Aspekte der Diskussion um die Zukunft des Sozialstaats in einer digitalen Ökonomie an.

Die vier Beiträge des Schwerpunkts sind:

Weitere Informationen:
Ausgabe 4/2016 der ZSR 
Editorial der Ausgabe 4/2016 der ZSR


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

PD Dr. Sebastian Haunss
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58572
E-Mail: sebastian.haunss@uni-bremen.de

Magnus Brosig: Das Wissen der jungen Generation über öffentliche Alterssicherungsprogramme

Die Erhebung der in der Bevölkerung vorhandenen Kenntnisse zu sozialpolitischen Programmen gehört nicht zu den ausgebauten Feldern der Sozialpolitikforschung. Der vorliegende Beitrag fasst die Ergebnisse einer explorativen Studie zusammen, die anhand von strukturierten Interviews mit zwanzig Personen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren versucht, einen ersten Einblick in das Wissen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe über Strukturmerkmale von gesetzlicher Rentenversicherung, Riester-Rente und Grundsicherung im Alter zu erhalten. Insgesamt zeigt sich dabei eine recht gute Kenntnis der Grundlagen und zentralen Konzepte dieser Sicherungssysteme, während zutreffendes Wissen zu Einzelregelungen und eher randständigen Aspekten deutlich weniger verbreitet war. Nur wenige Interviewte äußerten insgesamt deutlich unzutreffende Vorstellungen oder zeigten eine umfassende Kompetenz, während zwischen diesen Polen die „Unbekümmerten“ die größte Gruppe bildeten: Sie überschätzten das Leistungsniveau und die Umverteilungsmechanismen der gesetzlichen Rentenversicherung deutlich und könnten insofern Gefahr laufen, langfristig unzureichende Sicherungsansprüche aufzubauen.

Download: ZeS Arbeitspapier 04/2015

Neues DFG-Projekt bewilligt.

Einkommensverluste, Bildungspanik oder burn-out-Probleme in den Mittelschichten sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Die Frage, ob die Mittelschichten in ihrer ‚Komfortzone‘ bedroht sind und die bisher scheinbar selbstverständliche gesicherte Existenz für die eigenen Kinder nicht mehr gilt, ist Gegenstand vielfältiger, auch kontroverser öffentlicher Debatten. Tatsächlich ist über die Lebensführung der Mittelschichten in Deutschland jedoch wenig bekannt. Soziologinnen und Soziologen aus verschiedenen Abteilungen des SOCIUM werden nun in einem kürzlich von der DFG bewilligten Forschungsprojekt untersuchen, welche Ereignisse und Entwicklungen zu Verunsicherungen führen und wie Mittelschichtsangehörige mit diesen Irritationen umgehen.

In der dreijährigen Studie (Fördervolumen ca. 400.000 Euro) mit dem Titel "Lebensführung als investive Statusarbeit-Praktiken, Bedingungen, Störungen" werden Angehörige unterschiedlicher Teilgruppen der Mittelschicht auch im Vergleich zu Angehörigen von Unterschichten vertiefend zu einzelnen Lebensbereichen wie Arbeit, Partnerschaft, Geldanlagen interviewt, um herauszufinden, inwieweit sich Irritationen in einzelnen Bereichen auf die gesamte Lebensführung auswirken.

Die Studie ist Teil eines größeren Forschungsprogramms an dem die Antragsteller, Uwe Schimank, Betina Hollstein und Karin Gottschall, mit weiteren Kolleginnen und Kollegen aus der Soziologie an der Universität Bremen und darüber hinaus arbeiten. Neben der genannten qualitativen Studie, an der auch die Postdoktoranden und Doktoranden Nils C. Kumkar, Rixta Wundrak und Stefan Holubek beteiligt sein werden, soll in weiteren Projekten die Lebensführung der Mittelschichten auch repräsentativ und längsschnittlich sowie ländervergleichend untersucht werden.


Kontakt:
Prof. Dr. Karin Gottschall
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58595
E-Mail: karin.gottschall@uni-bremen.de

Prof. Dr. Betina Hollstein
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58512
E-Mail: betina.hollstein@uni-bremen.de

Prof. Dr. Uwe Schimank
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58564
E-Mail: uwe.schimank@uni-bremen.de

Alle vier Jahre wählen die akademisch tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Bundesrepublik die Fachkollegien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Diese entscheiden unter anderem auch über die Vergabe von Forschungsgeldern. Insofern ist der Wahlerfolg zweier Mitglieder des SOCIUM ein Ausweis des bundesweit hohen Ansehens der Bremer Sozialwissenschaften.

Karin Gottschall, Hochschullehrerin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Geschlechterverhältnisse wurde erneut für das Fach „Empirische Sozialforschung“ in das Kollegium „Sozialwissenschaften“ gewählt. Frank Nullmeier, Hochschullehrer für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates wurde in dieses Kollegium für das Fach „Politikwissenschaft“ gewählt.

