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Das Land Bremen fördert das Forschungscluster bis zum 31.12.2025

Es handelt sich dabei um ein Verbundprojekt des Wissenschaftsschwerpunkts Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen mit der Hochschule Bremen und der Apollon-Hochschule Bremen, in dessen Rahmen sechs Qualifizierungsstellen eingerichtet und gemeinsam von den Professor:innen der verschiedenen Bremer Hochschulen betreut werden. Das SOCIUM ist durch Prof. Dr. Heinz Rothgang vertreten.

Übergreifendes Ziel des Cluster ist es, lokal einen Beitrag Umsetzung der Ziele des Rahmenkonzept der „gesunden Stadt“ in Europa (WHO European Healthy Cities Network) zu ermöglichen. Mit diesem Rahmenkonzept liegt eine internationale Vision vor, die auf die Reduktion gesundheitlicher Ungleichheiten, guter Governance und die Berücksichtigung von Gesundheit bzw. Gesundheitsförderung in allen Sektoren abzielt. Zentral hierfür ist die Etablierung einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit für eine gesundheitsfördernde Stadtentwicklung. Ebenso zentral hierfür ist die Schaffung eines leistungsfähigen Versorgungssystems, in dem die verschiedenen Gesundheitsberufe integriert und auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Das Forschungcluster wird in seiner Laufzeit – unter Berücksichtigung der spezifischen Besonderheiten Bremens und seiner gesundheitswissenschaftlichen Stärken – die aktuellen Gegebenheiten untersuchen, partizipativ und kollaborativ Vorschläge erarbeiten und ein Konzept für die nachhaltige Förderung und Umsetzung von Strukturen der integrierten Gesundheitsversorgung in Bremen vorlegen. Die praktische Bearbeitung ist sechs Qualifizierungsprojekten organisiert, die bis zum 19.4.22 ausgeschrieben sind (Stellenausschreibungen Universität Bremen)

In einem Post-Doktorand:in-Projektist die koordinierende Funktion für das Forschungscluster und die Ergebnisintegration aus allen Projekten verbunden. Es wird ein Konzept für ein integriertes kleinräumiges Monitoring mit Verbindung der Bereiche Gesundheit, Soziales und Umwelt entwickelt und mit Bremischen Daten zur Entscheidungsunterstützung in der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit für eine nachhaltige, klimagerechte und gesundheitsfördernde Stadtentwicklung erprobt.

Fünf Promotionsprojekte bearbeiten die nachfolgenden spezifischen Einzelaspekte:

  • Untersuchung der förderlichen Bedingungen des Einsatzes digitaler Technologien zur Verbesserung sozialer Interaktion und Teilhabe von Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf vor dem Hintergrund gewachsener lokaler Strukturen
    Kontakt: Prof. Dr. Heinz Rothgang (rothgang@uni-bremen.de)
  • Erhebung von Differenzen und Übereinstimmungen in der Wahrnehmung gesundheitlicher Risiken bei Jugendlichen einerseits und lokalen Präventionsfachkräften andererseits sowie partizipative Entwicklung passgenauer, im lokalen Quartier verankerter, präventiver Maßnahmen
  • Erhebung der Bedingungen für eine integrierte und interprofessionelle Gesundheitsversorgung in quartiersbezogenen Gesundheitszentren in Bremen im Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett aus Sicht von Nutzer:innen und Mitarbeitenden
  • Realistische Evaluation der Wirkweise präventiver Hausbesuche bei älteren Menschen und Analyse fördernder und hemmender Faktoren für deren Umsetzung
  • Analyse zu Klimafreundlichkeit und Resilienz der Versorgung, Entwicklung eines standardisierbaren Indikators zur Klimafreundlichkeit unter Verwendung von Lebenszyklus­analysen, Anwendung des Indikators auf Leistungserbringer, Ableitung von Optimierungsimpulsen

Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2021 im Auftrag der BARMER

Heute wurde in Berlin der diesjährige BARMER Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die Wirkungen der letzten Pflegereformen aufgezeigt und daraus Schlüsse für die zukünftige Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen gezogen. Aus der Anzahl und Zusammensetzung der Pflegebedürftigen wird sich entsprechend ein Personal- und Finanzierungsbedarf entwickeln. Im Jahr 2025 und in den Folgejahren wird die Anzahl der Pflegebedürftigen um 1.000.000 höher liegen als mit konventionellen Methoden vorausgesagt. Im Report wurde die aktuelle Pflegepolitik hinsichtlich der Problematik des Personalbedarfs diskutiert - insbesondere auch vor dem Hintergrund der wissenschaftlich erfassten Bedarfszahlen in der vollstationären Versorgung. Die Autoren Professor Dr. Heinz Rothgang und Dr. Rolf Müller liefern weiterhin vertiefende Untersuchungen zu Fallzahlen, Inzidenzen, Prävalenzen und Pflegeverläufen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik des Statistischen Bundesamts und die Routinedaten der BARMER.

