Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS) des Bundesministeriums für Arbeit und SozialesFördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
Vorträge von „Der ‚aktivierende Sozialstaat‘ – eine Politik- und Gesellschaftsgeschichte deutscher Sozialpolitik“ und „GEVOAB – Gerechtigkeitsvorstellungen von erwerbstätigen ALG II-Beziehern“

SCIENCE GOES PUBLIC! ist ein innovatives Format der Wissenschaftskommunikation in Bremen und Bremerhaven. Dabei werden originelle Themen in knapp 30 Minuten in ausgewählten Kneipen und Bars einem breit gefächerten Publikum öffentlich präsentiert. Das SOCIUM –Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik ist dieses Mal mit zwei Beiträgen beteiligt: Wanda Schwarze-Wippern und Christof Wittmaack werden am 4. November 2021 um 20:30 Uhr einen Vortrag zum Thema „Nur fordern, wenn's fördert?“ im 1st Class Suidice (Friedrich-Ebert-Str. 53-55, 28199 Bremen) halten, Sebastian Jürss referiert am 11. November um 20:30 Uhr über „Da klafft ‚ne Gerechtigkeitslücke einfach auf“ im Gondi (Langemarckstr. 249, 28199 Bremen).

Die Nachwuchsgruppe „Der ‚aktivierende Sozialstaat‘ – eine Politik- und Gesellschaftsgeschichte deutscher Sozialpolitik, 1979–2017“ und das Forschungsprojekt „GEVOAB – Gerechtigkeitsvorstellungen von erwerbstätigen Arbeitslosengeld II-Beziehern“ werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen des Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS) gefördert.


Kontakt:
PD Dr. Tanja Pritzlaff-Scheele
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58579
E-Mail: tanja.pritzlaff@uni-bremen.de

Dr. Nikolas Dörr
SOCIUM - Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58645
E-Mail: doerr@uni-bremen.de

Dr. Nikolas DörrDr. Nikolas Dörr
Die Fördermittel dienen der Ausrichtung der zweitägigen Hermann-Weber-Konferenz „Im Kalten Krieg entscheiden die Bataillone der besseren Sozialleistungen“ im Jahr 2022.

Dr. Nikolas Dörr, Nachwuchsgruppenleiter am SOCIUM, hat die einmal jährlich vergebenen Fördermittel der Gerda-und-Hermann-Weber-Stiftung zur Ausrichtung der Hermann-Weber-Konferenz zur Historischen Kommunismusforschung im Jahr 2022 erhalten. Die mit 20.000 Euro geförderte Konferenz wird Cold War Studies, Kommunismusforschung und historische Wohlfahrtsstaatsforschung verbinden. Mit der Bewilligung der Fördermittel ist zusätzlich die Mitherausgeberschaft der Konferenzbeiträge in einer Ausgabe des renommierten Jahrbuchs für Historische Kommunismusforschung verbunden.

Im Bundestagswahlkampf 1953 prägte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ludwig Preller den prägnanten Satz: „Insbesondere im Kalten Krieg entscheiden die Bataillone der besseren Sozialleistungen.“ Er verwies damit auf ein Politikfeld, das für den Kommunismus eine herausragende Bedeutung besaß. Das Versprechen der Beseitigung von sozialen Missständen spielte die zentrale Rolle für die Erringung der Macht kommunistischer Parteien im 20. Jahrhundert: sei es in Russland 1917, China 1949, Kuba 1959 oder Vietnam 1975. Für den Westen stellte dies eine massive Herausforderung im Kalten Krieg dar. In der Systemauseinandersetzung sollte neben der ökonomischen und militärischen auch die sozialpolitische Überlegenheit demonstriert werden. Für die Bundesrepublik hatte diese Systemkonkurrenz vor dem Hintergrund der deutschen Teilung eine besondere Relevanz.