Download:
Vorläufiges Ergebnis der Fachkollegienwahl 2015 (§9 Nr. 9 Satz 1 und 2 der Wahlordnung)
Veröffentlicht am: 26.11.2015


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

Prof. Dr. Karin Gottschall
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58595
E-Mail: karin.gottschall@uni-bremen.de

Die Zeitschrift für Sozialreform (ZSR) ist seit kurzem in einem kostenfreien Kompaktformat erhältlich. Dieses enthält alle Beiträge der Zeitschrift in verkürzter und vereinfachter Form.

Ende Juni ist die aktuelle Ausgabe der ZSR-Kompakt erschienen. Das im letzten Jahr entwickelte Format enthält kostenfreie Kurzfassungen aller in der Zeitschrift für Sozialreform veröffentlichten Beiträge. Aus komplexen, wissenschaftlichen Artikeln werden leicht verständliche, zeitungsähnliche Texte mit einem hohen Informationsgehalt. Diese eignen sich für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um einen schnellen Überblick über die aktuelle Sozialpolitikforschung zu erhalten, genauso wie für Studierende und Interessierte, die nach ersten Einblicken in das Forschungsfeld suchen.

Die Kompaktversion der Zeitschrift für Sozialreform kann über die Webseiten www.z-sozialreform.de, www.sozialpolitik-aktuell.de sowie über die Newsletter der beiden Portale bezogen werden.

Thematisch decken die Beiträge der ZSR und ZSR-Kompakt verschiedene sozialpolitische Bereiche ab, die von Rentenpolitik über Arbeitsmarktpolitik und Familienpolitik bis hin zur Gesundheitspolitik reichen. Die Autorinnen und Autoren der Zeitschrift nehmen dabei unterschiedliche disziplinäre und methodische Perspektiven ein. Politikwissenschaftliche Ansätze sind genauso vertreten wie soziologische, juristische oder ökonomische Herangehensweisen.

Das vor kurzem erschienene Heft 2/2015 enthält vier Beiträge, die thematisch breit gestreut sind:

  • Im eröffnenden Text diskutieren Franz-Xaver Kaufmann und Stephan Lessenich über die Entwicklung der soziologischen Wohlfahrtsstaatsforschung,

  • im zweiten Text geht Michael Haus der vermeintlichen Krise der Mittelschicht und ihren Folgen für die Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates nach,

  • im dritten Text untersuchen Katharina Hörstermann und Hans-Jürgen Andreß, wie hoch die Bevölkerung den Grundsicherungsbedarf von Hilfesuchenden einschätzt und

  • im vierten Texten berechnen David Bowles und Wolfgang Greiner die Auswirkungen des 2014 beschlossenen Pflegevorsorgefonds auf den Beitragssatz zur Pflegeversicherung.

Kontakt
Redaktion der ZSR
Zentrum für Sozialpolitik
Abteilung "Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates"
E-Mail: zsr@uni-bremen.de

Download
ZSR-Kompakt 2/2015
Die wichtigsten Inhalte der ZSR in leicht verständlicher Kurzform.

Weitere Informationen
Zeitschrift für Sozialreform

 

Mit zahlreichen Beiträgen, u.a. von Stephan Leibfried, Frank Nullmeier und Magnus Brosig, in der Zeitschrift "Deutsche Rentenversicherung" erschienen.

Soeben erschien im Heft 1 von "Deutsche Rentenversicherung" eine Bilanz quer durch alle einschlägigen Disziplinen zur "Entwicklung der Sozialpolitik in Forschung und Lehre" an den deutschen Universitäten. Zum Inhalt: Die Sozialpolitik verschwindet seit den 1990er Jahren zunehmend aus dem universitären Wissens- und Ausbildungssystem in Deutschland, und zwar in allen fünf einschlägigen Disziplinen (Jura, Ökonomie, Soziologie, Politikwissenschaft und Geschichte), am wenigsten gilt noch für das Recht (aber da wird das Wissen deutlich flacher). Was bleibt, ist ein gewisses juristisches Gerippe (weil es eine Sozialgerichtsbarkeit gibt) und im übrigen bei Bedarf schnell hingeworfene Modelle bzw. eine Hobby-Beschäftigung mit dem Thema. Damit fehlt die öffentliche, andauernde, begleitende, empirisch fundierte Expertise. Zurück bleibt sektorales Maschinenraumwissen im und über den Sozialstaat, ein Wissen, das nur einen begrenzten Radius hat (Spartenwissen, kaum Wissen über die Maßnahmefolgen, ...) und kaum nach außen dringt; und es bleibt kaufbare private Expertise (in Beratungsunternehmen und in außeruniversitären Wirtschaftsinstituten). Das Fundament für eine informierte Öffentlichkeit und öffentliche Begleitung von Sozialpolitik ist dann entfallen. Eine "Sozialpolitik im Blindflug" wäre das Ergebnis. Will man sich das ernsthaft für die Riesenmaschine "Sozialstaat" leisten, die in Deutschland ein Drittel des Bruttoinlandprodukts erfasst und die Hälfte der öffentlichen Haushalte ausmacht?

