Emmy Noether-Gruppe

Die von der DFG geförderte Nachwuchsforschungsgruppe (Laufzeit 2010 bis 2017) beschäftigt sich unter der Leitung von Simone Scherger empirisch fundiert und ländervergleichend für Deutschland und Großbritannien mit Erwerbstätigkeit im Rentenalter bzw. nach dem Übergang in den Ruhestand. Dabei werden sowohl quantitativ-statistische als auch qualitativ-sinnrekonstruktive Methoden verwendet, und auch die rahmenden Institutionen und Diskurse werden untersucht.
v.l.n.r.: Steffen Hagemann, Simone Scherger, Anna Hokema, Thomas Luxv.l.n.r.: Steffen Hagemann, Simone Scherger, Anna Hokema, Thomas Lux

Die Nachwuchsforschungsgruppe Erwerbsarbeit jenseits der Rentengrenze in Deutschland und Großbritannien untersucht Erwerbstätigkeit im Ruhestand empirisch fundiert und ländervergleichend. Das Projekt analysiert Vorkommen, Strukturen und Bedingungen dieser Erwerbstätigkeit, aber auch die biographische Erfahrung und (Be-)Deutung dieser sowie die rahmenden Debatten um Alter, Arbeit und Altersvorsorge. Die Forschungsgruppe wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Emmy Noether-Programms gefördert (Laufzeit: 2010 bis 2017).

Bezahlte Erwerbstätigkeit im Ruhestand stellt eine bisher atypische, aber immer häufiger auftretende Kombination von Erwerbstätigkeit, Zahlungen aus (mindestens) einer Altersrente und Lebensalter dar. Im ersten Teilprojekt der Forschungsgruppe werden erstens mittels quantitativer Sekundärdatenanalysen Vorkommen und Strukturen von Erwerbstätigkeit im Ruhestand untersucht. So kann geklärt werden, welche individuellen sozialstrukturellen Merkmale und welche erwerbs- und familienbiographischen Konstellationen dazu führen, dass Rentner noch erwerbstätig sind, und welche Effekte Erwerbstätigkeit im Ruhestand auf Gesundheit und Lebenszufriedenheit hat. Im zweiten Teilprojekt wird auf Basis problemzentrierter Interviews mit Erwerbstätigen im Ruhestand rekonstruiert, wie diese mit den institutionellen Vorgaben umgehen und welche individuelle biographische Bedeutung bezahlte Arbeit für sie hat.

Das dritte Teilprojekt beschäftigt sich mit den wohlfahrtsstaatlichen Traditionen und den institutionellen Arrangements, die sich auf Erwerbstätigkeit im Alter beziehen, und den mit ihrem Wandel befassten gesellschaftlichen Diskursen, in denen unterschiedliche kollektive und korporative Akteure um Arbeit im Alter und um zukünftige Formen der Altersvorsorge streiten. Diese Diskurse werden anhand von Experteninterviews (mit Vertretern kollektiver und korporativer Akteure in beiden Ländern) und Textdokumenten (vor allem Stellungsnahmen der beteiligten Akteure) analysiert, wobei qualitative, sinnrekonstruktive Methoden zum Einsatz kommen. Dabei werden sozial verankerte Vorstellungen zu Alter, Arbeit und Altersvorsorge fokussiert, insbesondere die verwendeten normativen Leitkonzepte (z.B. Gerechtigkeit in verschiedenen Spielarten) und Zuschreibungen von (individueller oder kollektiver) Verantwortlichkeit.

Die Untersuchung von Erwerbstätigkeit im Ruhestand dient so dazu, das Zusammenspiel individuellen biographischen Handelns und wohlfahrtsstaatlicher Institutionen besser zu verstehen, und zwar vor dem Hintergrund sich wandelnder demographischer und institutioneller Bedingungen. Der Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien lässt dabei den Einfluss unterschiedlicher institutioneller Bedingungen und wohlfahrtsstaatlicher Traditionen hervortreten, und die Kombination quantitativer und qualitativer Methoden ermöglicht den Dialog zwischen struktur- und handlungsorientierten Perspektiven.

Teilprojekte der Emmy Noether-Nachwuchsforschungsgruppe

  • Projektleitung
    Simone Scherger

  • Teilprojekt 1
    Erwerbstätigkeit im Ruhestand - Ausmaß, strukturelle und biographische Bedingungen sowie Effekte im Spiegel quantitativer Sekundärdatenanalysen
    Thomas Lux

  • Teilprojekt 2
    Individuelle Erfahrungen und biographische (Be-)Deutungen von Erwerbstätigkeit im Ruhestand - Untersuchung anhand von problemzentrierten Interviews
    Anna Hokema

  • Teilprojekt 3
    Gesellschaftliche Diskurse zu Arbeit im Alter und Altersvorsorge: Normative Begründungen und Zuschreibungen von Verantwortlichkeit im Wohlfahrtsstaat
    Steffen Hagemann