Stark steigende Anzahl an Pflegebedürftigen

Mit der schrittweisen Berücksichtigung der kognitiven Einschränkungen für den Leistungsanspruch gegenüber der Pflegeversicherung wurde der Kreis der Leistungsberechtigten seit den 2010er Jahren zunehmend ausgeweitet. Zwischen 2017 und 2019 ist nach den Daten der Pflegestatistik die Anzahl der Pflegebedürftigen um 713.000 gestiegen. Der Anstieg beruhte mit 145.000 Fällen auf demografischen Entwicklungen und mit 568.000 Fällen auf anderen Effekten, wie sie durch die Einführung der Pflegegrade entstanden sind. Vorausberechnungen zur künftigen Anzahl der Pflegebedürftigen beruhten meistens auf der Fortschreibung aktueller Prävalenzen. Projektionen dieser Art haben durchweg die zukünftige Anzahl an Pflegebedürftigen unterschätzt. Aktuelle Berechnungen, die auf den Pflegeprävalenzen von 2019 beruhen, unterschätzen schon die Anzahl der Pflegebedürftigen des Jahres 2020 um über 6 Prozent. Die Autoren des Pflegereports gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren keine weitere Ausweitung des leistungsberechtigten Personenkreises durch weitere gesetzgeberische Maßnahmen geben wird, aber dass der Einführungseffekt der letzten Reformen nur langsam bis zum Jahr 2025 abklingt. In der Summe ergeben sich dann ab 2025 rund 1.000.000 mehr Pflegebedürftige als mit der konventionellen Schätzung. Die neueren Schätzungen weisen vor allem mehr Pflegebedürftige mit den Pflegegraden 1 bis 3 und mit Bezug von Pflegegeld aus.

Bedarf an Pflegekräften um 3 Prozent höher als konventionell geschätzt

Trotz der Vielzahl an Pflegebedürftigen mit geringen Pflegegraden wird es auch im stationären Sektor eine höhere Inanspruchnahme geben als mit konventionellen Methoden vorausberechnet. Es werden im Vergleich 3 Prozent mehr Pflegekräfte benötigt als mit konventionellen Methoden berechnet. Insgesamt wird für das Jahr 2030 ein Personalbedarf von 510.000 Pflegefachkräften, 196.000 Pflegehilfskräften mit 1- bis 2-jähriger Ausbildung und 386.000 Pflegehilfskräften ohne Ausbildung vorhergesagt. Das sind 81.000 Pflegefachkräfte, 87.000 Pflegehilfskräfte mit Ausbildung und 14.000 Pflegekräfte ohne Ausbildung mehr als durch die Pflegestatistik für das Jahr 2019 ausgewiesen. Daraus ergibt sich für 2030 im Vergleich zu 2019 ein Mehrbedarf von 182.000 Pflegekräften. Dabei ist noch anzumerken, dass die gesetzlich festgeschriebenen Zahlen zur vollstationären Personalbemessung und die vorzufindenden Verhältniszahlen im ambulanten und teilstationären Versorgung vielfach aktuell schon nicht ausreichend sind.

Leistungsausgaben der Pflegeversicherung im Jahr 2030 bei 59 Millionen Euro in heutigen Preisen

Unter der Annahme konstanter Prävalenzen steigen die Leistungsausgaben in heutigen Preisen in der Modellrechnung bis zum Jahr 2030 auf 53,0 Milliarden Euro und bis zum Jahr 2050 auf 70,6 Milliarden Euro an. Da die Annahme einer konstanten Prävalenz auf dem Niveau von 2019 aber empirisch schon für 2020 widerlegt ist, muss von einem Auslaufen der Einführungseffekte ausgegangen werden. Unter diesen Bedingungen wachsen die Leistungsausgaben in heutigen Preisen für die Pflegeversicherung bis zum Jahr 2030 auf 59,0 Milliarden Euro und bis zum Jahr 2050 auf 77,4 Milliarden Euro an. Die neuen Berechnungen decken somit schon für das Jahr 2030 eine Finanzierungslücke von weiteren 6 Milliarden Euro auf.