Europa blickt in der Sozialpolitik seit 1880 immer auf Deutschland als sozialpolitisches Musterland, und das verstärkt seit den 1990er Jahren, aber die "intellectual leadership" für ein "soziales Europa" (Jacques Delors) wird so entfallen - obgleich sie in der heutigen Zeit besonders nötig wäre, wo die Europäische Union (EU) mit der reinen Austeritätspolitik im Süden in einer Sackgasse gelandet ist und Brüssel seit zwei Jahren mit einer europäischen Arbeitslosenversicherung hilflos einen Ausweg sucht. Europas Plan B heißt dann Großbritannien (das neoliberale Modell) oder, im günstigsten Fall, schauen wir ad hoc auf die Erfahrungen der kleinen Länder in Benelux und Skandinavien.

Ironisch ist nachzutragen: Es wird dann in den USA mehr sozialpolitisches Wissen über das eigene Land im Universitätssystem geben als in Deutschland. Das Universitätssystem der USA ist so groß, fördert massiv Empirie und toleriert Diversität so stark, dass es einen institutionalisierten Plan B im Wissenschaftssystem hat, wenngleich der dortige Sozialstaat nie vollendet wurde und brüchig blieb. In Deutschland kennen wir keinen solchen Plan B in unserem Wissenssystem. Wir hätten dann ein Wissenschafts- und Ausbildungssystem, das mit dem Rücken zum Sozialstaat steht.

Folgende Beiträge sind zu diesem Schwerpunktthema in Heft 1 der Zeitschrift "Deutsche Rentenversicherung" enthalten:

    • Prof. Dr. Stephan Leibfried, Dr. Christina Stecker:
      Sozialpolitik: Bilanz und Perspektiven für Forschung und Lehre an den deutschen Universitäten – eine Einführung

    • Prof. Dr. Ursula Dallinger, Prof. Dr. Stephan Lessenich, Prof. Dr. Ilona Ostner:
      Soziologische Forschung zur Sozialpolitik: Geschichte, Institutionalisierung, Herausforderungen

    • Prof. em. Dr. Richard Hauser:
      Die institutionelle Verankerung von Lehre und Forschung zur Sozialpolitik in den Wirtschaftswissenschaften an deutschen staatlichen Universitäten

    • Prof. Dr. Werner Sesselmeier:
      Wissenschaftliche Forschung zur Sozialpolitik in den Wirtschaftswissenschaften: Bilanz und Perspektiven

    • Prof. Dr. Ulrich Becker:
      Wissenschaftliche Forschung zum Sozialrecht – Bilanz und Perspektiven aus Sicht der Rechtswissenschaften

    • Prof. Dr. Frank Nullmeier, Dr. Magnus Brosig:
      Politikwissenschaftliche Forschung zur Sozialpolitik und Alterssicherung

    • PD Dr. Winfried Süß:
      Die Geschichte der Sozialpolitik als Teil der Neueren und Neuesten Geschichte/Zeitgeschichte

    • Prof. Dr. Stephan Leibfried:
      Zentrale Ergebnisse des Memorandums "Förderinitiative Stiftungsprofessuren Sozialpolitik"

Weitere Informationen:
Zeitschrift "Deutsche Rentenversicherung"


Kontakt:
Prof. Dr. Stephan Leibfried

Hg. von Stephan Leibfried, Evelyne Huber, Matthew Lange, Jonah D. Levy, Frank Nullmeier, und John D. Stephens.

"The Oxford Handbook of Transformation of the State" erscheint in der bekannten Handbuchreihe, deren Bände von Oxford University Press initiiert werden. Mit diesem Werk zieht der Bremer Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel", dessen Arbeit 2003 begann und 2014 abschloss, zusammen mit vielen internationalen Staatsforscherinnen und Staatsforschern eine große Schlussbilanz zum "state of the state". Das geschieht nicht nur für den Globalen Norden, sondern auch für den Globalen Süden, also für die gesamte Staatenwelt. Mit diesem Handbuch kommen 12 Jahre Bremer Forschung zu einem ersten international sichtbaren Abschluss.

Das Handbuch hat bei 44 Kapiteln fünf Abteilungen:

  1. Die Entstehung der modernen Staaten.
  2. Internationalisierung und Staat.
  3. Die laufenden Transformationen der Kern-OECD-Staatenwelt.
  4. Post-kommunistische Besonderheiten: Staatstransformationen in der früheren kommunistischen Welt.
  5. Staaststransformationen im Globalen Süden.


Zudem gibt es eine umfangreiche Zuführung zu diesem Großthema in den Kapiteln 1 und 2, samt einer ersten Synthese in Kapitel 9, und einen Ausblick in Kap. 44.

Derzeit ist das Handbuch für einen um 30% reduzierten Preis beim Verlag zu beziehen. In zwei Jahren wird es als Paperback erscheinen - und für Studierende erschwinglich sein.

Download:
Table of Contents

Weitere Informationen:
Oxford University Press


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

Prof. Dr. Stephan Leibfried