Die interdisziplinäre Konferenz wird sich in einem ersten Teil der Frage widmen: Welche Rolle spielte Sozialpolitik für den Kommunismus sowie allgemein in der Systemauseinandersetzung im Kalten Krieg? In Weiterführung des Konzepts der „asymmetrisch verflochtenen Parallelgeschichte“ (Christoph Kleßmann) wird die sozialpolitische Entwicklung in West und Ost dabei nicht als getrennt, sondern als kontinuierlich aufeinander bezogen und gegenseitig rezipierend analysiert. In einem zweiten Teil wird die Konferenz die Transformationsphase ab 1989 und bis heute andauernde Folgen thematisieren.

Die Konferenzreihe wahrt das Andenken an den Mannheimer Historiker Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Weber (1928–2014), der auf dem Gebiet der Geschichte der Arbeiterbewegung, Kommunismusforschung und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Kalten Krieg Maßstäbe gesetzt hat.

Weitere Informationen zur Gerda-und-Hermann-Weber-Stiftung finden Sie hier.


Kontakt:
Dr. Nikolas Dörr
SOCIUM - Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58645
E-Mail: doerr@uni-bremen.de

Mit mehr als einer halben Million Euro fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die von Nikolas Dörr geleitete Nachwuchsgruppe im Rahmen des Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS).

Die interdisziplinär zusammengesetzte Forscher*innengruppe wird in den kommenden drei Jahren zusammen mit nationalen und internationalen Kooperationspartner*innen die Entstehung und Entwicklung der „aktivierenden Sozialpolitik“ in Deutschland untersuchen.

Der „aktivierende Sozialstaat“ ist seit den 1990er-Jahren zum neuen Leitbild der Sozialpolitik in Deutschland und weiten Teilen Europas avanciert. Im Fokus der öffentlichen Debatte in Deutschland stehen dabei besonders die Reformen der Agenda 2010 und vor allem „Hartz IV“. Während die sozioökonomischen Ursachen dieses sozialpolitischen Wandels (insb. Ölkrisen, Massenarbeitslosigkeit, demografische Entwicklung, Staatsverschuldung) bereits gut erforscht sind, wurden gesellschaftliche und internationale Faktoren bislang weitgehend ausgeblendet. Die alleinige Fokussierung auf die sozioökonomische Situation greift jedoch zu kurz, um diese sozialstaatliche Transformation umfassend erklären zu können.

Die Nachwuchsgruppe untersucht den „aktivierenden Sozialstaat“ dementsprechend nicht als eine Summe von Gesetzen, sondern weitergehender als sozialpolitische Reaktion auf einen grundlegenden, langfristigen gesellschaftlichen Wandel und die Veränderung internationaler sozialpolitischer Leitbilder seit Ende der 1970er-Jahre. Ersteres schließt u. a. Prozesse der Individualisierung, Pluralisierung (v. a. durch Migration) und die Popularisierung des Prinzips „Fördern und Fordern“ mit ein. Letzteres bezieht sich auf die transnationale Rezeption neuer sozialpolitischer Ansätze (u. a. Thatcherismus, Workfare, „New Labour“, Flexicurity).

Die Nachwuchsgruppe besteht aus den Doktorand*innen Wanda Schwarze-Wippern und Christof Wittmaack sowie dem Nachwuchsgruppenleiter Dr. Nikolas Dörr, die sich in drei Teilprojekten dem Einfluss a) internationaler sozialpolitischer Ideen- und Politiktransfers seit 1979, b) von Einstellungsveränderungen gegenüber staatlicher Sozialpolitik (u. a. bedingt durch die Asyldebatten seit den 1980er-Jahren und unterschiedliche sozialstaatliche Prägungen in West- und Ostdeutschland) und c) der Veränderung des öffentlichen und medialen Diskurses über Sozialpolitik und deren Rückwirkung auf den sozialpolitischen Entscheidungsprozess widmen.

Weitere Informationen:
Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung


Kontakt:
Dr. Nikolas Dörr
SOCIUM - Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58645
E-Mail: doerr@uni-bremen.de