Benötigt wird eine Ausbildungsoffensive

Das Hauptproblem bleibt die Rekrutierung des Pflegepersonals. Den Mehrbedarf zu befriedigen, ist die zentrale Herausforderung der Pflegepolitik. Dazu muss das Ausbildungsangebot erhöht werden. Zudem muss der Beruf durch bessere Arbeitsbedingungen und höhere Entlohnung attraktiver gemacht werden. Dadurch kann es gelingen, Pflegekräfte zu einem längeren Verbleib im Beruf zu bewegen und potenzielle Auszubildende für den Beruf zu gewinnen.

Download:
BARMER Pflegereport 2021
Statement von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz
Folienvortrag von Prof. Rothgang anlässlich der Pressekonferenz


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Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
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Dr. rer. pol. Rolf Müller
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Studie soll deutsche und türkische Pflegesysteme vergleichen

Ab Mitte September bis Mitte März 2022 wird Frau Dr. Özden Güdük in der Abteilung Gesundheit, Pflege und Alterssicherung zu Gast sein. Özden Güdük ist Assistenzprofessorin im Fachbereich Gesundheitswissenschaften an der Yüksek İhtisas Unıversıtät in Ankara und arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Gesundheitsbereich. In letzter Zeit befasst sie sich neben der häuslichen Krankenpflege auch mit der Langzeitpflege und den Organisationsstrukturen der pflegerischen Versorgung und der Einbindung von Angehörigen.

In Bezug auf die Altersstruktur der Bevölkerung geht es der Türkei inzwischen ähnlich wie anderen entwickelten Ländern etwa Deutschland, Japan und Italien. Der Anteil an älteren Menschen und damit verbunden der pflegebedürftigen Älteren steigt rasant an. Als einer der Lösungsansätze wird ein Pflegeversicherungssystem eingerichtet.

In ihrem aktuellen Forschungsprojekt will Özden Güdük daher die Pflegeversicherung in Deutschland vor Ort kennenlernen, mit dem türkischen System vergleichen und auf diese Weise einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Langzeitpflege in der Türkei leisten.


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Prof. Dr. Heinz Rothgang
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Autorenteam analysiert die Wirkungen der aktuellen Pflegereform

Als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Herbst 2020 seine Vorstellung einer umfassenden und nachhaltigen Pflegereform vorlegte, waren große Teile der Fachwelt überrascht. Es sah so aus, als ob ein Kernproblem der deutschen Pflegeversicherung, die zu hohen Eigenanteile der Pflegebedürftigen bei Heimpflege, endgültig gelöst werden sollte. Durch eine abschließende Begrenzung der Eigenanteile in Höhe und Zahlungsdauer wäre endlich das Einführungsziel der Pflegeversicherung erreichbar geworden, pflegebedingte Sozialhilfeabhängigkeit zu verhindern. Hierdurch wäre dann auch der Weg zu einer Verbesserung der Pflegebedingungen frei gemacht worden, da entstehende Kosten nicht mehr zu Lasten der Pflegebedürftigen gegangen wären.

Letztlich sind von dieser großen Vision im Gesetzgebungsprozess nur noch Umrisse erhalten geblieben, die am 11.7.2021 im Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) ) durch den Bundestag verabschiedet wurden. Statt einer absoluten Begrenzung der Eigenanteile wurden im neuen § 43c SGB XI gestufte Leistungszuschläge beschlossen, durch die ab 2022 im ersten Jahre eines Heimaufenthalts 5%, im zweiten Jahr 25%, im dritten Jahr 45% und danach 70% der Eigenanteile durch die Pflegeversicherung übernommen werden. Dies entlastet zwar die Heimbewohner:innen mit langen Aufenthaltsdauern, kann aber vor allem in der ersten Zeit höhere finanzielle Belastungen der Pflegebedürftigen durch steigende Pflegesätze nicht verhindern.

In einer Expertise für die DAK Gesundheit haben Prof. Heinz Rothgang, Franziska Heinze, Thomas Kalwitzki (alle SOCIUM) und Christian Wagner (hkk, früher SOCIUM) nun berechnet, welche Effekte auf die Sozialhilfeabhängigkeit für die rund 800.000 Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen zu erwarten sind.

In einer Modellrechnung zeigt sich, dass die Leistungszuschläge in Verbindung mit der zu erwartenden Preisentwicklung der stationären Pflege nur zu einer kurzfristigen Entlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen führt. Auch in Zukunft wird daher ein erheblicher Teil der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen auf Sozialhilfe angewiesen sein. Nach einem einmaligen Rückgang 2022 ist bereits 2023 mit einem erneuten Anstieg der Sozialhilfequote zu rechnen. Schon ab 2024 ist zu erwarten, dass die Sozialhilfequote der stationär versorgten Pflegebedürftigen von 2019 überschritten wird, deren Höhe aber bereits als zu hoch bewertet wurde und die den Anstoß zur aktuellen Pflegereform lieferte. Die Modellwerte zeigen dabei, dass – ohne eine echte Begrenzung der Eigenanteile – dauerhaft mehr als ein Drittel der Pflegebedürftigen in stationärer Versorgung auf Sozialhilfe angewiesen sein wird – mit steigender Tendenz. Die Pflegereform ist damit nicht nachhaltig geeignet, die Probleme der finanziellen Überlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Familien zu lösen. Zudem entstehen in der Modellrechnung für die Pflegeversicherung reformbedingte Mehrkosten, die für 2022 um 1,1 Milliarden Euro und 2025 um 3,5 Milliarden Euro über den vom Bundesgesundheitsministerium ausgewiesenen Reformkosten liegen.

Auch für die kommende Bundesregierung bleibt daher hoher Handlungsdruck. Das Ziel einer faire Lastenverteilung zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen wartet noch immer auf Umsetzung und sollte durch eine Umsetzung der vollständigen Begrenzung der Eigenanteile und eine entsprechende Kollektivierung der Gegenfinanzierung in der kommenden Legislaturperiode endlich ermöglicht werden.


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Prof. Dr. Heinz Rothgang
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Heinz Rothgang als Sachverständiger bei Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages

Am 07.06.2021 wurde im Gesundheitsausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung über einen Gesetzentwurf der Bundesregierung für ein Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) beraten. Der schon länger diskutierte Gesetzentwurf und die Gegenäußerung der Bundesregierung wurde dabei kurzfristig durch 20 Änderungsanträge der Fraktionen CDU/CSU und SPD erweitert, die wesentliche Neuregelungen für die Pflegeversicherung vorsehen. Hierdurch wurde das im Frühjahr diesen Jahres in Entwurfsversionen bekannt gewordene umfassende Pflegereformgesetz ersetzt und nur einige in der Regierungskoalition politisch konsensfähige Einzelregelungen in das Gesetzgebungsverfahren übernommen.

Wesentliche Punkte betreffen die Ermöglichung von Mehrpersonal in stationären Einrichtungen, die Entlohnung der Pflegekräfte auf tariflichem Niveau, die Reduktion der von den Heimbewohner:innen privat zu tragenden Eigenanteile und die Refinanzierung dieser Reformmaßnahmen.

Professor Heinz Rothgang, der in den letzten Jahren umfassend Grundlagen zur Personalbemessung in stationären Einrichtungen und Konzepte zur Finanzreform der Pflegeversicherung erarbeitet hat, wurde als Sachverständiger um seine Einschätzung des GVWG gebeten.

Er betont in seiner Stellungnahme, dass die wesentliche Herausforderung des Pflegesystems aktuell ist, eine bedarfsgerechte Versorgung dauerhaft sicherzustellen. Hierzu sind vier zentrale Anforderungen zu erfüllen: Bessere Arbeitsbedingungen in der Langzeitpflege sind erforderlich, die durch einen Einsatz von Mehrpersonal entsprechend des ausgearbeiteten Personalbemessungsverfahrens und mit einer besseren Entlohnung der Pflegekräfte erreicht werden können. Da hierdurch jedoch die privat zu zahlenden Eigenanteile der Heimbewohner:innen weiter steigen werden, ist eine Regelung erforderlich, die wieder das ursprüngliche Ziel bei Einführung der Pflegeversicherung verfolgt, die Pflegebedürftigen vor pflegebedingter Sozialhilfeabhängigkeit zu schützen. Für die hierdurch wiederum entstehenden Mehrausgaben der Pflegeversicherung ist eine vollständige Gegenfinanzierung erforderlich.

Professor Rothgang sieht alle vier Punkte in den aktuellen Regelungsentwürfen nicht ausreichend umgesetzt und fordert Nachbesserungen. Die Refinanzierung von Mehrpersonal muss an den empirisch ausgewiesenen Bedarfen orientieren sein und diese nicht – wie im Entwurf des § 113c SGB XI vorgesehen – nur teilweise und unverbindlich ermöglichen. Die vorgesehene Entlohnung auf tariflichem Niveau ist notwendig, aber noch genauer zu definieren.

Vor allem zu kritisieren ist, dass die durch einen neuen § 43c SGB XI vorgesehene Bereitstellung von anteiligen Leistungszuschlägen dem Grunde nach zur Begrenzung der privat zu zahlenden Eigenanteile der Heimbewohner:innen ungeeignet ist. Es kann gezeigt werden, dass hierdurch auch zukünftig nur rund 39 % der Preissteigerungen durch die Pflegeversicherung getragen werden, während weiterhin 61 % privat durch die Pflegebedürftigen übernommen werden. Bei den weiterhin zu erwartenden steigenden Pflegekosten erfolgt hierdurch also nur eine Verlangsamung der finanziellen Überlastung, aber keine systematische Absicherung. Daher muss eine vollständige Begrenzung der Eigenanteile, wie sie im Herbst 2020 bereits von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagen wurde, erfolgen.

Schon für die vorgeschlagene Pflegereform light ist allerdings keine ausreichende Refinanzierung vorgesehen. Zwar wird erstmalig ein pauschaler Steuerzuschuss zur Pflegeversicherung eingeführt und eine Erhöhung der Einnahmen durch eine Steigerung des Beitragssatzes für Kinderlose umgesetzt, jedoch sind darüber hinaus gehende Zusatzausgaben um 0,73 Mrd. (2022) bis 1,91 Mrd. (2024) zu erwarten. Als Möglichkeit zur dauerhaften und systematischen Finanzierung der gesamten Pflegeversicherungsleistungen wäre die Weiterentwicklung der Sozialversicherung zu einer Pflegebürgerversicherung zielführend.


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Heinz Rothgang als Sachverständiger bei Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages

Am 05.05.2021 wurde im Gesundheitsausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung über mehrere Anträge der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und DIE LINKE diskutiert. Sie beschäftigen sich neben der menschenrechtskonformen Gestaltung der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Behinderungen vor allem mit einer besseren finanziellen Absicherung von pflegenden An- und Zugehörigen.

Zur besseren Absicherung während der Erwerbsphase beantragte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Stärkung der Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Beruf zu gewährleisten. Antrag PflegeZeit Plus

Hierzu soll durch mit der PflegezeitPlus eine Lohnersatzleistung analog zum Elterngeld eingeführt werden. Durch sie können erwerbstätige Personen ihre Arbeitszeit während der Übernahmen von Pflegetätigkeiten um maximal die Hälfte einer Vollzeitstelle reduzieren. Dafür soll ihnen für maximal 36 Monate eine Lohnersatzleistung in Höhe von 67% des entgehenden Nettolohns gewährt werden.

Um eine bessere Absicherung nach der Erwerbsphase herzustellen beantragte die Fraktion DIE LINKE einen Ausbau der Rentenversicherungsansprüche für pflegende Angehörige.

Dazu sollen die Rentenversicherungsbeiträge erhöht und für alle Pflegepersonen – unabhängig von Erwerbstätigkeit oder Rentenbezug – verbindlich abgeführt werden. Antrag Rentenplus

Professor Heinz Rothgang wurde als Sachverständiger um seine Einschätzung der gestellten Anträge gebeten. Er betont in seiner Stellungnahme, dass die verbesserte finanzielle Absicherung von Pflegepersonen zur Stabilisierung informeller Pflegepotenziale dringend geboten ist, die konkreten Umsetzungsvorschläge dafür aber nicht uneingeschränkt empfohlen werden können. Die PflegezeitPlus stellt als Lohnersatzleistung einen Bezug zu dem durch Pflegeübernahme entstehenden Einkommensverzicht her. Dies kann einer effiziente Ressourcenallokation zuwiderlaufen, da implizit die Leistungserbringung durch überqualifizierte Personen angereizt wird. Dies ist nur dann zu fördern, wenn hierdurch als gesamtgesellschaftlicher Wert die Pflege durch bestehende Bezugspersonen betont werden soll. Diese Problematik kann umgangen werden, indem die erforderlichen Finanztransfers stattdessen relativ zu verbindlichen Leistungsübernahmen festgelegt werden, deren Bewertung über das Postulat gleicher Entlohnung für gleiche Arbeit erfolgen kann. Die vorgeschlagenen Änderungen in Bezug auf Rentenansprüche sind als einfacher und – insbesondere für schon verrentete Personen – gerechter zu bewerten, wenn damit eine Ausweitung der Honorierung von Pflegeübernahme erfolgen soll. In Bezug auf die Absicherung gegen pflege(übernahme)bedingte Altersarmut, gehen die vorgeschlagenen Regelungen über das erforderliche Maß hinaus.

 


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Expertise von Prof. Heinz Rothgang zeigt Effekte der für 2021 geplanten Pflegereform

Die Pflegeversicherung wurde vor 25 Jahren eingeführt, um pflegebedingte Sozialhilfeabhängigkeit zu reduzieren. Dies gelingt im Zeitverlauf zunehmend schlechter, so dass ein Großteil der Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen durch ihre Eigenanteile finanziell überfordert ist und auf Vermögensverzehr und Sozialhilfe angewiesen ist. Diese Fehlentwicklung hat zu einer aktiven Diskussion um die Notwendigkeit systematischer Änderungen der Pflege­versicherung geführt, die am 4. November 2020 in ein Eck­punktepapier des Bundesgesundheitsministeriums gemündet sind. Es wurde angekündigt, die Finanzierung der stationären Pflege mit drei Reformelementen zu erneuern: Erstens sollen die Eigenanteile für pflege­bedingte Kosten und Aus­bil­dungskosten in der Höhe und zweitens auch in der Zahlungsdauer begrenzt werden und drittens soll eine Teilübernahme der bisher privat aufzubringenden Investitionskosten durch die Länder erfolgen.

In einer Expertise für die DAK Gesundheit hat Prof. Heinz Rothgang nun mit einem Forscher:innenteam berechnet, welche Effekte durch die Reformelemente für die rund 780.000 Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen zu erwarten sind. Es zeigt sich, dass die strukturelle Neuord­nung der Pflegefinanzie­rung im Zeitverlauf zu einer deutlichen Verringerung der Sozialhilfeempfänger:innen führen wird und auch die Zahl der Personen deutlich reduziert, die ihre Heimkosten nur durch Vermögensverzehr fi­nan­­zieren können. So wird sich der Anteil der Pflegebedürftigen, die nach drei Jahren Heimaufenthalt ihre Heimkosten noch oder wieder aus ihren laufenden Einnahmen decken können, auf 72 Prozent mehr als verdoppelt. Selbst bei einer Steigerung der Pflegesätze um 10 Prozent wird die Quote der Empfänger von Hilfe zur Pflege um rund ein Drittel auf 24,7 Prozent sinken. Damit werden fast 100.000 Pflegebedürftige vor der Sozialhilfeabhängigkeit bewahrt und ihr Anteil sinkt weit un­ter die Sozialhilfequoten der letzten zwanzig Jahre. In der Summe ist zu erwarten, dass zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Reform rund 90 Prozent der Heimbe­wohner:innen finanziell entlastet wer­den. Für alle zukünftigen Heim­bewohneri:nnen wäre dann zudem die Gesamthöhe des pflegebedingten Eigen­anteils erstmals bekannt und damit einer kalkulierten Vor­sor­ge zugänglich.

Es entstehen di­rek­te Entlastungen für die Sozialhilfeträger in Höhe von über 2 Milliarden Euro, die die Belastungen durch die anteilige Investitionskosten­finan­zierung von weniger als einer Milliarde bei weitem übertreffen. Die Ausgaben der Pflegeversicherung steigen um gut 5 Mrd. Euro pro Jahr, realisieren da­mit allerdings sowohl bessere Löhne für die Pflegenden als auch erstmalig eine systematische Ab­sicherung der Pfle­gebedürfti­gen gegen pflegebe­dingte Verarmung.

Die in Aussicht gestellten Reformelemente sind damit umfassend dazu geeignet, die Situation der aktuellen und zukünftigen Pflegebedürftigen zu verbessern und erstmals eine umfassende Absiche­rung gegen das Risiko der pflegebedingten Sozialhilfeabhängigkeit zu gewährleisten.

 


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Autorenteam des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen erstellt Pflegereport 2020 im Auftrag der BARMER

Heute wurde im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz der diesjährige BARMER Pflegereport vorgestellt. Darin wurden insbesondere die Belastungssituationen und die Gesundheitszustände von Pflegekräften analysiert. Durch überdurchschnittliche Krankheitslast ging im Jahr 2017 die Arbeitszeit von 26.000 Pflegekräften verloren. Im Report wurde die aktuelle Pflegepolitik hinsichtlich der Problematik des Pflegenotstands diskutiert - insbesondere auch vor dem Hintergrund zusätzlicher Belastungen durch die Corona-Pandemie. Die Autoren Professor Dr. Heinz Rothgang, Dr. Rolf Müller und Benedikt Preuß liefern weiterhin vertiefende Untersuchungen zu Fallzahlen, Inzidenzen, Prävalenzen und Pflegeverläufen. Wesentliche Datengrundlagen sind die Pflegestatistik des Statistischen Bundesamts und die Routinedaten der BARMER.

Vielfach erhöhte Belastungen in der Pflege

Für Pflegekräfte wurden in vielen Bereichen erhöhte Belastungen festgestellt. Rund 92 Prozent der Altenpflegefachkräfte arbeiten häufig im Stehen (im Vergleich zu 47 Prozent in sonstigen Berufen) Häufiges Heben und Tragen von schweren Lasten wird von 76 Prozent der Altenpflegefachkräfte berichtet (gegenüber 15 Prozent in sonstigen Berufen). Deutlich häufiger ist zudem das Arbeiten in Zwangshaltungen (45 Prozent zu 11 Prozent). Von den Altenpflegefachkräften geben 52 Prozent an, häufig Vorschriften bezüglich der Mindestleistung oder der Zeit für bestimmte Arbeiten zu haben (im Vergleich zu 27 Prozent in den sonstigen Berufen). Häufig unter Termin- und Leistungsdruck stehen 63 Prozent (Vergleichsgruppe: 50 Prozent). Dass sie häufig sehr schnell arbeiten zu müssen, berichten 53 Prozent im Vergleich zu 39 Prozent der sonstigen Beschäftigten und 31 Prozent der Altenpflegefachkräfte geben an, häufig bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit zu gehen (16 Prozent bei den sonstigen Berufen). All dies wird von den Pflegekräften auch häufiger als belastend empfunden als von den Beschäftigten in sonstigen Berufen.

Schlechterer Gesundheitszustand bei Pflegekräften

Korrespondierend zur Arbeitsbelastung stellen die Autoren des Reports für Pflegekräfte einen insgesamt schlechteren Gesundheitszustand fest. Dieser Zusammenhang zeigt sich bei allen angewandten Messverfahren. Sowohl aus Befragungsergebnissen als auch bei den Analysen der ambulanten Diagnosen, der Fehlzeiten, der Arzneimittelverordnungen und der Krankenhausaufenthalte sind Pflegekräfte bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und bei den psychischen und Verhaltensstörungen in höherem Ausmaß betroffen. Obwohl die Belastungen von Altenpflegefachkräften und Altenpflegehilfskräften sich in vielen Bereichen sehr ähneln, ist der Gesundheitszustand der Hilfskräfte schlechter als der der Fachkräfte.

Sehr viel Pflegepersonal fällt krankheitsbedingt aus.

Für Altenpflegefachkräfte wurde ein Krankenstand von 7,2 Prozent ermittelt. Bei den entsprechenden Hilfskräften lag dieser sogar bei 8,7 Prozent. In den sonstigen Berufen wurde dagegen ein Krankenstand von 5,0 Prozent verzeichnet. Aus der Multiplikation der Differenz im Krankenstand mit der Zahl der beschäftigten Pflegekräfte resultiert die (Arbeitszeit, die überdurchschnittlich durch krankheitsbedingte Fehlzeiten am Arbeitsplatz verloren ging). Diese überdurchschnittlich verlorengegangene Arbeitszeit beläuft sich auf das Ausmaß der Arbeitszeit von gut 24.000 Pflegekräften im Jahr 2017.
Von 1.000 Altenpflegefachkräften gehen durchschnittlich 3,9 innerhalb eines Jahres in die Erwerbsminderungsrente, bei den Altenpflegehilfskräften sind es 6,0 von 1.000 und bei den sonstigen Berufen 3,0 von 1.000. Aus der überdurchschnittlichen Frühverrentung resultieren fast 2.000 verlorene Pflegekräfte im Jahr 2017. In der Summe von überdurchschnittlichen krankheitsbedingten Fehlzeiten und überdurchschnittlichen Eintritten in die Erwerbsminderungsrente ergibt sich das Ausmaß der Erwerbszeit von 26.000 Pflegekräften, die allein im Jahr 2017 verloren ging.

Kein Weg führt an mehr Personal vorbei.

Derzeit ist die eingesetzte Pflegepersonalmenge nicht ausreichend, um eine fachgerechte Pflege und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal zu gewährleisten. Die resultierende Arbeitsverdichtung führt zu einer überdurchschnittlichen Belastung und zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen. Die daraus entstehenden vermehrten Fehlzeiten und Berufsaustritte verstärken den Pflegenotstand. Dies führt für die verbleibenden Pflegekräfte wiederum zur Erhöhung der Arbeitsbelastung. „Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen“, fordern die Autoren der Studie, „wenn die Pflege dauerhaft qualitätsgesichert geleistet werden soll. Dafür braucht es mehr Personal.“

Download:
BARMER Pflegereport 2020
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Heinz Rothgang als Sachverständiger bei Anhörung zum Gesetz zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege

Am 16.11.20 wurde im Gesundheitsausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung über den aktuellen Entwurf für ein Gesetz zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege (GPVG) beraten. Neben einigen Regelungen, die sich mit Bewältigung der Corona-Pandemie und der Versorgung in speziellen medizinischen Bereichen beschäftigen, wird pflegepolitisch die Verbesserung der Personalausstattung in Pflegeheimen umgesetzt. Diese Maßnahme ermöglicht 20.000 zusätzliche Pflegeassistenzkräfte und schließt direkt an die Ergebnisse des an der Uni Bremen durchgeführten Projekts zur Entwicklung eines einheitlichen Personalbemessungsverfahrens in Pflegeeinrichtungen an.

Den Link zur Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags finden Sie hier.

Professor Heinz Rothgang wurde als Sachverständiger zur Umsetzung der Personalmehrungen und zu den erforderlichen Rahmenbedingungen gehört. Er betont in seiner Stellungnahme, dass die im GPVG enthaltenen pflegegradbezogenen zusätzlichen Personalanteile in ihrer Relation den empirischen Bedarfen entsprechen, im Ganzen jedoch nur etwa 17% des erforderlichen Mehrpersonals damit in die Einrichtungen gebracht werde. Das GPVG ist damit in seiner Ausgestaltung sehr zu begrüßen, kann aber nur als erster Schritt eines mehrstufigen Gesamtplans angesehen werden. Dass durch die Personalmehrung keine zusätzliche finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen entsteht, sei sowohl sachgerecht, wie auch als Voraussetzung weiterer Schritte unverzichtbar. Erforderlich sei aber nun eine Gesamtstrategie, in der verbindliche Termine und Umfänge weitere Stufen festgelegt werden und die eine hieran angelehnte Ausbildungsoffensive für Pflegeassistenzkräfte ermöglicht. Zusätzlich solle sobald wie möglich in Modellprojekten die Integration der sich verändernden Personalmixe in die Einrichtungen erprobt werden, um so auch organisationell eine Weiterentwicklung der Pflegeheime erreichen zu können.


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Entwicklung und Erprobung eines einheitlichen Verfahrens erfolgreich abgeschlossen

Ausreichendes und qualifiziertes Personal ist in Pflegeeinrichtungen eines der wichtigsten Strukturmerkmale um gute Pflegequalität zu erzielen. Dennoch war bisher weder bekannt, welche Personalmengen bedarfsnotwendig sind, noch welcher Mix aus Pflegefach- und -assistenzkräften zur fachgerechten Versorgung erforderlich ist.
 
Ein Forscherteam der Universität Bremen unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Rothgang hat zur Klärung dieser Fragen im Jahre 2017 einen Entwicklungsauftrag der deutschen Pflegeselbstverwaltung erhalten. Das praktische Ziel war es, ein bundesweit einheitliches Verfahren zur Bemessung von Pflegepersonal wissenschaftlich fundiert zu entwickeln. 
 
Am 23.09.2020 ist die Abnahme und Veröffentlichung des Abschlussberichts erfolgt. Das Projekt ist damit abgeschlossen und das Personalbemessungsinstrument bereit für eine gestufte Einführung. Eine vollständige Umsetzung wird in stationären Einrichtungen der Langzeitpflege zu Mehrpersonal von zusätzlich gut einem Drittel der heutigen Belegschaft führen. Dabei werden hierzu weit überwiegend Pflegeassistenzkräfte mit einer Ausbildung im Umfang von 1 oder 2 Jahren nach Landesrecht einzusetzen sein.
 

Ein erster Einführungsschritt mit dem das Personalbemessungsverfahren in die Pflegeversicherung übernommen wird, ist bereits im Gesetzgebungsverfahren. So sollen mit dem Versorgungsverbesserungsgesetz zum 1.1.2021 bis zu 20.000 zusätzliche Pflegeassistenzkraftstellen besetzt werden können.


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